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Wallner

Lebensdaten von JOSEF WALLNER 1920–1983.

Ein Jahr nach seiner vierjährigen Lehrzeit zum Maler wurde der 1920 in Augsburg geborene Josef Wallner zum Arbeitsdienst eingezogen. Während seiner russischen Gefangenschaft in Sibirien malte er Porträts.
Nach seiner Heimkehr arbeitete er zunächst als Malergehilfe, machte sich aber bald selbstständig, fuhr mit Fahrrad und Anhänger über Land und führte Malerarbeiten, Beschriftungen, Kinoreklamen und Kulissendekorationen aus.
1957/58 ergaben sich auf dem „Augsburger Plärrer“ wieder Kontakte zu Schaustellern. (Dering 1986. S. 186.)
Als Lehrjunge hatte er 1935 bereits für den Schausteller Kury aus Augsburg an einer Schiessbudenfassade mitgearbeitet. Mehr als 20 Jahre später erhielt er nun den Auftrag zur Übermalung einer Bärenjagd auf der Schmuckdachkante eines Schiesswagens, die zuvor von Hilbert gemalt worden war.

Wallner reiste von nun an mit einem Wohnwagen durchs Land und malte in behelfsmäßig eingerichteten Ateliers oder unter freiem Himmel für Schausteller. Er nahm fast alle Aufträge an und malte auch Bierzeltfassaden.
Dering schreibt über Wallner, dass dieser seine Schaustellermalerei in einer Zeit begonnen hatte, in der „Flächenaufteilung in Farbe und Phantasie“  (Zitat aus Schaustellermaler/Wallner, PUMU 2010.) modern war. Für die damals modernen Fronten „musste man nichts können“. (Ebd.)
Den erneuten Umschwung in der dekorativen Malerei der Schaustellergeschäfte in den 1970er Jahren bezeichnet Wallner selbst als „Modernbarock“  (Ebd.)

Mit der Zeit übernahm Josef Wallner auch immer mehr Aufträge der Firma Josef Zierer, für die er ab 1973 nur noch arbeitete. Er zog nach Schweig bei Neustadt/Donau.
Zierer lieferte ihm die fertig grundierten Bildträger der Wellenflieger in sein Atelier. Frau Wallner lackierte die Rahmen der Kartuschen der Schmuckdachkanten und Wallner selbst malte die romantischen Landschaften frei Hand. Oft waren es Nachahmungen von zuvor von ihm mit Öl auf Leinwand gemalten Bildern mit Barock-Rahmungen.
Wallner nutzte aber auch Vorlagen von älteren Malereien aus Kunstbüchern und Postkarten, für die kein urheberrechtlicher Schutz mehr bestand. Für größere Fassaden zeichnete er Entwürfe und fertigte Kartons mit Wachs- oder Kohlestiften. Anschließend wurden sie in einem Arbeitsgang eins zu eins auf die Bildträger übertragen. Dering schreibt in seinen Notizen: „Ein Schaustellermaler muss schnell malen können.“ (Zitat aus Schaustellermaler/Wallner, PUMU 2010.) Josef Wallner konnte das. Zu seinen Werken gehören insgesamt 85 Wellenflieger. (Ramus 2013. Kat. Nr. 61.)

Die Motive waren oft gleich und zeigten Landschaften, Frauenporträts, Vögel, Amoretten und Blumengebinde. Wie bereits erwähnt, malte Wallner die gleichen Motive im gleichen Malstil auch privat in Öl auf Leinwand und verkaufte sie.

Josef Wallner malte neben den Wellenfliegern auch andere Schaustellergeschäfte. Er hielt fast immer an seiner Malweise im Stil der Romantik mit barocken Zitaten fest.
1969 bemalte er unter anderem die neue, aus Polyester hergestellte Schmuckdachkante der Kinderkarussells der Schaustellerfirma Spies.

Wallner verzichtete auf Wunsch des Auftragsgebers auch auf die figürliche Malerei, wie auf der Abbildung von dem Foto Schiessen der Fima Butz zu erkennen ist.

Ramus 2013. S.
Dering 1986. S. 186.
Schaustellermaler/Wallner, PUMU 2010.

2 Beiträge zu “Wallner

    1. Margit Ramus Beitragsautor

      Es ist mir bekannt, dass Wallner neben den Aufträgen für Schausteller, auch Bilder malte und verkaufte. Vielleicht können Sie Fotos von Ihren Bildern machen und zur Veröffentlichung im Archiv zur Verfügung stellen. Ihr Name würde auf jeden Fall als Quelle genannt. Vielen Dank im Voraus. Margit Ramus

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