Volksfeste in der Vergangenheit A - Z

Volksfeste im Nationalsozialismus

Volksfeste im Nationalsozialismus

Was geschah mit den Volksfesten in Deutschland im Nationalsozialismus?
Was geschah mit den Schaustellern in jener Zeit?

Dies sind wichtige Fragen, denen unbedingt nachgegangen werden muss, die jedoch einer intensiven Recherche bedürfen.

Basierend auf Erzählungen der Zeitzeugin Maria Schoeneseifen (Mutter der Verfasserin) und einigen Festschriften erfolgt an dieser Stelle eine erste kurze Berichterstattung.

Am 1. April 1936 wurden alle beruflichen Organisationen in der „Wirtschaftsgruppe ambulantes Gewerbe“ zwangsvereinigt. Von da an waren die Schausteller der „Joseph Goebbels Reichskulturkammer“ unterstellt. 

Für die einzelnen Organisationen, alleine in Köln gab es acht Berufsorganisationen (nachzulesen unter Berufsorganisationen in Köln), waren es ohne Zweifel grundlegende Veränderungen. 

Aber Maria Schoeneseifen erzählte, dass viele kleinen Schausteller keine wirtschaftlichen Einbußen hatten. In der Wirtschaftskrise nach 1929 sei es vielen Menschen, darunter auch den Schaustellern, nicht gut gegangen. Wie ihre Eltern erzählten, wäre es mit dem Ende der hohen Arbeitslosigkeit wieder aufwärts gegangen.

Zeitzeugin Maria Schoeneseifen

Maria Schoeneseifen wurde 1926 als Tochter der Kölner Schausteller Maria und Josef Milz geboren. Die Eltern reisten mit einer Schießbude im Kölner Raum und in Rheinland-Pfalz. 
Maria Schoeneseifen erzählte früher oft, dass es den Schaustellern nach der Machtergreifung der Nazis nicht schlechter gegangen sei; eine Diskriminierung als Schaustellerin habe sie als junges Mädchen nicht erlebt.
Der Familie Milz ging es in diesen Jahren finanziell und sozial gut. 
Von den Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und der Propagandamaschinerie der Nationalsozialisten haben die Schausteller insofern profitiert, als dass der Besucherstrom auf den Volksfesten drastisch anstieg. 

Nach Kriegsbeginn wurde es schwieriger, aber bis 1943 wurden immer noch große und kleinere Kirmesveranstaltungen durchgeführt. 
Erst in den beiden letzten Kriegsjahren fand die Familie Milz mit vier Kindern in Baumbach im Hunsrück bei einem befreundeten Großbauern Unterschlupf. Sie wohnten weiterhin in ihrem Wohnwagen und hatten ihre Geschäfte in der Scheune untergestellt. 
Von Baumbach aus fuhr die Mutter übers Land und tauschte Stoffe und Kurzwaren, die sie in den Vorkriegsjahren in größeren Mengen eingekauft hatte, gegen Lebensmittel ein. Dadurch musste die Familie Milz nie Hunger oder große Entbehrungen erleben. 

Nach Ende des Zweiten Weltkriegs ging es direkt wieder los. Die Menschen auf den Dörfern und in den Städten erfreuten sich an den ersten kleinen Volksbelustigungen.

Informationen aus Festschriften

Der Aufschwung in den ersten Jahren nach der Machtergreifung wird auch in Festschriften von Volksfesten fast überall thematisiert. Diskriminierung, Verfolgung und Unterdrückung werden nicht angesprochen.
Die Nationalsozialisten nutzten die Volksfeste zu Propagandazwecken, dazu gehörte auch die Vorliebe für Fahneneinmärsche und die Beflaggung der Volksfeste und Weihnachtsmärkte.

Zu Kriegsbeginn entschieden Städte, Verwaltungen oder sonstige Veranstalter über die Fortführung oder Einstellung der Volksfeste, unabhängig von ihrer Größenordnung.

Cranger Kirmes

Allgemein fällt auf, dass die Berichterstattung über diese Jahre oft nur wenige Zeilen umfasst. In Crange wird darauf hingewiesen wird, dass fundierte Quellen nicht mehr zugänglich seien: 

„Leider fehlen für die Zeit von 1933-1945 die Berichte, da die Zeitungen aus diesem Abschnitt der deutschen Geschichte von den Alliierten beschlagnahmt wurden.“ (Turkowski 1969. S. 29)

Waltraud Turkowski beschreibt, wie die Schausteller einen Beitrag zur Bekämpfung der großen Arbeitslosigkeit Anfang der 1930er Jahre beisteuerten:
„Neben dem Vergnügen brachte die Kirmes etlichen Arbeitslosen von Wanne-Eickel  die Möglichkeit, das Stempelgeld aufzubessern, sie wurden von den Schaustellern engagiert, um beim Auf- und Abbau, beim Anschaukeln, Losverkaufen usw. mitzuhelfen.“(Turkowski 1969. S. 28)

In der gleichen Quelle ist zu lesen dass der Zirkus der kleinwüchsigen Menschen den Nationalismus  überlebt hat.

