Volksfeste in der Vergangenheit A - Z

Volksfeste in der ehemaligen DDR

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurden in der sowjetischen Besatzungszone viele Betriebe als Reparationsleistung in die Sowjetunion transportiert.

„Denoch war die Situation des Schaustellergewerbes und der traditionellen Volksfeste [war] nach dem Krieg ziemlich hoffnungslos […].“ (Orschel Nachkriegszeit 2005. S. 6)

Die Schausteller befürchteten, dass auch ihre Geschäfte konfisziert werden könnten. Aber die Sowjets hatten kein Interesse daran.
Obwohl einige Schausteller ihre Geschäfte während des Kriegs versteckt hatten, waren drei Viertel zerstört oder stark beschädigt. Außerdem war es fast aussichtslos, Farben, Glühlampen oder Zellstoffplanen zu beschaffen. (Orschel Nachkriegszeit 2005. S. 6)
Die Zugmaschinen waren teilweise beschlagnahmt worden oder nicht zu nutzen, weil der Diesel rationiert/zu knapp war. Die Eisenbahn war für Schaustellertransporte gesperrt. Dennoch wurde bereits im Mai 1945 in Berlin-Treptow das erste Nachkriegsvolksfest durchgeführt. (Orschel Nachkriegszeit 2005. S. 6)
Bald folgten weitere Volksfeste, so zum Beispiel in Magdeburg, Cottbus oder Zwickau. Im Gegensatz zu Westdeutschland, wo Schaustellerfirmen als Einzelunternehmen jeweils ihre eigene Reiseroute wiederaufnahmen, organisierten sich im Osten verschiedene Schausteller zunächst für eine gemeinsame Volksfesttournee. (Orschel Nachkriegszeit 2005. S. 8)
Rolf Orschel schreibt in einem „Sonderband über Schausteller und Volksfeste der DDR“

„Wie in Annaberg-Buchholz wurden die Schausteller damals in fast allen Städten und Gemeinden von der Bevölkerung mit offenen Armen empfangen und tatkräftig unterstützt.“ (Orschel Nachkriegszeit 2005. S. 11)

Von Zeitzeugen hatte Orschel erfahren, dass der Ansturm auf die wenigen Karussells auf den Volksfesten kaum zu bewältigen war. In Suhl habe sogar die Feuerwehr die Massen beim Bestürmen der Karussells nicht „bändigen“ (Orschel, Nachkriegszeit, 2005, S. 10) können.
Mit der Gründung der DDR im September 1949 begann der Kampf um die gewohnte Ausübung des Schaustellergewerbes.
Die unter der Herrschaft der Nationalsozialisten aufgelösten Schaustellerverbände blieben weiterhin verboten. Es setzte eine Pressekampagne gegen Schausteller und Volksfeste ein. (Orschel 50er Jahre 2005. S. 14) Volksfeste sollten verstaatlicht werden. Ein langer Überlebungskampf der Schausteller begann.
Im Juni 1956 trat endlich eine „Verordnung über die Regelung der Gewerbetätigkeit in der privaten Wirtschaft“ (Orschel 50er Jahre 2005. S. 19) in Kraft. Orschel beschreibt die neue Situation wie folgt:

„[…] im September des selben Jahres wurden die Schausteller dem Bereich Kultur unterstellt und ihre Einbeziehung in die Planung und Gestaltung der sozialistischen Volksfeste sowie deren Eingliederung in das gesellschaftliche Leben beschlossen, um endlich klare Verhältnisse zwischen den Schaustellern und dem Staat zu schaffen. Obwohl diese Beschlüsse überfällig waren, dauerte es noch Jahre, bis sich das angespannte Verhältnis normalisierte.“ (Orschel 50er Jahre 2005. S. 19)

Dass die Volksfeste in das sozialistische System eingegliedert wurden zeigte sich auch in der Bemalung der Schmuckdachkanten, die nicht selten auch den Krieg thematisierten.

© Margit Ramus

 

Sonderband der Kirmes und Park Revue, Schausteller und Volksfeste der DDR, 2005.

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