Weihnachtsmärkte A - Z

Chronik der Weihnachtsmärkte in Köln

Weihnachtsmärkte beleben die Innenstädte und führen Menschen zusammen.

„Fest steht, sowohl der Weihnachtsmarkt auf dem Neumarkt als auch auf dem Alter Markt sind keine X-beliebigen Märkte. Beide haben Tradition und ihr Angebot kann sich in jeder Beziehung sehen lassen. Darüber hinaus sind sie Orte der Begegnung mit Freunden und Bekannten.“ […] Manchmal wird ja heutzutage beklagt, Weihnachten sei zu kommerziell geworden, zu hektisch und zu stressig. Doch diese beiden Weihnachtsmärkte haben noch etwas von der Atmosphäre früherer Zeiten. Mit den vielen Lichtern, den weihnachtlichen Melodien und den Düften nach Bratäpfeln, Zimt und Nelken verbreiten sie weihnachtliche Stimmung pur.“ (Die Kölner Weihnachtsmärkte Alter Markt und Neumarkt. Hrsg. Kölner Weihnachtsmarkt e.G. Köln 2004. S. 1.) 

Mit diesen Worten eröffnete im Jahre 2004 der damalige Oberbürgermeister Fritz Schramma den Weihnachtsmarkt auf dem Neumarkt.
Die Weihnachtsmärkte auf dem Neumarkt, dem Alter Markt und dem Heumarkt sind die ältesten in Köln, aber in den letzten Jahren sind in der Innenstadt noch weitere Weihnachtsmärkte hinzugekommen wie der Markt der Herzen auf dem Roncalliplatz zu Füßen des Doms, der Märchenweihnachtsmarkt auf dem Rudolfplatz, ein historischer Weihnachtsmarkt am Schokoladenmuseum und seit 2021 ein kleiner gemütlicher Weihnachtsmarkt auf dem Kirchplatz von St. Aposteln.
Auf allen diesen Märkten spürt man den Hauch von vorweihnachtlicher Romantik und kindlicher Vorfreude auf das Weihnachtsfest. Die Kölner Weihnachtsmärkte ziehen in der Vorweihnachtzeit Millionen Besucher in die Stadt und steuern so zum wirtschaftlichen Gesamtkonzept des städtischen Haushalts einen nicht unerheblichen Beitrag bei.
Außerdem findet ein kultureller und sozialer Austausch statt. Menschen unterschiedlicher Länder, Religionen und Kulturen, Menschen aller sozialer Schichten und aller Altersgruppen treffen einander. Sie lassen sich betören vom Geruch der gebrannten Mandeln, des duftenden Glühweins. Die Besucher geben sich der seltsamen Mischung von bunten Bildern, Geräuschen und Geschmacksreizen hin und genießen beim abendlichen Bummel den Reiz einer fast vergessenen weihnachtlichen Romantik.

Erstaunlich ist, dass in keiner allgemeinen Literatur der Kölner Stadtgeschichte etwas über die Kölner Weihnachtsmärkte nachzulesen ist. In einem Antiquariat fand sich schließlich das „Große Kölner Weihnachtsbuch“ von Ulf Diederichs.
Ulf Diederichs erzählt von den Kölner Weihnachtsbräuchen. Er berichtet von dem ersten Kölner Weihnachtsmarkt auf dem Alter Markt und trägt kleine Weihnachtsgeschichten von Kölner Bürgern zusammen.
Detaillierte Informationen fanden sich außerdem in alten Urkunden und Dokumenten im Historischen Stadtarchiv. Unterlagen und Auskünfte über den Weihnachtsmarkt ab 1970 auf dem Neumarkt stellte der Vorsitzenden der Kölner Weihnachtsmarkt eG, Fritz Helwig, freundlicherweise zur Verfügung. Darüber hinaus ergaben sich viele persönliche Gespräche der Verfasserin mit Zeitzeugen.