„Am 5.08.1948 berichtet die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ), dass sich die Cranger Kirmes wieder mit vielen Attraktionen ganz groß präsentiert. Unter anderem waren vertreten: […] Lilliput-Zirkus.“ (Turkowski 1969. S. 31)

Annakirmes in Düren

Einziger Kommentar zur dieser Zeit:
„1931 übernahm dann Franz Schillings im Grundstücks- und Vermessungsamt die Verantwortung für die Annakirmes, und es ist sein Verdienst, 1946 mit 68 Schaustellern die Annakirmes wieder aus der Taufe zu haben.“ (Zens/Böhmer 1988. S. 42)

Münchner Oktoberfest

Florian Dering schreibt, dass das Münchner Oktoberfest durch die Nationalsozialisten überraschend wenig Veränderungen erfahren habe. Zwar sei das Zentral-Landwirtschaftsfest nach 1933 aufgelöst worden, was aber dem Zulauf zum Oktoberfest wenig Abbruch getan hat.
Erst von 1939 bis 1945 fiel das Fest wegen des Zweiten Weltkrieges aus. (Dering / Eymold 2010. S. 168) Dazu können Sie mehr lesen: 
1933-1940: Hakenkreuze auf der Theresienwiese

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„Nach der nationalsozialistischen Machtergreifung wehte auch auf der Theresienwiese ein »neuer Wind«. Betteln und unberechtigtes Hausieren innerhalb der Wirtsbuden war streng verboten. Hausierer hatten das »amtliche Hausierer Zeichen« zu tragen. Die »Hitlerjugend« hatte für ihre Mitglieder strenge Anordnungen erlassen; ihnen war demnach »der Besuch von Bier- und Weinbuden im Dienstanzug« strengstens verboten.

Die Bauernkammern konnten 1933, wie schon 1925 und 1927, ein Zentrallandwirtschaftsfest abhalten, doch nun zum letzten Mal. Wenig später wurden sie »gleichgeschaltet«, das heißt aufgelöst. Damit verschwand das Landwirtschaftsfest, seit 1811 auf das engste mit dem Oktoberfest verbunden, für die Jahre der Naziherrschaft von der Theresienwiese.

Die meisten Schausteller aber wurden von der neuen Atmosphäre nicht abgeschreckt: Als Publikumsattraktionen erwiesen sich der »Kleinste Zirkus der Welt«, eine »Wilde Serpentine« und der Fakir Perie, der sich nach anfänglichem Verbot durch die Polizei lebendig begraben ließ. Hugo Haase präsentierte das Zeppelin-Karussell mit vier jeweils zehn Meter langen Zeppelinen. Die seit Jahrzehnten auf dem Oktoberfest gezeigten Abnormitäten, siamesische Zwillinge, missgebildete Menschen, besonders dicke Leute usw., waren hingegen nicht mehr vertreten. Sie passten nicht in das nationalsozialistische Weltbild vorn wohlgestalteten arischen Menschen. Nur »Riesen« wurden noch geduldet.

Personen jüdischer Abstammung waren ab sofort »im Interesse der Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung« zur Verabreichung von Speisen und Getränken und zur »Veranstaltung von Lustbarkeiten« nicht mehr zugelassen, auch nicht als Angestellte, Mitarbeiter, Gehilfen oder Mitspieler.

Im Jahr 1934 initiierte der berüchtigte NS-Ratsherr und ehemalige Pferdehändler Christian Weber wieder Pferderennen, die 1913 zum letzten Mal auf der Theresienwiese veranstaltet worden waren. Weber hatte vor der Bavaria eine neue Rennbahn erbauen lassen, und so fanden an vier Tagen je ein Trab- und ein Galopprennen statt. Die mächtig gewordene SS »zeigte Farbe« und bot dem Publikum, vor allem aber den Parteifunktionären »reiterliche Vorführungen«. Die Münchner Großbrauereien waren nun wieder vollzählig auf der Wies’n vertreten.

