Arten von Schaustellergeschäften A - Z

Offenes Rundfahrgeschäft

St. Moritz-Bahn der Familie Parpalioni. © Archiv Parpalioni

Offene Rundfahrgeschäfte sind Karussells ohne Bedachung. Sie sind eine Differenzierung von Rundfahrgeschäften und somit eine Untergruppe der Fahrgeschäfte.

Eines der ersten Offenen Rundfahrgeschäfte ohne Dach war das Karussell Rakete. Bisher war man davon ausgegangen, dass Friedrich Heyn der erste war, der im Jahre 1936 ein offenes Karussell namens Raketenfahrt zum Mond konstruierte.
Die Fahrt führte in raketenähnlich gestalteten Fahrsitzkörpern über einen schräggeneigten Kreis von etwa 40°, dadurch unterschied es sich in der Konstruktion von dem gewöhnlichen kreisförmigen Rundbau.
Ein im Staatsarchiv von Gotha aufgefundener Originalbauplan zeigt den Auf- und Grundriss einer Raketenbahn, datiert auf den 18. Januar 1930. Der Plan belegt, dass Fritz Bothmann diesen Bautyp bereits 1930 konstruiert hat. Allerdings überdachte er das Karussell mit einem Ringdach.

Eine weitere Sonderform im Karussellbau wurde 1962 von der Firma Mack mit der Sprungschanze geschaffen. In Zentrum eines offenen Rundbaus waren an einer Drehkonstruktion acht kastenförmige Stahlarme mit viersitzigen Gondeln befestigt. Über eingestellte, abgestufte Böcke  führte die Fahrt. Für Augenblicke, abhängig von der Fahrgeschwindigkeit, verlor die Gondel an einer Stelle den Kontakt zur Schiene und vermittelte dem Fahrgast das Gefühl wie bei einer Sprungschanze zu schweben und wieder zu landen.

Ein neues offenenes Rundfahrgeschäft, diesmal in Skelettbauweise wurde aufgrund der Nutzung von Hydraulik und Pneumatik Anfang der 1950er entwickelt.
Der Münchner Schausteller Georg Koch hatte sich seit 1946 mit der Umsetzung einer Idee für ein Luftfliegerkarussell beschäftigt. 1949 begann er gemeinsam mit dem Techniker der Firma Klaus, Mathias Haug einen völlig Bewegungsablauf eines Karussells  zu entwickeln. 1951 war der Prototyp des Hurricanes realisiert. Ein Luftflieger mit pneumatischer Höhensteuerung wurde der Einstieg der Fahrzeugbaufirma Kaspar Klaus aus Memmingen in den Karussellbau.
In Folge der Ausarbeitung von technischen Verbesserungen und der  anfänglich sehr bescheidenen Dekoration, die ein Skelettbau anbot, baute die Firma Klaus vier Entwicklungsstufen des Flugkarussells Hurricane: 1955 den Vampir, 1958 den Schiefen Turm oder Titan genannt und 1966 den Mirage.
Daneben hatte Kaspar Klaus 1958 auch die Lizenz aus den USA für ein Karussell mit dem Namen Round UP erhalten. Es folgten der Passat, der Mondlift u.a..

Ende der 1950er Jahre die Firma Heinrich Mack eine weitere konstruktive Neuheit im Karussellbau, den Calypso gebaut. Ein ebenfalls offener Karussellbau, bei dem die Fahrgäste durch maschinelle Kraft in einem festgelegten Kreis, auf einer kreisrunden Platte in kreuzförmig montierten Fahrgastgondeln befördert wurden. Es folgten von der Firma Schwarzkopf der Hula Hoop.

1970 stieg die Maschinenfabrik Heinrich Wilhelm Huss in Bremen in den Bau von Schausteller-Geschäften eher zufällig ein. Aufgrund der Suche des Bremer Polizisten und Modellbauers Helmut Kastner nach einem geeigneten Maschinenbauer für die Realisierung seiner patentierten Konstruktionspläne eines Flugkarussells mit dem Namen Swing Around. In Folge gab es weitere Entwicklungen von  Karussells in Skelettbauweise aus dem Hause Huss z.B. der Circus Circus, der im Polyp sein Vorbild hatte.

1984 gelang der Firma Huss mit dem Break Dance ein Karussell, welches bis zur Gegenwart zu den aktuellen Karussells auf allen deutschen Volksfesten gehört.

© Dr. Margit Ramus

Dazu Schaustellergeschäfte im Archiv Kulturgut Volksfest:

 

 

Bonhoff, Michael: Sprung Schanze. In: Kirmes und Park Revue 7 2000, S. 50-58.

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