So hat es angefangen

Das Fest zu Weihnachten führt zurück zum 25. Dezember im Jahre der Geburt von Jesus Christus. Dieses Datum wird in der ersten überlieferten Weihnachtspredigt im Jahre 386 genannt.
Die Verehrung des Heiligen Martin schloss sich an. Martin, Bischof von Tours, wurde bereits seit seinem Tode im Jahre 397 als Schutzpatron der Armen im fränkischen Reich verehrt. Nach der Legende teilte er vor den Toren von Amiens seinen Mantel mit einem frierenden Bettler. (Vgl. Dammer, Inga, Adam, Birgit: Das große Heiligenlexikon. Augsburg 1999. S. 224.)

Es folgte über viele Jahrhunderte ein Nebeneinander gallischer, germanischer, ägyptischer und persischer Kulte. Legende und Kirchengeschichte lassen sich kaum voneinander trennen.

Um 700 wurde in Köln die erste Stiftskirche, St. Maria im Kapitol als Kölner Geburtskirche mit einer darunter liegenden Krypta als Geburtshöhle, „Bethlehem in Köln“, errichtet. Die bald einsetzende adventliche Vorbereitung als Zeit der Besinnung, der Buße und des Fastens dauerte volle acht Wochen und begann am 11. November. Sogenannte Adventsheilige wie St. Barbara und St. Nikolaus kannte man in der Region noch nicht.

Fast zeitgleich mit dem Beginn der Weihnachtsliturgiefeier wurde der 1. Dezember zum Anfang des Kirchenjahres bestimmt. Die Bewohner Kölns ignorierten als einzige Stadt in Deutschland den neuen Kalender. Für sie begann das Kirchenjahr weiterhin parallel zum damaligen Kalenderjahr mit dem Karsamstag.
Am 6. Januar wurde die „Erscheinung des Herrn“, die Epiphania Domini, als winterliches Hochfest gefeiert. (Diederichs, Ulf: S. 22;25;106.)

Als im Jahre 1164 der Erzbischof Rainer von Dassel die Gebeine der „Heiligen Drei Könige“ als Kriegsbeute von Mailand nach Köln über-führen ließ, begann in Köln der Dreikönigskult. Er war einerseits Zeichen der weltlichen Macht, und andererseits stellte er die Bedeutung der Kölner Erzbischöfe in ein besonderes Licht.
Die „Heiligen Drei Könige“ als Patrone der Pilger und Kaufleute wurden zu Stadtpatronen. Der Kult regte den Fernhandel an und es begann ein unablässiger Strom von Pilgern und Reisenden aus allen Herren Ländern.

Im 13. Jahrhundert erblühte auch in Köln die Verehrung des Hl. Nikolaus, die im Abendland bereits im 6. Jahrhundert eingesetzt hatte. Sichtbarer Ausdruck der Nikolausverehrung ist die Gewölbeausmalung der Kirche St. Maria Lyskirchen im Jahre 1270. Acht Szenen aus dem Leben und Wirken des Nikolaus von Myra sind in der südlichen Chorkapelle dargestellt.
Über den St. Nikolaus, den Patron der Schiffer und Kaufleute, wurden viele Legenden weitergegeben. Er wurde von den Eltern oft zu pädagogischen Zwecken eingesetzt. St. Nikolaus prüfte den Gehorsam, den Fleiß und das Betragen der Kinder und beschenkte sie mit Äpfeln, Nüssen, Bonbons (Kamelle) und süßem Gebäck.
Der ihn begleitende „Hans Muff“ oder anderorts „Knecht Ruprecht“ genannt, wedelte mit der Rute und drohte, die bösen Kinder in einen Sack zu stecken. Dieser Brauch hat sich bei vielen Familien bis heute erhalten.
Die Hl. Barbara wird als Patronin der Sterbenden, der Bergleute und all derer, deren Berufe mit Feuer und Sprengstoff zutun haben, verehrt. Als „kölsche Kamelle-Spenderin“ ist sie bereits im Jahre 1500 bezeugt. Die alten Bräuche, in der Nacht vor dem 4. Dezember blitzblank geputzte Schuhe vor die Tür zu stellen und Kirschbaumzweige ins Wasser zu stellen, rühren aus dieser Zeit. Blühten die Knospen zum Christfest, erfüllten sich geheime Wünsche. (Diederichs, Ulf: S. 26f.)

