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Schwarzkopf

1970er Jahre Zeppelin II bei Nacht. © Foto- und Dokumentensammlung Rosenzweig

Firmendaten SCHWARZKOPF sen. Wagner- und Stellmacherbetrieb  ±1920-1960.
ANTON SCHWARZKOPF Karosseriebau 1960-1993.

Anton Schwarzkopf wurde am 8. Juli 1924 im schwäbischen Behlingen geboren. Nachdem der Vater zum Kriegsdienst eingezogen worden war, brach Sohn Anton mit fünfzehn Jahren die Wagnerei-Lehre ab und arbeitete gemeinsam mit weiteren sieben Brüdern im Wagner- und Stellmacherbetrieb des Vaters in Münsterhausen. (Lanfer 2002. S. 54)
Der Vater hatte Kontakte zu Schaustellern und Zirkusleuten, für die er bereits einige Wohnwagen und Spezialtransporte gebaut hatte.
Im Kriegsjahr 1941 erhielt die Firma Aufträge der Wehrmacht.
Nach dem Zweiten Weltkrieg beendete Anton Schwarzkopf seine Lehre mit der Meisterprüfung im Karosseriebau.
1948 baute die Firma Schwarzkopf den gesamten Wagenpark und die Eingangsfassade des Circus Krone. (Lanfer 2002. S. 54)

Nach einigen Reparaturen und Umbauten an Schaustellergeschäften nahmen zwei Schaustellerfirmen, Löffelhardt und Willenborg, Kontakt zu Schwarzkopf auf, um den Umbau ihrer Geschäfte in Auftrag zu geben. Aufgrund der erfolgreichen Zusammenarbeit ermutigte Gottlieb Löffelhardt den jungen Anton Schwarzkopf, sich neben den Renovierungen und Umbauten auch neuen Bauaufgaben und eigenen Konstruktionen zuzuwenden.
1954 begann die Planung der Düsenspirale (Ramus 2013. Kat. Nr. 39) für Löffelhardt.
Es sollte eine Kombination von Achterbahn und Geisterbahn werden. Die Bauphase umfasste drei Jahre. Es stellte sich heraus, dass die Anlage für den mobilen Auf- und Abbau zu aufwendig konstruiert war. Nach einigen Jahren auf den deutschen Volksfestplätzen fand sie von 1962 bis 1968 einen stationären Standplatz im Wiener Prater. Der Verbleib ist nicht bekannt.

1960 übernahm Anton Schwarzkopf den elterlichen Betrieb mit etwa 30 Mitarbeitern. Einige seiner Geschwister blieben ebenfalls der Schaustellerbranche verbunden. So sein Bruder Franz, der als Geschäftsführer die Düsenspirale betrieb. Ab 1970 stand Franz Schwarzkopf gemeinsam mit einem weiteren Bruder der Firma Josef Zierer als technischer Berater zur Seite. (Lanfer 2002. S. 55)

Nach Fertigstellung der Düsenspirale hatte Anton Schwarzkopf bereits mit dem Bau von Karussells begonnen. Angeregt durch den Abschuss und Eintritt des Erdsatelliten „Sputnik 1“ in die Erdumlaufbahn, konstruierte er zahlreiche Flugkarussells, die im Katalog vorgestellt werden: 1958 den Sputnik (Ramus 2013. Kat. Nr. 44), 1969/71 Zeppelin I und II (Ramus 2013. Kat. Nr. 56), 1973 die Enterprise (Ramus 2013. Kat. Nr. 62) sowie 1976 den Alpenblitz (Ramus 2013. Kat. Nr. 65).

