Kunsthistorische Betrachtung der Dekorationen A - Z

Dekorationen der 1950er Jahre

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde zum ersten Mal bei den Dekorationen einiger Bauaufgaben auf figürliche Malerei verzichtet und stattdessen wurden geometrische Abstraktionen in zarten Pastelltönen gemalt. Besonders auffallend gestalteten sich in den 1950er Jahren die dekorativen Veränderungen der Autoskooter.
Neu waren die vertikal aufgestellten, unterschiedlich langen Neonröhren und die Formen der Schmuckdachkanten und Vorhangfassaden, mal geometrisch, mal in schwingenden Linien gearbeitet.
Dazu kam die Einführung der Hydraulikkarussells als Skelettbau, ohne zusätzliche dekorative Bildtafeln sowie die neue Karussellbauform der Offenen Rundfahrgeschäfte, die ohne Bedachung mit feststehendem Sockel von einer bemalten Rückwand eingefasst wurden.

Der Maler Herbert Sommer hatte 1946 den ersten Auftrag von dem Schausteller Feldl erhalten, die Vorhangfassade eines als Hallenbau konzipierten Laufgeschäfts zu gestalten. Sommer malte die klischeehafte Vorstellung von Hollywood. Inzwischen hatte eine allgemeine Amerikanisierung des Lebensgefühls bei der Bevölkerung eingesetzt. Collagenartig stellte Sommer Klischees der „Golden Twenties“ und des „American way of life“ dar. In dem Zusammenwirken von Schrift und Bild erinnert Sommers Malerei an Collagen der Dadaisten, wie zum Beispiel an Edward Burra.
Dering führt diese Fassade als Beispiel der Aufbruchsstimmung nach dem Zweiten Weltkrieg an. Er schreibt:

„Hier spürt man geradezu die Begeisterung über die plötzlich zugängliche amerikanische (Film-)Kultur. Wolkenkratzer, Straßenkreutzer, ‚Negerband‘ und flotte Girls sind die Versatzstücke dieser genialen Fassade […]“. (Dering 1986. S. 212)

Die neue Lebensfreude drückt sich auch in der Fahrt mit der Überschlagschaukel (Ramus 2013. Kat. Nr. 30) aus, die Bothmann bereits Mitte der 1920er nach amerikanischem Vorbild gebaut hatte. Sie bekam den Namen Looping de Loop und wurde nach dem Zweiten Weltkrieg nun auch von der Firma Achtendung in Köln hergestellt.

Schon bald nach Kriegsende hatte Heinrich Mack den Bau von Autoskootern wieder aufgenommen. Herbert Sommer und Heinz Opitz malten 1947 zum ersten Mal geometrische Figuren auf die Schmuckdachkante eines Autoskooters. Übergangslos angeordnete Tafeln zeigten nach oben einen geraden Abschluss. Die Längsseite erhielt einen besonderen Akzent durch ein Muschelsegment, das im Zentrum platziert und durch Lichtleisten zusätzlich hervorgehoben wurde. Die Betonung der Eckelemente wurde durch volutenartig geformte Lichtleisten geschaffen. Auf der Abbildung lassen sich geometrische Muster in Pastelltönen auf der Schmuckdachkante ausmachen. An der Kopfseite ist innerhalb eines Halbkreises ein zeitgenössisches Automobil dargestellt. Neu sind die Plafonds als dekorative Elemente, die den Raum zwischen Dachüberstand und Wandgestaltung schließen. Obwohl gerade, flächige Bildträger der Schmuckdachkante eingeführt wurden, hielt man durch die Formen der aufgelegten Lichtleisten an Fächern und Voluten fest.

Die dekorative Gestaltung des 1952 von Eugen Distel bei Mack in Auftrag gegebenen Autoskooters revolutionierte das Aussehen der Vorkriegsmodelle. Er war ebenfalls von Sommer und Opitz gestaltet worden. Über den mit Waben bemalten Plafonds war das neue Dekorationselement einer Wulst eingefügt, darüber schloss die Schmuckdachkante die Fassade ab. Sie war von einer Abfolge vertikal aufgestellter, unterschiedlich langer Neonröhren vor dem Hintergrund gemalter geometrischer Muster beleuchtet. Die vertikal über Wulst und Plafonds angebrachten Röhren griffen die Achsen der Holzstützen auf. Die Leuchtkörper übernahmen eine dekorative Funktion.

