Schaustellergeschäfte A - Z

Enterprise Huss

Huss Enterprise von Feldl Foto 1975 © Heiko Schimanzik
Name(n) des Geschäftes Enterprise
Typologische Bauaufgabe Offenes Rundfahrgeschäft / Looping-Karussell
Bauform Offener Rundbau
Baujahr ab 1975
Hersteller Heinrich Wilhelm Huss
Maler Harry Knorrn; Peter Petz; Art Studio Elfering; Opitz; u.a.
Dekorationsthema Luft- und Raumfahrt; Utopische Darstellungen
Bauherren bei Huss Feldl; Krause & Barth; Winter; Schäfer; Kinzler; Schoeneseifen u. a.

Heinrich Wilhelm Huss baut 1975 seinen ersten Enterprise

Wie schon in der Baugeschichte vom Schwarzkopf-Enterprise erwähnt, baute die Firma Huss ab 1975 ebenfalls ein Looping-Karussell in einer technischen Weiterentwicklung.
Als Novum zum Vorgängerbau von Schwarzkopf sind die Gondeln von Huss mit einer technisch ausgereiften Schließvorrichtung ausgestattet. Die Türen wurden nicht mehr nach oben geklappt, sondern als Schiebetüren zur Seite geschoben.
Rechts und links führten breite, mehrstufige Treppenaufgänge in die Umgangs- und Einstiegsebene. 

Auch die Firma Huss nannte das Karussell Enterprise und bot es in den unterschiedlichsten Interpretationen der Weltraumthematik an. Den Prototyp von Huss erhielt die Schaustellerfirma Feldl aus München. Harry Knorrn malte außerirdische Figuren  und Raumfahrzeuge. Auf einem Segmentbogen ähnlichen, über die Rückwand gespannten Schild stand der Name Enterprise.
Die Firma Feldl betrieb das Karussell bis Ende der 1990er Jahre und verkaufte es dann an einen ungarischen Vergnügungspark.

Dekoration Hans-Otto Schäfer aus Schwerte

Das Modell der Schaustellerfirma Hans-Otto Schäfer aus Schwerte war ebenfalls mit der schon bewährten Präsentation einer Weltraumthematik dekoriert. Der Maler Harry Knorrn stellte einen schwerelos schwebenden Astronauten ins Zentrum der Rückwand. Lichtgeschosse waren darauf gerichtet.
Gesteinsbrocken flogen durchs All. Flankiert wurde der große mittlere Bildträger von Panneaux, auf die ein kreisrundes Emblem mit Lichtleistenkranz aufgelegt war. Im linken Emblem war „Mr. Spock“ und rechts „Captain Kirk“ abgebildet.
1978 erwarb Schäfer einen Tri Star, der bereits nach wenigen Veranstaltungen im Tausch gegen einen zweiten Enterprise wieder an den Hersteller zurückgegeben wurde. Aus Zeitgründen erhielt der Enterprise die Rückwand eines Tri Stars.
Sie war von Peter Petz gestaltetet worden, der bereits schon einmal eine Rückwand in eine großformatige, lang gestreckte Leinwand verwandelt und darauf die Szenerie eines Flughafens dargestellt hatte. Riesige, plastisch aufgesetzte Passagierflugzeuge der Airlines LTU und Lufthansa sind beim Start und Landeanflug zu sehen.
Im rechten Vordergrund transportieren Busse ankommende oder ab fliegende Menschen zu den Airlines. Im rechten Hintergrund ist die schemenhafte Darstellung der Flughafenarchitektur zu erkennen. Zwei Drittel der geschlossenen Komposition zeigen den blauen Horizont. Vereinzelte Wolken bilden den szenischen Hintergrund.
Schon in der nächsten Winterpause wurde die szenische Darstellung auf der Rückwand übermalt. Der Maler ist nicht bekannt. Nun schwirrten Raumfahrzeuge, Himmelskörper sowie Steinbrocken durch das All. 
Die dritte und endgültige Gestaltung der Rückwand erfolgte ein Jahr später durch das Atelier Elfenring.
Wie der orientierte man sich an den Abenteuern des „Raumschiffs Enterprise“. Neben Raketen, Satelliten und sonstigen Raumfahrzeugen sind deren bekannte Helden zu sehen. Auch die futuristischen Fahrgastgondeln erinnern in Form und Farbe an die Kommandobrücke und die Tragflächen des legendären Raumschiffs.

