Schaustellerfamilien A - Z

Schoeneseifen

Josef Schoeneseifen II. und seine Frau Katharina geb. Scharf im Jahre 1923.

Familie Josef Schoeneseifen Bonn – Köln

Schausteller-Tradition seit 1840

In der Chronik der Familie Josef Schoeneseifen fällt auf, welche Bedeutung die Familie Schoeneseifen, bereits weit vor 1900 bei den Bonner Schaustellern und bei den Veranstaltern des Pützchens Marktes hatte und wie viele Ehrungen verliehen wurden.

Aus den Kindern von Josef und Katharina Schoeneseifen entstanden die großen Köln-Bonner-Schausteller-Dynastien. Sie sind die Stammeltern der Familien Schoeneseifen und Sonntag, sowie mütterlicherseits, der Familien, Hoche, Hölzgen und Barth.

Josef Schoeneseifen I. wurde 1840 geboren. Der Name seiner Frau ist nicht überliefert. Das Paar bekam wahrscheinlich mehrere Kinder. Der älteste Sohn wurde 1860 als Josef Schoeneseifen II. geboren. Von seiner Geburt an, ist die Chronik der Familie durch Geburt- und Sterbeurkunden und sonstige Dokumente durchgängig belegt.

Josef Schoeneseifen II. (1860 – 1924), heiratete am 23.07.1882, die 1860 in Remagen geborene Schaustellertochter Katharina Scharf.
Sie bekamen zwischen 1882 und 1924 zehn Kinder. Sechs starben frühzeitig.
Vier überlebten: Josef III., Katharina (∞ Hoche), Josephine (∞ Müller) und Franziska (∞ Bungarten > Barth).
Josef und Katharina Schoeneseifen II. reisten im Köln Bonner Raum mit einer Schiffschaukel und einer Verlosungs-Bude, wie Erzählungen und aufgefundenes Bildmaterial bestätigen.

Außer den beiden Spielgeschäften erwarben die Eheleute um 1900 von der Firma Bothmann ein Kettenkarussell. Dies ist belegt durch eine Abbildung und eine bei Fritz Bothmann aufgefundene Auftragsbestätigung eines Ersatzteiles, datiert auf den 05.11.1905.

Schon ab 1881 ist die Teilnahme der Familie Schoeneseifen am Pützchens Markt nachgewiesen. Am 9. September 1951 erhielt die „Witwe Katharina Schoeneseifen“ eine Treue-Urkunde für 70 Jahre Teilnahme am Pützchens Markt.

1952 wird ihr als Ehrenvorsitzende des „Rheinischer-Frauenbund-Colonia“ eine Ehren-Urkunde verliehen. Diesen Verein hatte Katharina Schoeneseifen 1926 gegründet.
Außerdem wurde ihr die große Ehre erteilt, als Nestorin der Bonner Schausteller den Pützchens Markt 1952 mit einem Böllerschuss zu eröffnen. Diese großartige Frau starb am 03.11.1952.

Nun aber der Reihe nach.

Der am 2. Mai 1892 geborene Sohn Josef Schoeneseifen III. traf seine spätere Ehefrau 1914 auf dem Pützchens Markt. Er hatte inzwischen die Schiffschaukel seiner Eltern übernommen, als die junge Adelige aus gutem Hause, Hubertine von der Linde, mit Freundinnen über den Markt spazierte.
Die beiden sahen sich in den nächsten Tagen mehrfach an der Schiffschaukel. Zunächst verschwieg Josef Schoeneseifen III., dass er der Eigner der Schaukel war und aus einer alten Bonner Schaustellerfamilie stammte.
Hubertine erzählte später ihren Enkeln, dass sie damals gedacht habe, er fahre gerne Schiffschaukel, halte sich deshalb dort auf und habe vielleicht nicht das Geld für eine Fahrkarte. So habe sie ihn kurzentschlossen zu einer Schaukelpartie eingeladen. Schon war es geschehen.

Sie wird sehr erstaunt gewesen sein, als er ihr seine Identität und Zugehörigkeit zum Pützchens Markt gestand.
Aber die Liebe hat so manche Luft-Brücke gebaut, so auch zwischen den unterschiedlichen Welten.

