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Schaukel Fun-Schiff

Foto 06.08.2008 © Archiv Mark Schumburg
Name(n) des Geschäftes Club-Schiff >> Fun-Schiff
Typologische Bauaufgabe Schaukel
Baujahr / Restauration 1978/ 2005
Bauform Hochgeschäft
Hersteller Huss
Maler Pryzbyla
Bauherr / Inhaber Bausch > Wade Show > Schneider > Kramer

Baugeschichte

Die Firmen Bausch & Menzel aus München erwarben 1978 jeweils eine Schaukel mit dem Namen Pirat. Damit beide Schaukeln am Münchner Oktoberfest teilnehmen konnten, wurden sie dort als Doppelschiff-Anlage hintereinander aufgebaut. 1983/84 beschloss die Firma Bausch & Menzel  gemeinsam die Riesenschaukel mit dem Namen Traumschiff bei Huss in Auftrag zugeben. Die beiden kleineren Schaukeln wurden verkauft.
Die Schaukel von Bausch ging nach Taiwan in einen Park. Dort wurde sie von einem amerikanischen Groß-Unternehmen gekauft. Bis 2004 reiste die Schaukel in der Wade Show USA. Dann wurde das Geschäft von Randolf Schneider entdeckt und wieder nach Deutschland zurückgeführt.

Der Zustand ließ ein Reisen in Deutschland nicht zu, deshalb wurde das Geschäft  bei der Firma Dröge komplett restauriert. Zum Aachener Bend 2005 startete die Schaukel in einem völlig neuen Design ihre zweite Laufzeit auf deutschen Volksfestplätzen.

Doppelschiff-Anlage von Bausch & Menzel Foto Münchner Oktoberfest ©Archiv Uwe Holzmann

 

Die Abbildung zeigt die beiden Schaukeln hintereinander aufgebaut auf dem Oktoberfest in München.
Einer der beiden Schaukeln gehörte der Firma Bausch aus München. Sie machte eine Irrfahrt über Taiwan (1984), die USA (1985), wieder in Deutschland (2005), dann nach England (2016) und ihre letzte Station wurde China (2017).

 

Baubeschreibung der Huss Schaukel

Vier schräg gestellte Stahlpfeiler tragen eine Nabe, an die an Stahlträgern eine riesige Fahrgastgondel in Form eines Schiffs eingehängt ist. Auf zehn Sitzreihen können maximal 50 Personen Platz nehmen. Der Sockelbereich ist in drei Ebenen eingeteilt. Die Wartezone sowie die Ein- und Ausstiegszone sind mit Geländern abgegrenzt. Nach vorne ist auf den Laufgang der Eingangsebene ein Kassenhaus gesetzt. Die Anlage ist nach hinten von einer Rückwand begrenzt.

Restauration

Wie bereits geschrieben, war die Schaukel nach ihrer Rückkehr aus den USA, nicht mehr in einem reisefertigen Zustand, der den Ansprüchen der deutschen Volksfeste erfüllte. So war eine totale Überholung der Technik, der Elektrik, der Bausubstanz und der Dekoration beim Kauf eingeplant.
Die Anlage wurde in den Werkshallen der Firma Dröge in viele Einzelteile zerlegt. Mark Schumburg ist es zu danken, dass die aufwendige Restauration in Bildern festgehalten wurde. 

Die gesamte Sohle und der Mittelbauwagen wurden sandgestrahlt und neu lackiert.

 

Sohle des ehemaligen Pirats. Foto 10.05.2005 © Archiv Mark Schumburg

 

Die riesige Fahrgastgondel des ehemaligen Piratenschiffs wurde demontiert und neu verblecht.
Neue Sitzschalen wurden aus Polyester gefertigt. Die Außenhaut bekam einen weißen Farbauftrag, der nur von einem azurblauen Streifen unterbrochen wurde.

Nachdem die Unterkonstruktion und die Stahlpfeiler restauriert waren, wurde die Anlage auf dem Firmengelände von Dröge aufgebaut und die fünfstufige Treppenanlage zur Einstiegsebene erneuert.

 

Dekorationen

Nun begann die Erneuerung der Dekoration. Der Bauherr hatte sich entschieden von der ursprünglichen Dekorationsthematik eines Piratenschiffes Abstand zu nehmen. Er wünschte in der Dekoration den zeitgenössischen Reisetrend zu thematisieren.
Man wählte zunächst den Namen Club Schiff. Eine bekannte Reiseflotte klagte jedoch ihre Rechte ein und die Firma Schneider änderte im Laufe der ersten Saison den Namen in Fun Schiff.
Die ursprüngliche Rückwand diente nur als formale Vorlage für eine neue rückwandige Fassade. Das Atelier Przybyla gestaltete auf den großflächigen Bildträgern eine bunte Urlaubsstimmung.

