Schaustellergeschäfte A - Z

Zeppelin

Im Mittelpunkt der Geschäfte der Familie Rosenzweig steht der Zeppelin mit angrenzender Flughafen-Terrasse. Gemälde im Besitz von Peter Rosenzweig. Foto © Margit Ramus
Name(n) des Geschäftes Zeppelin I & II
Typologische Bauaufgabe Fahrgeschäft
Baujahr 1968/69 & 1971
Bauform Hochgeschäft
Hersteller Schwarzkopf
Bauherr / Inhaber Rosenzweig, Theo
Baugeschichte

Nach der Wende zum 20. Jahrhundert revolutionierte die Entwicklung des Zeppelin-Luftschiffes die gesamte Passagierluftfahrt.
Als die ersten Luftschiffe längst dem technischen Fortschritt hatten weichen müssen, konstruierte  Hugo Haase im Jahre 1930, vielleicht als Hommage an das Luftschiff ‚Hindenburg‘, ein Zeppelin-Luftschiff-Karussell.

Nach der Wende zum 20. Jahrhundert revolutionierte die Entwicklung des Zeppelin Luftschiffes die gesamte Passagierluftfahrt.
Als die ersten Luftschiffe längst dem technischen Fortschritt hatten weichen müssen, konstruierte Hugo Haase im Jahre 1930, vielleicht als Hommage an das Luftschiff Hindenburg, ein Zeppelin-Luftschiff-Karussell.

1932 Zeppelin von Hugo Haase in Gara. © Privates Archiv Siebold

 

Ab 1932 gehörte das außergewöhnliche Karussell für fast fünf Jahrzehnte, bis 1978, zu den Attraktionen des Münchner Oktoberfestes.

Es soll nur eine einzige, ähnliche Anlage von der Firma Schippers van der Ville gebaut worden sein.

 

 

 

1966 Renaissance des Zeppelin-Luftschiffs

Mehr als drei Jahrzehnte später beschlossen Käthe und Theo Rosenzweig im Jahre 1966 einen Nachfolgebau bei der Firma Anton Schwarzkopf in Auftrag zu geben. Es bedeutete für alle Beteiligten ein großes Risiko, denn geplant wurde ein modernes Zeppelin-Karussell, das nur die Luftschiff-Form der Fahrgastgondeln vom Vorgängerbau übernahm. Die Mittelkonstruktion sollte dagegen schlank in den Himmel steigen. Man plante eine Anlage, die hoch hinaus ging, über alle sonstigen Geschäfte eines Volksfestplatzes, und von weit her für Aufsehen sorgen sollte.

Galerie I

Bis dahin war Familie Rosenzweig mit modernen Fahrgeschäften gereist, z. B. mit dem Hula Hoop von Kaspar Klaus und mit der Sprungschanze und der Go-Kart-Bahn von Mack.
Theo Rosenzweig, der neben seinem professionellen Know-how im Geschäftsleben auch gerne Gastgeber geselliger Runden war, plante einen Ausschank als Flughafen-Terrasse an der Einstiegsebene in das neue Hochgeschäft zu integrieren.

Galerie II

 

Als sich die Planung des Zeppelins verzögerte, wurde die Flughafen-Terrasse als externes Gastronomie-Geschäft bereits in Köln zum Ostervolksfest 1967 aufgebaut. Dem Zeitgeist entsprechend, hatte man sich für eine Kombination von Wohnen und Geschäft entschieden. Deshalb war an der Längsseite des Wohnwagens der Familie Rosenzweig (vom Hersteller Stork) ein ebenerdiger Anbau mit Theke als Bar und ein breiter vorgelagerter Fußboden als Terrasse angebracht worden.
Die Flughafen-Terrasse wurde zum beliebten Treffpunkt der Volksfestbesucher und vor allem der Schausteller. Oft wurde dort bis weit in den frühen Morgen getagt und gefeiert.
Obwohl im Komet Nr. 3826 angekündigt worden war, dass die Eröffnung des „kühnsten Hochgeschäft der Saison 1969“ zu Karneval in Köln stattfinden würde, verzögerte sich die Auslieferung des Zeppelins I ein weiteres Mal und erst zum Ostervolksfest 1969 konnte die Premiere des Zeppelins in Köln gefeiert werden.
Die einst geplante Zusammenführung von Flughafen-Terrasse mit der Einstiegsebene des Zeppelin-Karussells wurde jedoch nie ausgeführt.

Baubeschreibung

Drei Spezialfahrzeuge von 112 Tonnen bildeten das Fundament des Hochgeschäftes Zeppelin I, aus dem sich ein 27,5 Meter hoher, stählerner Pfeiler erhob.
Sechs Luftschiffe mit Fahrgastkabinen für je zwölf Personen waren ringförmig, um den Pfeiler herum, miteinander verbunden. Sie rotierten aufsteigend bis zu einer Höhe von 17 Metern.
Die Konstruktion wurde von einer flachen, kreisrunden Bodenplatte mit kurzem Stützenkranz umfasst. Die Zwischenräume der Stützen waren mit Geländern geschlossen.
Ein Kassenhaus mit Zugangswegen zur Einstiegsebene war der Anlage vorgelagert.
Das von Anton Schwarzkopf gebaute Hochgeschäft war ausgesprochen schwer und robust. Beim Aufbau wurde der Turm liegend am Boden montiert und anschließend mit Hilfe von Hydraulik-Zylindern in die Senkrechte gebracht.