Nebenbei sicherte sich Schwarzkopf Mitte der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts für etwa zehn Jahre ein regelmäßiges Einkommen durch die Produktion von Betonmischtrommeln. (Lanfer 2002. S. 55)
Schwarzkopfs Priorität lag allerdings weiterhin auf der Konstruktion von Schaustellergeschäften.
1960 hatte er den Calypso (Ramus 2013. Kat. Nr. 41) gebaut, der zuvor von Heinrich Mack konstruiert worden war. Es folgten weitere eigene Objekte:
Ab 1965 wurde die Bayernkurve (Ramus 2013. Kat. Nr. 51) etwa 50-mal für nationale und internationale Kunden gebaut.
1971 folgte eine weitere Variante des Polyps, Monster II (Ramus 2013. Kat. Nr. 52) genannt.
1974 wurden vom Alpenblitz (Ramus 2013. Kat. Nr. 65) drei Ausführungen gebaut.
1977 der Melody Swing, 1978 die Santa Maria (Schiff), (Ramus 2013. Kat. Nr. 69), 1979 das Monster III (Ramus 2013. Kat. Nr. 52) und andere.
Als eigentliches Lebenswerk des Autodidakten Anton Schwarzkopf ist jedoch der Bau von Achterbahnen zu nennen. Der Einstieg erfolgte durch die Schaustellerfirma Josef Schippers & Otto van der Ville, die eigentlich einen Autoskooter aus Stahl in Auftrag geben wollten. (Lanfer 2002. S. 56)
Bei der Planung machten Anton Schwarzkopf und Schippers und van der Ville die Bekanntschaft mit dem jungen Diplomingenieur Werner Stengel. Daraus folgte, dass Schippers, van der Ville und Schwarzkopf mehrfach nach Italien reisten, wo seit 1957 die Firma Pinfari Stahlachterbahnen baute. (Lanfer 2002. S. 56)

Schwarzkopf fand gemeinsam mit Stengel bahnbrechende Lösungen der komplizierten und komplexen Berechnungen für Statik und Dynamik von Stahlachterbahnen. Schwarzkopf hatte eine Biegemaschine entwickelt, die es ermöglichte, Stahlrohre sowohl im kalten als auch im warmen Zustand zu biegen. (Hans-Josef Schoeneseifen)

1964 wurde die erste in Deutschland konstruierte Stahlachterbahn, Wild Cat, mit einer Fahrstrecke von 450 Metern fertiggestellt. Damit wurde eine neue internationale Ära für die Nutzung von Stahl im Schaustellergewerbe eingeläutet. Etwa weitere 20 gleiche Anlagen wurden verkauft.
Wegen des hohen Auftragsvolumens baute Schwarzkopf auf seinem Firmengelände die „weltweit größte[n] stützenfreie[n] Traglufthalle[n] mit den Maßen 121 m x 35 m und 24 m Höhe“. (Lanfer 2002. S. 60) So mussten auch in den kalten Jahreszeiten die Arbeiten an neuen Schienenführungen nicht unterbrochen werden.

Anton Schwarzkopf war der Konstruktion seiner Achterbahnen auch emotional sehr verbunden, und er war immer der Erste, der die neue Achterbahn als Fahrgast testete.
Anfang der 1970er Jahre beschäftigte Anton Schwarzkopf etwa 200 bis 250 Mitarbeiter, mit denen er in den nächsten Jahren viele konstruktiv und formal differenzierte Achterbahnen baute.
Von dem Modell Jet Star wurden etwa 15 Anlagen gebaut.
Es folgten Jet Star 2, City Jet, Jet Star 3 und Jumbo Jet.
Im Jahr 1977 wurde der erste Shuttle Loop, auch American Loop genannt, konstruiert.
Dem folgten 1978 der Doppellooping, 1984 der Dreierlooping und 1989 der Fünferlooping.  In das geschlossene Schienensystem wurden drei senkrecht stehende Kreise/Loopings eingefügt. Die Anzahl der Kreise wurde später namengebend für die Kurzform dieses Achterbahntypus.

Die Firma Anton Schwarzkopf wurde im Ausland durch die Firma intamin repräsentiert und lieferte Achterbahnen in die Vergnügungsparks der ganzen Welt, so zum Beispiel 1975 den Looping Racer in den kalifornischen Park „Six Flags Magic Mountain“ oder die Grand Canyon Bahn in den „Freizeitpark Slagharen Niederlande“ und viele mehr.

