Schausteller Einführung

Schausteller sind eine Berufsgruppe von mittelständischen Gewerbetreibenden, die sich aus Handwerkern wie: Schlosser, Schreiner, Bäcker, Metzger, Handels- und Marktleuten entwickelt hat. 
In das Schaustellergewerbe wird man meist geboren und die Kinder führen das Geschäft der Eltern fast immer fort.
Quereinsteiger sind wegen der besonderen mobilen Lebensform eher selten. Ausnahmen sind jedoch nicht ausgeschlossen.
Dennoch gab und gibt es Quereinsteiger durch Heirat. In den 1960/70er Jahren heirateten Söhne aus Schaustellerfamilien junge Frauen, die nicht aus der Berufsgruppe stammten. Heutzutage ist dies eher seltener geworden. Umgekehrt ist es kaum bekannt.

Es gab in der Vergangenheit auch Quereinsteiger, die durch ihr handwerkliches Können im Schaustellergewerbe Fuß fassten und ihre Aufgaben voll und ganz erfüllten, z.B. Bäcker deren Nachkommen noch heute mit einer Waffelbäckerei auf vielen deutschen Volksfesten vertreten sind. Auch bei den Imbissbetrieben finden sich in früheren Generationen Metzger, die eine andere Lebensform einschlugen und ihr Handwerk mobil ausführten und an ihre Kinder weitergegeben haben.

Ohne Zweifel geben Schausteller und Schaustellerinnen seit vielen Generationen ihr besonderes Wissen innerhalb der Familie und auch an ihre oft langjährigen Betriebsangehörigen weiter.
Die berufsbedingte temporäre Mobilität, das Beherrschen traditioneller Handwerkstechniken zum Auf- und Abbau, Reparaturen und Renovierungen ihrer Geschäfte, zur Herstellung von Waren und deren Weiterentwicklung, sowie alle Arten von Werbung bis zu Animationen an Karussells und Spielgeschäften, die für die Atmosphäre auf einem Volksfest prägend sind,  all diese Praktiken haben sie jahrelang entwickelt und perfektioniert. 

Aufgrund ihrer Erfahrungen mit Naturereignissen, können sie mit Wetterlagen und klimatische Besonderheiten verantwortungsbewusst,  zur Sicherheit der Besucher, der eigenen Familien und ihren Geschäften umgehen.
Das moderne Volksfest ist ohne Schausteller nicht denkbar! Die Schausteller und Schaustellerinnen sind Träger der Volksfest-Kultur. Mit ihrer Hilfe werden die Volksfeste gestaltet und mit den neusten Entwicklungen in Technik, kunstvoller Ausstattung der Schaustellergeschäfte immer wieder aktualisiert.

Für die Schausteller bedeutet das Familiengeschäft Traditionspflege, Hingabe, Familienbewusstsein, Zusammengehörigkeitsgefühl und Identifikation mit dem Beruf. Unterstützt von den beiden Dachorganisationen DSB und BSM und den über ganz Deutschland verteilten regionalen Berufsverbänden werden sie ihr Wissen um die Volksfest-Kultur auch zukünftig weiterentwickeln und im praktischen Handeln an die folgenden Generationen weitergeben.

Ziemlich passend hat Jürgen Werners, Hauptgeschäftsführer des deutschen Fremdenverkehrsverbandes e.V. Bonn, in seiner Rede anlässlich des 38. Delegiertentag 1987 in Herford die Schausteller und Schaustellerinnen beschrieben:

„Die Schaustellerfamilien bestehen aus Menschen, die nicht nur alles zu können scheinen, sondern tatsächlich auch alles können, als hätten sie ein Dutzend Berufe mindestens bis zur Meisterprüfung erlernt: Schausteller sind Handwerker, Ausbilder, Erzieher, Buchhalter, Kaufleute, Spediteure, Verhandlungs- und Verwandlungskünstler, Dekorateure, […] sie sind Köche und Versorgungsmeister, Beherbergungsgeber und Reiseexperten, Familienoberhäupter, Arbeitgeber, Seelsorger und was man sonst so alles noch sein kann.
Einfach bewundernswert.
Sie, die Schausteller, bringen Unmengen von ‚gewusst wie’ mit in eine Stadt, vor allem drei Wesensmerkmale: Flexibilität, Mobilität und Improvisationskunst.“  (Festschrift Herford 1987. S. 151f)

Ausführliche Informationen zum „Leben als Schausteller“ finden Sie beim Anklicken von:
Vom Fahrenden Volk zum Schausteller der Gegenwart
Schule und Ausbildung
Wohnsituation der Schausteller

©  Margit Ramus