Politische Ereignisse in Köln

Ein kleiner Exkurs zu den politischen Ereignissen im Rheinland und speziell in Köln, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, wird den Übergang zum ersten Weihnachtsmarkt in Köln erleichtern.
Wie bereits erwähnt, weigerten sich die Kölner beharrlich, den seit dem 8. Jahrhundert reformierten Kirchenkalender anzuerkennen. Deshalb wurde im Jahre 1310 vom damaligen Kölner Erzbischof Heinrich von Virneburg auf dem Provinzialkonzil, der berühmten Kölner Synode, festgelegt, dass das Kirchenjahr nun auch in Köln am 1. Dezember beginnen sollte.
272 Jahre später, im Jahre 1582, wurde durch die gregorianische Kalenderreform der 1. Januar zum Jahresbeginn bestimmt. Die Kölner nahmen sich wieder fast zweihundert Jahre Zeit, um die Reform anzunehmen.
Am 6. Oktober 1794 war die Freiheit der freien Reichsstadt Köln durch den Einzug der Franzosen beendet. Er bedeutete gleichzeitig das Ende des spezifischen kölnischen Kalenders.
Zwanzig Jahre unterstand Köln der französischen Herrschaft. Sie hinterließ sichtbare Spuren im ganzen Rheinland. Napoleons „Code Civil“ versprach Sicherheit, Rechte und Freiheiten für die Bürger. Weitreiche Veränderungen fanden statt.
Aus der politisch bisher selbständigen Stadt wuchs ein modernes liberales Bürgertum. Alle Bürger galten vor dem Gesetz gleich. Alle Adelsprivilegien wurden aufgehoben und alle Feudalherrschaftszeichen verschwanden.
Stifte und Klöster fielen der Säkularisierung zum Opfer.
Für Protestanten und Juden wurde die Religionsfreiheit eingeführt. Sie erhielten sämtliche Bürgerrechte.
Die Zünfte wurden aufgehoben und Industrien aufgebaut. Wirtschaft und Handel erhielten völlig neue Impulse. Die Kölner erlebten einen Umbruch von Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur wie in keinem Jahrhundert zuvor. Als Napoleon I. 1804 Köln besuchte, machte er Köln zur Stadt erster Ordnung und bestätigte, dass der Nicolaimarkt und Ostermarkt weiterhin stattfinden dürfe.

Das Dokument wurde von der Verfasserin 2005 im Kölner Stadtarchiv vor dessen Einsturz kopiert
und ist deshalb, die einzige Quelle.

Durch den Wiener Kongress fiel 1815 das Rheinland an die Preußen. Nach dem Abzug der Franzosen, die von 1794 bis 1814 das gesamte Rheinland besetzt hatten, unterstand die Reichstadt Köln ab dem Jahre 1820 der preußischen Regierung der Rheinprovinz Koblenz. Die Preußen hatten bewusst die Macht der westlich-liberalen Haltung der größten Stadt am Rhein mit ihren revolutionären Ideen zurückgedrängt. Die Universität wurde nach Bonn und das Oberpräsidium nach Koblenz verlegt. Den Kölnern blieb der Appellationsgerichts-Hof.
Die neue Regierung stand jedoch den wirtschaftspolitischen Aktivitäten der Kölner aufgeschlossen gegenüber.
Ab 1825 gab es die Rheindampfschiffahrt, und ab 1839 wurde das Eisenbahnnetz mit einem Knotenpunkt Köln ausgebaut. Köln gelangte dank seines rheinischen Frühliberalismus zu neuem Wohlstand. (Vgl. Fuchs, Peter: Köln 2000 Jahre. Köln 1997. S. 71f.)

