Ursprünge von Volksfesten A - Z

Schützenfest

Das Schützenfest ist eine weitere Art des Volksfestes. Die ersten Schützenfeste führen ins 14. Jahrhundert.
Im ausgehenden Mittelalter nahmen Bürger zunächst militärische Verteidigungsaufgaben der wachsenden Städte wahr. Daraus entstanden Schützengemeinschaften. Sie organisierten sogenannte Freischießveranstaltungen zur öffentlichen, bürgerlichen Prachtentfaltung und zur Demonstration des städtischen Selbstbewusstseins.
Die Schützengilden, die sich aus Mitgliedern der bestehenden Gilden und Zünften rekrutierten, „[…] haben den ‚Fahrenden’ gern und viel Gelegenheit gegeben, ihren Lebensunterhalt bei diesen Festen zu verdienen.“  (Lehmann 1952. S. 18)

Eine der ersten soll die Goslarer Schützengilde gewesen sein, deren Gründung durch eine Polizeiordnung von 1395 überliefert ist.
Im Stadtarchiv von Goslar ist das älteste Mitgliederverzeichnis der St. Sebastian Bruderschaft Goslar aus dem Jahre 1482 erhalten. (Petzoldt 1983. S. 324f)
Im gleichen Jahr führte Erzbischof Ernst von Magdeburg ebenfalls unter dem Patronat des heiligen Sebastian das Vogelschießen in Halle ein. (Lehmann 1952. S. 16)

Aufgrund neuer fundierten Erkenntnisse kann die Jahreszahl der ersten Schützengilde revidiert werden. In Dresden entstand die erste Schützengesellschaft bereits im Jahre 1120. 1226 folgte die Radeberger und 1235 die „Privilegierte Scheiben- und Bogenschützengesellschaft zu Meißen“. Eine Bestandsaufnahme in Sachsen von 1940 ergab 994 Schützenvereine, davon 490 im Regierungsbezirk Chemnitz. 

Eines der ältesten und größten Schützenfeste ist das noch heute alljährlich stattfindende Schützenfest in Hannover. Ebenso gehören die Größte Kirmes am Rhein des St. Sebastianus Schützenvereins Düsseldorf e.V. und das Schützenfest des Neusser Bürger-Schützen-Verein e.V.  zu den bekanntesten und größten Schützenfeste Deutschlands.

©  Margit Ramus

„Schützenvereine mit langer Tradition
Bereits 1120 entstand erste Gesellschaft — Heute in Sachsen 150 registriert Von Karl Schubert

Zum Tag der Sachsen an diesem Wochenende in Riesa geben sich auch die Schützenvereine ein Stelldichein und werden mit ihrem Flair jahrhundertealte Tradition repräsentieren. Denn bereits 1120 entstand die Privilegierte Schützengesellschaft von Dresden, ihr folgten 1226 die Privilegierte Schützengesellschaft zu Radeberg, 1235 die Privilegierte Scheiben, und Bogenschützengesellschaft zu Meißen.
1945 wurden die Schützenvereine als Mitglieder des NS-Reichsbundes für Leibesübungen entsprechend der Alliierten Kontrollratsgesetzgebung wie alle Vereine durch die Sowjetische Militärregierung in deren Wirkungsbereich verboten. Eine der letzten Bestandsaufnahmen der Schützenvereine erfolgte in Sachsen 1940. Danach gab es 994 Schützenvereine, davon im Regierungsbezirk Chemnitz 490.
Als einer der ältesten Schützenvereine im Regierungsbezirk Chemnitz ist der von Zwickau aus dem Jahre 1392 angegeben. Danach gibt es in dieser Region immer mehr Gründungen. Im 19. und 20. Jahrhundert boomt es noch einmal gewaltig, 434 neue Vereine werden gegründet, wobei vor allem im 20. Jahrhundert die Kleinkaliber- und Luftbüchsenvereine dominieren.
Viele von ihnen haben gut ausgebaute Schießstände, wobei selbst die aus den kleinen Gemeinden den Größeren nicht nachstehen. So hat die Schützengesellschaft Röthenbach bei Auerbach drei Stände zu je 130 Meter und zwei Stände zu je 50 Meter für Groß- und Kleinkaliber. Die 2. Kompanie des Privilegierten Schützenkorps Oberwiesenthal in Sehma verfügt über vier Großkaliberstände mit je 175 Meter.
Die Privilegierte Scheibenschützengesellschaft zu Chemnitz 1444 glänzt mit fünf Ständen zu je 300 Meter und der Jägerverein 1873 Geyer mit zwei Ständen zu je 175 Meter Großkaliber und zwei Ständen zu je 50 Meter Kleinkaliber.
In der DDR waren die Schützen vor allem den GST-Grundorganisationen angegliedert. Nach der Wende ließen sie die Traditionen wiederaufleben und gründeten sich neu. Heutzutage sind beim Sächsischen Schützenbund 150 Schützengesellschaften registriert mit 9506 Mitgliedern. Davon tragen 1037 Frauen die Schützenuniform und 1828 Mitglieder sind unter 27 Jahre alt.“
Freie Presse Freitag, den 3.9.1999 S. 2

 

Lehmann 1952.
Petzoldt 1983.
Schubert, Karl: Schubert: Schützenvereine mit langer Tradition. In: Freie Presse, 03.09.1999

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