Bauformen A - Z

Hallenbau

Aufriss einer Skooterhalle. Auszug aus den Originalplänen Bothmanns. © LATh - HStA Weimar, Fa. Bothmann Nr. B-II-2,5.4.BL. 1. Teil2

Der Hallenbau bot sich formell als Baukörper für die Funktion eines Autoskooters  an. Vorbilder findet man in den sichtbaren Eisenkonstruktionen der Markthallen, der Bahnhöfe, der Fabriken und anderer funktionaler Gebäude des 19. Jahrhunderts. Solche formale Übereinstimmungen zeigen z.B. die Börse von Amsterdam sowie der Maschinenhalle des Industrieparks der Weltausstellung in Philadelphia.

Der Hallenbau eignete sich auch für Lauf- und Belustigungsgeschäfte sowie Geisterbahnen. Auch hier entdeckt man eine Gemeinsamkeit zur Architektur feststehender Gebäude, die Verwendung der Vorhangfassade. Sie wurde am Ende des 19. Jahrhunderts erstmalig an der Osthalle der Firma Steiff in Giengen an der Brenz angewandt. Ziel und Zweck war es, dass im Äußeren die Geschossteilung nicht mehr zu erkennen war.
Nun setzte man auch den rechteckigen Baukörpern mit Pultdach der Lauf- und Belustigungsgeschäfte sowie den Geisterbahnen die Vorhangfassade  vor.
Die Verwendung der Vorhangfassade bei Geisterbahn hatte jedoch einen dekorativen Sinn, denn die Mehrgeschossigkeit sollte für den Besucher erkennbar bleiben.

Auch die formale Gestaltung der Vorhangfassade der Geisterbahnen orientierte sich in den 1950er- und 1960er Jahren an der zeitgenössischen Architektur. Beim Vergleich einer Geisterbahnfassade mit dem Schauspielhaus in Bochum zeigt sich die Leichtigkeit der auskragenden Flugdächer und Bogenöffnungen der damaligen Kino-, Theater- und Geschäftshäuserfassaden.

Letztendlich gibt es noch eine weitere, wegweisende Verbindung von der klassischen Architektur zur Architektur von Schaustellergeschäften. Nämlich der Einsatz von vorgefertigten Bauelementen. Vorbild war der Kristallpalast, der im Jahr 1851 in London auf der ersten internationalen Weltausstellung stand. Der eigens für die Ausstellung gebaute Kristallpalast ist das erste Beispiel für ein funktionales Gebäude, das unter Verwendung industriell vorgefertigter Elemente konstruiert und zum Ab- und Wiederaufbau konzipiert worden war. Damit er nach der Weltausstellung an anderer Stelle wiederaufgebaut werden konnte. Dies war ein wichtiges Kriterium für die Entwicklung der transportablen Schaustellergeschäfte.

Man unterscheidet zwei Bautypen von Hallenbauten mit Walm- oder Pultdächern:

  1. Rechteckiger Baukörper mit Pultdach und Vorhangfassade für Lauf- und Belustigungsgeschäfte sowie Geisterbahnen
  2. Lang gestreckter rechteckiger Hallenbau mit Walm- oder Ringdach für Autoskooter und Go-Kart-Bahnen

Siehe auch: Entstehung der Bauformen

©  Margit Ramus

Dazu Schaustellergeschäfte im Archiv Kulturgut Volksfest:

Autoskooter
Autoskooter Mack Pfosten
Autoskooter Mack Sechs-Säulen
Autoskooter Mack Vier-Säulen
Autoskooter Mack Acht-Säulen
Autoskooter Mack Zwei-Säulen
Daemonium
Go-Kart-Bahn
Kristallpalast

LATh – HStA  Weimar
Ramus 2013.

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