Schaustellergeschäfte A - Z

Hully Gully

Hully Gully der Firma Tiemann. © Archiv Opitz
 Name des Geschäftes Hully Gully
Typologische Bauaufgabe Offenes Rundfahrgeschäft
Bauform Rundbau
Baujahre 1967ff
Hersteller Heinrich Mack
Maler Heinz Opitz sen.
Dekorationsstil Flower Power; Weltraum-, und Südsee-Thematik
Dekorationsthema Musik und Tanz
Bauherren / Inhaber Tiemann; Hohl; Schoeneseifen; Kinzler; Distel u.v.a.
Baugeschichte

Begonnen hat die Geschichte des tanzenden Karussells, Hully Gully mit der Idee des Schaustellers Martin Wöhrle. Es sollte eine Weiterentwicklung des Round Ups werden.

Mit finanzieller Hilfe des Münchner Festwirts Karl Maier/Göckelesmaier konstruierte man nach einer langen Testphase ein Karussell, dessen Gondelkranz auf einer Scheibe am Ende eines entgegengesetzt rotierenden Hubarms gelagert war und so bei der Karussellfahrt eine tanzenden Exenterbewegung mit ständigem Richtungswechsel erreichen sollte.

Die erste Anlage war eher mit einem „Eisenkasten“ (Bonhoff 1999.1+2 S. 32) zu vergleichen. Trotzdem erhielt das Karussell den Namen Trabant, obwohl es nicht einen Flug zu den Sternen suggerierte. Nach vielen Nachbesserungen, aufgrund der Auflagen des TÜV Bayern, erhielt der Münchner Schausteller Friedrich K. Beirer 1960 eine Zusage zum Münchner Oktoberfest.

Noch immer waren nicht alle technischer Probleme optimal gelöst, sodass Beirer dem Interesse für das Karussell des deutschstämmigen Schausteller Carl Sedlmayr nachgab. Er überließ ihm den Trabant für dessen amerikanischen Vergnügungspark „Carnival Royal American Show“ über einen Leasing-Vertrag. Vereinbart wurden die Beteiligung der Einnahmen sowie eine symbolische Kaufsumme nach Ablauf der ersten Saison in den USA.

Der Trabant schlug in Amerika sofort ein, sodass sich eine Weiterentwicklung mit dem Ziel einer Serienanfertigung anbot. Mack Duce, der als Fahrgeschäftsimporteur die gesamte geschäftliche Transaktion organisiert hatte, stellte den Kontakt zu Harold Chance her. Chance stellte bis dato Miniatur-Eisenbahnen her und war bereit die technischen, konstruktiven und formalen Veränderungen dieses Karussells, umzusetzen. Nun galt es Carl Sedlmayr zu überzeugen, der gemeinsam mit dem ehemaligen Besitzer Beirer aus Deutschland die Patentrechte besaß.
Es wurde beschlossen, dass Sedlmayr die erste Ausführung des überarbeiteten Karussells erhalten sollte und darüber hinaus gemeinsam mit Beirer für jede gebaute Anlage von Chance eine Lizenzgebühr erhalten würde.
Chance stellte seine neue Konstruktion auf der Weltausstellung in Chicago 1962 vor. Er hatte die Anordnung der Sitze verändert, indem er 20 kleine Kabinen für jeweils zwei nebeneinander sitzende Fahrgäste um den Auslegerkranz gruppierte.
Das Karussell wurde zu einem der erfolgreichsten Karussells in Amerika. Insgesamt sollen über 300 Anlagen gebaut worden sein. Chance hatte bis 1985 die alleinigen Verkaufsrechte und Carl Sedlmayr bekam 20 Jahre lang Lizenzgebühren für jeden verkauften Trabant.

Auf der Weltausstellung in Chicago war auch Heinrich Mack auf die neue Karussellkonstruktion aufmerksam geworden. Die Planung für eine deutsche Ausgabe begann. Die Präsentation des neuen Karussells im Kreise einiger Schausteller überzeugte nur zwei Schaustellerfirmen.
1967 wurde das erste deutsche tanzende Karussell mit dem Namen Hully Gully gleich zweimal ausgeliefert. Der Prototyp erhielt Otto Tiemann aus Hamburg und gleichzeitig ging eine weitere Anlage zu Heinz Hohl nach Stuttgart.

