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Courtois

"Blues"gemalt von Jacques Courtois. Original im Besitz von Mark Schumburg. Foto ©Mark Schumburg
Begegnung in Paris

Am 15. Mai 2018 erhielt ich die Ehre, als erste deutsche Kunsthistorikerin und gebürtige Schaustellerin den französischen Maler Jacques Courtois in seiner Wohnung in Paris aufzusuchen und ein dreistündiges Gespräch mit ihm zu führen.
Er war völlig überrascht und erfreut in Deutschland noch nicht vergessen zu sein und sogar eine sogenannte „Fan-Gemeinde“ zu haben.

Jacques Courtois und Margit Ramus. Paris 2018. Foto © Archiv Ramus

 

Der rüstige 82-jährige wirkte jugendlich aktiv und voller Tatendrang. Er lebt gemeinsam mit seiner Frau Marie-Claire in einem gemütlich und sehr gepflegten Loft (Dachwohnung) unter dessen Dach auch sein Atelier eingerichtet ist.
Längst war ihm seine Schaffensperiode in den Jahren 1980-1993, in der er Aufträge für die Firma HUSS aus Deutschland ausgeführt hatte, in Vergessenheit geraten. Mit Anerkennung blätterte er gemeinsam mit seiner Frau in dem mitgebrachten Buch (Ramus 2013) und ganz schnell kamen die Erinnerungen.
1980 hatte er Karl von Winterfeld von der Firma HUSS kennengelernt. In dem kommenden Jahrzehnt malte er die Fassaden unzähliger Fahrgeschäfte des Herstellers HUSS. Die Panneaux der Rückwände waren ihm in sein Atelier angeliefert worden und bei Abholung erhielt er neue. Er selbst war nie in Deutschland gewesen und er hat die auftragenden Schausteller nie persönlich kennengelernt.
Besonders erfreulich ist, dass er diese Zeit in seiner Biografie in französischen Publikationen immer angibt.
Vor den deutschen Aufträgen malte er bereits viele Jahre Fassaden von Geschäften für französische Schausteller. Daneben hat er immer künstlerisch gearbeitet.

An dieser Stelle möchte ich mich auch im Namen von Andrea Stadler, die mich bei dem Besuch begleitete, für die herzliche und freundliche Aufnahme und die vielen Informationen bedanken.

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Biografie

Jacques Courtois wurde am 17. Mai 1936 in der Normandie geboren. Von Kindheit an war Zeichnen und Malen seine Lieblingsbeschäftigung. Er bemalte Tische, Wände und Tapeten. Er zeichnete die Welt die ihn umgab, Szenen des Alltags, Personen in Bewegung und vieles mehr. Seine Eltern rahmten viele seiner Kinderzeichnungen, bewahrten sie auf und erkannten schon früh sein Talent.
Im Alter von acht Jahren nahm Jacques Courtois seine ersten Stunden in Zeichnen und Malen bei einem Maler aus Rouen.
Als er 13 Jahre alt war, wurde Jacques an der „Académie des beaux-arts“ in Caen in der Normandie aufgenommen. Dort erhielt er bei Prof. Louis Garrido, der für seine Strenge bekannt war, Unterricht in klassischer Kunst.
Mit 18 Jahren machte Jacques Courtois in Cain sein Abitur. Nun wollte er nicht länger auf die finanzielle Unterstützung der Eltern angewiesen sein, sondern selbst Geld verdienen. Deshalb entschloss er sich nach Brüssel zu gehen und dort an der „Institut supérieur de peinture de Bruxelles“ eine Ausbildung als Werbedesigner und Dekorationsmaler zu machen.
In Brüssel studierte Courtois die Techniken von Faux-Bois/Holz- und Marmor-Imitationen, Grafik,  das Handwerk der Goldverarbeitung mit Blattgold sowie die Herstellung und Gestaltung von dekorativen Werbe-Panneaux.
Begeistert von den neuen Techniken schloss er 1954 die Ausbildung in „decor painting“ mit einer Goldmedaille „médaille d’or des Instituts Supérieurs de Bruxelles“ ab. Das damit verbundene Preisgeld ermöglichte ihm nach Paris umzuziehen.
Als Gewinner der Goldmedaille fand er schnell eine Anstellung bei der Werbedesign-Firma „Publicdecor“. Neben Werbe- und Plakatmalereien wurden dort auch übergroße Kinofassaden entworfen und in fotorealistischer Manier gemalt.
In der Werbewerkstatt von „Publicdecor“ arbeiteten etwa 30 Angestellte. Ein Dutzend sehr talentierter Innenarchitekten, Grafikdesigner und Spezialisten für Dekorationen von Kinofassaden. Der Schwerpunkt lag auf allem in der Gestaltung von Kinofassaden.