Im selben Jahr wurden der Trachten- und der Schützenzug zusammengelegt. Um die »enge Verbundenheit der Bauernschaft mit der Schützensache« zu dokumentieren, vereinigte sich der Erntedankfestzug, bestehend aus Trachten und Festwagen, im Rosental mit dem Festzug der Schützen. Das Münchner Oktoberfest konnte 1935 auf seine 125-jährige Geschichte zurückblicken. Die nationalsozialistische Stadtverwaltung ließ sich die Gelegenheit nicht nehmen, dieses Jubiläum ganz in ihrem Sinne zu gestalten. Der Festzug stand unter dem Motto »Verbrüderung von Bauer und Städter«. Zwischen den Schützen- und Trachtengruppen marschierten Kapellen von SA und »Hitlerjugend« sowie Gruppen des »Reichsnährstandes« und des »Arbeitsdienstes«. Sportliche Vorführungen des »Reichsbundes Für Leibesübungen« rundeten dieses Wiesenjubiläum ab, zu dem schätzungsweise 300000 Fremde nach München gekommen waren“.
Festschrift zum 175-jährigen Jubiläum des Oktoberfestes: 175 Jahre Oktoberfest 1810-1985. Hrsg. Landeshauptstadt München1985. S. 90f

Augsburger Plärrer 

In Augsburg findet der Plärrer ohne Unterbrechung von 1878 bis zur Gegenwart statt.
Die chronologisch fortlaufende Liste in der Festschrift  125 Jahre Augsburger Plärrer untermauert die Erzählungen von Maria Schoeneseifen:

1932: „Das Augsburger Volksfest  wächst Jahr für Jahr. Achterbahn, Steilwandfahrer und Krokodilschau gehören zu den Attraktionen.“
1934: „Nationalsozialistische Stadtverwaltungen übernehmen hier und dort — beispielsweise in Nürnberg — die Ausrichtung des Volksfestes. Altdeutsche Traditionen und historisches Volksgut im Sinne der NS-Propaganda spielen auf dem Rummel zunehmend eine wesentliche Rolle.“
1938 „Der Plärrer ist so groß wie nie zuvor.“ 
Von 130 Schaustellern mit 36 großen Geschäften wird berichtet. 
1939 nehmen 135 Schaustellerunternehmen am Plärrer teil.
1940 geht es abwärts. „Kriegsbedingt ist mancher Schausteller an der Plärrerteilnahme verhindert.“
1941 „Noch läuft das Volksfest.“
1942 werden auf einem Teil des Geländes Barackenlager für gefangene und Ausgebombte erstellt.
1943 „Zum letzten Mal findet unter NS-Herrschaft im August ein Plärrer statt.“
1944 wird „die Festfläche erheblich eingeschränkt.“
1945 „Nur ein Notplärrer mit gerade mal an die zehn Schausteller findet statt.“
1946 „Auch im ersten Nachkriegsjahr fällt der Plärrer bescheiden aus.“
1947 „Es geht aufwärts, die Zahl der Geschäfte steigt auf über 50 und es gibt ein Bierzelt.“  (Augsburger Plärrer 2003. S.98 f)

Nürnberger Volksfest

Ähnlich schreibt die Nürnberger Volksfestzeitung:
Zwischen den beiden Weltkriegen, heißt es, dass das Münchner Oktoberfest, die Dresdner Vogelwiese, der Hamburger Dom, und der Bremer Freimarkt ebenso wie das Nürnberger Volksfest vom Publikum gestürmt wurde.
1933 steht in der Volksfestzeitung in einem offiziellen Grußwort:
„Unsere Behörden stehen den Bestrebungen des ambulanten Gewerbes nicht mehr diametral gegenüber, sondern unterstützen seine Belange und erkennen seine Existenzberechtigung voll an.“
Nach der Mobilmachung 1939 fanden noch zwei Jahre Ersatzvolksfeste bis 1941 statt. (Morawski 1998. S.93 f)

Krefeld Winter-Luna-Park

Bereits im Herbst 1939 fand die Herbstkirmes auf dem Sprödertalplatz nicht mehr statt.
Aber am 2. November 1940 wurde in den Räumen der Königsburg, die ursprünglich als Ball- und Veranstaltungssäle bei Sportveranstaltungen genutzt worden waren, ein Winter-Luna-Park, kurz WI-LU-PA, eröffnet.
Es musste eine Eintrittskarte gekauft werden und für die Nutzung der Fahrgeschäfte zusätzlich bezahlt werden. Das Angebot an Fahrgeschäften und sonstigen Schaustellergeschäfte umfasste: „Selbstfahrer von Tusch, dazu Schiffschaukel, Bodenkarussell, Blinker, Verlosungsstände, Verkaufsbuden und einem Fisch-Imbiss von Stolzenberg.“ (Fuchs Krefeld 1991. S. 34)
Bei den Blinkern und Verlosungen gab es begehrte Haushaltsartikel, ohne Bezugsscheine, zu gewinnen.
Am 21. Juni 1943 wurde der WI-LU-PA von einem Bombenangriff zerstört. Kurz zuvor hatte einige Schausteller ihre Geschäfte abgebaut und nach Kevelar in Sicherheit gebracht. Deshalb hat der Auto-Selbstfahrer von Tusch den Krieg unbeschadet überstanden.