Baubeschreibung

Offener Rundbau von 18 Metern im Durchmesser, dessen Oberfläche nach hinten leicht ansteigt.
Im Zentrum steht ein schräg gestellter Wagen, auf dem eine Drehkonstruktion mit einem hydraulischer schwenkbaren Hubarm befestigt ist, der sich bis zu 45° anheben lässt. Am Ende des Hubarms ist eine Scheibe mit ringförmig, nach innen angelegten kleinen Kabinen mit Sitzbänken für je zwei Personen montiert.

Angetrieben wird die Scheibe mittels am Außenrand befestigten Reibradmotoren. Die Drehung der Scheibe erfolgt mit 22U/min nach links und der Unterbau mit 11U/min nach rechts. Dadurch rotiert die Karussellscheibe mit den Sitzkabinen gegenläufig, und eine Exenterbewegung mit ständigem Geschwindigkeit- und Richtungswechsel entsteht.

Am Mittelbauwagen ist eine waagerecht, sternförmig ausgelegte Bodenkonstruktion eingehängt und mit Querverbindungen an den äußeren Enden zu einem Kreis von etwa 18 Metern Durchmesser verbunden. Im Außenrand sind in die Einstiegsebene niedrige und nach hinten immer höher werdende Eisenböcke eingestellt und mit Traverse verbunden. In den schräg geneigten Kreis der umlaufenden Böcke ist ein hölzerner Fußboden aufgelegt.

Der offene Rundbau ist nach hinten mit einer hohen, mehrfach geschwungenen Rückwand umschlossen. Sie mündet seitlich in eine überdachte Wartezone, die von Balustraden bis hin zum dreistufigen Aufgang der Einstiegsebene flankiert wird. Seitlich ist die Kasse positioniert. Der Rückwand ist ein Schriftzug aus Leuchtbuchstaben aufgesetzt.

Dekoration

Erster Hully Gully der Firma Otto Tiemann. 1967 ©Archiv Opitz

Beim Prototyp für den Hamburger Schausteller Otto Tiemann wollte die Gestaltung der Rückwand einen Bezug zur tanzenden und taumelnden Drehscheibe des Karussells herstellen. Deshalb wurde  in einer Nische im Zentrum, eine dreiköpfige Bongo-Band eingestellt. Rechts und links schlossen sich vielfach geschwungene Bildtafeln mit aufgelegten Lichtleisten in Bogen-, Stern- und Halbkreisformen an.

Beim zweiten Hully Gully von Tiemann setzten Palmen und Hawaiianerinnen besondere Akzente. Die in leuchtend bunten, warmen Rottönen gemalte Rückwand suggerierte eine Südsee-Atmosphäre.

Lichtständer mit sternförmig angeordneten Lichtleisten schlossen die Fassade nach hinten ab. Im Eingangsbereich verwendete Mack die blütenkelchartigen Lichtständer, die

Zweiter Hully Gully der Firma Tiemann mit Südsee-Thematik bemalt. 1968 © Archiv Opitz

auch schon von dem Bautyp Calypso bekannt waren.

Der nächste Bauherr Heinz Hohl aus Stuttgart wählte ein Weltraum-Motiv und den Namen Uranus. Auch die Formgestaltung der Rückwand blieb recht ungewöhnlich. Der Entwurf in kräftigen Blautönen von Heinz Opitz gemalt, wurde im Original formell umgesetzt. Abweichungen ergaben sich jedoch in der Farbauswahl. Man entschied sich für warme Gelb- und Rottöne.
Das Zentrum war mit einem Segmentbogen überspannt, der von sternförmig ausgeschnittenen Bildtafeln mit grafischen Mustern flankiert wurde. Über den beiden angefügten Feldern erhoben sich Kometen, deren Konturen beleuchtet waren. Funkelnde Sterne waren auf der gesamten Fassade verteilt zu sehen.

