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Hilbert

Lebensdaten  von FRITZ HILBERT 1907-1988.

Fritz Hilbert war 1907 in Gehren bei Ilmenau in Thüringen geborene und mit dem Sohn des Schaustellermalers Ludwig Specht zur Schule gegangen. Er hatte daher schon als Kind das Atelier Spechts besucht.
1923 setzte Hilbert die Lehre bei Specht fort, nachdem sein Lehrherr in den ersten Wochen verstorben war. (Vgl. Archiv Schaustellermaler/Hilbert, PUMU 2010.) Bei Specht lernte er das Handwerk der Schausteller Dekorationsmalerei.
Nach vierjähriger Lehrzeit blieb Hilbert noch drei weitere Jahre bei Specht.
1928 malte er für den Nürnberger Schausteller Strössner die Schmuckdachkante eines Süsswaren-Verkaufsgeschäft. Während der Arbeiten lernte Fritz Hilbert die Tochter des Platzmeisters und Vorsitzenden des „Süddeutschen Vereins reisender Schausteller und Handelsleute Sitz Nürnberg“, Johan Mendel, kennen.
1930 verließ Hilbert das Atelier Spechts und heiratete. Gemeinsam mit seiner Frau Else ging er mit einer Kindereisenbahn von Bothmann auf Reisen. (Gespräch der Verfasserin mit der Schwiegertochter Hilberts im August 2006.) Das Geschäft hatte zuvor Eugen Distel gehört.
Von 1930 bis 1936 war Fritz Hilbert im Sommer als Schausteller unterwegs und malte im Winter für Bothmann und Gundelwein.

Hilbert hatte den Malstil seines Lehrmeisters Specht übernommen. Dering schreibt: „Hilbert war geprägt von der alten Schule der Schaustellermalereien.“ (Dering 1986. S. 189.) Er malte romantische figürliche Szenen sowie Landschaften ähnlich denen von „Constable“ oder anderen Malern des 18. und 19. Jahrhunderts frei Hand auf die Schmuckdachkanten der Karussells.
Bei seinen Arbeiten findet man auch auf einer Bildtafel der Schiffschaukel von dem Schausteller Müller aus München aus dem Jahr 1934 eine Szene, für die ein Gemälde von Hanns Fechner mit dem Titel „Belauscht“ Vorlage war. Das gleiche Motiv wurde bereits 1902 im Innenraum von Haases Stufenbahn verwandt.
Hilbert malte mit Öl auf Leinwand und bevorzugte leuchtende Komplementärfarben. Er mischte die Farben Blau, Grün und Rot mit Weiß und wählte ein Elfenbein hinzu. Seine besondere Sorgfalt galt der Vermeidung von Verbleichung und Verwitterung der Farben.

Im Winter 1937/38 wechselte Hilbert zu dem Karussellbauer Heinrich Mack nach Waldkirch. Das Ausbessern eines Karussells führte Hilbert ins Rheinland und er machte die Bekanntschaft von Rudolf Barth. Er malte die Schmuckdachkante dessen ersten Autoskooters.

Nach Differenzen mit Heinrich Mack über die Gestaltung der Fassade des Circus Sarasani verließ Fritz Hilbert 1939 das Atelier und arbeitete bis zum Kriegsbeginn für die Firma Hitzig.

Etwa zeitgleich kam es aufgrund der Empfehlung eines Schaustellers zum Kontakt mit dem Nürnberger Kunsthändler Eckstein. Eckstein gab bei Hilbert kleine Ölbilder mit Blumensträußen und Landschaften in Postkartengröße in Auftrag. Gezahlt wurde pro Bild 2,50 oder 3 Mark.
Im Laufe der Jahre kamen größere Formate mit Genreszenen, Landschaften und charakteristischen Bauernköpfen hinzu.
Hilberts feine Pinselführung eignete sich für diese Malerei und finanziell half es über die kriegsbedingte auftragsfreie Zeit der Schaustellermalerei hinweg. Nach Kriegsende schloss er mit dem Kunsthändler Eckstein einen Vertrag, der ihn verpflichtete von der Schaustellermalerei Abstand zu nehmen und nur noch für den Kunsthändler zu malen.

Hilbert konnte jedoch schon bald dem Reiz der Volksfeste und der großflächigen Malerei nicht widerstehen und malte für den Schausteller Peter Löffelhardt die Fassade einer Steilen Wand.
Es war ein Belustigungsgeschäft besonderer Art. Im Inneren eines hölzernen Kessels fuhren „todesmutige“ Fahrer auf Motorrädern oder Autos an der Wand entlang. Durch eine Radio-Reportage: „Was macht der Steilwandfahrer im Winter?“  (Dering 1986. S. 186.) kam der Vertragsbruch Hilberts ans Licht. Es folgte jedoch eine gütliche Einigung zwischen Kunsthändler und Hilbert und Letzterer malte weiterhin für den Kunstverlag und bis in die 1970er Jahre auch wieder eine Vielzahl an Schaustellerfassaden.
Er arbeitete entweder bei den Schaustellern oder im eigenen Atelier. Seine Frau unterstützte ihn und war zuständig für Gold- und Silberauflagen.
Fritz Hilbert starb 1988.

© Dr. Margit Ramus

Ramus 2013.
Dering 1986.
Gespräch der Verfasserin mit der Witwe und dem Sohn Fritz Hilberts in Nürnberg 2014.

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