Obwohl die Schausteller Distel, Sartorio und andere bereits auf die neue Dekoration mittels Neonröhrenbeleuchtung umgestiegen waren, bestellte Rudolf Barth 1952 noch einmal einen Autoskooter mit einer neubarocken Fassade. Sie wurde – wie schon der erste Autoskooter von Barth – wieder von Fritz Hilbert gemalt.

Ab den 1950er Jahren steigerte sich bei jedem Folgemodell dieser Baureihe der Einsatz von Neonröhren und Lichtleisten und die Malerei trat mehr und mehr in den Hintergrund. Aber auch die Formen änderten sich. Hinzu kamen ab 1954 technische Neuerungen, indem von dem Holzstützenkranz zunächst auf sechs und ab 1961 auf acht Stahlsäulen umstrukturiert wurde. Im Jahr 1975 wurde auf zwei Säulen reduziert. (Dering 1986. S. 213) Dies hatte aber kaum Einfluss auf die Dekoration.

Bei einigen wenigen Modellen wiederholte sich die dekorative Gestaltung, zum Beispiel bei den Autoskootern von Distel und Pötzsch. Obwohl der von Distel bereits ein Modell mit der technischen Entwicklung zu einem Sechs-Säulen-Autoskooter war. Die Säulen wurden Teil der Fassadengestaltung. Vertikal aufgestellte Neonröhren wurden mit transparenten Kunststoffwänden, einer sogenannten Säulenverkleidung, verkleidet. Die Schmuckdachkante erhielt nach oben einen geraden Abschluss. Sie bestand aus drei Elementen: den konkav geschwungenen Plafonds, der konvex geschwungenen Dachkante und die beide miteinander verbindende Wulst.

Die gleiche dekorative Gestaltung der Schmuckdachkante ist übergreifend auch bei anderen Bauaufgaben festzustellen, so zum Beispiel bei den Verlosungen der Schausteller Ahrend und Lehmann. Vorbilder für die grafischen Muster kann man mit etwas Fantasie in den Arbeiten von Kandinsky oder Joan Miró sehen.

Ein interessantes Beispiel für die dekorative Entwicklung der Fassadengestaltung ist wiederum ein Autoskooter des Münchner Schaustellers Distel. Er gab 1957 ein „Sechs-Säulen-Modell“ in Auftrag, dessen Schmuckdachkante in konkav und konvex geschwungen Formen gearbeitet wurde. Ein auffallendes Dekorationselement waren die sechs tragenden Säulen, die funktionslos über die Schmuckdachkante hinausragten. Die bei diesen Schaustellergeschäften so auffälligen geschwungenen Dachkanten erinnern an Vorbilder von Antonio Gaudi über Erich Mendelsohn bis zu den leichten geschwungenen Formen der Architektur der 1950er Jahre. Die abstrakte Malerei der 1950er Jahre sowie die über das Dach hinausragenden Säulenverkleidungen finden sich auch bei einigen Schieß- und Verlosungswagen, die der Bauform des Pavillonbaus zugeordnet sind wieder.

1949 wurde dem Rotor, (Ramus 2013. Kat. Nr. 31) der zur Bauaufgabe der Lauf- und Belustigungsgeschäfte gehört, eine Fassade vorgesetzt, die dem Stil der Neuen Sachlichkeit entsprach. Sie bestand aus einer großen, glatten, rechteckigen Fläche mit gelbem Farbauftrag. Darauf waren halbfigürlich dargestellte Menschengruppen gemalt, die als Zuschauer des Spektakels hinter der Fassade agierten. Die Fassade wurde umgestaltet. Noch Mitte der 1950er Jahre wurde eine, einem Wohnhaus ähnliche, zweistöckige Fassade mit gestuftem Giebel als Vorhangfassade der Konstruktion vorgesetzt. Mit einer Reihe Bogenlampen wurde eine flächige Beleuchtung erreicht.