Hully Gully / Uranus der Firma Hohl. 1968 © Archiv Opitz

Dekoration des Schwabinchen’s

Schwabinchen der Firma Distel. Archiv Opitz

Die Firma Distel aus München wählte für die Dekoration ihres neuen Karussells ein Lokalkolorit. Distel ließ sich den Namen Schwabinchen und die Dekoration für seinen Hully Gully für den deutschen Markt schützen. Er hatte zuvor die Genehmigung eines Münchener Karikaturisten erhalten, dessen Darstellung einer langbeinigen Schönheit aus dem Schwabinger Milieu mit dem Namen „Schwabinchen“ auf der Fassade seines Hully Gullys zu verwenden.
Opitz entwarf für die Rückwand das bunte, originelle München-Bild. Schunkelnde Türme der Frauenkirche, wankende Säulen der Ruhmeshalle sowie die Figur „Schwabinchen“.
Eine bayrische Blaskapelle stand im Zentrum und wurde von einem Herzfries überspannt. Darüber schloss der sternförmig angelegten Lichtleisten akzentuiert und erweckten in Bewegung des Karussells den Eindruck eines weit ausschwingenden Dirndl-Glockenrocks.
Der Name Schwabinchen schloss in großen Leuchtbuchstaben die Fassade ab.
Aufwendig dekoriert war der Gondelkreisel. Die weißen Wangen des Rings waren mit verchromten Blinkerlampen aus der Autoindustrie geschmückt und mit farblichen Schweifen unterlegt.
Für den Münchener Schausteller entwarf Opitz auch weitere individuelle Dekorationselemente. Beispielsweise kleine Dächer für jede zweite Gondelkabine und Lebkuchenherzen mit Inschriften wie „Steiler Zahn, Küss mich“.
Das Zentrum der Dreh- oder Gondelscheibe schmückte eine von dem Bildhauer Heinrich List gefertigte Büste einer vollbusigen Münchenerin. Die Konturen der einzelnen Ausleger des Gondelverbunds waren mit Lichtleisten akzentuiert.

Bereits zum Saisonende 1967 war das Interesse für den neuen Karusselltyp geweckt. Als der Prototyp für Tiemann zum Schützenfest in Hannover ausgeliefert wurde, soll Mack hinter dem Geschäft in einem Camping-Wagen ein Büro eingerichtet haben und Aufträge zum Bau des Geschäftes entgegengenommen haben. Das gleiche soll auch auf der Düsseldorfer Rheinwiese stattgefunden haben. Die Kaufsumme soll zwischen 200.000,- und 250.000,- DM gewesen sein.   (Bonhoff 1999.1+2 S. 35)

Mack baute in der Folge eine große Anzahl, bald hatten Schausteller in ganz Deutschland, Aufträge zum Bau des neuen tanzenden Karussells erteilt.
Außer den beiden Modellen Uranus und Schwabinchen wurde das Dekorationsthema Musik und Tanz immer wieder individuell angewandt. Ab den 1968er Jahren beeinflussten die Flower-Power- und Hippie-Welle auch die Dekoration der bunten Familienkarussells. Außerdem schmückten Bilder der „Beatles“ und anderer Musikbands viele Fassaden des Karussells Hully Gully.
Gewählt werden konnten auch unterschiedliche Höhen der Rückwand. Außerdem wurden aufgrund der freien Wahl zur Bekrönung der Mittelkosnstruktion individuelle Akzente gesetzt. Zum Beispiel die Büste einer vollbusigen Münchenerin, beim Schwabinchen, oder die Hula- Tänzerinnen bei den Firmen Geiser und Weeber.

Ab 1971 wurden die Wangen, die Außenseiten des Gondelkranzes, durch Lieferschwierigkeiten, der bisher verwandten Lampen aus dem Karosseriebau, gegen drei Blütenlampen ausgewechselt, dadurch ergibt sich eine Zäsur der Baujahre.

Weitere Karussells dieser Baureihe

Aufgrund der Nachfrage durch die auftretenden Euphorie für das neue Karussell trennten sich bereits einige Erstbesitzer nach kurzer Zeit wieder davon. Es hieß, dass mit beträchtlichem Gewinn verkauft worden sei. Ohne Zweifel, wechselten die einzelnen Anlagen mehrmals ihre Besitzer. Einige blieben in Deutschland, andere wurden an Vergnügungsparks ins Ausland verkauft. Einige Karussells sind noch heute in gutem Zustand auf deutschen Volksfestplätzen im Einsatz.