1944 wurde die „rummelplatzähnlichen“ Vergnügungen durch eine Verordnung eingestellt. 

Sim-Jü in Werne

„Obwohl die NSDAP-Ortsgruppe keine direkte Einflussnahme auf den Simon-Juda-Markt ausübte, wurden ab Mitte der 30-er Jahre – wie anderenorts ebenfalls üblich – die Unternehmen der Schausteller häufig mit Hakenkreuz-Fähnchen geschmückt, […]“ (Schulz 1987. S. 149)

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„Im Rahmen seiner Berichterstattung über Sim-Jü machte der Redakteur der Werner Zeitung noch 1932 unmissverständlich Front gegen die Nationalsozialisten, als er schrieb:
„Am Sonntagmorgen also war alles hübsch für das Volksfest aufgebaut, und der liebe Gott ließ seine Sonne scheinen über Gerechte und Ungerechte, über Nazis und Eiserne Front in Uniform (Gott-sei-dank waren es nur einige von beiden Sorten), über Leute mit mehr oder weniger Geld, kurzum, über die Bevölkerung von nah und fern.“
Hätte er auch nur ein Jahr später seinen Gedanken so freien Lauf gelassen, er wäre sicherlich schnellstens von der Bildfläche verschwunden. Bereits 1934, also ein Jahr nach der Machtübernahme, war auch die Werner Presse längst „gleichgeschaltet“.
So las man zu Sim-Jü: „Am Sonntag wird unsere SS und am Dienstag unsere SA allen Kirmesbesuchern eine Blume zum Kauf anbieten. Die durch den Blumenverkauf erzielten Einnahmen kommen restlos dem Winterhilfswerk zugute. Möge die schlichte Blume für jeden ein äußeres sichtbares Zeichen sein, dass er bereit ist, nach seinen Kräften an diesem großen Bruderwerk mitzuhelfen.“
Obwohl die NSDAP-Ortsgruppe keine direkte Einflussnahme auf den Simon-Juda-Markt ausübte, wurden ab Mitte der 30er Jahre – wie anderenorts ebenfalls üblich – die Unternehmen der Schausteller häufig mit Hakenkreuz-Fähnchen geschmückt, während sich unter den jüdischen Händlern auf dem Viehmarkt bereits eine gewisse Unruhe breitmachte.
Bezeichnend hierfür ist das Schreiben eines Münsteraner Viehhändlers vom 10. Oktober 1936 an das Werner Bürgermeisteramt:
„Da ich beabsichtige, den dortigen Markt mit ca. 30 Rindern zu beschicken, so wollen Sie mir bitte sofort mitteilen, wann ihr Markt dort stattfindet. Auch möchte ich wissen, ob der Markt von nichtarischen Viehhändlern beschickt und besucht werden darf. – Bemerke, dass ich nicht arisch bin!“ Hierauf antwortete die Ortspolizeibehörde knapp und unverbindlich: „Der Markt findet hier am 29. 10. 1935 statt. Nach den bisher geltenden Bestimmungen kann der Markt auch von nicht arischen Händlern beschickt und besucht werden.“ Punktum! 
Dem internen Protokoll einer Sim-Jü-Besprechung des Jahres 1933(!) ist allerdings zu entnehmen, dass man schon damals eine Regelung, betreffend die Zulassung von Juden zu den Vieh- und Jahrmärkten, von der Regierung erwartete.. .
Im Jahre 1938 geriet dann die traditionsreiche Bezeichnung „Simon-Juda-Markt“ unter Beschuss. Der Kreispropagandaleiter aus Lüdinghausen forderte damals Wernes Bürgermeister schriftlich auf, unverzüglich für eine „nichtjüdische“ Bezeichnung des Simon-Juda-Marktes, etwa „weltbekannter Werner Oktobermarkt“, zu sorgen. Doch dieses Ansinnen ging den Werner Ratsherren entschieden zu weit und wurde in seltener Einmütigkeit abgelehnt. 