Auch die Fassadengestaltung des Irrgartens der Familie Sturm war zunächst von einer schlichten Sachlichkeit. (Ramus 2013. Kat. Nr. 40)  Auf einer geraden Fläche las man links den Namen Kristall in Schreibschrift, rechts prangte in großen Leuchtstoffbuchstaben die Bezeichnung Palast. Ein sich nach oben verjüngender Turm krönte mit senkrecht stehenden Lichtleistenkästen das links eingestellte Kassenhaus. Aufgelegte Kugellampen leuchteten die in Pastellblau bemalte Fassade aus. In den 1990er Jahren folgte eine Reihe von Umgestaltungen der Fassade. Hier wurde eine Konturenbeleuchtung angewandt.

Die Gleichzeitigkeit verschiedener Dekorationsströmungen zeigt sich auch bei der Fassadengestaltung der Belustigungsanlagen, die Heinrich Mack Anfang der 1950er Jahre zu bauen begonnen hatte. Sommer malte die Vorhangfassade des Belustigungsgeschäfts „Alt-Berlin“. Er thematisierte das Milieu und den Alltag der Gesellschaft im alten Berlin. Die Fassade ist vertikal in drei Achsen unterteilt. In der Mitte ist der Kassen- und Eingangsbereich angelegt. Über dem Eingangsbereich zeigt sich ein Bild von Berlin im 19. Jahrhundert. Im Hintergrund ist vor einer Hauswand ein Pferd mit Kutsche und Kutscher zu sehen. Eine Frau drückt sich in die Ecke der Wand. Rechts im Vordergrund steht ein Haus, in das ein Gendarm und eine zweite Person eine Frau hineintragen wollen. Es könnte eine Kranken- oder Gendarmeriestation sein. Im linken Teil der Fassade ist Berlin dargestellt. Kleine Häuser säumen beidseitig die gepflasterte Straße. Gassenjungen spielen, Erwachsene verschiedener sozialer Schichten sind zu sehen. Im rechten Teil der Fassade füllt ein mehrstöckiges Mietshaus der Zeit vor der Wende zum 20. Jahrhundert den Hintergrund aus. Kinder spielen und ein Paar zeigt sich eng umschlungen links im Vordergrund mit dem Rücken zum Betrachter.

Ein ähnliches Milieu stellt auch die Fassadenbemalung der Geisterbahn „City-Tax“ von Bobby Zensen dar, die Sommer und Opitz zugeschrieben wird. Im Gegensatz zu der grafischen Gestaltungsweise der neuen Autoskooter zeigte Sommer und Opitz gerade bei der Fassade der City-Tax einen sehr kleinteiligen Duktus. Sie malten eine Zeitreise vom 19. Jahrhundert bis zur damaligen Gegenwart. Es sind kleine und mehrstöckige Häuser dargestellt, eine Kirche, ein Sanatorium, verschiedene Türme, ein Hubschrauber, ein moderner Düsenjet sowie ein Riesendampfer. Überall sind Kinder und Erwachsene ins Bild gesetzt, sie fliegen sogar durch die Lüfte. Alles ist möglich in den ersten Jahren nach dem Krieg. Rechts und links des Eingangsbereichs sind Karussells gemalt, deren Konturen mit Neonröhren beleuchtet sind. Die Karussells symbolisieren den Kreis des Lebens. Der Aufbruch hat begonnen.

Ganz anders malte Fritz Laube Anfang der 1950er Jahre die Vorhangfassade des kleinen Laufgeschäfts der Familie Steiger. Dieses Geschäft ist in der originalen Fassung erhalten und noch in Betrieb. Laube malte seine eigene illusionistische Interpretation des „Land des Lächelns“.

Fritz Laube wurde auch Anfang der 1950er Jahre für die Bemalung der Schmuckdachkanten von Kinderkarussells gewonnen. Bereits 1918 hatte Fritz Bothmann ein Karussell (Ramus 2013. Kat. Nr. 33) speziell für Kinder vorgestellt. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg baute Günther Hennecke ebenfalls Kinderkarussells. Laube malte etwa 100 Schmuckdachkanten für Rundbauten der Firma Hennecke. Obwohl sich gerade das dekorative Gesamtbild der Volksfestplätze veränderte, wünschten die Auftraggeber für diese Bauaufgabe einen Rückgriff auf die formale und dekorative Gestaltung des Barocks. Auf der Abbildung erkennt man, dass die Schmuckfassade nur von kurzen Neonröhren, die auf den Übergängen der Bildtafeln angebracht sind, beleuchtet wird. Die umlaufende Arkade wird mit kleinen Glühbirnen konturiert.

