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Autoskooter ab 1954 Sechs-Säulen

Autoskooter der Firma Otto Barth 1958+-
Autoskooter der Firma Otto Barth 1958+- © Mack & Opitz
Name(n) des Geschäftes Autoskooter Mack Sechs-Säulen
Typologische Bauaufgabe Selbstfahrergeschäft
Bauform Hallenbau
Baujahr 1954 ff
Hersteller Heinrich Mack
Maler Heinz Opitz sen.
Dekorationsstil  Grafische Muster
Dekorationsthema  Grafik
Bauherr / Inhaber  Schilling; Barth; Distel; u.v.a.
Baugeschichte

Nach dem Zweiten Weltkrieg änderte sich mit fast jedem Modell die Dekoration von Autoskootern.
Im Jahre 1953 sah Franz Mack auf einer Italienreise einen Autoskooter auf sechs Stahlsäulen anstelle der Holzpfosten. Den Autoskooter Mack Sechs-Säulen.
Der Gedanke ließ ihn sofort nicht mehr los: „Was die Italiener können, können wir schon lange.“ soll er gesagt haben. (Thoma 1988. S. 253) Obwohl man befürchtete, dass die Halle dann eventuell umfallen würde, wurden ab 1954 die Holzpfosten durch sechs große Gittermast-Stahlsäulen ersetzt.

Baubeschreibung

Langgestreckter rechteckiger Hallenbau mit Walmdach. Aus der doppelten Länge der Kopfseite ergab sich das Maß der Längsseite des Baukörpers. Das kassettenförmig angelegte Fundament wurde mit rechteckigen Eisenplatten verschlossen. Die sechs Stahlsäulen wurden zuerst in die Bodenkonstruktion eingebaut und im Sockelbereich der aus Metallteilen bestehende Dachstuhl zusammengebaut. Dekorative Fassadenelemente wurden gleich mit montiert. Die gesamte Dachkonstruktion wurde mit Seilwinden, die an den Säulen angebracht waren, in die endgültige Position gehoben.

Für die Stromversorgung der elektrisch angetriebenen Skooter-Autos wird bis in Gegenwart ein unterhalb der Dachkonstruktion als Pluspol genutztes Metallnetz gespannt. Der Hallenboden aus Metallplatten dient als Minuspol. Am Heck der Autos befindliche senkrechte Stangen mit Stromabnehmerbügel berühren das Netz und schließen den Stromkreis, sodass die Autos sich auf der Fahrbahn in Bewegung setzen können.

Dekoration der Autoskooter

Die grafische Gestaltung ließ verschiedene Darstellungsformen zu. Bei dem Autoskooter der Firma Schilling wurden Punkte, Kreise und Halbkreise gemalt und die Beleuchtungsröhren in füllige, sich nach unten verjüngende Kunststoffkästen eingebracht.

Autoskooter Mack Sechs-Säulen der Firma Schilling 1950er Jahre.

Bei den nächsten Autoskootern von der Firmen Eller und Otto Barth sind die farblichen Fassungen gänzlich zurückgenommen. Die Gestaltung bei Barth ist schlicht und trotzdem auffallend durch die Säulen, die über die Schmuckdachkante funktionslos hinausragen. Siehe Beitragsbild

Die Säulen wurden Teil der Fassadengestaltung. Vertikal aufgestellte Neonröhren wurden mit transparenten Kunststoffkästen verkleidet. Die Schmuckdachkante erhielt nach oben einen geraden Abschluss. Sie bestand aus drei Elementen: den konkav geschwungenen Plafonds, die konvex geschwungene Schmuckdachkante und den beide miteinander verbindenden Fries, im Fachjargon Wulst genannt.

Ein interessantes Beispiel für die dekorative Entwicklung der Fassadengestaltung ist wiederum ein Autoskooter des Münchner Schaustellers Distel. Er gab 1957 ein „Sechs-Säulen-Modell“ in Auftrag, dessen Schmuckdachkante in konkav und konvex geschwungen Formen gearbeitet wurde. Ein auffallendes Dekorationselement waren die sechs tragenden Säulen, die über die Schmuckdachkante funktionslos hinausragten. Neonröhren waren paarweise, fächerförmig gestaffelt vor die Schmuckdachkante auf die Wulst aufgesetzt.

Autoskooter Mack Sechs-Säulen von Distel, Foto 1957 © Mack & Opitz

Manche Schmuckdachkanten, wie zum Beispiel beim Autoskooter der Firma Rudolf Barth, zeigen geometrisch hochgezogene Ecklösungen, in Bezug zur zeitgenössischen Architektur. Sie erinnern an die Neue Philharmonie in Berlin von Hans Scharoun.

 

Autoskooter Mack Sechs-Säulen von Rudolf Barth Bonn. Foto Pützchens Markt 1961 © Mack & Opitz

Beim Modell der Firma Distel beherrschte die Raute, die von weißen, vertikal aufgestellten Neonröhren beleuchtet wurde, die Fassade.
Die Schmuckdachkante von Robrahn aus den 1960er Jahre zeigt wieder die besondere Betonung der Ecken und läutet gleichzeitig eine neue Welle der Dekoration ein. Das Miteinander von geraden, im rechten Winkel angebrachten Lichtleisten, mit geschwungen Eckvarianten wird man auch beim Musik Express finden.

Weitere Autoskooter Mack Sechs-Säulen sowie von Heinz Opitz auf Karton gezeichnete Modelle sind in der Galerie zu sehen. Sie wurden mit Genehmigung der Firma Mack Rides GmbH & Co KG und Heinz-Werner Opitz ins Archiv eingestellt. © Mack & Opitz

© Margit Ramus

Dazu Schaustellergeschäfte im Archiv Kulturgut Volksfest:

Ramus 2013.

1 Beiträge zu “Autoskooter ab 1954 Sechs-Säulen

  1. Nils Meier

    Es wäre ganz wunderbar, wenn das Archiv zu den 6 Säulen Scootern von Mack noch durch Aufbaufotos ergänzt werden könnte. Darüber hinaus wären Fotos mit Details der Konstruktion toll.

    Antworten

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