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Pützchens Markt

Pützchens Markt 2017

Pützchens Markt Ein kleiner Rückblick!

Jedes Jahr, am zweiten Wochenende im September finden sich rund 500 Schausteller zum größtes und ältesten rheinischen Volksfest im rechtsrheinischen Stadtteil von Bonn, in Pützchen, zum Pützchens Markt ein.
Seinen Namen verdankt dieses große Volksfest einer kleinen Quelle, die aufgrund der Fürbitten der Äbtissin St. Adelheid entstanden ist.

Im Jahre 977 hatte der fränkische Auel-Graf Megingoz und seine Gemahlin Gerburga in Vilich ein Kloster, das Adelheidisstift gegründet. Ihre Tochter Adelheidis führte das Kloster als Äbtissin.

Um das Jahr 1000 wurde das Land von einer großen Trockenheit geplagt. Deshalb trieben die Bauern aus dem Westerwald ihr Vieh bis an den Rhein. Aber auch dort herrschte Trockenheit.
Der Legende nach, wollte Adelheidis die Menschen und Tiere vor dem Verdursten retten. Sie soll ihren Äbtissinnen-Stab in den Boden gesteckt haben, nieder gekniet sein und Gott um Hilfe gebeten haben.

Die Menschen sprachen von einem Wunder, als plötzlich an der Stelle, an der Adelheidis Stab in den Boden führte, eine kleine Quelle, ein Brünnchen auch Pützchen genannt, entsprang.Menschen und Tiere konnten gerettet werden und die kleine Quelle bekam im Volksmund den Namen Pützchen.

Schon bald drang die Kunde vom Wunder des Pützchens durchs ganze Land. Außerdem erzählte man von Wunderheilungen. So war es nicht verwunderlich, dass nach dem Tod von Adelheidis viele Wallfahrer zum Grab der Äbtissin in die Stiftskirche zu Vilich strömten. Die kleine Quelle wurde zum Wallfahrtsort.
Pilger von weit her brachten Lebensmittel und typische Waren ihrer Region mit und begannen zu tauschen. Es gesellten sich reisende Kaufleute und Schankwirte aus anderen Orten dazu, um die Pilger zu bewirten und ihnen zugleich ihre eigenen Waren anzubieten.
Auch Gaukler und Musikanten fanden sich zur Belustigung der Pilger ein. So entwickelte sich jährlich im September ein pulsierender Markt — Pützchens Markt war geboren.

1679 wurde am Brunnen eine Kapelle und ein kleines Badehaus errichtet und die damalige Äbtissin von Vilich, Margareta von Gevertzhaen, rief zur Stiftung einer Kaplanei auf.

In den kommenden zwei Jahrhunderten entwickelte sich der Markt, dessen Schwerpunkt in dem sogenannten Plutemaat lag. Pluten, was nichts anderes bedeutet wie Kleider, Stoffe und dergleichen, wurden gekauft und verkauft. Dazu kamen auch andere Handwerker wie Glasbläser, Schmiede, Schreiner oder Töpfer.

Im Jahre 1737 erlangte der Kurfürst Clemens August die Königswürde der Bonner Schützengilde. Er war sehr volksnah und besuchte auch den Jahrmarkt in Pützchen.
Der Plutemarkt befand sich damals noch an der Straße nach Küdinghoven, nur die Töpfer durften ihre Waren an der Kirche aufstellen. Im Mitteilungsblatt der Gemeinde Beuel wird am 10. September 1932 berichtet, dass Clemens August absichtlich seine Kutsche in den, am Brünnchen aufgebauten, Töpfermarkt hineinfahren ließ. Er soll außerordentlich Spaß an der Zerstörung der Töpferwaren gehabt haben. Die Töpferfrauen wurden zornig und schimpften. Da zückte er seine Geldbörse und bezahlte den wütenden Händlerinnen ihren Schaden. Somit hatten alle Beteiligten ihre Freude, insbesondere die Händlerinnen über das schnelle Geschäft.

An den Märkten rund um eine Kirche oder einer Domimmunität lassen sich die Ursprünge vieler Jahrmärkte ablesen. Während heutzutage das Vergnügen im Mittelpunkt steht, hatten die Märkte im Mittelalter eine wichtige Funktion im Wirtschaftsleben. Daneben waren sie Heiratsmärkte, Nachrichtenbörsen und die neusten Erfindungen wurden vorgestellt. So auch in Pützchen, dessen Jahrmarkt in diesem Jahr auf eine 650-jährige christliche Tradition zurückblicken kann.