Erste Begegnung mit französischen Schaustellern

Eines Tages, im Jahr 1958 erhielt die Werbewerkstatt den Auftrag eines französischen Schaustellers dessen Geschäft (Schießbude/ shooting-range) zu malen. Der Auftrag konnte aus Zeitmangel nicht ausgeführt werden, denn vorrangig wurden die Plakate und Fassaden für Kinos gearbeitet, deren Programm fast wöchentlich wechselte. Der Schausteller wurde ungeduldig und verärgert. Courtois bot ihm an die Fassade in seiner Freizeit an Wochenenden zu bemalen.
Jacques Courtois dachte schon länger daran sich selbstständig zu machen. Nun kam ihm die Idee, sich auf Jahrmarkstkunst zu spezialisieren.
Courtois besuchte die Fetes Forain in Paris und Umgebung und knüpfte erste Kontakte. Er freundete sich schnell mit einigen Schaustellern an, besonders mit MAGADUR, einem bekannten und bei Kollegen geschätzten französischen Schausteller. Der bat ihn die Fassade seiner Geisterbahnun train-fontome“ zu malen.
Jacques nahm eine Woche Urlaub und malte die Dekoration der Geisterbahn von Magadur in dessen Halle. Mehrere Freunde von Magadur besuchten ihn und sahen Jacques bei der Arbeit.
Sein Talent sprach sich bei den Schaustellern schnell herum und weitere Anfragen zum Malen folgten.

Im Jahre 1963 entschied sich Jacques Courtois mit Einverständnis seines Chefs, eine eigene Firma zu gründen.
Er hatte jedoch kein eigenes Atelier, deshalb arrangierte er sich mit dem Schausteller, dessen Geisterbahn er bemalt hatte. Magadur, den seine Freunde „Maga“ nannten, vermietete ihm seine Halle in Montmagny nördlich von Paris, da er sie selbst nur außerhalb der Saison im Winter nutzte.

Bereits 1960 hatte Jacques Courtois Marie-Claire, eine junge Lehrerin, geheiratet. Das Paar bekam 1964 eine Tochter und 1968 folgte ein Sohn. Beide Kinder wurden später klassische Musiker. Die Tochter spielt Geige und hat eine Professur als Geigenlehrerin. Der Sohn, Vincent ist Komponist und Cellist. Seine Konzerte führte ihn auch ab und zu nach Deutschland. Ein Enkel von Jacques und Marie-Claire studiert in Karlsruhe.

Bald nach der Gründung führte Courtois seine eigene Firma für Volksfest-Malerei sehr erfolgreich.
Drei Jahre waren vergangen, in denen sich der Kundenkreis immer mehr erweitert hatten und die Fassaden größer geworden waren. Bald passten sie nicht mehr in die Halle. So wurden die Arbeiten auf dem Hof ausgeführt, was Probleme mit den Anwohnern brachte.
Es wurde schließlich unumgänglich, dass Jacques Courtois sich nach einem neuen Atelier umschaute. 1966 erwarb er ein Grundstück in der Rue Calais 19 in Montmagny und baute dort eine Halle von 35 Meter Länge mit einer Traufenhöhe von 7 Meter. Ab jetzt konnte Courtois, zur Freude seiner Auftraggeber, auch Fassaden von größeren Fahr- und Laufgeschäften bemalen.
Magadur besuchte ihn von Zeit zu Zeit und Courtois nahm sich immer Zeit für ein Plauderstündchen. Courtois war, nach eigenen Angaben, Magadur „Maga“ zeitlebens dankbar. Mit seiner Hilfe hatte er so schnell in der Schaustellerwelt Fuß fassen können.