1820 Erster Nicolaimarkt auf dem Alter Markt

Im Jahre 1820 wurde auf dem Alter Markt der erste „Nicolaimarkt“ aufgebaut. Spekulativ ist anzunehmen, er sei durch das preußische Militär oder von den aus Berlin übersiedelten Beamten eingeführt worden.
Der Nikolaimarkt in Köln wurde von der Stadtverwaltung zunächst ohne offizielle Genehmigung des Oberpräsidiums der Rheinprovinz Koblenz geduldet.
Die Kölner waren begeistert von „de Hötte“, wie der Markt im Volksmund genannt wurde. Das Warenangebot war reichhaltig und von guter Qualität. Es wurde gekauft und getauscht. Auswärtige Besucher strömten nach Köln und trugen zum wirtschaftlichen Erfolg bei.

Der Nicolaimarkt war bei der Bevölkerung so beliebt, dass er ab 1830 wie die Märkte in Berlin und Nürnberg jeweils bis zum 1. Januar stattfand. Er war als ein einen Monat andauernder Krammarkt in die städtischen Marktverzeichnisse aufgenommen. Die Genehmigung des Weihnachtsmarktes, der vom 1. Dezember bis zum 1. Januar stattfand, durch die preußische Regierung, erfolgte jedoch erst 1837. (Diederichs, Ulf: S. 36ff)

Mittlerweile hatte sich Köln für die protestantische Lebenshaltung geöffnet. Die vielen in Köln Zugewanderten, wie das preußische Militär, Beamte und evangelische Kaufleute, hatten die Sitte eingeführt, Kinder an Weihnachten zu bescheren. Möglicherweise war auch der blühende Handel als die Wirtschaft treibende Kraft ein Grund, den Hauptgeschenktag vom Nikolaustag auf Weihnachten zu verlegen.  
Belegt ist, dass der Stadtrat Eberhard von Groote am 25. Dezember 1822 schreibt, dass seine Kinder sehr vergnügt bei den Weihnachtsgeschenken seien. (Diederichs, Ulf: S. 154)

1831 war das Stapelrecht aufgehoben worden. Es hatte der Stadt viele Jahrhunderte lang eine wirtschaftliche Monopolstellung gesichert. Protestantische Kaufleute, Bankiers und Versicherungsunternehmer nutzten nun die Chance der von vielen Zwängen befreiten Wirtschaft.
Städtebauliche Veränderungen der Stadt fanden ihre Höhepunkte im Bau des Hauptbahnhofes und in der Vollendung der ersten festen Rheinbrücke (1859) seit Kölns römischer Zeit. Den Schwerpunkt bildete 1880 die Vollendung des Doms. 1842 war mit der Wiederaufnahme der Arbeiten begonnen worden.

Durch unternehmerischen Elan entwickelte sich der Dezember zum verkaufsstärksten Monat.
Die in Köln ansässigen Firmen, wie z.B. Mühlens, 4711 in der Glockengasse, die Schokoladen- und Bonbonfabrik Stollwerk, das Deutsche Kaffeehaus auf der Schildergasse als Treffpunkt der feineren Gesellschaft oder das gegenüber gelegene Spielzeugparadies der Firma Feldhaus begrüßten die offizielle Genehmigung des Weihnachtsmarktes.
Die Schokoladenfabrik Franz Stollwerk gedieh in dieser Zeit über die Tore Kölns hinaus zum Vorreiter der süßen Weihnachtsindustrie.