Provenienz und Verbleib

Der erste Enterprise von Schäfer wurde bereits 1976/77 verkauft. Der zweite Enterprise von Schäfer wurde mehrfach umgestaltet und gelangte über einen Aufenthalt in Frankreich 1990 in den Freizeitpark „Queensland“ in Chennai, Indien.

Mondlift von Erich Winter

Der Schausteller Erich Winter, der bereits 1969 bei der Firma Klaus ein Looping Karussell mit dem
Namen Mondlift hatte bauen lassen, beauftragte 1975 die Firma Huss für einen Folgebau. Dieser wurde technisch ausgereifter, aber an dem Namen Mondlift und der exklusiven Gestaltung des Vorgängers wurde festgehalten. Deshalb wurde auch dieses Mal eine opulente, aufwendig gestaltete Fassade bei der Firma Heinrich Mack und dem Atelier Opitz in Auftrag gegeben.
Winters Mondlift 2 wurde zuletzt im „Buddy Jenkins Vergnügungspier“ in Ocean City, Maryland, gesichtet.

Mondlift von Manfred Zehle

Der Schausteller Manfred Zehle gehörte auch zu den Bauherren der Baureihe Enterprise. Er wählte wie die Firma Winter ebenfalls den Namen Mondlift. Harry Knorrn malte die erste Rückwand. In die Mitte platzierte er den überdimensionalen Kopf eines alten Manns mit langem Bart und weißem Haar. Diese Figur taucht an verschiedenen von Knorrn gearbeiteten Fassaden auf und kann als eines seiner Erkennungsmerkmale bezeichnet werden.
Zehle wechselte die bildliche Gestaltung viermal. Die letzte Fassung wurde vom Atelier Elfenring gearbeitet. Erstaunlicherweise wurde das Porträt des alten Manns übernommen. Die Lichtdekoration beschränkte sich in den 1970er Jahren noch auf die Akzentuierung der Konturen der Rückwand, der Ausleger des Rads und auf die Scheinwerfer der Fahrgastgondeln. Inzwischen wurden die Glühbirnen gegen moderne Beleuchtungselemente ausgetauscht.

Provenienz und Verbleib
Der Mondlift wird noch immer von Zehle betrieben. Das Karussell zeigte auf dem Münchner Oktoberfest 2010 einen sehr guten Zustand.

Transformer von Krause & Barth

Der Enterprise der Firma Krause & Barth Bielefeld/ Bonn wechselte 1995 zu Karl-Heinz Hardt. Er zeigte eine völlig andere Interpretation von Science Fiction mit dem Namen Transformer
Dargestellt ist eine Transformatorenstation auf einer giebelartig getreppten Rückwand. Ein Schild mit dem Namenszug Transformer schließt die Fassade nach oben ab. Eine utopische Darstellung von
Energiebeschaffung ist mit Zahnrädern, Leitungen und Aufzeichnungstafeln demonstriert. In der Mitte zieht ein großes Auge eines gefiederten Tiers den Blick des Betrachters auf sich.

Provenienz und Verbleib

 Der Enterprise, ehemalig von Krause & Barth, hat eine lange Odyssee hinter sich. Von Bielefeld gelangte er 1995 nach Bonn zur Firma Karl-Heinz Hardt. 1998 kam er über den holländischen Schausteller Bembom in einen Park in Mexiko. 2007 reiste er wieder nach Europa zurück und
wurde an den Niederländer Rudi Geelen aus Hengelo verkauft.
In einem ziemlich desolaten Zustand wurde er zunächst eingelagert. Nach einer Generalüberholung wurde er im Mai 2011 auf einem Volksfestplatz in sehr gutem Zustand entdeckt. Die originale Rückwand scheint verloren. Stattdessen montierte der neue Inhaber Geelen eine Rückwand eines anderen Karussells namens Maximum Speed. Die Bildinhalte thematisieren ebenfalls die Raumfahrt.