Thematisiert wurde die bunte Welt, jenseits der großen Meere. Vor dem Hintergrund des azurblauen Meers und einer Felsenkette lag ein großer Ferienkreuzer vor Anker, ein zweiter war im Hintergrund zu sehen. Am Strand tummelten sich junge Leute. Bei der Darstellung war die Tiefenperspektive aufgehoben. Plakativ in überdimensionalen Größen und leuchtend bunten Farben, waren die Figuren vor den maritimen Hintergrund gemalt.
Auf den Panneaux des Kassenhauses waren sommerliche Strandszenen und ein Surfer gemalt. Hier stimmten die Proportionen und der Maler legte Wert auf eine stimmige Wiedergabe des Augenblicks.

Die Form der großen Fahrgastgondel und deren Bewegung suggerierten ein wohlfühlendes Urlaubs-Feeling.

Foto 15.07.2006 © Archiv Mark Schumburg

 

Das Urlaubs-Feeling wurde gesteigert durch eingebaute Wasserfontänen, die in Verbindung mit der Lichtinstallation ein buntes leuchtendes und bewegendes Farbenspiel ermöglichten.

Provenienz und Verbleib

Zusammenfassend noch einmal die Stationen dieser wunderschönen Schaukel. Der erste Inhaber war die Firma Bausch aus München. 1984 durch den Wechsel zur Riesen-Schaukel Traumschiff verkaufte Bausch seine Schaukel nach Taiwan (1984).
Bereits ein Jahr später interessierte sich ein amerikanischer Showman für das Geschäft und erwarb es für seine Wade Show ein unglaublich großes „Carneval“ Unternehmen in der USA (1985). Dort reiste die Schaukel unter dem gleichen Eigentümer bis 2004.
Dann entdeckte Randolf Schneider aus Bielefeld das Geschäft und holte es zurück nach Deutschland (2005). Nach einer Generalüberholung und einem völlig neuen Design reiste Randolf Schneider von 2006 bis 2011 mit der Schaukel.
2011 wurden nur noch wenige Volksfestplätze angefahren. In Crange musste ausgesetzt werden und somit war das Ende für dieses schöne Geschäft eingeläutet. 2012 wurde die Schaukel noch auf einem einzigen Platz, Crange aufgebaut. Eine Sonderprüfung des TÜVs war angesagt. Im Anschluss wurde die Schaukel  eingelagert.
Erst 2015 fand sich ein Käufer. Holger Kramer aus Mainz-Kastell übernahm das Fun Schiff. Bereits nach einer Saison trennte er sich 2016 wieder und verkaufte an einen englischen Interessenten. 2017 trat die Schaukel ihre letzte große Reise nach China an.
Diese Angaben wurden der Verfasserin von Randolf Schneider berichtet. Ergänzungen werden gerne über die Kommentarfunktion entgegengenommen.

© Margit Ramus (2018)

Bildmaterial von Mark Schumburg.
Gespräche der Verfasserin mit Mark Schumburg 2008 -2018.
Gespräche der Verfasserin mit Gustav Schneider im Juni 2010 und Februar 2018.
Gespräch der Verfasserin mit Randolf Schneider im Februar 2018.
Ramus 2013. Kat. Nr. 68.

3 Beiträge zu “Schaukel Fun-Schiff

  1. Hans-Jürgen Weiss

    Ich kam damals im Sommer 1984 in Ingolstadt dazu. Von dort aus ging es direkt erst nach Hamburg auf den Platz und von dort aus nach Bremen zu Huss, um die Schaukel abzuholen. War eine tolle Zeit damals, wenn auch körperlich sehr anstrengend. Aber es hat mich geprägt für mein späteres Leben und dafür bin ich der Familie Bonrath immer noch sehr dankbar.

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  2. Hans-Jürgen Weiss

    Es muss natürlich 1984 heissen, als ich dabei war. Irrtümlich glaubte ich , es sei 1985 gewesen, aber da war ich ja schon gar nicht mehr in Hamburg.

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  3. Hans-Jürgen Weiss

    Ich war damals im Jahr 1985 einer der Mitarbeiter der ersten Stunde des Traumschiffs. Premiere auf den deutschen Rummelplätzen war der Hamburger Dom. Wir hatten das fertige Fahrgeschäft noch aus Bremen – Lilienthal von Huss Maschinenfabrik abgeholt und in Hamburg auf dem Heilig-Geist-Feld aufgebaut. Dauerte ewig, da auch ständig die Mitarbeiter von Huss sowie der TÜV anwesend waren und Änderungen forderten. Aber es war DIE Attraktion damals. Verantwortlich damals war die Familie Bonrath.

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