Neben Schwarzkopf gab es nur einen einzigen Konkurrenten im Achterbahnbau, Arrow Development aus Kalifornien. Beide wollten die höchste oder die schnellste Achterbahn konstruieren. (Lanfer 2002. S. 60)
Schwarzkopf war sehr risikofreudig und führte Objekte auf „Biegen und Brechen zur Produktionsreife“. (Lanfer 2002. S. 60) Neben den genannten Fahrgeschäften baute er für die „Bundesgartenschau 1969 in Dortmund“ auch ein 40 Meter hohes Riesenrad.
1979 folgte ein 50 Meter hohes Rad für die Firma Willenborg. (Lanfer 2002. S. 57)

Der Mensch Anton Schwarzkopf galt als typischer Schwabe und war in seiner Heimatstadt sehr beliebt. Er war nicht nur der größte Arbeitgeber der Region, sondern stellte auch ungelernte Hilfskräfte ein.
In den 1960er und 1970er Jahren war er zweiter Bürgermeister von Münsterhausen und Ehrenmitglied in verschiedenen Vereinen. (Lanfer 2002. S. 62) Als Unternehmer hatte Anton Schwarzkopf jedoch keine glückliche Hand.

„Trotz 14 Millionen DM Auftragsbestand – kam es zum Jahreswechsel 1982/83 zum ersten Liquiditätsengpass.“ (Lanfer 2002. S. 61)

Ein geplatzter Großauftrag aus Venezuela sowie einige nicht realisierbare Aufträge in Deutschland führten 1983 zum ersten Konkurs. (Lanfer 2002. S. 61)
Zu diesem Zeitpunkt waren gerade die Alpinabahn für Oscar Bruch ausgeliefert, der Auftrag für den Dreierlooping abgeschlossen und der Viererlooping in Planung.

Herbert Breidenbach übernahm die Firma Schwarzkopf. Die Firmenübernahme endete jedoch ein Jahr später mit dem Freitod Breidenbachs. (Lanfer 2002. S. 61)

Ein Verwalter wurde eingesetzt. Noch während der Viererlooping Thriller, der unter dem Namen Texas Tornado in dem Park „Six Flags Astroworld, USA“ jetzt noch in Betrieb ist, für den deutschen Schausteller Oscar Bruch in der Produktion war, gab es einen „Konkurs im Konkurs“. (Lanfer 2002. S. 60) Die Anlage wurde von der Firma Bayerische Berg-, Hütten- und Salzwerke AG, kurz BHS genannt, in Peißenberg fertiggestellt.

Das ehemalige Werksgelände in Münsterhausen wurde 1989 für kurze Zeit Eigentum der Firma Stein, die auch einige der ehemaligen Angestellten der Firma Schwarzkopf übernahm. Hier wurden unter anderem einige Umbauten getätigt und das Monster III sowie eine große, transportable Indoor-Schienenbahn, Magic Mountains (Ramus 2013. Kat. Nr. 85), für die Schaustellerfirma Renoldi fertiggestellt. 1992 wurde die ehemalige Firma Schwarzkopf von der Brückenbaufirma Maurer & Söhne aus München übernommen. (Lanfer 2002. S. 61)

Anton Schwarzkopf hatte bereits 1984 wieder ein kleines Konstruktionsbüro gegründet, in dem er mit wenigen Mitarbeitern Anlagen für die Firmen bhs, Zierer, Maurer & Söhne und auch für Heinrich Mack entwickelte, darunter war auch der Fünfer-Olympia-Looping der Schaustellerfirma Rudolf Barth aus Bonn.

Schwarzkopfs Sohn Wieland machte sich als Vertretung für Service und Ersatzteile von bestehenden Schwarzkopf-Anlagen selbstständig.
1993 ging Anton Schwarzkopf in den Ruhestand. Im Januar 1996 wurde er auf der „Fachmesse Interschau in München“ mit dem Ehrenpreis des „Verbandes der Deutschen Vergnügungsanlagenhersteller“ ausgezeichnet. Er verstarb am 30. Juli 2001.

© Margit Ramus

Dazu Schaustellergeschäfte im Archiv Kulturgut Volksfest:

Alpenblitz
Monster 2
Monster 3
Zeppelin

 

Ramus 2013.
Homepage von Michael Pantenburg unter www.schwarzkopf-coaster.net.
Mit seinem Einverständnis wurden einige allgemeine Informationen übernommen.
Lanfer 2002.
Gespräche der Verfasserin mit ihrem Bruder Hans-Josef Schoeneseifen.
Die Familie gab 1970 eine Achterbahn und 1979 den Alpenblitz bei Schwarzkopf in Auftrag.

Schützmannsky, Klaus: Roller Coaster Der Achterbahn-Designer. 2008.

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