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Jaguarbahn mit Holzpfosten

Erste Jaguarbahn mit 24 Holzpfosten der Familie Schoeneseifen. Foto 1962 © Archiv Ramus
Name(n) des Geschäftes Jaguarbahn
Typologische Bauaufgabe Rundfahrgeschäft
Bauform Rundbau
Baujahr 1962
Hersteller Mack
Maler Heinz Werner Opitz sen.
Dekorationsstil POP ART
Dekorationsthema Dschungel-Genre
Bauherr / Inhaber Schoeneseifen, Josef u.a.

Baugeschichte

Im Herbst 1961 besuchten die Eheleute Maria und Josef Schoeneseifen die Firma Mack um sich ein Karussell mit Dach zu bestellen. Bisher reisten sie mit einer Rakete, einem offenen Rundfahrgeschäft.
Franz Mack wehrte den Wunsch ab und sagte, die Pläne der Bobbahnen seien mittlerweile im Keller, niemand würde sich mehr für diesen Karusselltyp interessieren. Er bat die neuen Kunden zur Freiburger Messe zu fahren. Dort war gerade die Neuheit Sprungschanze beim Publikum mit großem Begeisterung angenommen worden.
Familie Schoeneseifen fuhr nach Freiburg. Auch sie waren von dem neuen Karussell fasziniert. Plötzlich setzte ein Regenschauer ein. Alle Besucher flüchteten zum naheliegenden Autoskooter und zur Raupe und die Sprungschanze stand völlig leer im Regen.
Familie Schoeneseifen fuhr zurück und bestellte eine Berg- und Talbahn mit Dach. Wieder zu Haus kam ihnen die Idee zu einer grünen Dschungel-Bemalung.
Schon bald stellte sich heraus, dass mit dem Dschungel-Genre ein neuer Dekorationsstil von Berg- und Talbahnen eingeläutet worden war. Das Karussell erhielt den Namen Jaguarbahn. Es sollte, mit dem technischen modefizierten Musikexpress zum erfolgreichsten Karussell der folgenden Jahrzehnte werden.

Baubeschreibung

Feststehender Rundbau mit Zeltdach. Die Dachkonstruktion wird von einem Stützenkranz getragen. Der Rundbau ist nach hinten mit einer Plane verschlossen.
In der Sockelzone führt ein hölzerner Umgang über Täler und Höhen. Er ist von Panneaux umgeben und wird darüber von Balustraden eingefasst.
Im Innern des Baus laden Fahrgastgondeln zu einer über Berg und Tal führenden Kreisfahrt ein. Die Fahrbahn neigt sich zum Einstieg. Ein schräger breiter Aufgang führt ins Karussell.
Mack weicht zum ersten Mal von der üblichen Form der rundumlaufenden Schmuckdachkante von den frühen Berg- und Talbahnen ab, indem er bei der Dekoration die Rundform verlässt. Die Fassade schließt über der breiten Einstiegsebene mit einer geraden Reihe von Bildträgern ab, die beidseitig diagonal nach hinten fortgeführt werden.

Konstruktion

Auf besonderen Wunsch von Josef Schoeneseifen wurde das Karussell auf einen langen, quer stehenden Mittelbau konstruiert. Alle anderen Bobbahnen vor und nach 1962 hatten einen kleinen Mittelbau.

Dekoration

Für ein völlig neues Dekorationsthema entschieden sich 1962 die Eheleute Josef und Maria Schoeneseifen. Sie verzichteten entgegen dem Rat der Firma Mack auf das bewährte winterliche Dekorationsthema und wagten den Sprung in ein völlig neues Motiv.
Sie wählten für die Schmuckdachkante die Darstellung einer exotischen Wildkatzenjagd.
Der weiße Farbauftrag der Schneelandschaft sollte einer bunten farblichen Gestaltung weichen. Zunächst erfüllte das Atelier Opitz diese Wünsche skeptisch, denn es sollte bereits zuvor einmal eine bunte Dschungelthematik für die Bobbahn der Firma Löffelhardt nicht sehr erfolgreich ausgeführt worden sein.
Aber Maria Schoeneseifen bestand auf eine „grüne“ Bemalung. Die Bildträger der Schmuckdachkante wurden mit Großwildjägern, Großwild und leicht bekleideten Frauen vor einer grünen Landschaft bemalt. Im Hintergrund war eine Bergkette zu sehen.
Die Macht und Lust des Jägers wurde symbolisiert durch die Darstellung der Raubtiere und den lässigen Posen der weiblichen Figuren. Beide sollten dem Jäger unterliegen.
Die Bemalung des Tunnels wurde auch dem Thema, Großwildjagd im Urwald angeglichen. Über der Einfahrt setzte ein Jaguar zum Sprung an. Über der Ausfahrt genoss eine junge Frau auf einem kleinen Felsen unter dem Schutz des starken und bewaffneten Jägers ein Sonnenbad.
Die Wangen der kutschenähnlichen Fahrgastgondeln waren in vier unterschiedlichen Farbabstufungen und mit großen Zahlen von Eins bis Zwanzig gekennzeichnet.

Provenienz und Verbleib

Die erste Jaguarbahn wurde zum Pützchens-Markt 1962 ausgeliefert. Bis 1968 war sie im Besitz von Josef und Maria Schoeneseifen. Als bei Mack die technisch überholte Form der Berg- und Talbahn, der neue Musikexpress in Auftrag gegeben worden war, wurde das Karussell im Winter 1968/69 nach Frankfurt an die Brüder Ludwig, auch Bubi genannt und Charly Roie verkauft. Bereits nach einer Saison trennten sich die Brüder wieder von dem Karussell. Charly Roie bestellte bei der Firma Mack das gleiche Karussell. Obwohl die technische Umstellung von Holzpfosten auf vier Stahlsäulen  bereits erfolgt war entschied Roie sich wieder für einen Pfostenaufbau. Er reiste bis 1986 (muss noch geprüft werden) und verkaufte dann an die Firma  Xaver Geisler aus Frankfurt.
Die Firma Geisler fährt noch heute mit der Jaguarbahn.

Ramus 2013. Kat. 37.
Gespräche der Verfasserin mit ihren Eltern Josef und Maria Schoeneseifen.
Gespräche der Verfasserin mit Heinz Opitz.

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