Das Paar heiratete 1916 mitten im Ersten Weltkrieg, während eines kurzen Heimaturlaubes. Als Josef Schoeneseifen III. aus dem Krieg nach Hause kehrte, brachen die Eltern mit ihrer Tochter Hubertine geb. von der Linde. Denn sie folgte ihrem Mann in eine unbekannte Zukunft.
Das junge Paar betrieb die Schiffschaukel, schafften sich auch eine Verlosung an und nannten sie Glücks-Haus. Irgendwann wurde die Schiffschaukel eingestellt.

Am 26. Oktober 1924 starb der Vater Josef Schoeneseifen II. Dessen Verlosung wurde von seiner Witwe Katharina weiter betrieben. Bis zu ihrem Lebensende am 3. November 1952 stand die alte Dame auf dem Laufgang der Verlosung, rechnete mit den Losverkäufern ab und übergab die Gewinne. Über den Verbleib des Kettenkarussells ist nichts bekannt.

Josef Schoeneseifen III. hatte mittlerweile mit seiner Frau Hubertine geb. von der Linde, drei Kinder bekommen: Anni, Kethi und Josef IV., Bubi genannt. 1928 kam die Tochter Hubertine dazu.

Die älteste Tochter Anni betrieb später, nach dem Tod des Vaters im Jahre 1964, mit ihrem Mann Julius Mertin gemeinsam mit der Mutter deren Verlosung.

Die Tochter Katharina (Kethi genannt) verließ die Reise und folgte ihrem Mann nach Hamburg. Dort betrieb sie später einen Blumenladen.

Der Sohn Josef Schoeneseifen IV. (Bubi genannt) wurde 1940 in den Kriegsdienst eingezogen. Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieg kam er in amerikanische Gefangenschaft und wurde nach Miami verschifft. Er wurde zur Arbeit einem Spielcasino als Kellner zugewiesen. Fleißig und strebsam hätte er nach seiner Entlassung aus der Gefangenschaft, zwei Jahre nach Kriegsende, in Amerika bleiben können. Aber er kehrte nach Deutschland zurück. Wenige Wochen später begegnete er der Kölner Schaustellertochter Maria Milz und die beiden verliebten sich recht schnell.

Josef Schoeneseifen III. (der Vater von Bubi) war ein sehr dominanter Mann. Seine Prioritäten und Ziele lagen weniger im Aufbau seines Betriebes, als in seinen sozialen und ehrenamtlichen Tätigkeiten. So bekleidete er zum Beispiel in den 1930er Jahren das Ehrenamt des Gemeinde-Verordneten. Zeitzeugen wie zum Beispiel Mütti Barth, erzählten, dass er sich in dieser Position um jeden und alles kümmerte und erheblich dazu beitrug, dass die Bonner Kirmesveranstaltungen bis weit in die zweite Hälfte des Krieges abgehalten wurden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg engagierte sich Josef Schoeneseifen III. auch zur Wiederbelebung des Pützchens Marktes. Später war er derjenige, der die Gründung eines Ausschusses zur Vergabe der Plätze zum Pützchens Markt auf den Weg brachte.

1952 gründete er als erster Vorsitzender mit Willi Graesler den Bonner Schausteller und Geselligkeits-Verein e.V.

Ganz anders war sein Sohn Josef Schoeneseifen IV. Er stellte seine eigenen Weichen. Er wollte neben dem Schaustellerbetrieb auch eine eigene Familie aufbauen.

Bereits 1948/49 war er mit einer Meerschweinchen-Verlosung gereist.
Der große Renner in der Nachkriegszeit. Auf einer großen Platte saß in der Mitte unter einer Haube ein Meerschweinchen. In Strahlenform waren Bahnen angeordnet, die in kleine nummerierten Kästen mündeten. In jedem Kasten lag eine Möhre, und das jeweilige Meerschweinchen war ziemlich hungrig und machte beim Anheben der Haube sofort einen Satz in Richtung der ersehnten Möhre. Die entsprechende Kastennummer gewann das Spiel.
Schon Ende der zweiten Saison machten Tierschützer diesem Glücksspiel ein Ende.

In den Wintermonaten der Jahre 1948/49 baute Josef Schoeneseifen IV. bei der Firma Achtendung in Köln für seine Tante Josephine Müller, eine Berg- und Talbahn, die Schmetterlingsbahn. Er baute auch für sich selbst eine Verlosung, die Rhein-Toto-Zentrale, sodass nach der Hochzeit direkt ein eigenes Geschäft vorhanden war.