 

Galerie 

 

 

Skylab von Tolisch

1979 wagte die Firma Huss den Bau eines größeren Modells des kommerziell erfolgreichen Bautypus. Premiere war der 20. September 1979 auf den „Stuttgarter Wasen“. Das Gondelrad des Skylabs erhielt einen Durchmesser von 23 Metern. In den Fahrgastgondeln konnten vier Personen hintereinander sitzen. Auf gestellt erreichte das Rad eine Höhe von 30 Metern.
Huss baute vier transportable Anlagen.

Provenienz und Verbleib

Die Firma Tolisch betrieb den Skylab bis 1990. Im Jahr 2008 wurde dieses Karussell in Israel in einem Vergnügungspark gesehen.

 

 

Ramus 2013. Kat. 62.
Bonhoff, Looping-Karussells. In: KR 3, 1998.
Gespräch der Verfasserin mit Eberhard Struwe und Mark Schumburg 2011.
Gespräch der Verfasserin mit Harry Knorrn in Bestwig im Juni 2006.
Gespräch der Verfasserin mit Ellen Schäfer in Crange im August 2011.
Anmerkungen und ergänzende Infos von Rainer Wallenfang

 

3 Beiträge zu “Enterprise Huss

  1. Avatar-FotoRainer Wallenfang

    Hallo,Frau Ramus,
    Ich sehe,Sie haben etliche Fotos von verschiedenen Enterprise Typen hier eingestellt. Die Bilder 1 und 2 zeigen die Tolisch Enterprise in ihrem Auslieferungszustand 1973 so wie sie nur 3 Monate auf Reise war. Die Bilder 4 und 5 Zeigen die selbe Enterprise,wie sie von 1974-1980 auf Reise war. Ich habe diese Enterprise so geliebt,es gibt keine bessere auf der ganzen Welt!
    Ein Freund von mir hat goldene Hände und von dieser Enterprise ein 1:24 Modell gebaut,es ist fertig bis auf die Gondeln. Die werden sehrwahrscheinlich im 3 D Verfahren hergestellt. Die französische Firma Reverchon hat 1987 die Gondeln sprichwörtlich verhunzt. Von der ursprünglichen Schönheit der GFK Verkleidung ist nichts mehr zu sehen. Irgendwo in Belgien/Frankreich gammelt sie vor sich hin. Die muss einfach zu uns zurück!
    Gruß Rainer Wallenfang

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  2. Avatar-FotoRainer Wallenfang

    …beeindruckte den Betrachter in Form und Funktion. Sehr treffend beschrieben! Das hat mich so fasziniert vor 48 Jahren und tut es bis heute. Diese Enterprise und die ein Jahr später für Beuermann ausgelieferte Enterprise waren die besten! Die hier beschriebene halbrunde Rückwand, die ich nicht kenne, war nur wenige Monate dran. Der Umbau auf die höhere Rückwand mit Weltraumthema kam im Winter 1974 (Februar) dran. Allerdings war das nicht der Hauptgrund, warum das Geschäft zurück zum Hersteller ging. Am Hubarm gab es im unteren Bereich, wo der 45 Grad Winkel angrenzt, Schweißnahtrisse, die sich durch einseitiges Schleifen im Grundrahmen bemerkbar machten. Das war eine sogenannte „Garantie-Reparatur“ wie es bei Prototypen halt vorkommen kann, siehe auch „Alpenblitz“ Es wurden Verstärkungsbleche eingeschweißt und in diesem Rahmen auch der Mittelbau von weiß auf goldbraun umlackiert, die „aufgelegte Rosette“ entfernt und besagte Rückwand mit größerer Schrift angebracht. Auch ein stärkerer Drehmotor wurde dann eingebaut.
    Bei der zweiten Enterprise ist der Hubarm 10 cm dicker und im unteren Bereich dreifach gebogen statt stumpf zusammengeschweißt. Trotzdem hat das Karussell bis heute nach dieser Reparatur anstandslos gehalten.
    Heute steht sie irgendwo in Belgien herum. Die gehört kernsaniert und zurückgeholt. Weil sie überdimensioniert gebaut wurde, was typisch Schwarzkopf war, bekommt sie auch wegen der neuen DIN 13814 wenig bis gar keine Probleme. Rainer Wallenfang

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