Damals machte ihn sein Ruf als „fairground-artist!“ in der französischen „fairground world“ berühmt und immer mehr Schausteller wollten ihre Geschäfte von ihm gemalt haben.
Courtois arbeitete unzählige Fassaden von Geisterbahnen, Schiffe, Rundfahr- und Laufgeschäfte, Schießbuden und vieles mehr.
Die Fassaden von Geisterbahnen entwarf er sehr gerne. Es kam ihm darauf an, dass keine Horror-Fassaden entstanden. Auffallend ist, dass seine „Geister“ nicht erschrecken, sondern zum Lachen animieren. Diese Idee verfolgte Courtois und sie wurde auch einige Male namengebend. Zum Beispiel beim „Palais du Rire — Palast des Lachens“. Beim Vergleich der Bilder, ist zu erkennen, dass man einige Geisterbahnen oder Laufgeschäften dem selben Hersteller zuordnen kann. Da der Palais du Rire noch immer in Frankreich reist, wird dies noch herauszufinden sein.

Hier geht es zu den französischen Arbeiten von Courtois.

Die französischen Schausteller, die ein Geschäft in Deutschland von HUSS aus Bremen erwerben wollten z.B. einen Enterprise, Ranger oder Rainbow wollten die rückwandigen Fassaden von Courtois gemalt haben. Courtois erzählte, dass sogar einige ihre HUSS Geschäfte, die in Deutschland gemalt worden waren, nach wenigen Saisons von ihm hatte neu bemalen lassen. ‚Re-dekorieren‘ nannte er dies. Wie z.B. die Firmen Hoffmann (Ranger) und Fleur (Rainbow). Später auch den ehemalige Kinzler Break Dance, der von der Firma Marc übernommen wurde.

Courtois verlieh allen seinen Arbeiten seinen eigenen Charakter, den er geschickt mit den individuellen Wünschen der Kunden zusammenbrachte. Er bevorzugte nicht nur den Fotorealismus, den er in den Entwürfen der Kinofassaden primär hatte anwenden müssen, sondern hatte die Gabe chamäleonartig jeden Stil der Kunst anzunehmen und der Fassade seine eigene Handschrift zu verleihen.
Marguerite Hoffmann gefiel z.B. das Werk von dem Karikaturisten Kiraz, Courtois konzipierte deshalb Karikaturen auf die Fassade ihres Spiegelkabinetts Palais des Glaces.
Auf die Rückwand der Go-Kart-Bahn von Jacques Fleur malte er auf dessen Wunsch Grand-Prix-Szenen in Anlehnung an Bernard Buffet, einen französischen Maler und Grafiker des Expressionismus.

Courtois und Huss

1980 kaufte der französische Schausteller De Fleur ein Geschäft von der Firma HUSS aus Bremen/Deutschland. Fleur bestand darauf, dass Jacques Courtois die Dekoration seines Geschäftes malte. Der war inzwischen in Frankreich bei den Schaustellern Kult geworden. So kam es zur Begegnung von Jacques Courtois und Karl von Winterfeld aus dem Hause HUSS. Zwischen den beiden entstand schnell „a very good friendly relation“, berichtete Frau Courtois.

Anfang der 1980er Jahre bat Karl von Winterfeld, Jacques Courtois nach Bremen zu kommen, um die Dekoration einiger Karussells zu malen. Für Courtois, der in Frankreich viel Arbeit hatte, kam ein Umzug nach Deutschland nicht in Frage, also schickte Huss ihm die Panneaux der Rückwände mit einer deutschen Speditionsfirma

Karl von Winterfeld war von den Arbeiten des französischen Künstlers beeindruckt und es begann der Transfer von länderübergreifende Gesamtkunstwerke deutscher Architektur von Schaustellergeschäften und deren französischen Dekorationen. Es wurden jedes Jahr 12 Aufträge ausgeführt und transportiert.
Jacques Courtois hatte nie persönlichen Kontakt zu Huss-Kunden, ob deutsche, amerikanische, japanische oder andere.
Von 1983 bis 1993 sandte die Firma HUSS fortlaufend Dekorationselemente von Bremen nach Paris ins Atelier von Courtois.
Courtois bestätigte, dass HUSS über den gesamten Zeitraum ihrer Zusammenarbeit immer pünktlich die Aufträge bezahlt habe. Abgerechnet wurden die Arbeiten nach Quadratmeter. Der Preis ist ihm heute nicht mehr in Erinnerung, aber es gab nie Anlass zu Diskussionen.
Anfangs beschäftigte Courtois 10 Mitarbeiter. Bald reduzierte er auf zwei junge Künstler, Michel Orlinsky und Gérald Aussiette, die beide seine hohen Ansprüche erfüllten.