1950 heirateten Josef und Maria Schoeneseifen geb. Milz.
Das Paar entschied ziel-strebend ihre eigene Firma in Köln anzusiedeln. Später im Jahre 1962 kauften sie in Köln Porz ein Grundstück und bauten nach und nach Halle, Werkräume und ein großes Wohnhaus mit zusätzlichen Mieteinheiten.

Maria und Josef Schoeneseifen IV. heiraten am 15.12.1950.

Mit der Hochzeit teilt sich die Linie der Familie Schoeneseifen, zwischen Bonn und Köln.

Die Tochter von Josef Schoeneseifen III., Hubertine Sonntag und deren Tochter Marlies Eisbusch blieben in Bonn und sind unter dem Namen Eisbusch auch noch im Jubiläumsjahr auf dem Pützchens Markt mit ihrem Süßwaren-Geschäft vertreten.

Josef und Maria Schoeneseifen begannen in Köln ihre Familien- und Firmenplanung, aber die Bindung zum Pützchens Markt wurde nie unterbrochen.

Dazu wird hier eine zusammenfassende Übersicht über die Kölner Linie Schoeneseifen gegeben, die Bonn und dem Pützchens Markt immer sehr verbunden war.
Das Paar bekam drei Kinder.

1951 wurde die erste Tochter Margit geboren, die später den Schausteller Manfred Ramus heiratet.

1956 folgte der Sohn Hans-Josef Schoeneseifen V., der 1976 die Schaustellertochter Angelika Schmittkamp aus Mannheim heiratet.

1965 kam die Tochter Sabine auf die Welt, die später Gustel Kipp aus der Schaustellerfamilie Graesler-Kipp, heiratet.

Im Jahre 1981 wurde Josef Schoeneseifen III. die Ehren Urkunde für 100 Jahre Teilnahme am Pützchens Markt der Familie Josef Schoeneseifen verliehen.

Im Laufe der Jahre kaufen und verkaufen Maria und Josef Schoeneseifen IV. immer wieder neue Geschäfte. Mit fast allen waren sie auf dem Pützchens Markt vertreten.

 

1954/55        Überschlagschaukel
1955             Verlosungswagen der Firma Eberhard Stork
1957-1962    St. Moritz-Bahn
1962             Jaguarbahn, Premiere auf dem Pützchens Markt
1964-1968    Twister als Zweitgeschäft
1968-1969    Hully Gully
1969             Jaguarbahn, als Viersäulen- Musikexpress
1970-1971    Diskothek, einzige Anlage dieser Bauart
1971             Jet Star
1976             Alpenblitz
1982             Ausschank Alt Köln

1983 liefert die Firma Mack die Süße Lokomotive, an Margit Ramus geb. Schoeneseifen. Sie ist seit 33 Jahren ohne Unterbrechung auf dem Pützchens Markt vertreten.

Zu erwähnen ist noch, dass Josef Schoeneseifen IV. von 1967 bis 1984 Fachschaftsleiter der „Fachgruppe I des Ambulanten Markt- und Schaustellerverein e.V.“ kurz BSM genannt, war. Außerdem war er Vorstandsmitglied der „Arbeitsgemeinschaft Kölner Schausteller“, die die Vergabe der Kölner Volksfeste innehatte. 1980 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der „Gemeinschaft Kölner Schausteller e.V.“ kurz GKS genannt, die er bis zu seinem 65. Lebensjahr als Vorstand führte.

Am 5. August 1984 verstarb Josef Schoeneseifen IV. nach einem arbeitsreichen Leben, viel zu früh an einem Herzinfarkt.
Die Kölner Linie der Familie Schoeneseifen wird von Hans-Josef Schoeneseifen V. Aufsichtsratsvorsitzender der Gemeinschaft Kölner Schausteller, (GKS) seinem Sohn Josef Schoeneseifen (Bubi) VI. Vorstandsmitglieder der GKS und dessen Sohn Hans-Josef VII. weitergeführt.

Hier noch einmal zurück zur Linie der Bonner Familie Schoeneseifen.

Die jüngste Tochter Hubertine heiratete 1952 Günter Sonntag. Nachdem sie eine Zeit lang mit Schwester und Schwager die Verlosung der Mutter betrieben hatten, nahmen sie das Angebot der Cousine Mütti und deren Mann Rudolf Barth an und reisten acht Jahre mit einem, von deren Autoskootern. Auf diesen Plätzen konnten sie auch ihren eigenen Ping-Pong-Pavillon unterbringen.

