Schaustellergeschäfte A - Z

Schaukel Nessy

Nessy mit einer Fassade in bunten leuchtenden Farben. Foto 2002 © Archiv Mark Schumburg
Name(n) des Geschäftes Nessy
Typologische Bauaufgabe Schaukel
Baujahr 1978
Bauform Hochgeschäft
Hersteller Kalbfleisch
Maler 1. unbekannt; Wolfgang Bühren; braunes Pferd
Bauherr / Inhaber Kalbfleisch > Neunkirchen > Markmann

Baugeschichte

Der Schausteller Kurt Kalbfleisch aus Bad Wildungen konstruierte 1978 eine Schaukel, deren Schaukelbock direkt auf einem Mittelbauwagen installiert wurde. Im Jahre 1980 erwarb Hansi Neunkirchen aus Köln die Schaukel mit dem Namen Nessy. 1992 gab es einen erneuten Wechsel zur Firma Markmann & Söhne aus Bonn.

Baubeschreibung 

Bei den Huss Schaukeln wurde beim Aufbau zunächst der Mittelbauwagen mit der Fahrgastgondel gestellt. Es folgte das Auslegen der Sohle und dann wurden die, auf einem gesonderten Unterwagen transportierten, vier Stahlpfeiler zu einem schräg gestellten Schaukelbock aufgestellt.
Bei der Nessy entwickelte der Hersteller Kurt Kalbfleisch ein besonderes System, indem er den Schaukelbock mit Nabe direkt auf dem Mittelbauwagen über der Fahrgastgondel fest montierte. Zum Aufstellen wird er scherenartig auseinandergeklappt. Der Winkel der Schrägung ist etwas steiler wie bei den Huss-Schaukeln, dadurch ergibt sich eine etwas andere, abenteuerlichere Fahrweise.

Mittelbauwagen der Nessy, zum Transport bereit. Foto 1990 ©Archiv Neunkirchen

 

 

 

Scherenkonstruktion der Nessy. Foto 1990 ©Archiv Neunkirchen

 

 

 

Anschließend wird an der Nabe die riesige Fahrgastgondel eingehängt.
Auf zehn Sitzreihen können maximal 50 Personen Platz nehmen. Der Sockelbereich ist in drei Ebenen eingeteilt. Die Wartezone sowie die Ein- und Ausstiegszone sind mit Geländern abgegrenzt. Nach vorne ist auf den Laufgang der Eingangsebene links und rechts je ein Kassenhaus gesetzt. Die Anlage ist nach hinten von einer Rückwand begrenzt.

Dekorationen

In Bezug auf den Namen der Anlage war die Gondel in Form des Seeungeheuers Nessy gestaltet. Damit korrespondierte die Bemalung der Rückwand mit der Erzählung aus dem 16. Jahrhundert, in der ein Seeungeheuer im schottischen See Loch Ness drei Männer überwältigte und in die Tiefe riss.

Die Schaukel Nessy in der Originalfassung. Foto 1987 © Archiv Markmann

1991/92 nach dem Besitzerwechsel zur Firma Markmann & Söhne wurde die Fassade im Atelier Wolfgang Bühren restauriert. Am Thema der Sage von Loch Ness wurde festgehalten, jedoch wählte der Maler eine recht düstere Farbgebung für das Ungeheuer. Dargestellt wurde der ungleiche Kampf des riesigen Ungeheuers mit den Menschen. Außerdem wurde der Fahrgastgondel, alias Seeungeheuer, ein neuer Kopf aufgesetzt. 

Die Nessy nach der ersten Restaurierung. Foto 1992 Archiv Markmann

Im Jahr 2000 bekam die Rückwand, die das Geschäft nach hinten abgrenzt, wieder eine neue Bemalung. Familie Markmann entschied sich für das gleiche Motiv, aber für eine leuchtend bunte Farbgebung. Der Kampf des Ungeheuers mit den Menschen wurde etwas weniger dramatisch dargestellt, und dem Betrachter obliegt die Entscheidung, wer als Sieger hervorgehen wird.
Gemalt wurde die neue Fassade von einem polnischen Künstler, der mit einem kleinen braunen Pferd signiert und unter dem Pseudonym braunes pferd in der Schaustellerbranche bereits viele Fassaden gemalt hat. Im Jahr 2001 musste auch der unheimlich aussehende Kopf des Seeungeheuers einer familienfreundlichen Darstellung weichen.

Nessy mit einer Fassade in bunten leuchtenden Farben. Foto 2002 Archiv Mark Schumburg

Provenienz und Verbleib

Die Schaukel Nessy wurde 1978 von Kurt Kalbfleisch gebaut und 1980 an Hansi Neunkirchen aus Köln verkauft. Im Jahre 1991/92 erfolgte ein weiterer Wechsel zur Firma Markmann & Söhne aus Bonn. Die in der ganzen Bundesrepublik bekannte Schaukel Nessy ist und noch immer auf vielen großen Volksfestplätzen präsent.

Anmerkung der Verfasserin: Die Nessy ist die einzige Schaukel, die nach 40 Jahren in einem Top-Zustand bei den Besuchern auf jedem Platz noch immer große Begeisterung findet. Beleuchtung, individuelle Musikauswahl sowie der Nervenkitzel während der Fahrt scheinen das Erfolgsrezept zu sein. 

© Margit Ramus (2018)

Ramus 2013. Kat. Nr. 68.

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