Das Beispiel aus dem historischen Kurfürstenkeller zu Saalfeld zeigt, dass der Kirchenmaler Fritz Laube die gleichen, nach barocken Vorbildern gefertigten Schablonen und Ornamentvorlagen für seine Kirchen- und historischen Malereien auch an den Schmuckdachkanten der Kinderkarussells nutzte. Laube malte auf die Schmuckdachkanten der Kinderkarussells lustige Fabeltiere, Märchenszenen zum Beispiel der Gebrüder Grimm oder Landschaften. Er band sie in neubarocke Ornamente ein. Auch thematisierte er Kinderverse und schaffte damit eine zeitweilige Bewahrung des Volksliedguts der Romantik. Aktuell waren seine Bildinhalte mit den Mecki-Abenteuern der 1950er Jahre. Hier tauchen auch zeittypische Vergnügungen wie Autofahren oder Skisport auf. Märchen wurden auch in den Dekorationen von Verkaufsgeschäften von Süßigkeiten thematisiert. (Ramus 2013. Kat. Nr. 32)

Laube malte nicht nur die Schmuckdachkanten von Kinderkarussells, sondern auch Fassaden von Schießwagen (Ramus 2013. Kat. Nr. 34), in die er seine Studien der Bewohner Afrikas und deren Jagdverhalten einbrachte.

Einen nicht unerheblichen Beitrag zum modernen Gesamteindruck der Volksfestplätze der 1950er Jahre brachten die Karussells in Skelettbauweise. Aufgrund der Nutzung von Pneumatik und Hydraulik begann eine neue Entwicklungsstufe im Bau von Schaustellergeschäften. Am Anfang des 20. Jahrhunderts orientierte sich Fritz Bothmann bei der Gestaltung der Fahrgastgondeln an Formen der Luftfahrtmodelle. Nun konstruierte man den gesamten Skelettbau in Anlehnung an die zeitgenössische Raumfahrt ohne zusätzliche dekorative Elemente.

Mit den Jahren wurden weitere Karussells als Skelettbau konstruiert. 1958 der Round Up (Ramus 2013. Kat. Nr. 42) von Klaus dessen Fahrgastgondel an ein außerirdisches Flugobjekt erinnerte. 1959 der Sputnik (Ramus 2013. Kat. Nr. 44) des Herstellers Anton Schwarzkopf.

Die Nutzung der Kasse als dekoratives Element bei den Karussells als Skelettbau entwickelte sich ebenfalls ab den 1950er Jahren. Zunächst nur als reine Kassenfassade, später in einer aufwendig gestalteten Rückwand, die den Rundbau nach hinten abgrenzte.

Dass sich verschiedene Gestaltungsweisen nebeneinander entfalteten, wird auch bei Betrachtung der neuen Berg- und Talbahnen bestätigt. 1936 hatte Friedrich Heyn mit seiner Zugspitzbahn das erste Mal eine winterliche Dekoration angewandt. Aber erst 1956 gelang es Heinrich Mack, mit der neuen Konstruktion einer Berg- und Talbahn das Thema Winter erfolgreich umzusetzen. Herbert Sommer malte den Cortinabob von Distel. Sommer thematisierte das lebendige Treiben der Menschen in der winterlichen weißen Pracht. (Ramus 2013. Kat. Nr. 37)  Es folgten weitere Aufträge dieses Modells, die alle mit der gleichen Thematik dekoriert wurden, wie zum Beispiel der Alaskaexpress, der von Heinz Opitz gemalt wurde.