Die folgende Auflistung hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit und für Berichtigungen von Namen, Daten oder Fakten nutzen Sie bitte den Kommentar.
Danke für Ihre Aufmerksamkeit!

  • 1967 erwarb Otto Tiemann den Prototyp, der bereits nach Ende des Winterdoms in Hamburg an Albert Aigner nach München verkauft wurde.
  • 1968 erhielt Tiemann eine neue Ausführung, deren Rückwand mit einer Südsee-Thematik in kräftiger farblicher Fassung gemalt und gestaltet wurde. Die Rückwand wurde zusätzlich mit leuchtenden Sternen bekrönt. 1973 wurde der Hully Gully an Georg Wirsing aus Schleswig-Holstein verkauft. Nach 1979 erfolgte ein Wechsel zu Wolfgang Seeberger aus Genthin im Osten.
  • 1967 hatte Heinz Hohl zeitgleich mit dem Prototyp von Tiemann seinen Uranus übernommen. Er verkaufte 1969 an den Vergnügungspark „Parque de Atracciones Casa de Campo“ in Madrid. Aber schon bald kam das Geschäft wieder auf die Reise und sogar nach Deutschland. Nach einigen Besitzerwechsel, übernahm die Firma Becker aus Kaiserslautern den Uranus und verkaufte nach kurzer Zeit an die Firma J.&S. Sturm. Den endgültigen Standplatz soll das Geschäft auf dem Balkan gefunden haben. Bis zuletzt war an der außergewöhnlichen Form der Rückwand festgehalten worden. Allerdings war das Weltraum-Motiv gegen eine amerikanisierte Bemalung ausgetauscht worden.
  • 1968 Fritz Kinzler gehörte ebenfalls zu den Erstbesitzern. Er verkaufte nach einer Saison an die Firma Tissot in die Schweiz.
  • 1968 erfolgte eine Auslieferung an Josef Schoeneseifen aus Köln(Vater der Verfasserin) . Am 1. Mai 1969  wurde Josef Schoeneseifen in Velbert, während einer technischen Störung, im Mittelbau des Geschäftes schwer verletzt. Er lag viele Wochen mit einem Beckenbruch und anderen Verletzungen im Krankenhaus.  Nach Ende der Saison trennte sich die Familie von dem Karussell und bestellte bei Mack die Diskothek. Der Hully Gully wurde an Oscar Bruch verkauft. Von der Firma Bruch wechselte der Hully Gully nach Österreich und kam 1976 wieder zurück nach Deutschland zur Firma Spangenberger. 1993 verkaufte Spangenberger den Hully Gully in den Vergnügungspark Cricoland in Polen.
  • 1968 feierte Heinz Distel mit seinem Schwabinchen, eine individuelle Dekoration des Hully Gullys, zum Maidult in Passau Premiere. 1973 verkaufte Distel an die Firma Müller aus Hannover. Nach einigen Jahren wechselte Müller die bayrische Dekoration gegen eine klassische Rückwand mit dem Namen Hully Gully. Richard Franke hatte seinen 1981 aus zweiter Hand erworbenen Hully Gully 1985 an den Heidepark Soltau verkauft. Dort wurde die Rückwand nicht gebraucht, sodass sie künftig das ehemalige Distel Geschäft dekorierte. Nach der Wende wurde das ehemalige Schwabinchen in den Osten Deutschlands an die Firma Friedrich aus Staakow verkauft und danach erfolgte ein weiterer Besitzerwechsel an die Firma Schwill aus Görlitz. 2006 wechselte das Karussell an die Firma Van der Laan (Niederlande), und 2007 Firma Greif-Castro (Belgien).
  • 1968 erwarb die Firma H. Loeb ebenfalls einen Hully Gully, der schon bald an die Firma Roos verkauft wurde. 1979 wechselte er zu Anton Biermann aus Gelsenkirchen, der bis zu einem Brand im Jahre 1983 damit reiste.