Die Begeisterung der Menschen in Köln und dem Umland über „de Hütte“ ist in vielen Erzählungen überliefert. Der Weihnachtsmarkt bot den Menschen neben der Abwechslung im Alltagsleben auch die Einstimmung in eine besinnliche Vorweihnachtzeit: Das Angebot erfüllte alle Geschmacksreize. Duftende Moppen (Kugeln aus Honigkuchenteig), Printen-Männer, Spekulatius, Marzipan, frische Waffeln und heiße Kuschteien (Maronen), Bratäpfel und türkischer Honig verführten und verwöhnten die Besucher. Schaukelpferde, Riesenbälle, Melodien summende Brummkreisel, Wagen mit Geschirr und Musikinstrumente jeder Art ließen die Herzen der Großen und Kleinen höher schlagen.

Die ordnungsbehördliche Bestimmung vom 15 Dezember 1852 sah vor, dass zum Weihnachtsmarkt nur in Köln wohnende Gewerbetreibende zugelassen wurden.
Es wurde ein genauer Bebauungsplan des Alter Marktes vorgeschrieben. Die Vergabe erfolgte über eine Verlosung der Standplatznummern. An der Verlosung durften nur Inhaber von fest gezimmerten Holzhütten teilnehmen.
Das Standgeld betrug 4 Pfennige pro Fuß (30,5) der Frontlänge. Für kleine Buden bis 6 Fuß Front wurde ein Standgeld von 16 Pfennig und für einfache Tische 10 Pfennig berechnet.
Feilbieter hatten vor Beginn des Weihnachtsmarktes die Quittung der Gewerbesteuer dem Polizeikommissar und die des Standgeldes dem Marktmeister vorzulegen.
In den Buden durften weder Kaffee gekocht, noch Kohlen zum Erwärmen angezündet werden. Wenn ein Marktbeschicker gegen diese Feuerschutz-Verordnung verstieß, wurde dessen Bude sofort geschlossen.(Diederichs, Ulf: S. 15.)
Das Warenangebot war auf Kinderspiel- und Esswaren beschränkt. Kinderspielzeug aus Holz, Eisen, Zinn, Blei, Kupfer, Leder, Geweben oder Korbgeflechten war zugelassen, vorausgesetzt, dass sie als Kinderspielwaren zu betrachten seien und sich als Weihnachtsgeschenke eigneten.
Ellen- oder Kurzwaren wurden vom Verkauf ausgeschlossen. Der Ausschank „geistiger oder anderer Getränke war ebenfalls strengstens untersagt“. (Dokument Historisches Archiv Köln).)

Nach § 4 des Gewerbesteuergesetzes mussten auch die Beschicker, die das ganze Jahr hindurch in der Gewerbesteuer-Rolle als Jahrmarkts-Beschicker eingetragen waren, eine besondere Steuer entrichten.

Verlegung des Nicolai- und Weihnachtsmarkts auf dem Heumarkt vor 1900

Am 10. November 1876 wurden der Nicolai- und Weihnachtsmarkt wie auch der jährlich zu Ostern stattfinde Jahrmarkt vom Alter Markt auf den Heumarkt verlegt. Der § 32 der Polizeiordnung schrieb auch hier eine bestimmte Bebauung vor. Die Hütten mussten in gleichlangen Reihen an der Südseite des Platzes anfangen und durften nicht über den nach Osten verlängerten Straßenzug der Genergasse hinausgehen.
Innerhalb der Budenreihen mussten an geeigneten Stellen Durchgänge freigehalten werden. Außerdem durften die Hütten nur eine offene Verkaufsseite haben. Sogenannte Schirmdächer oder Dachüberstände der Hütten hatten die Höhe von 2.20 Fuß einzuhalten.

Am 29. November des gleichen Jahres wurde der § 70 der polizeilichen Verordnung dahingehend geändert, dass die Beschränkung des Warenangebots aufgehoben wurde. Zu Weihnachten durften nun die gleichen Gegenstände angeboten werden wie auf dem Oster-Jahrmarkt.

