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A. Allgemeine Informationen zu den Schaustellermalern

Modell eines Autoskooter von Heinz-Werner Opitz, datiert auf 1996
Modell eines Autoskooter von Heinz-Werner Opitz, datiert auf 1996

Florian Dering ist der erste deutsche Historiker, der sich in seiner Dissertation Volksbelustigungen aus dem Jahr 1986 mit den Schaustellermalern beschäftigte. Seine damaligen Recherchen sowie seine in den Folgejahren gemachten handschriftlichen Notizen über die Maler vor dem Zweiten Weltkrieg, die er im Münchner Stadtmuseum, Abteilung Puppentheater/Schaustellerei, archiviert hat, bilden die Basis für die Biografien der Maler.
Dering schrieb:

„Schaustellermaler [ist] keine offizielle Berufsbezeichnung, die Maler selbst benennen ihren Beruf sehr unterschiedlich, vielfach nur Maler, Kunstmaler oder Kunst- und Dekorationsmaler […].“ (Dering, Volksbelustigungen, 1986, S. 179)

Bis zum Zweiten Weltkrieg sind nur wenigen Malern bestimmte Objekte sicher zuzuordnen, da sie in der Regel keine Signatur hinterließen. Einige arbeiteten selbstständig in eigenen Werkstätten oder bei Schaustellern in deren Winterquartieren. Andere waren bei Karussellbaufirmen fest angestellt. In der Fachzeitschrift „Komet“ werden bis in die 1920er Jahre allein rund 100 Namen von Malern annonciert.
Dering vermutete:

 „Ob diese ‚Spezialisten‘, die zum Teil nur ein- oder zweimal inseriert haben, wirklich Schaustelleraufträge ausgeführt haben, oder ob sie sich als Maler erhofften, durch eine entsprechend formulierte Anzeige in ein neues Betätigungsfeld vorzustoßen, lässt sich im Nachhinein nicht mehr beurteilen.“ (Dering, Volksbelustigungen, 1986, S. 179)

Über die Ausbildung der Maler ist nichts bekannt. Zu nennen sind hier Adam Hölbing, Konrad Ochs und Robert Pape.
Einige der frühen Schaustellermaler hatten eine Malerlehre absolviert. Sie kamen schon als Kinder mit Schaustellerfamilien in Kontakt, für die sie später Aufträge ausführten. Zu ihnen gehörten Ludwig Specht, sein Schüler Fritz Hilbert sowie dessen Sohn Hans Hilbert.
Sie malten romantische figürliche Szenen sowie Landschaften – ähnlich denen Constables oder anderer Maler des 18. und 19. Jahrhunderts – auf die Kartuschen der Schmuckdachkanten der Karussells. Stilistisch ähnlich arbeitete auch später der Maler Josef Wallner.

Die ersten Berichte über eine künstlerische Ausbildung sind von Eduard Laetsch überliefert. Er besuchte die „Hannoversche Malschule für Dekorative und angewandte Kunst“, absolvierte ein Studium an der Leipziger Kunstakademie sowie eine Lehre beim Fürstlichen Lippischen Hofmaler Gräf. Wichtig erscheint, dass Laetsch sich 1913 als Maler für Schaustellergeschäfte selbstständig machte, obwohl seine abgeschlossene Ausbildung den Weg in die bildende Kunst geöffnet hätte.

Eine Besonderheit stellt auch die Familie Patzer dar, die eine Malerdynastie repräsentiert, die ihre Wurzeln bereits in den Anfängen der Schaustellermalerei hat. Über die Ausbildung von Alfred Patzer, ist nichts bekannt. Sein Sohn Karl Patzer hatte dagegen eine Ausbildung als Künstler. Nach seinem Studium an der Kunsthochschule in Weimar und dem Besuch der Malerfachschule in Buxtehude begann er, genau wie der Vater, bei Friedrich Heyn als Schaustellermaler zu arbeiten.
Horst Patzers Tochter Andrea Patzer wählte gezielt den Weg über die Theatermalerei zur Schaustellermalerin. Anders als in der BRD war in der DDR die Tätigkeit als Schaustellermalerin oder Schaustellermaler offiziell als Berufsbezeichnung anerkannt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in der dekorativen Gestaltung von Schaustellergeschäften einen Umbruch.
Er begann mit Herbert Sommer, der an der „Berliner Hochschule für bildende Kunst“ eine Ausbildung zum Designer absolvierte. Aufgrund Sommers zufälliger Kontakte zu einigen Schaustellern bekam er 1949 bei Heinrich Mack eine Anstellung, und Heinz Opitz, den er kurz zuvor kennengelernt hatte, wurde sein Mitarbeiter.
Herbert Sommer und Heinz Opitz unterschieden sich als Designer und Werbegrafiker von den Schaustellermalern der Vorkriegszeit, weil sie sich nicht von Beginn ihrer Lehre an mit dem Genre der Schaustellermalerei beschäftigt hatten.