Bereits um 1850 kamen viele Schausteller mit ihren Karussells, Schaubuden, Kinematografen, Losbuden und Schießstände und sonstige Belustigungen, sowie Hauswirtschaften, wie die Stände für Essen und Trinken genannt wurden, zum Pützchens Markt.

1932 wird in der Zeitung angekündigt, dass die Plätze wieder an die Interessenten versteigert werden, sodass eine große Anzahl von großen und kleinen Fahrbetrieben zur Beleben des Marktes beitragen werden.

Von Beginn des Zweiten Weltkriegs bis 1945 fiel der Pützchens Markt aus. Nur kleine Volksfeste im Köln Bonner Raum wurde noch abgehalten. Endlich im Jahr 1946 kamen die ersten Schausteller auch wieder nach Pützchen.
Der Bonner Schausteller Josef Schoeneseifen III. engagierte sich stark zur Wiederbelebung des Pützchens Marktes. 1952 gründete er als erster Vorsitzender mit Willi Graesler den Bonner Schausteller und Geselligkeits-Verein e.V.
Später, 1961 brachte er die Gründung eines Ausschusses zur Vergabe der Plätze zum Pützchens Markt auf den Weg.

Am 9. September 1949 rief das Mitteilungsblatt der Gemeinde Bonn, zum Willkommensgruß aus.

„Wie einst im Pützchens großen Tagen werden wieder Tausende von lebensfrohen Menschen aus den Dörfern und Städten zwischen Eifel und Westerwald zum überall bekannten und beliebten Jahrmarkt strömen.“[…] „Unser Gruß gilt auch den Männern und Frauen des ambulanten Gewerbes, unserer alten rheinischen Schaustellerfamilien, die nach alter Tradition alljährlich in Pützchen ein frohes Wiedersehen feiern.“(MB B 09.09.1949)

Die enge Bindung der Verwaltung zu den Schaustellerfamilien macht den Pützchens Markt von je her aus, macht ihn sympathisch.
Verfolgt man die Berichte in den Zeitungen in den kommenden Jahren, stößt man auf viele Gratulationen und Ehrungen.

1950 wird die Gästezahl schon wieder auf etwa 500.000 geschätzt. Auf der Eröffnung bedankt sich Prof. Dr. Neu in seiner Festansprache auch bei den Schaustellern, die zur Entwicklung des Marktes beigetragen haben:

„So ist es also vornehmlich den Schaustellern zu danken, dass er [Pützchens Markt] auch die letzte Klippe, die durch die zunehmende Industrialisierung der Städte zu Beginn unseres Jahrhunderts für die großen Jahrmärkte entstand, zu überwinden.

Er sprach indirekt die Dampfmaschine an, durch die, die moderne Technik Einzug auf den Jahrmärkten gehalten hatte und auch vor dem Pützchens Markt keinen Halt gemacht hatte.
Längst wurde der Jahrmarkt  mit elektrischem Strom versorgt.

Damals 1950, ließ sich der Gemeindedirektor nicht nehmen, verschiedene Jubilare mit einem Blumenstrauß zu ehren. Zum Beispiel die Witwe Katharina Schoeneseifen aus Beuel. Sie wurde als Nestorin der Schausteller bezeichnet, was schon als besondere Auszeichnung zu verstehen ist. Sie vollendete am 18.10.1950 das neunte Lebensjahrzehnt und gehörte von 1881 an, zu den Beschickern des Pützchens Marktes.

Auch der 83jährigen „Ahnherr“ Hubert Willems aus Bonn, der durch seine Fahrgeschäfte bekannt war, wurde für seine langjährige Teilnahme geehrt.

Der Witwe Maria Barber, deren Vorfahren einst in New York den Zirkus gründete, wurde zur 55. Teilnahme am Pützchens Markt gratuliert.

Zwischen den Ansprachen spielte immer wieder die „Zirkuskapelle“ unter Charly Barber. Die sogenannte „Komödianten-Musik-Kapelle“, war nicht wegzudenken vom Pützchens Markt. Sie zog schon vor 1900 über den Markt und brachte den Schaustellern, sowie den Besuchern ein Ständchen.
Es waren damals und heute Mitglieder aus namhaften Komödianten-Familien, die ehemals mit kleinen Menagerien und Circus-Unternehmen gereist waren. Niemand von ihnen hatte ein Instrument spielen gelernt. Aber nicht selten waren virtuose Musiker unter ihnen. Noch heute setzt sich die Tradition fort.