Galerie III

Provenienz und Verbleib Zeppelin I

Der Zeppelin I wurde nach Saisonende 1970 im „Vergnügungspark Tivoli“ der Familie Rosenzweig in Köln aufgestellt. Als sich jedoch die Fertigstellung des Zeppelins II verzögerte, wurde Zeppelin I noch einmal im Park abgebaut und in Düsseldorf zum größten Schützenfest am Rhein 1971 aufgebaut. Anschließend kehrte er zurück in den Tivoli.
1974 wurde der Zeppelin I in die Niederlande in den „Ponypark Slagharen“ der Familie Bembom verkauft. Dort war er bis 1994 bei den Besuchern sehr beliebt.

Zeppelin II wird geplant

1970/71 baute Schwarzkopf für die Familie Rosenzweig eine Weiterentwicklung des Zeppelins in einer leichteren Bauweise. Das Gesamtgewicht lag etwa 20 Tonnen niedriger. Anstelle von sechs Zeppeline entschied man sich für fünf Zeppeline. Die darunter angebrachten Fahrgastgondeln wurden um ein Erhebliches verschlankt. Sie wurden zum Transport auf Fahrgestelle gestellt und mussten somit nicht demontiert werden. 

Der Stahlpfeiler im Zentrum des Zeppelins II ragte 33 Meter auf. Die Fahrt der fünf Flugobjekte erreichte eine Höhe von 20 Metern. Aber auch bei der zweiten Version wurde der Turm liegend am Boden montiert und anschließend mit Kettenantrieb in die Senkrechte hochgezogen. Erst die Firma Huss wandte beim Ikarus eine senkrechte Hub-Vorrichtung zum Aufbau an.

Premiere des Zeppelin II war zu Karneval 1972 in Köln.

Galerie IV

Dekoration

Bei diesem skelettartigen Hochgeschäft bildeten Form, Funktion und Lichtinstallationen ein Gesamtkunstwerk.
Die sechs, beziehungsweise fünf  Flugobjekte, die in 17, respektive 20 Metern Höhe um den Pfeiler rotierten, waren dem Original eines solchen Luftschiffs gemäß mit silbergrauem Farbauftrag versehen.
Die Fahrgastgondeln waren in Rot, Gelb und Weiß gehalten und die Konturen mit weißen Glühbirnen akzentuiert. Beim Zeppelin II wurde auf die farbliche Fassung verzichtet.
Segmentformbogige Kunststoffdächer umfassten die kreisrunde Einstiegsebene des Zeppelins II.
Ein Satellitenschild, auf dem der Name Zeppelin leuchtete, betonte die Spitze des Stahlpfeilers. Dem Kassenhaus war der Name des Inhabers des Karussells in Leuchtbuchstaben aufgesetzt.

Provenienz und Verbleib Zeppelin II

Der Zeppelin II sollte eigentlich schon zur Saison 1971 ausgeliefert werden, aber die Fertigstellung verzögerte sich mehrmals. Deshalb wurde, wie bereits geschrieben, in Düsseldorf 1971 noch einmal der Zeppelin I aufgebaut.
Endlich, zu Karneval 1972, fand die Premiere des Zeppelin II in Köln statt, nachzulesen in der Anzeige im Komet Nr. 3943.
Anfang der 1980er Jahre wurde auch der Zeppelin II an den Holländer Bembom verkauft. Bemborn setzte ihn in seinen „Park Kirchhorst“ bei Hannover.
Der Park entwickelte sich nicht wie erwartet, deshalb wurde der Zeppelin II 1986 in den „Ponypark Slagharen“ versetzt.
1987 wechselte er noch einmal seinen Standort in den „Park Dreamland“ im englischen Küstenort Margate, wo er nach drei Jahren wieder abgebaut wurde. Über den weiteren Verbleib ist nichts bekannt.

© Margit Ramus

Alle Bilder, Dokumente und Zeitungsausschnitte sind aus der © Foto- und Dokumenten-Sammlung von der Familie Rosenzweig. Sie dürfen mit Genehmigung von Peter Rosenzweig ins Kulturgut-Volksfest-Archiv eingestellt werden.
Informationen zum Text:
Ramus 2013. Kat. Nr. 56.
Koppei Zeppelin. In: KR 104, 2006. S. 20-25.
Ruisinger, Karl: Karusselltürme. In: KR 4 1997. S. 28-30.
Gespräche der Verfasserin mit Peter Rosenzweig in Bad Oeynhausen im Juni 2006 und 2019.

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