  • 1968 bekam auch die Firma Weinert einen Hully Gully, der wurde 1970 an Otto Wendler aus Unna verkauft. 1979 wechselte das Geschäft zu Anton Scheffer, dann zu den Firmen Schrod und Thieme. 1998 bis 2012 reiste Oliver Spagerer aus Darmstadt mit dem Karussell. Danach soll es noch zwei Besitzerwechsel (Meinecke/Roder) gegeben haben, bevor das Geschäft endgültig im Jahre 2013 nach Russland verkauft wurde.
  • 1968 Lieferung an die Firma Beuermann aus Berlin. 1972 bis 1990 reiste die Firma Köhrmann aus Nienburg damit und ab 1991 bis etwa 2001 die Firma Kröckel aus Pößneck.
  • 1968 Lieferung an die Firma Kind-Hempen aus Oldenburg. Bis 1990 blieb das Geschäft in deren Besitz und wurde dann an die Firma Langenscheidt verkauft. 1994 an die Firma Weiß aus Bayern. Infolge wechselte noch einmal der Besitzer. Die Firma Schramm aus Wiesbaden betrieb bis 2004 den Hully Gully.
  • 1969 Lieferung an Rudolf Robrahn aus Bremen. Aufgrund der Wahl zum Kauf eines Flitzers (kleine Achterbahn) der Firma Zierer, übernahm die Schwester Hilde Tolisch-Robrahn den Hully Gully. Danach wechselte das Karussell zu den Firmen Kuckartz aus Bochum, Herbert Meyer aus Neuwied und Weber. 1982 erwarb die Firma Edmund Eckl aus München das Geschäft und gab ihm, nach einer dekorativen Neugestaltung, den Namen Disco-Fieber. 1989 verkaufte Eckl an Karl Lenz, der verkaufte gleich weiter an Andrea Merten aus Teutschental. 1994 Wechsel zu Ines Sauerwald aus Torgau und 2004 zu Sascha Ernst aus Leer. Inzwischen reist die Firma Gino Groß mit dem Geschäft.
  • 1969 wurde ein Hully Gully nach Belgien zu der Firma Lauwers ausgeliefert. 1975 gelangte das Karussell zurück nach Deutschland zur Firma Kreis aus Augsburg. 2005 gab es wieder einen Besitzerwechsel zur Firma Spies aus Eschwege. 2008 kaufte die Firma Kleuser (Riesenbeck) den Hully Gully, den einzigen mit einer POP Art Dekoration und reiste bis 2013 damit. Dann wurde das Karussell eingelagert.
  • 1971 wurde eine Anlage an die Firma Geiser Eilendorf/Aachen ausgeliefert. 1979 verkaufte Geiser an die Firma Fellerhoff. 1983 wurde das Karussell in die USA verkauft.
  • 1972 erwarb Adolf Weeber aus Stuttgart einen Hully Gully. 1989 verkaufte Weeber an die Firma Branicki aus Rosenheim. Nach einer Restaurierung bekam den Karussell den Namen Surfdancer. Nach weiteren Besitzerwechsel soll das Geschäft in die Schweiz an die Firma Peter & Righini verkauft, die z.B. 2004 damit auf der Basler Messe gestanden haben sollen.
  • 1978 Lieferung an Bruno Tusch aus Viersen. Bereits 1979 verkaufte Tusch an die Firma Göttig aus Witten und 1985 wechselte das Karussell zu Lütge-Hedtmann, ebenfalls aus Witten. Die Die Südsee-Thematik musste einer Pop-Art Bemalung weichen. Im Jahre 2004 übernahm Vollmer aus Horn-Bad Meinberg den Hully Gully, mit dem er noch heute reist.
  • Das Baujahr des Rolling Bell ist zurzeit noch nicht bekannt. Erstbesitzer war die Firma Schmock aus Berlin. Dieser verkaufte an die Firma Hermi Altrogge aus Münster. Altrogge verkaufte an die Firma Mark aus Köln. Mark trennte sich bald darauf wieder und verkaufte an die Firma Lorgie aus Berlin.

Über den weiteren Verbleib der einzelnen Anlagen ist nichts bekannt.
Die ausführliche Auflistung der Auftraggeber und die Besitzerwechsel möchten einen Eindruck vermitteln, wie kurzlebig manche Karussell-Typen sind und schnell wieder von den deutschen Volksfestplätzen verschwinden. Gerade deshalb sollten die wenigen noch im Betrieb befindlichen Anlagen, besonders gepflegt und erhalten bleiben.