Zu den Karussells, die nach 1954 von Mack gebaut wurden, gehört der Calypso (Ramus 2013. Kat. Nr. 41). Mit dem Calypso beginnt parallel zu den Hydraulikkarussells eine zweite, formale und dekorative Entwicklungsstufe im Karussellbau, Offenes Rundfahrgeschäft genannt. Die neue Bauaufgabe bot völlig neue Möglichkeiten zur Dekoration. Schwerpunkt bildete die Gestaltung der Wand, die das Karussell nach hinten abgrenzte. Interessanterweise orientierten sich Mack und Opitz bei einem Entwurf für den Calypso an der neuen gegenstandslosen Dekoration in Pastelltönen der Autoskooter. Beim Prototyp entschied sich der Auftraggeber jedoch für plastisch aufgemalte Herzen zwischen den vertikal stehenden Leuchtstoffkästen. Auch die Rückwand des Hula Hoops (Ramus 2013. Kat. Nr. 43) des Herstellers Kaspar Klaus, die von Anton Schwarzkopf gestaltet wurde, zeigt Ähnlichkeiten mit der gegenstandslosen Malerei der Autoskooter.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass in den 1950er Jahren der Umbruch zur „Moderne“ begonnen hat, aber dennoch eine Gleichzeitigkeit verschiedener Dekorationsweisen stattfand. Im ersten Untersuchungszeitraum wurden barocke Lebensfreuden auf die Dekoration und Gestaltung von Schaustellergeschäften übertragen, diese Wechselwirkung fand auch in den 1950er Jahren statt. Das bedeutet, dass das Lebensgefühl der Nachkriegsgeneration die Dekoration der Volksfestarchitektur bestimmte. Der „American way of life“ brachte den jungen deutschen „Halbstarken“ den Rock’n’Roll und die Röhrenjeans. Die deutsche Antwort auf Elvis Presley hieß Peter Kraus.
In der Kunst löste in den 1950er Jahren die abstrakte gegenstandslose Malerei die Gegenständlichkeit ab. Dies griff auch auf die Dekorationen einiger Karusselltypen der Vorkriegszeit über.
Die barocken Schmuckdachkanten der Raupen wurden abgenommen und durch neue, mit abstrakten Motiven bemalte Bildtafeln ersetzt. Die Kirmesorgeln verschwanden und aus den Lautsprechern der Raupe oder Raketenbahn dröhnte Bill Haley und drückte das neue Lebensgefühl aus. Die Nutzung der Beleuchtungskörper entwickelte sich nun – zwar noch verhalten – auch in der Volksfestarchitektur zum dekorativen Element.
Ohne Zweifel war die schnelle Reaktion auf das neue Lebensgefühl der 1950er Jahre und damit der Bruch mit den alten Dekorationen der Vorkriegszeit den jungen Malern Herbert Sommer und Heinz Opitz zuzuschreiben. Dies wird an den dekorativen Veränderungen der Autoskooter deutlich. Bei jedem Modell dieser Baureihe steigerte sich der Einsatz von Neonröhren und Lichtleisten und die Malerei trat mehr und mehr in den Hintergrund. Die gleiche dekorative Gestaltung der Schmuckdachkante ist übergreifend auch bei anderen Bauaufgaben festzustellen.

Bei der Bauaufgabe der Lauf- und Belustigungsgeschäfte entwickelten sich verschiedene Gestaltungsweisen parallel. Zum einen wurden die Vorhangfassaden kühl und sachlich mit monochromen Farbflächen und Schriften bemalt, zum anderen wurden soziale Verhaltensweisen humorvoll oder klischeehaft gearbeitet. Außerdem wurden zwei verschiedene Beleuchtungsmöglichkeiten angewandt, das Konturieren oder die flächige Beleuchtung der Fassade. Beides war mit Glühbirnen, Neonröhren oder Scheinwerfern möglich.

Bei der Gestaltung der neuen Kinderkarussells blieb es auch in den 1950er Jahren bei den formalen und dekorativen Gestaltungselementen des Barocks. Die Fassadenmalerei von Schießwagen standen zum ersten Mal in unmittelbarem Bezug zur Funktion der Bauaufgabe.

Die Hydraulikkarussells in Skelettbauweise veränderten den Gesamteindruck der Volksfestplätze in den 1950er Jahren, weil der gesamte Skelettbau – als reiner Funktionsbau – ohne zusätzliche dekorative Elemente seine Vorbilder in der formalen Gestaltung der zeitgenössischen Raumfahrt gefunden hatte.

Seit 1936 wurde an Berg- und Talbahnen eine winterliche Dekoration angewandt. Die Bauform ohne Bedachung bot mit der Wand, die das Karussell Calypso nach hinten abgrenzte, eine neue Möglichkeit zur Dekoration.

© Dr. Margit Ramus

Ramus 2013.
Gespräch der Verfasserin mit Kurt Mack/Even in Waldkirch im Juni 2005.
Gespräch der Verfasserin mit Heinz Werner Opitz in Waldkirch im Juni 2005.
Gespräch der Verfasserin  mit der Familie Laube in Roßla 2002.

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