Schausteller Einführung

Die Träger der Deutschen Volksfest-Kultur sind die Schausteller und Schaustellerinnen, ohne sie sind die modernen Volksfeste nicht denkbar!
In Deutschland bereisen etwa 5300 Schaustellerunternehmen mit ca.12300 Schaustellergeschäften die etwa 9750 großen und kleinen Volksfeste. Teilweise führt sie ihre Saison auch über nationale Grenzen hinweg.
Überwiegend als Familienbetriebe agierend ist ihnen mit der Unterstützung der beiden Schausteller-Dachorganisationen DSB und BSM die erfolgreiche Entwicklung der Volksfest-Kultur zu verdanken. 
Schausteller sind eine Berufsgruppe von mittelständischen Gewerbetreibenden, die sich aus Handwerkern wie: Schlosser, Schreiner, Bäcker, Metzger, Handels- und Marktleuten entwickelt hat. 

Zu den heutigen Schaustellern gehören auch die Komödianten. Sie bilden gemeinsam mit den Schaustellern die Schaustellerbranche und bezeichnen sich selbst ebenfalls als Schausteller. Durch Heirat sind beide Gruppen mittlerweile miteinander verschmolzen und eine Differenzierung ist oft nicht mehr möglich.
Die Wurzeln der Komödianten reichen bis ins frühe Mittelalter zurück. Auch sie zogen von Jahrmarkt zu Jahrmarkt. 
Komödianten bereicherten mit Tanz, Gesang, Menagerien und sonstigen artistischen Darstellungen den mittelalterlichen Markt bis ins 20. Jahrhundert.
Viele Komödianten haben sich bis heute eine eigene Lebensphilosophie, oft mit besonderer Neigung zu Musik und Tanz, oder auch sprachliche Eigentümlichkeiten über Generationen hinweg erhalten. 
Sie haben bis nach dem Zweiten Weltkrieg oft als Artisten in Kleinzirkusunternehmen oder in Menagerien gearbeitet. Erst später wechselten manche den Erwerbszweig und stiegen ins Schaustellergewerbe um. Meist besitzen sie Belustigungs-, Spiel- oder Verkaufsgeschäfte. Fahrgeschäfte werden größtenteils von Schaustellern betrieben. 

In das Schaustellergewerbe wird man meist geboren und die Kinder führen das Geschäft der Eltern fast immer fort. Quereinsteiger sind wegen der besonderen mobilen Lebensform eher selten. Ausnahmen sind jedoch nicht ausgeschlossen.
Dennoch gab und gibt es Quereinsteiger durch Heirat. In den 1960/70er Jahren heirateten Söhne aus Schaustellerfamilien junge Frauen, die nicht aus der Berufsgruppe stammten. Heutzutage ist dies eher seltener geworden. Umgekehrt ist es kaum bekannt. 
Es gab in der Vergangenheit auch Quereinsteiger, die durch ihr handwerkliches Können im Schaustellergewerbe Fuß fassten und ihre Aufgaben voll und ganz erfüllten, z.B. Bäcker deren Nachkommen noch heute mit einer Waffelbäckerei auf vielen deutschen Volksfesten vertreten sind. Auch bei den Imbissbetrieben finden sich in früheren Generationen Metzger, die eine andere Lebensform einschlugen und ihr Handwerk mobil ausführten und an ihre Kinder weitergegeben haben. Dazu fand die Verfasserin auch ein Beispiel aus einer handschriftlich verfassten Familienaufstellung von Maria Schoeneseifen geborene Milz (Mutter der Verfasserin) in der sie schreibt:

„Die Schaustellerfamilie Tusch aus Krefeld hatte 1902 in einer Karussellfabrik in Thüringen [Bothmann] ein Dampfkarussell bestellt (das erste dieser Art). Es wurde zum Pützchens Markt geliefert.
Es kamen zwei Monteure, die für den technischen Ablauf verantwortlich waren. Eduard Hellmann und Eduard Schmitz. Beide verliebten sich in die beiden ältesten Töchter und heirateten sie. Einer von ihnen war Eduard Hellmann.“ [der Großvater mütterlicherseits von Maria Schoeneseifen] 

In der Tradition der Schausteller und Schaustellerinnen werden seit vielen Generationen das Wissen und die Erfahrungen innerhalb der Familie weitergegeben und auch an ihre oft langjährigen Betriebsangehörigen weiter.
Die berufsbedingte temporäre Mobilität, das Beherrschen traditioneller Handwerkstechniken zum Auf- und Abbau, Reparaturen und Renovierungen ihrer Geschäfte, zur Herstellung von Waren und deren Weiterentwicklung, sowie alle Arten von Werbung bis zu Animationen an Karussells und Spielgeschäften, die für die Atmosphäre auf einem Volksfest prägend sind,  all diese Praktiken haben sie jahrelang entwickelt und perfektioniert. 

Aufgrund ihrer Erfahrungen mit Naturereignissen, können sie mit Wetterlagen und klimatische Besonderheiten verantwortungsbewusst,  zur Sicherheit der Besucher, der eigenen Familien und ihren Geschäften umgehen.
Die Schausteller und Schaustellerinnen sind wie bereits gesagt, die Träger der Volksfest-Kultur. Sie kooperieren kreativ mit den Festveranstaltern. Mit ihrer Hilfe werden die Volksfeste gestaltet und mit den neusten Entwicklungen in Technik, kunstvoller Ausstattung der Schaustellergeschäfte fortwährend aktualisiert, um den Volksfestbesuchern immer wieder den aktuellsten Nervenkitzel zu bieten.

Für die Schausteller bedeutet das Familiengeschäft Traditionspflege, Hingabe, Familienbewusstsein, Zusammengehörigkeitsgefühl und Identifikation mit dem Beruf. Sie werden von den beiden Dachorganisationen DSB und BSM unterstützt, ohne deren Öffentlichkeitsarbeit die Volksfeste in der heutigen Form gar nicht mehr durchführbar wären. Gemeinsam auch mit den über ganz Deutschland verteilten regionalen Berufsverbänden wird das Wissen um die Volksfest-Kultur auch zukünftig weiterentwickeln und im praktischen Handeln an die folgenden Generationen weitergegeben.

Ziemlich passend hat Jürgen Werners, Hauptgeschäftsführer des deutschen Fremdenverkehrsverbandes e.V. Bonn, in seiner Rede anlässlich des 38. Delegiertentag 1987 in Herford die Schausteller und Schaustellerinnen beschrieben:

„Die Schaustellerfamilien bestehen aus Menschen, die nicht nur alles zu können scheinen, sondern tatsächlich auch alles können, als hätten sie ein Dutzend Berufe mindestens bis zur Meisterprüfung erlernt: Schausteller sind Handwerker, Ausbilder, Erzieher, Buchhalter, Kaufleute, Spediteure, Verhandlungs- und Verwandlungskünstler, Dekorateure, […] sie sind Köche und Versorgungsmeister, Beherbergungsgeber und Reiseexperten, Familienoberhäupter, Arbeitgeber, Seelsorger und was man sonst so alles noch sein kann.
Einfach bewundernswert.
Sie, die Schausteller, bringen Unmengen von ‚gewusst wie’ mit in eine Stadt, vor allem drei Wesensmerkmale: Flexibilität, Mobilität und Improvisationskunst.“  (Festschrift Herford 1987. S. 151f)

Ausführliche Informationen zum „Leben als Schausteller“ finden Sie beim Anklicken von:
Vom Fahrenden Volk zum Schausteller der Gegenwart
Schule und Ausbildung
Wohnsituation der Schausteller

©  Margit Ramus