Beim Interview begann Courtois zu schwärmen und erzählte kleine Anekdoten aus jener Zeit. Sein erster Großauftrag für HUSS war die Bemalung eines Break Dance für die Firma Bufkens. Aber nach seinen Angaben malt er auch die Dekorationen von einem Ranger für den französischen Schausteller Hoffmann und einen Rainbow für Fleur. Fleur erwarb auch einen Condor, der von Courtois gemalt wurde.
Courtois glaubt, dass er etwa 15 Break Dance gemalt hat. (Die Recherche ergab, dass es wenigstens 19 gewesen sein müssen) Die einzige Vorgabe für seinen ersten Break Dance sei der Stil „Pop Art“ gewesen. Anders als bei den Aufträgen für französische Schausteller, die er neben den Arbeiten für HUSS weiter ausführte, gab es keine Gespräche zwischen Schausteller und Maler.
Er, Courtois sei damals in eine Buchhandlung gegangen und habe alles über Pop Art gekauft, was er habe finden können. Ihm gefielen die Szenenfolge und den Farbverläufen der Pop Art-Künstler.

Für den ersten Auftrag fertigte Courtois drei Entwürfe und ließ wie gewünscht Szenen der Popkultur und amerikanische Skylines einfließen. Seine Entwürfe erinnerten in ihrer Form an Panoramen. Die Bildinhalte waren eine Zusammenstellung aus Elementen von Surrealismus, Pop Art und Street Art. Die einzelnen Szenen der Rückwandbemalung verschmolzen durch fließende Farbverläufe zu einer Einheit, wie es auch in der klassischen Kunst bei James Rosenquist oder Neo Rauch zu sehen ist.
Karl von Winterfeld war begeistert — aber reduzierte unmittelbar auf zwei Entwürfe, die er bezahlen würde. Heiterkeit erfüllt Courtois bei der Erinnerung an diese Begegnung.

Es ist bekannt, dass HUSS meist fünf Geschäfte einer Serie produzierte. Courtois stand frei, Abwandlungen des abgesprochenen Entwurfs vorzunehmen. Sonderwünsche von Schaustellern für die Bemalung wurden einige Male von Winterfeld vorgetragen, waren jedoch nicht gängig.
Courtois erinnert sich, dass 1985/86 das Karussell Flipper in Planung gewesen sei. Er bekam keinerlei Vorlagen, sondern hatte völlig freie Hand für die Entwürfe.

Flipper Meeß. Foto © Mark Schumburg

Courtois thematisierte das Flipperspiel für die Bemalung auf der rückwandigen Fassade. Ins Zentrum stellte er einen Flipper-Automaten. Rechts flankierte eine junge Frau den Flipper, eine gewisse Ähnlichkeit zu Marie-Claire, widersprachen die Eheleute Courtois auf Anhieb. Aber für den jungen Mann auf der linken Seite fehlte damals ein Modell, sodass der Sohn Vincent dafür herhalten musste. Courtois malte ihn mal mit Brille und mal ohne.
Dazu gibt es eine kleine Episode. Im vergangenen Jahr (2017) besuchte Vincent Courtois mit Frau und Kinder New York. Als sie mit dem Zug an einem Fun Fair im Central Park vorbei fuhren entdeckten sie den Flipper. Vincent erzählte seiner Familie, dass der Opa das Karussell bemalt hätte. Ganz glaubte die Familie wohl nicht und hielten es eher für einen Scherz. Auf der Rückreise unterbrachen sie die Fahrt und Vincent Courtois ging mit seiner Familie zu dem Flipper. Die Überraschung war groß, als die Kinder ihren Vater in Lebensgröße auf dem Karussell entdeckten.
Dieser Flipper war der letzte der Baureihe Nr. 23. Er reiste seit 1998 in Schweden und seit 2016 in den USA. Jetziger Besitzer ist die S. J. Entertainment Company.

