Arten von Schaustellergeschäften A - Z

Riesenrad

Erste Skizzen von verschiedenen Drehvorrichtungen. 1620 Archiv PUMU

Riesenräder gehören zu den Hochgeschäften, die eine Untergruppe der Fahrgeschäfte sind.
Das Riesenrad gehört zu den Skelettbauten. Die Bezeichnung Riesenrad ist wahrscheinlich erst Mitte des 20. Jahrhundert entstanden. Auf den Bauzeichnungen von Fritz Bothmann ist noch der Name Russe oder Russen Rad zu lesen. Diese Namen scheinen sich aus der Russischen Schaukel abgeleitet haben. Diese Bezeichnung wurde in der Literatur oft mit dem „Petersburger Schaukelfest“ von 1794 in Verbindung gebracht.

Der früheste Hinweis auf eine Russische Schaukel stammt von dem Engländer Peter Mundy, der 1620 ein türkisches Bairamfest in Phillippopolis – dem heutigen Plodow in Bulgarien – besuchte. Er beschreibt und skizziert in seinen Reiseaufzeichnungen zwei Arten von Schaukeln.
Im Hintergrund eine einfache Schaukel, in der rechten vorderen Bildhälfte eine sogenannte Russische Schaukel oder auch kurz Russe genannt.

Die einfache Holzkonstruktion bildet die Basis für alle weiteren Entwicklungsstufen der Russischen Schaukel. Noch heute ist der Fachterminus Russe geläufig, obwohl sich die Bezeichnung Riesenrad durchgesetzt und sich als solches einen Platz auf dem Jahrmarkt bis ins 21. Jahrhundert gesichert hat.

Die ersten in Deutschland gebauten Holz-Russen können aufgrund aufgefundener Originalpläne Fritz Bothmann zugeschrieben werden.
Obwohl einige Inhaber das Baujahr ihres Riesenrad vor 1910 datieren, geben sie als Hersteller die Firma Gundelwein an.
Franz Gundelwein, ehemaliger Konstrukteur der Firma Bothmann, begann erst 1910 mit der selbstständigen Produktion von Riesenrädern. Deshalb ist oft eine genaue Datierung und Zuordnung nicht möglich, so werden ältere  Holz-Riesenräder Bothmann/Gundelwein zugeordnet.

Die Entwicklung des Stahl-Riesenrads begann 1893, als der amerikanische Ingenieur George Ferris für die Weltausstellung in Chicago eine gigantische Radkonstruktion mit einem Durchmesser von 76 Metern – das „Ferris Wheel“ konstruierte. Es war die Antwort auf den Eiffelturm von Gustav Eiffel, der als „Schaustück“ für die Pariser Weltausstellung von 1889 gebaut worden war.

Infolge der Weltausstellung von Chicago wurden Riesenräder 1894 in London Blackpool, 1897 in Wien, 1898 in Berlin und für die Weltausstellung im Jahr 1900 in Paris am Champs-de-Mars aufgestellt. Alle europäischen Räder waren von dem englischen Ingenieur Walter B. Basset konstruiert worden.
Diese gigantischen Riesenräder sind als Vorgänger des mobilen Stahl-Riesenrads, das jedoch in Deutschland erst ab den 1960er Jahren gebaut wurde, zu sehen.

© Margit Ramus

Dazu Schaustellergeschäfte im Archiv Kulturgut Volksfest:

  • Riesenrad Feldmann
  • Riesenrad Steiger

Friebe, Vom Kristallpalast zum Sonnenturm, 1983, S. 99f.
Dering, Volksbelustigungen, 1986, S. 109f.

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