Jürgen Wilhelm aus Saarlouis erstellte das Modell eines Hully Gullys aus Lego-Bausteinen. Freundlicherweise stellte er eine Abbildung dem Archiv zur Verfügung. Sie ist der der folgenden Galerie eingestellt.

© Margit Ramus

Bildgalerie

Bonhoff: Hully Gully. In: KR 1 u. 2. 1999. S. 32ff.
Bonhoff: Hully Gully. In: K Sp. S. 96ff.
http://www.ride-index.de/

20 Beiträge zu “Hully Gully

  1. Thomas Hoffmann

    Interessante Details wie auch hier eine persönliche Geschichte gibt es zu jenem Hully Gully zu berichten, der 1969 an die Fa. Weinert aus Düsseldorf ausgeliefert wurde:

    Als die Fam. Meinecke/Decker aus Oldenburg die Anlage Ende erwarb, wurde das Geschäft komplett zerlegt, um es zu überholen. Bei der Restauration des Mittelbaus brach der E-Kasten aufgrund Altersschwäche komplett ab. Da der Fahrstand unter einem der Vorbesitzer bereits umgebaut worden war und somit tiefer, entschied man sich kurzerhand, die Anlage technisch komplett umzurüsten und den E-Kasten mit in die Kasse zu integrieren, wie man es von verschiedenen Huss-Fahrgeschäften auch kennt. Im Zuge dessen wurde nicht nur die komplette Verkabelung des Geschäfts erneuert, sondern auch die Antriebstechnik: zum ersten Mal kamem somit bei einem Hully Gully computergesteuerte Frequenzumrichter zum Einsatz, welche die alten Gleichstromrichter ersetzten. Dadurch war es seinerzeit weltweit die erste Anlage vom Typ Hully Gully, die nicht über Schaltstufen, sondern stufenlos über Potis gesteuert werden konnte. Durch den ständigen Wechsel der Geschwindigkeiten von Exzenter und Drehkranz ergaben sich einige interessante neue Fahreffekte.

    Ein interessantes Detail gibt es noch über die Rückwandbeleuchtung zu erzählen: für gewöhnlich gab es auch an diesem Fahrgeschäft aufgesetzte Lichtleisten, die separat montiert werden mussten. Einer der Vorbesitzer hatte diese Leisten jedoch entsorgt und die einzelnen Kappenlampen direkt in die Krone der einzelnen Rückwandelemente hineingebohrt. Die Fontänen an den stilisierten Bögen der Rückwand existierten leider auch nicht mehr. Einige zusätzliche Bohrungen in der Rückwand lassen vermuten, dass es an einzelnen Stellen in der Vergangenheit noch andere beleuchtete Dekoelemente oder motorgetriebene Wackelfiguren gegeben haben muss. Die Steuerung der Rückwandbeleuchtung und des großen Schriftzuges erfolgte noch original über einen Kettenantrieb, der in einem Kasten unter dem Fahrstand verbaut war.

    Bei der Premiere unter Meinecke/Decker auf meinem Heimatplatz in Krefeld-Gartenstadt durfte ich bereits dieses tolle Geschäft rekommandieren und auch noch auf einigen anderen Plätzen in 2012. Zusätzlich dazu richteten ein mit mir gut befreundeter Elektriker und ich die alte Musikanlage ein wenig her, damit sie akustisch wieder besser zur Geltung kam.

    Leider trennten sich Meinecke/Decker Ende der Saison wieder von diesem Klassiker, da die Nachfrage nach diesem Geschäftstyp nicht mehr den Vorstellungen der Betreiber entsprach. Die Rückwand war sehr schlicht gehalten in klassischen Pastelltönen ohne Bildmotive, wie Opitz sie zum Zeitpunkt der Erstauslieferung noch ausführte. Eine Neugestaltung der Rückwand kam allerdings nicht in Frage, da diese Rückwand die letzte noch verbliebene „Originalversion“ deutschlandweit war.