Später besuchte Opitz’ Sohn Heinz Opitz nach der Lehr- und Gesellenzeit als Dekorationsmaler die „Deutsche Malerfachschule in München“. Anschließend schloss er mit einem Diplom das Studium an der „Kunstakademie München“ ab und wurde 1969 Mitarbeiter im Atelier seines Vaters. Bis zur Gegenwart arbeitet Heinz Opitz in seinem Atelier auf dem Firmengelände von Heinrich Mack in Waldkirch.

Eine ähnliche Ausbildung hatten auch Günther Stritzel und später sein Sohn Günther Stritzel, die sich aber auf die Gestaltung von Kulissen und Figuren aus Polyester spezialisierten.

Eine Sonderrolle nimmt Fritz Laube ein. Er hatte an der „Hochschule für Freie und Angewandte Kunst“ in Berlin studiert und arbeitete als Kirchenmaler. 1947 lernte er den Schausteller Adolf Steiger kennen und erhielt von ihm den ersten Auftrag als Schaustellermaler. Motive, die er für die Ausmalung von Kirchen nutzte, übertrug er auch auf die Dekoration von Schaustellergeschäften und gab ihnen dadurch einen individuellen Stil. Seine Begeisterung für die Tiermalerei fand ebenfalls Niederschlag in zahlreichen Dekorationen.
Obwohl Laube in der Schaustellermalerei seinen Hauptbroterwerb hatte, verschwieg er diese Tätigkeit in den zahlreichen Publikationen über ihn.

Ähnlich verfuhren Harry Knorrn, der seine freien Gemälde unter dem Pseudonym Rudolf Harry anbot, und Maciej Bernhardt, der seine Tätigkeit als Schaustellermaler ganz verschweigt. Das belegt die geringe Anerkennung der Schaustellermalerei in Künstlerkreisen.

Die Dekorationen von Schaustellergeschäften sind häufig durchaus von künstlerischer Qualität und verdienen einen Platz in der Kunstgeschichte. Mit dem Maler, Gebrauchsgrafiker und Designer Harry Knorrn kam ein neuer Stil in die Schaustellermalerei.

Bisher lässt sich beobachten, dass der Beruf des Schaustellermalers nach 1945 zunehmend von Designern und Werbegrafikern ausgeübt wird.
Diese Tendenz findet ihren Höhepunkt in dem Werbedesigner Klaus Hriesik. Er ist der Erste, der den Begriff des Marketings für die Schaustellermalerei verwendet und ein „Atelier für angewandte Werbung“, kurz afaw genannt, führt. Das Konzept von afaw ist realistische, produktorientierte Malerei. Mit diesem Erfolgsrezept beherrschte Hriesik über drei Jahrzehnte den Markt. Zu seinen Mitarbeitern gehörte Maciej Bernhardt, der inzwischen auch als freischaffender Künstler erfolgreich ist.

Ähnlich erfolgreich wie Hriesik in seinem afaw war auch der Franzose Jacques Courtois. Während afaw alle Genres der Schaustellergeschäfte bediente, arbeitete Courtois für deutsche Kunden ausschließlich über die Firma Huss.

© Dr. Margit Ramus

Dering, Volksbelustigungen, 1986, S. 179–190. Handschriftliche Notizen von Dering durften mit dessen Einverständnis von der Verfasserin kopiert werden und fließen in die Arbeit ein.
Ramus 2013. S. 116-171.

Ramus, Margit: Kulturgut Volksfest. Architektur und Dekoration im Schaustellergewerbe. 2013.

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