Schaustellergeschäfte A - Z

Polyp Klaus

Name(n) des Geschäftes Polyp
Typologische Bauaufgabe Offenes Rundfahrgeschäft
Bauform Skelettbau
Baujahr 1966/67
Hersteller Kaspar Klaus
Maler
Dekorationsthema Maritime Unterwasserwelt
Bauherren / Inhaber Beuermann Paris > Schwegeler  Schweiz
Löffelhardt >1984 Phantasialand > Belgien > Noel Prern Frankreich
Löffelhardt > Mia Gormann > Helmuth Schultze > Staudenrausch Memmingen > Krämer Rothstein
3 Anlagen in die USA

Baugeschichte

Die Grundidee dieses Karussells geht zurück ins Jahr 1936. Damals ließ der Amerikaner Lee Ulrich Eyerly ein Karussell mit Greifarmen auf den Namen Spinne patentierten. Die Greifarme drehten sich in Auf- und Abbewegungen um eine Mittelkonstruktion.
Die Spinne, auch unter dem Namen Oktopus bekannt, wird vor dem Zweiten Weltkrieg vereinzelt auf deutschen Volksfestplätzen erwähnt. Die Firma Schippers und v.d. Ville aus Hamburg reiste zum Beispiel mit einer Spinne, zunächst unter dem Namen Octupus, später unter dem ursprünglichen Name Spinne.
Nach dem Krieg verbreitete sich die Spinne schnell in ganz Europa, ob sie aus der USA stammten oder in Eigenbau gebaut worden waren, ist nicht mehr nachzuweisen.
Auch Hugo Haase reiste mit einer Spinne, die jedoch bei ihm Moskito-Bahn genannt wurde. Sie wurde 1939 gebaut. 1949 ist der Bau weiterer „Spinnen“ in seinem Werkverzeichnis dokumentiert.
Nach der deutschen Wiedervereinigung sollen noch drei Spinnen in der ehemaligen DDR gereist sein. Sie sollen in Thüringen gebaut worden sein, da bietet sich die Firma Fritz Bothmann als Hersteller an, der Spur muss noch nachgegangen werden.
Die Firmen Roos und Sartorio aus dem Saarland reisten ebenfalls mit einer Spinne.

Moskito Bahn Haase ©Archiv Dering, Stadtmuseum München Abt. Puppentheater

Dreißig Jahre später, 1966 entwickelte Kaspar Klaus einen Bautypus, der in der Konstruktion an die Spinne angelehnt war.
Aufgrund der konstruktiven Form erhielt dieser Karusselltypus den Namen Polyp. Die Bewegungsrichtungen waren deutlich geringer als die heutigen Varianten dieses Fahrgeschäfts. Trotzdem hat sich der Name Polyp durchgesetzt und wird auch heute noch für diesen Fahrgeschäftstyp verwendet. Klaus löste das Problem des gleichzeitigen Absenken aller Auslegerarme/Greifarme zum Ein- und Aussteigen der Fahrgäste, welches von der Spinne bekannt war. Allerdings erlaubte die komplizierte Technik nur das Anhalten an der jeweils gleichen Position.

Baubeschreibung

Ein Skelettbau mit rotierender Exzenter-Mittelkonstruktion an der fünf abwechselnd auf- und abschwingenden Auslegerarme befestigt waren. Der Exzenter rotierte unabhängig von der Auf- und Abbewegung der Ausleger, die sich dadurch in zwei Richtungen bewegten, einmal rund und dazu noch rauf und runter. An den Enden der Auslegerarme waren vier Gondeln befestigt. 

Die offene, flache und runde Bodenplatte wurde im hinteren Bereich von einer Rückwand mit aufgesetztem Schriftzug aus Leuchtbuchstaben begrenzt.
Ein schmaler Umgang führte in die Einstiegsebene, die mit Gittern eingegrenzt war.
Ein Kassenhaus mit Fahrerstand war in die rückwärtige Fassade integriert.

Dekoration

Dem Hersteller Kaspar Klaus waren Form und Funktion eines Karussells vorrangig.
Beim Polyp waren ohne Zweifel die auf- und abschwingenden Auslegerarme sehr dekorativ. Sie erweckten den Anschein einer Krake oder eines Tintenfischs. Die ergänzende Dekoration des Karussells wurde nur sekundär geplant.
Die Gondeln waren bei dem Prototyp von Klaus aus Blech gefertigt.
Gottlieb Löffelhardt gab die Gondeln seines Polyps  bei der Firma Ihle in Auftrag. Der neue Gondeltyp erinnerte an einen Fisch mit großen Augen, wulstigen Lippen und einer kleinen Schwanzflosse, sie fügten sich in die Thematik einer Unterwasserwelt ein. Diese Gondelform sollte zur Standard-Ausstattung der Baureihe Polyp werden.
Der Lebensraum von Meerestieren wurde auch in der Bemalung der nach oben gerade ab schließenden Bildträger der Rückwand aufgegriffen. In die umlaufenden Gitter waren ebenfalls Meerestiere eingearbeitet.
Durch die individuellen Wünsche der Firma Löffelhardt  war eine geschlossene Komposition zwischen Form, Funktion und Dekoration gelungen.

Provenienz und Verbleib

Der Prototyp wurde nach Paris an die Firma Beuermann geliefert. Er befindet sich heute in der Schweiz bei der Schaustellerfirma Schwegeler und reist unter dem Namen Voom Voom. Inzwischen wurden die ehemaligen Gondeln gegen die charakteristischen Fischchaisen ausgewechselt.

Kaspar Klaus baute weitere fünf Anlagen, davon wurden drei in die USA und zwei an die deutsche Schaustellerfirma Löffelhardt verkauft.
Michael Jackson soll einen der von Klaus gebauten und in die USA exportierten Polyp´s erworben haben und in seinen Vergnügungspark auf der Neverland-Ranch integriert haben. 

Eine der Anlagen von Löffelhardt wurde später in den Freizeitpark „Phantasialand“ integriert und 1984 gegen eine holländische Anlage des Herstellers CAH ausgetauscht. Nach dem Abbau wurde dieser erste deutsche Klaus-Polyp nach Belgien verkauft. Nach zwei Jahren gab es einen erneuten Besitzerwechsel nach Frankreich an die Firma Noel Prern.

Der zweite Polyp von Löffelhardt wechselte zu Mia Gormann, dann zu Helmut Schultze, in Folge zur Firma Staudenrausch aus Memmingen und später in die neuen Bundesländer nach Rothstein zur Firma Krämer.

Erst 1971 gelang Anton Schwarzkopf eine optimale und transportable Ausführung dieses Karussells für die deutschen Volksfestplätze.

© Margit Ramus

Hier geht es zum Prototyp Monster I und II von Schwarzkopf

Werkverzeichnis von Hugo Hasse.
Ramus 2013. Kat. 52.
Koppei, Von der Spinne zum Klaus-Polyp. In: KR 1 u. 2, 1998.

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