Die Musikkapelle auf dem Pützchens Markt. Unter den Musikern sind die Mitglieder der Familien: Barber; Kronen; Lemoine; Loritz; Luxem; Nock; Roselli; Schulze; u.a. vertreten.

  • 1951 erhält die „Witwe Katharina Schoeneseifen“ eine Treue-Urkunde für 70 Jahre Teilnahme am Pützchens Markt.
    Dem Ehepaar Anton Zündorf wird zur Goldener Hochzeit mit einem Blumenstrauß überreicht.
  • 1952 wird Katharina Schoeneseifen die große Ehre erteilt, als Nestorin der Bonner Schausteller den Pützchens Markt mit einem Böllerschuss zu eröffnen. Diese großartige Frau starb am 03.11.1952.
  • 1954 lädt die „Weltstadt“ zum Pützchens Markt ein.
  • 1955 Ist Pützchen zum größten rheinischen Jahrmarkt gerüstet.
  • 1956 schätzt man zum ersten Mal die Besucherzahl über eine Million. Über 500 Geschäfte werden platziert.
  • 1957 werden bei der Eröffnung zum Pützchens Markt wieder viele Schausteller geehrt. Nachdem die Nestorin Katharina Schoeneseifen nach 73 maliger Teilnahme am Pützchens Markt, verstorben war, hielt nun Josef Hoche den Rekord. Josef Hoche wurde von Bürgermeister Link und dem ersten Vorsitzenden des Schaustellervereins Bonn e.V. Josef Schoeneseifen, für 69 Jahre Teilnahme geehrt. Weitere Ehrungen wurden ausgesprochen:
    • Josef Schoeneseifen IV. 44 Jahre,
    • Hilmar Gropengießer 37 Jahre
    • Heinrich Fusshöller 37 Jahre,
    • Willi Graesler 33 Jahre,
    • Johann Willems 30 Jahre,
    • Rudi Köhler, und Maria Vosen 25 Jahre.
  • 1958 haben die Besucher auf dem Pützchens Markt, dem großen rheinischen Volksfest, an 42 Stellen Gelegenheit sich körperlich und geistig zu stärken.
  • 1959 wird im Hauptausschuss, die Anregung der Bürgervereinigung Pützchen-Bechlinghoven, den Pützchens Markt, der bisher nur drei Tage andauerte auf fünf auszudehnen, abgelehnt.

 

Winterfest 1975 in Bonn. Die Bonner Schausteller geben sich die Ehre. v.l. stehend:
Rudolf Barth; Marcel Markmann; Gregor Schutz; Willi Zündorf; Hubert Willems; Günter Sonntag; Herbert Nahrings; Heinz Fusshöller; Kurt Kipp; v.l. kniend: Karl-Heinz Kipp und Günter Barth.

Und so verging Jahr um Jahr. Immer waren die gesamte Bevölkerung, die Schausteller und die Presse in das große Volksfest eingebunden.

Es folgte die Verlängerung auf vier Tage und Anfang der 1970er Jahre, wurde die Eröffnung auf den Freitag vorgezogen, sodass ganz Pützchen und die Umgebung an fünf Tagen feiern konnten.
Bereits am Donnerstag zu öffnen wurde dreimal versucht, aber langfristig nicht festgelegt. Auch der Antrag zu einer gesamten Laufzeit von 10 Tage im Jubiläumsjahr wurde abgelehnt.

Inzwischen schreiben wir das Jahr 2017 und sind im Jubiläumsjahr, 650 Jahre Pützchens Mark angekommen.
Die Spielzeit des Pützchens Markt beträgt fünf Tage und damit sind sicherlich Anwohner und auch Schausteller zufrieden. Bei keiner vergleichbaren Veranstaltung kommen in der Kürze der Zeit so viele Besucher und stellen die kommerzielle Seite für die meisten Beteiligten zufrieden.

Festgehalten wurde an dem Prinzip, genau wie in den 1950er Jahren, dass alle neuen Fahrgeschäfte und sonstige Belustigungen auf dem Pützchens Markt anzutreffen sind.
Nicht zu vergessen, wird auch noch immer für Spielen, Essen und Trinken reichlich gesorgt.

In diesem Sinne viel Spaß und Freude auf dem kommenden Pützchens Markt 2017.

© Margit Ramus

 

Mitteilungsblatt der Gemeinde Bonn, 1949 -1959 Stadt-Archiv Bonn

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