In dem Buch Kulturgut Volksfest (Ramus 2013. S. 250) steht irrtümlich, dass die Firma „Afaw Atelier für angewandte Werbung“ den Magic und Courtois den Circus Circus gemalt hat. Es ist genau andersrum. Zum Glück ist die Beschreibung der Malweise der beiden unterschiedlichen Ateliers richtig zugeordnet. Courtois malte den Magic. Er erzählte, dass ihm die Aufgabe der Umsetzung des Themas Circus vorgegeben war. Leider hatte er sich noch nie mit diesem Thema beschäftigt. Da kam seiner Frau Marie-Claire der Einfall, dass sie, als Lehrerin mit ihrer Schulklasse einen Ausflug in den gerade in Paris gastierenden Circus machen könne. Schnell wurde die Idee umgesetzt und Jacques Courtois fotografierte die ganze Szenerie und insbesondere die Reaktionen der kleinen Zuschauer.
Es gelang Courtois auf der dekorativen Rückwand des schönen Skelettbaus die Begeisterung, das Staunen, die Spannung auf den Gesichtern der Kinder genau im richtigen Augenblick einzufangen. Es war für ihn ein Quell der Glückseligkeit, wenn es ihm gelang den emotionalen Ausdruck der Kinder darzustellen.

Jacques Courtois malte bis 1993 mehr als 150 Schaustellergeschäfte. Eine Vielzahl für die Firma HUSS. Dazu gehörten Serien von Condor oder Ikarus, Break Dance, Flipper, Magic. Colorado oder Top Spin, den Mega Dance der später zum Flic Flac umgebaut wurde, sowie weitere Flic Flac’s
Courtois verarbeitete jedes Jahr etwa 3.500 kg Farbe. Er arbeitete meist mit Pelikan Plakat-Lacke und Britton-Farben für seine Plastiken.
Er malte in der Regel zwei Geschäfte im Monat. Ein Werkverzeichnis seiner Arbeiten an Schaustellergeschäften gibt es nicht. Madame Courtois schrieb der Verfasserin schon vor ein paar Jahren, es sei nicht möglich, die Vielzahl der Arbeiten in Frankreich, in den europäischen Nachbarländern, in den USA und Japan aufzulisten. Überall in diese Länder lieferte HUSS Karussells, die von Jacques Courtois bemalt worden waren. Auch italienische Hersteller wie Fabbri sollen die Fassaden von Geschäften zu Courtois gebracht haben. Für den französischen Hersteller Reverchon malte er z.B. den Explorer und einige dodgems/Autoskooter. Courtois konnte sich an Namen der ganzen Hersteller nicht mehr erinnern.

Courtois festi decor

1993 im Jahr seinen 60zigsten Geburtstages setzte Courtois seinen Entschluss als fairground artist in Rente zu gehen um. Er wollte endlich Zeit für die bildende Kunst haben.
Er übergab seinen Kundenstamm an seine Mitarbeiter Michel Orlinsky und Gérald Aussiette und vermietete ihnen sein Atelier in Montmagny. Die beiden waren von ihm in die fairground art eingeführt worden und wussten welche Verantwortung sie übernehmen würden. Die neue Firma sollte zunächst Festi Decor genannt werden, aber weil der Name Courtois weit über die Grenzen Frankreichs bekannt war, war Courtois direkt damit einverstanden, dass seine Nachfolger seinen Namen ihrem Firmennamen hinzufügen durften. Übergangslos erfolgten die Aufträge von der Firma HUSS für das Atelier „Courtois Festi Decor“.
Courtois erzählte, dass er anfangs noch an einigen Fassaden mitgemalt habe. Er habe auch noch Entwürfe für neue Geschäfte z.B. für den Booster entworfen und sei weiterhin gern gesehener Gast im Atelier gewesen.
In der bildenden Kunst ist der Begriff „Schule von Rembrandt“ oder sonst einem namhaften Künstlers legitim, deshalb wäre auch in Bezug zu Jacques Courtois, spätere Arbeiten von seinen Schülern als „Courtois Festi Decor“ als Schule von Courtois  der Biografie von Courtois  zuzuordnen. Eine Galerie am Ende zeigt einige Schaustellergeschäfte. 