An der Weiterführung des alten Namens änderte auch die Hetzkampagne des Parteiorgans „Der Stürmer“ und der „Roten Erde“, dem amtlichen Organ des (Nazi) Gaus Westfalen-Süd, nichts. Angezettelt worden war der Angriff auf Sim-Jü durch den vor Judenhass triefenden Brief eines Parteigenossen an den Stürmer, der u. a. zu dem Pamphlet „Alttestamentarischer Tingeltangel“ in der „Roten Erde“ führte.“ (Schulz 1987. S. 149)

Kölner Karneval-Kirmes-Veranstaltungen und Ostervolksfest

Für Köln stehen der Verfasserin wichtige Quellen zur Verfügung.
Vor dem Einsturz des Historischen Archivs der Stadt Köln wurden einige Anfragen, Zusagen, Teilnehmerlisten und polizeiliche Verordnungen aus den Jahren 1933 bis 1936 von der Verfasserin kopiert und gescannt. Sie geben Aufschluss über die damaligen Kölner Schausteller und deren Geschäfte. Diese wichtigen Zeugnisse jener Zeit können in der unteren Galerie eingesehen werden. Weitere Informationen zu Köln finden Sie hier: Volksfeste zu Karneval in Köln und Volksfeste zu Ostern in Köln im Nationalsozialismus

Der Komet

In dem Jubiläumsbuch zum 100-jährigen Bestehen der Schausteller Fachzeitschrift Der Komet im Jahre 1983 schreibt Der Komet über die Berichterstattung im Jahre 1933 nach der Machtergreifung von den Nationalsozialisten.  In der Ausgabe 2498. 50. Jahrgang, war in dem Aufsatz: Das Volksfest als neutraler Boden“ folgendes zu lesen:

„Deswegen gebietet uns der Selbsterhaltungstrieb – ganz abgesehen von unseren persönlichen politischen Einstellungen – die Volksfeste zu einem absoluten neutralen Boden zu machen. Volksfeste dürfen nicht zu parteipolitischen Tummelplätzen werden…
Wir haben gerade vor ein paar Wochen geschrieben, dass wir die Stärke des deutschen Volksfestes darin sehen, dass es ein Beruhigungsfaktor in dem Gärungsprozess der politischen Strömung ist. Es kann nicht dringend genug geraten werden, durch Vermeidung alles, was die Anhänger anderer Parteien aufreizen könnte, auch in Zukunft dafür zu sorgen, dass Volksfeste, Messen und Märkte unbedingt das bleiben, was sie seit Jahrhunderten waren: friedliche Ausruheplätze für das Volk, etwas Außerordentliches, etwas Nichtalltägliches, etwas zur flammenden Begeisterung unserer Jugend. Ein Volksfest muss ein wirkliches Fest für das ganze Volk bleiben, nur darin liegt seine Stärke.
Von dieser – sagen wir – rein äußeren Einstellung des Wandergewerbes bleibt unberührt eines jeden innere Einstellung zur Politik. Das ist Privatsache jedes einzelnen, sie wird sich gestalten nach Lebensauffassung und Temperament des Individuums.“ (Der Komet: Volksfeste und Märkte 1983. S. 181)

© Margit Ramus

Anfragen Karneval 1933

Alle Dokumente wurden mit Genehmigung des Historisches Archivs der Stadt Köln ins Archiv eingestellt. Dort werden sie geführt unter der Signatur: Bestand 771 (Marktverwaltung) A 66 Kirchweih und Schützenfeste, Karneval. Laufzeit 1931-1938.

Interessant ist die Sprache und der Inhalt der Anfragen, die jeweils unter dem Dokument zu lesen ist.

 

 

  • Dering, Florian; Eymold, Ursula (Hrsg.): Das Oktoberfest 1810 – 2010.
    Offizielle Festschrift der Landeshauptstadt München. München 2010.
  • Morawski, Ronald: Schausteller mit Elan ins nächste Jahrtausend, Nürnberg 1998.
  • 125 Jahre Augsburger Plärrer 2003. Hrsg. Schilffarth, Walter Kurt; Bublies, Wolfgang: Eine Zeittafel für 125 Jahre. 
  • Turkowski, Waltraud: Die Cranger Kirmes, Ursprung, Entwicklung und heutige Bedeutung. Hrsg. Gesellschaft für Heimatkunde Wanne-Eickel e.V. 1969.
  • Schulz, Rainer: 625 Jahre Simon-Juda-Markt Werne. 1987. S. 149
  • Dokumente des Historisches Archivs der Stadt Köln. Dort werden sie geführt unter der Signatur: Bestand 771 (Marktverwaltung) A 66 Kirchweih und Schützenfeste, Karneval. Laufzeit 1931-1938.
  • Der Komet: Volksfeste und Märkte 1983

 

 

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