    So verkaufte man schweren Herzens an Ludwig „Männle“ Roder aus Karlsruhe, den ich im Rahmen meines Schwarzwaldurlaubs 2013 in Karlsruhe auf dem Festplatz besuchte. Er hatte einige farbliche Veränderungen an Rundlauf und Mittelbau vorgenommen, eine flammneue Musikanlage der Fa. Bell angeschafft und die Frequenzumrichter neu programmieren lassen, um das Fahrgefühl etwas zu verstärken. Da man das Geschäft erst auf nur wenigen Plätzen zuvor präsentiert hatte und noch etwas unsicher in der Verarbeitung war, bat man mich, spontan für jenes Wochenende in Karlsruhe das Geschäft erneut zu rekommandieren. Nach und nach durften auch seine Frau und seine Tochter neben mir Platz nehmen, um ein paar verborgene Finessen der stufenlosen Steuerung kennenzulernen.

    Leider sollte dies mein letzter Auftritt an diesem Fahrgeschäft sein, denn auch die Fa. Roder bekam die nachlassende Nachfrage an diesem Fahrgeschäftstyp zu spüren und verkaufte das Karussell nach jener Saison an einen damals im Bau befindlichen kleinen Freizeitpark in Russland. Dort kam es wohl nur ganz kurz zum Einsatz und wurde kurzzeitig wieder auf diversen Portalen zum Verkauf angeboten. An dieser Stelle verliert sich leider die Spur.

    In der Zwischenzeit hatte auch ein Schweizer Schausteller seinen Hully Gully auf Frequenzumrichtersteuerung umbauen lassen. Auch die Fa. Volmer verfügt m.W. seit ca. 3 Jahren über diese Technik.

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  2. Kröger

    Hallo,habe ein Karussell ( Winer Prager ) Elektrisch betrieben.
    Auf dem Material im inneren steht aber kein Hersteller,nur 400 – 10/3 und S1968 oder auch 1981
    Und das das Karussell aus Deutschland kommt.
    Kennt Jemand den Hersteller ?
    Gruß R.Kröger

    Antworten
    1. Margit Ramus Beitragsautor

      Hallo Herr Kröger, entschuldigen Sie die späte Antwort.
      Wenn Ihr Karussell, laut Ihren Angaben 1968 oder 1981 von einem deutschen Hersteller gebaut wurde, muss es auf jeden Fall ein deutsches Baubuch sowie eine deutsche baumaßliche Erstabnahme haben. Dort muss der Hersteller aufgeführt sein, über den Sie dann weitere Auskünfte im Archiv finden können.
      Mit freundlichen Grüßen Margit Ramus

      Antworten
  3. Anton Scheffer

    Hallo Frau Ramus,
    mein Name ist Anton Scheffer aus Lippstadt. Ich habe den „Hully Gully“ 1980 von der Firma Horz aus Lemgo gekauft und 1988 an die Firma Schröder aus Offenburg verkauft.
    Das Geschäft war von Weinart dann Otto Wendler danach Kurt Horz
    Mit freundlichen Grüßen Anton Scheffer

    Antworten
  4. Margit Ramus Beitragsautor

    Greetings from Ohio! I’m bored at work so I decided to check out your site on my iphone during lunch break.
    I really like the information you provide here and can’t wait
    to take a look when I get home. I’m shocked at how quick your blog loaded on my cell phone ..
    I’m not even using WIFI, just 3G .. Anyhow, good

    Antworten
    1. Margit Ramus Beitragsautor

      Diese Mail erreichte mich heute aus Ohio. Freue mich, dass inzwischen das Archiv auch weltweit aufgerufen wird.
      Hier die deutsche Übersetzung:

      Grüße aus Ohio! Ich war mir bei der Arbeit langweilig, also beschloss ich, Ihre Website auf meinem IPhone in der Mittagspause zu überprüfen/aufzurufen.
      Ich mag die Informationen, die Sie hier geben und ich kann es kaum erwarten wenn ich nach Hause komme. Ich bin schockiert/erstaunt darüber, wie schnell dein Blog auf mein Handy geladen ist ..
      Ich benutze nicht einmal WIFI, nur 3G .. Wie auch immer, gut