Hubertine Schoeneseifen und Günter Sonntag auf dem Standesamt, 1953. © Archiv Sonntag

Im Jahre 1953 wurde die Tochter Marlies geboren und 1967 folgte die zweite Tochter Monika.

Bereits 1957 erwarben Günter und Hubertine Sonntag geb. Schoeneseifen in Bonn-Dransdorf ein relativ großes Grundstück mit Haus und Garten. In den 1970er Jahren bauten sie auf diesem Grundstück eine Halle um ihr Wagenmaterial unterzustellen.

1962 kauften sie von der Schwester ihres Vaters/Schwiegervaters, Josephine Müller deren Berg- und Talbahn, eine sogenannte Schmetterlingsbahn und eine Verlosung. Sie wird im Beueler Mitteilungsblatt vom 08.09.1950 bei den Attraktionen vom Pützchens Markt 1950 aufgeführt und auch die kommenden Jahre immer wieder erwähnt. Erst in den 1970er Jahren musste die kleine Berg- und Talbahn den modernen Fahrgeschäften auf dem Pützchens Markt Platz machen.

1964 starben die Eltern Josef III. und Hubertine Schoeneseifen geb. von der Linde nur wenige Wochen hintereinander.

1980 bestellten Günter und Hubertine Sonntag geb. Schoeneseifen bei der Firma Eberhard Stork einen großen modernen Verlosungswagen „Exquisit“. Mit dieser Verlosung waren sie auch bis Ende der 1980er Jahre auf dem Bonner Weihnachtsmarkt vertreten.

Die Tochter Marlies, die seit 1973 mit Jürgen Eisbusch verheiratet war, begann ihre Selbstständigkeit mit einen Süßwaren-Verkaufswagen, mit dem die Familie Eisbusch noch heute auf dem Pützchens Markt anzutreffen ist.

1984 kauften sie von den Eltern die Schmetterlingsbahn, mit der sie bis 2014 reisten. In den 1990er Jahren hatten sie zusätzlich die Verlosung Exquisit von den Eltern übernommen. Nach zehn Jahren wurde sie eingestellt und sie übernahmen den Automaten-Wagen der Eltern, die sich nun zur Ruhe setzten.

Ebenfalls seit den frühen 1990er Jahren hatte sich Familie Eisbusch auf dem Weihnachtsmarkt in Bonn auf den Verkauf von Nürnberger Lebkuchen spezialisiert.

Ab 2005 erstand aus der ehemaligen Verkaufshütte eine Backstube. Bereits ab September begann, in der 1997 angeschafften Halle in Bonn-Alfter, der Backbetrieb für den Weihnachtsmarkt. Inzwischen gehören die selbstgebackenden Lebkuchen zu den besonderen Köstlichkeiten des Weihnachtsmarktes in Bonn.

Die Tochter Monika hatte eine Ausbildung als Krankenschwester gemacht. Später kam sie zurück auf die Reise. Sie und ihr Mann wechselten mehrfach die Branche, mal Imbiss, mal Backwaren usw. Heute beschickt sie überwiegend Trödel- und Historische Jahrmärkte.

Mit den Enkeltöchtern von Josef Schoeneseifen III. Marlies Eisbusch und Monika Sonntag/Bärhausen endet vorerst die Linie der Bonner Familie Schoeneseifen.

© Margit Ramus, Tochter von Maria und Josef Schoeneseifen IV.

Einen Überblick über die Ahnenreihe finden sie unter folgendem Link:

Tabellarischer Lebenslauf Familie Josef Schoeneseifen

Dazu Schaustellergeschäfte im Archiv Kulturgut Volksfest:

Alpenblitz
Hully Gully
Diskothek
Jaguar

 

Gespräche der Verfasserin mit Sabine Schoeneseifen, Marlies Eisbusch, Monika Bärhausen, Monika Neuen-Barth und Marie-Luise Schmitz geb. Hoche.

Das Bildmaterial wurde aus den privaten Archiven Schoeneseifen, Eisbusch, Bärhausen/Sonntag, Hoche und Ramus ausgesucht und darf mit der Genehmigung aller, im Archiv veröffentlicht werden. © Margit Ramus

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