Auf der Abbildung sind Michel Orlinsky und Jacques Courtois in den 1980er Jahren zu sehen.

Als Jacques Courtois als „fairground artist“  in den Ruhestand gegangen war, hatte er endlich  Zeit freischaffend zu malen. Neben vielen anderen Genres malte Courtois immer wieder Karussells und Clowns. Seine Arbeiten wurden in Ausstellungen und in verschiedenen Galerien gezeigt. Er wurde mit vielen Auszeichnungen geehrt.
Eine umfassende Auflistung am Ende des Beitrages.
Noch immer ist Courtois sehr aktiv und bereitet laufend neue Ausstellungen vor. Den Sommer verbringt er mit seiner Frau in ihrem Haus am Fluss in der Bretagne. Dort gibt er Zeichenkurse für junge Künstler.

 

Im Jahre 2012 ging Michel Orlinsky in Rente und Gérald Aussiette wechselte alleine in ein kleineres Atelier. Während der Ferienzeit brach im Nachbarhaus der großen Halle von Courtois ein Feuer aus. Der Brand zerstörte das Haus der Nachbarin völlig und griff auch auf die Halle über. Feuer und Löscharbeiten vernichteten in dem ehemaligen Atelier alle Dokumente der Arbeiten von Courtois, die dort in fast 40 Jahren zusammengekommen und aufbewahrt worden waren.
Danach verkaufte Jacques Courtois das Grundstück an eine Autovermietung.

Gérald Aussiette arbeitet noch immer alleine unter dem Namen Festi Decor für französische Schausteller. Er hat nie vergessen, dass er alles von Courtois gelernt hatte und ist dankbar, dass er dessen Namen in Verbindung mit Festi Decor benutzen durfte. Beide Künstler stehen noch in Kontakt.
Da alle Entwürfe, Kartons, Modelle oder Fotos der Arbeiten für HUSS und andere Firmen durch ein Feuer vernichtet wurden, sind Jacques Courtois und seinen beiden Nachfolgern nur die Erinnerungen an diese Zeit geblieben.
Sie sind in dieser Form das erste Mal in deutscher Sprache niedergeschrieben.

Courtois’s aktuelle Arbeiten 2018. Man beachte den kleinen Wohnwagen in der linken Bildhälfte von zwei Gemälden.

Jacques Courtois bereitet zurzeit eine Ausstellung für den „Salon des Artislés Française“ im Februar 2019 im „Grand Palais Paris“ vor. Dies ist eine großartige Würdigung seiner Kunst.

In den vergangen Jahren gab es eine Vielzahl von Expositions personelles > Persönliche Einzelausstellungen. Einige Gemälde von Jacques Courtois sind auch in permanenten Ausstellungen zu sehen.
Die Präsenz und das Ansehen seiner Kunst wird durch viele Auszeichnungen gekrönt.
Die Poster werben für die entsprechenden Ausstellungen.

In der folgenden Bildgalerie sind einige Huss-Geschäfte, die von Courtois gemalt worden sind, eingestellt. Eine Vollständigkeit ist nicht beabsichtigt. Aber die Bearbeitung und Einstellung weiterer Schaustellergeschäfte ins Archiv wird zügig erfolgen. Bei der Fülle von Bildmaterial oder Text können „unbeabsichtigt“ falsche Quellen oder Angaben gemacht worden sein. Bitte nutzen Sie, als aufmerksame Leser*innen, die Kommentarfunktion, dann werden die fundierten Berichtigungen vorgenommen. 

Geisterbahn „Queen Fantosh“

In dem hier eingestellten Film, der von Jacques Courtois zur Verfügung gestellt wurde, werden die Arbeiten des Belustigungsgeschäftes „Queen Fantosh“ gezeigt.  Dem Film wurde Musik hinterlegt, für die keine Rechte vorliegen, deshalb wird er hier ohne Ton eingestellt. Courtois beschreibt die einzelnen Entwicklungsstufen. Die deutsche Übersetzung (von Andrea Stadler) ist hier als Zitat eingefügt:

„Nach der Besprechung mit dem Kunden begann die Arbeit mit einem Modell.
Das Geschäft wird auf einen Anhänger aufgebaut werden, deshalb muss das Ganze schnell und leicht aufzuklappen sein.
In der Werkstatt werden die dreidimensionalen Einzelteile der Fassade, die von Schlossern und Schreinern angefertigt worden waren, zusammengebaut.
Der Mitarbeiter J.J. rührt einen Schaum aus Polyester an, dies ist ein leicht zu bearbeitendes Material mit wenig Gewicht. Der Schaum bläht sich auf. Jetzt kann die Masse grob bearbeitet werden.
Die Kommandobrücke des hinteren Schiffes nimmt Formen an.
Ein anderes Vorgehen benötigt zunächst Ton, der eine feinere Oberflächengestaltung zulässt.
Das Objekt wird aus der Gussform genommen, bearbeitet, gesäubert und poliert.
Man muss die Teile einpassen und schauen, ob sie sich wie geplant bewegen lassen.
Alan, der Schreiner baut das Kanonenrohr. Wenn das Objekt fertig ist, wird es bemalt. Die weiße Grundierung wird aufgetragen.
Die Form sieht langsam aus wie ein Fass. Die Objekte werden mit flächig mit Farbe bemalt. Die Schattierungen werden mit einer blauen Farbpistole verwirklicht.
Der Geist lacht!!
Wenn alles fertig ist, wird der Anhänger für die Abschlussarbeiten in die Werkstatt gefahren. Die Panneaux werden so bemalt, dass sie wie Holz aussehen.
Dann wird der Anhänger heraus gefahren, Der Rest wird auf der Straße zusammen.
Von der Planung bis zur Fertigstellung sind etwa vier Monate vergangen.“

 

Aktuelles 2019

Am 12. Februar 2019 eröffnete im Grand Palais in Paris die Ausstellung:
Salon des Artistes Français 
Sie stand unter der Schirmherrschaft von Monsieur Emmanuel Macron Prèsident de la République Français.
Aus vier Salons hatten etwa 100 französische Künstler ihre Werke in eigens eingerichteten Kuben ausgestellt. Einer der Künstler war Jacques Courtois, der 2018 einen Preis für sein Werk erhalten hatte.
Der Künstler war anwesend und freute sich sehr Besucher aus Deutschland zu begrüßen. Eine schwere Krankheit zeichnete sein Gesicht. Monsieur Courtois war jedoch zuversichtlich, dass er bald wieder fit sein würde und auch wieder malen könne.
An diesem Tag standen jedoch die neuen Werke im Focus, die von unzähligen Besuchern bewundert wurden. Courtois thematisierte in den wie schon so oft in der Vergangenheit und auch auch vielen Fahrgeschäftsfassaden die Musik. Angeregt durch sein beiden Kinder, die wie bereits erwähnt klassische Musiker sind.  Aber auch ein Pferdekarussell darf in der Ausstellung nicht fehlen, ein Sujet, von dem sich Jacques Courtois auch im Alter nicht trennen kann.
 

 

In der bildenden Kunst ist der Begriff „Schule von Rembrandt“ oder sonst einem namhaften Künstlers legitim, deshalb wäre auch in Bezug zu Jacques Courtois, spätere Arbeiten von seinen Schülern als „Courtois Festi Decor“ als Schule von Courtois  der Biografie von Courtois  zuzuordnen. Eine Galerie am Ende zeigt einige Schaustellergeschäfte. 

© Margit Ramus

Fassaden von Jacques Courtois oder ab 1993 von Courtois festi decor:

 

Dazu Schaustellergeschäfte im Archiv Kulturgut Volksfest:

Break Dance 1
Break Dance 2
Break Dance 3

Die Biografie wurde von Jacques und Marie-Claire Korrektur gelesen. (Juni 2018) Einige Änderungen zur ersten Auflage wurden auf deren Wunsch vorgenommen.
Alle Fotos wurden mit schriftlicher Genehmigungen von Jacques Courtois sowie Mark Schumburg ins Archiv eingestellt.
Schriftverkehr der Verfasserin mit Frau Courtois im Jahre 2011.
Gespräch der Verfasserin mit Jacques Courtois in Paris am 15.05.2018.
Weedon, George; Ward, Richard: Fairground Art. London 1981. Neuaufl. 2003. S. 267.
Ramus 2013. S. 164ff.
Ausstellungskatalog: Jacques Courtois Au gré de mes rencontres. Paris 2014.

 

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