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Knorrn

Artikel in Morgenpost 1981 © Foto Buttmann

Lebensdaten von HARRY KNORRN 1940–2009.

Bei einem Besuch der Verfasserin am Krankenbett des schwer kranken Künstlers im Jahr 2006 begann dieser aus seinem Leben zu erzählen.
Der Vater hatte ein Kino, deshalb wuchs der 1940 geborene Harry Knorrn mit Transparentmalern auf und entdeckte schon früh seine Vorliebe für Großleinwände. Er machte eine Ausbildung als Maler, Gebrauchsgrafiker und Designer. Da er keine Anstellung fand, arbeitete er an der Großglöckner Bahn bei dem Schausteller Bubi Arndt.
Erste Malerarbeiten führte er an der Boxbude von Sündermann durch. Diese Boxbude war zunächst von Hilbert gemalt und später von Sommer restauriert worden. Knorrn erklärte, dass er in deren Schatten stand, obwohl er gewusst hätte, dass er auch so malen konnte. Es folgte die Schaubude der Firma Rohloff Er und seine Fünf.

Knorrn erzählte, dass manche Schausteller nicht so viel Geld gehabt hätten, um bekannte Maler zu beauftragen, deshalb habe man ihn genommen. Er versprach den ersten Auftraggebern: „Wenn es nichts wird, brauchst du nichts zu bezahlen!“ Oft habe er trotz guter Arbeit sein Geld spät oder „nicht die ausgemachte Summe bekommen“.

Harry Knorrn, der mit vollem Namen Rudolf Harry Knorrn hieß, fertigte unter dem Künstlernamen „Rudolf Harry“, wie er sagte, „ernste Malerei“. Seine Vorlieben lagen in Collagen, die er auf Nachfrage herstellte und verkaufte. Außerdem stellte er eine Reihe von Objektmalereien her.

Mit dem Auftrag zur Gestaltung des Märchenparks im „Tivoli-Park“ in Köln am Niehler Hafen gelang Knorrn der Durchbruch bei den Schaustellern. Knorrn erzählte sehr offen von seinen finanziellen Problemen und, dass es mit der Bezahlung damals nicht so gut ausgesehen hätte:
„Ich hatte bei Schaustellern immer das Glück, dass das Geld ausging, bevor ich mit meiner Arbeit fertig geworden war.“

Im „Tivoli-Park“ lernte Knorrn Hans Koch kennen. 
„Koch gab mir den ersten großen Auftrag, Fassaden für Lusthäuser zu malen.“

Knorrn entwickelte sich als reiner Auftragsmaler für ganze Serien gleicher Karussell- oder Geschäftstypen. Durch Koch erfolgte eine Begegnung mit der Firma Huss. Dort erhielt Knorrn den Auftrag, die Rückwände von zwei Swing Arounds (Ramus 2013. Kat. Nr. 60) zu malen. Es folgten nach Angaben Knorrns etwa 70 Schiffe für die Firma Huss. (Ramus 2013. Kat. Nr. 69) Darunter war auch das, das von Michael Jackson für dessen eigenen Vergnügungsgarten angekauft wurde.

Außer den Rückwänden der Piraten-Schiffe malte Knorrn eine Vielzahl von Fassaden, ungeachtet des Bautypus. Einige werden im Katalog vorgestellt. Später verließ Knorrn die Firma Huss im Streit, „eigentlich sei er unehrenhaft entlassen worden“, bemerkte er sarkastisch.

Wie bereits erwähnt, war Knorrn schon als Kind mit Großleinwänden vertraut gewesen. Er wuchs mit den Kinoleinwänden auf und lebte in der illusionistischen Scheinwelt der großen Stars. Knorrn bezeichnete sich selbst als Expressionist. Aus kunsthistorischer Sicht muss dieser Begriff natürlich diskutiert werden, denn im Sinne kunsthistorischer Einordnung ist Harry Knorrn kein Expressionist. Er erzählte der Verfasserin, dass Salvador Dali sein großes Vorbild gewesen sei, was sich auch in seinen Arbeiten widerspiegelt.

1983 gestaltete Harry Knorrn die Vorhangfassade der Anlage Fantastische Reise (Ramus 2013. Kat. Nr. 78.) von Friedel Finnendahl aus Bremen. Zum Betrachter hin war dem Bau eine gigantische Vorhangfassade vorgesetzt, die das Stahlgerippe einer Achterbahn im Inneren verbarg. Im Zentrum der Fassade waren zwei große Öffnungen durch die die Schienenführung aus dem Bau heraus und sofort wieder hinein führte. Hängegondeln waren in die Schienen eingehängt. In der Presse vom 9. September 1983 heißt es in der Schlagzeile: „Bremer Künstler genießt Weltruf als Karussell-Maler.“

Harry Knorrn starb im Jahr 2009, nach einem turbulenten Leben als völlig verarmter und vergessener Künstler.
Unzählige Fassaden hatte er gemalt, die inmitten der Fülle von bunten Fassaden auf den Volksfestplätzen noch immer ohnegleichen sind und einen Wiedererkennungswert garantieren. Zu seinen Werken gehörten auch verschiedene Rückwände von Offenen Rundfahrgeschäften.

© Margit Ramus

Dies sind die Karussell-Prototypen, von denen einige Anlagen von Knorrn dekoriert wurden:

Break Dance 1
Ranger

Dies sind die Einzelgeschäfte dieser Projekte von 

Ramus 2013 S. 149 ff.
Gespräch der Verfasserin mit Harry Knorrn in Bestwig im Juni 2006.
Gespräche der Verfasserin mit Frau Knorrn in Bestwig im Juni 2006; 2007.
Alle Zitate sind von Harry Knorrn.

2 Beiträge zu “Knorrn

  1. Jochen Buschmann

    Mit Harry Knorrn hatte ich unvergessliche Begegnungen und Gespräche Ende der Siebziger Jahre. Ich hatte seinerzeit ein bekanntes Dekogeschäft mit Grafik- und Künstlerbedarf.
    Wir fühlten seinerzeit eine Seelenverwandtschaft. An diese Zeit mit ihm, denke ich heute noch viel zurück.
    Unglaublich seine Offenheit, sein witziger Charme, seine Lebens-Gelassenheit. Ich besuchte ihn einmal in seinem Haus im Brühl am Phantasialand. Auch da war er künstlerisch tätig. Es tut mir leid, nicht mehr mit ihm sprechen zu können. Von seinem Ausscheiden aus dem Kreis der Lebenden habe ich erst jetzt durch Google erfahren. Wieder einmal zu spät
    Jochen Buschmann.

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    1. Margit Ramus Beitragsautor

      Sehr geehrter Herr Buschmann
      Es freut mich, dass über das Archiv alte Erinnerung bei Ihnen geweckt wurde.
      Ich hatte das Glück Harry Knorrn, etwa ein Jahr vor seinem Tod besuchen zu dürfen. Er war längst von seiner Krankheit gezeichnet, aber sein Charme und Schalk waren noch gegenwärtig. Er hat mir so viel erzählt, über sein Leben, seine Begegnungen mit Schaustellern und natürlich seine Arbeit.
      Es ist nie zu spät an Jemanden zu denken, sowie weitere Erinnerungen zusammenzutragen und aufzuschreiben.
      Freundliche Grüße Margit Ramus

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