      Viele Grüße aus Deutschland Margit Ramus

      Antworten
  5. Rainer Wallenfang

    Hallo Margit Ramus,
    ich lese hier sehr interessiert über die vielen HG von Mack, mir sagte mal jemand, es sollen wohl mindestens 25 Stück gebaut worden sein, wobei der 1978 gebaute HG von Volmer der letzte gewesen sein soll. Den bin ich vor 5 Jahren in Remscheid noch begeisternd gefahren. In Köln erinnere ich mich noch sehr gut an „Rolling Bell“ auf dem Roncalliplatz vor dem Dom bei einer Karnevalskirmes. Schade, dass niemand weiß, wohin der gekommen ist, aber ich kann mir nur denken, dass einige Exemplare wohl ausgeschlachtet wurden und als Ersatzteilspender hinhalten mussten. In der Schweiz gibt es einen sehr gut restauriertes Exemplar, das fast wie neu aussieht. Schön, sowas zu sehen, ich liebe einfach diese alten Fahrgeschäfte!

    Antworten
    1. Margit Ramus Beitragsautor

      Hallo Herr Wallenfang
      der Rolling Bell war von der Firma Schmock aus Berlin. Dieser verkaufte an die Firma Hermi Altrogge aus Münster. Altrogge verkaufte an die Firma Mark aus Köln. Sie standen auch zu Karneval in Köln auf der Dpmplatte. Mark trennte sich bald darauf wieder und verkaufte an die Firma Lorgie aus Berlin.

      Antworten
  6. Karl Winter

    Kann Firma Lorgie aus Belgien ein Übermittlungsfehler sein? Die Firma Eduard Lorgie & Tochter aus Berlin reiste ende der 1970iger/Anfang 80iger Jahre, nachdem sie sich von ihrer Schlickerbahn Apollo 11 getrennt hatte, mit einem Hully Gully. Gereist wurde nur innerhalb West-Berlins. Das Karussel wurde nur sehr wenige Jahre bis zum frühen Tod von Herrn Lorgie betrieben.

    Antworten
    1. Margit Ramus Beitragsautor

      Hallo Herr Winter
      leider hatte ich vergessen Ihnen zu antworten. Die Firma Lorgie stammt aus Berlin und nicht aus Belgien. Danke für die Info. Vielleicht finden sie noch heraus, an wen das Karussell verkauft wurde?

      Antworten
  7. Rico Franke

    Wir hatten auch ein Hully Gully, wir haben den von der Firma Röper gekauft und dann hat uns Tiemann den für seinen Heide Park wieder abgekauft. 😔

    Antworten
    1. Beyersdorf

      Hallo Sehr geehrter Rico Franke

      Leider wurde ihr Hully Gully 2018 von dem neuen Eigentümer des HG’s teil-verschrottet und stand zuvor ab Ende 2009 in Rumänien. Ich finde schade, wenn Leute unachtsam mit historischen Fahrgeschäften wie dem Hully Gully umgehen.

      Antworten
  8. Mark Roschmann

    Guten Abend,
    bitte den Namen der Firma Heinz Hohl berichtigen.
    Heinz Hohl / Stuttgart (nicht Höhl)

    Gruß Mark Roschmann

    Antworten
      1. Christoph Degener

        Hallo Schimskx, Hallo Margit Ramus
        die Fa. Kurt Horz aus Detmold hatte nach meinen Infos den HG von Köhrmann gekauft, das muss so gegen Ende der 1970er gewesen sein. Das Geschäft ging aber nach relativ kurzer Zeit wieder zurück an die Fa. Köhrmann.

        Mit Schrecken erinnere ich mich noch an den Rolling Bell. den die Fa. Lüdtge-Hedtmann Ende der 1980er mal kurzzeitig als Leihgeschäft hatte. Da passte nix mehr gescheit zusammen, das wichtigste Utensil beim Auf-/Abbau war der Vorschlaghammer.

        Antworten
        1. Margit Ramus Beitragsautor

          Hallo Herr Degener
          danke für die Info. Bisher ist mir von diesem Verkauf nichts bekannt gewesen, aber ich werde bei Köhrmann nachfragen und mich wieder melden.

          Antworten

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