Auch Gaukler durften Kunststücke mit dressierten kleinen Affen im „Aapetheater“ zur Volksbelustigung vorführen. Besonders beliebt waren die Bänkelsänger, die die schaurigsten Mordgeschichten verkündeten.
Eine weitere Attraktion boten die beliebten Schaubuden. Deren Repertoire reichte von der Schaustellung der dicksten, kleinsten oder größten Menschen bis hin zu sonstigen „Abnormalitäten“. Auch Barbiere und sogenannte Quacksalber gingen ihren Geschäften nach.

Seit der Reichsgründung im Jahre 1871 war Köln auf Grund seiner verkehrsgünstigen Lage und dank der weitblickenden Unternehmungsinitiativen seiner Bürger eine der reichsten und blühendsten Industrie- und Handelsstädte Deutschlands geworden.
Dem Aufbruch zur Großstadt musste die 700 Jahre alte Stadtmauer weichen. Am 11. Juni 1881 wurde in einem feierlichen Akt die erste Bresche in die Stadtmauer geschlagen. Der neugestalteten innerstädtischen Infrastruktur folgte die Planung einer Umgestaltung des Heumarktes.
Den sogenannten „Höttemännern“ wurden das Verkaufen auf den Weihnachts- und Jahrmärkten durch höhere Abgaben und strengere Verordnungen immer schwerer gemacht.
In den 1890er Jahren waren insgesamt 94 Verkaufsbuden auf dem Heumarkt aufgestellt: 29 Hütten mit Spielwaren, 17 mit Konditor- und Zuckerwaren, 16 mit Galanterie- und Kurzwaren, 7 mit Woll- und Weißwaren, 6 mit Schuhwaren, 5 mit Zinn- und Blechwaren, 4 mit Korbwaren, 2 mit Handschuhwaren und 8 Hütten mit je einem besonderen Artikel Schmuckwaren und optischen Geräten. Dazu kamen noch einige Schaubuden, Schieß- und Photographie-Buden. (Diederichs, Ulf: S. 164.)
Einen mit Lichtern geschmückten Weihnachtsbaum, der heute dass Sinnbild der deutschen Weihnacht darstellt, konnte man Anfang der 1880er noch nicht auf dem Kölner Weihnachtsmarkt finden.
Anderorts sind frühere Gebräuche überliefert. So zeigt ein Gemälde die junge Annette von Droste-Hülsdorf um 1810 mit ihrer Schwester Jenny unter einem Tannenbaum auf Schloss Hülsdorf im Münsterland.(Diederichs, Ulf: S. 48.)
Auch auf dem Land war die Fichte schon länger in die weihnachtlich geschmückte Wohnstube eingezogen.
In Köln stand man dem „Chresbaum“ eher ablehnend gegenüber. Die Fichte war auf Gebot der preußischen Regierung angebaut worden und galt lange Zeit als „preußischer Baum“, der wenig Sympathie bei den Kölnern hatte.
Erst ab 1890 gab es überall in der Stadt Möglichkeiten, Christbäume zu kaufen. Dies übernahmen sehr oft in Köln ansässige Schausteller, die so die Wintermonate bis Karneval finanziell überbrücken konnten. Den Weihnachtsbaumkult kann man ohne Zweifel dem protestantischen Einfluss zuschreiben.
Der Kauf eines Weihnachtsbaumes war am Ende des 19. Jahrhunderts dennoch Privileg der reichen Leute.
Geschmückt wurde der Baum mit bunten Glaskugeln, die man im Spielzeugparadies Feldhaus erstehen konnte. Der süße Baumbehang wurde zum Markenzeichen der Firma Franz Stollwerk.

Ebenfalls um 1890 ist erstmals der eher evangelische Brauch des Adventskranzes nachgewiesen. Zunächst als evangelische Sitte verpönt, zeigten die Kölner erst nach 1920 ihr Interesse für den Adventskranz und den Adventskalender. 
Im Zweiten Weltkrieg gelangte der Adventskranz als Symbol der Hoffnung auch in katholischen Kirchen. Erstmals 1988 wurde in der Vierung des Kölner Doms ein Adventskranz aufgestellt.(Diederichs, Ulf: S. 25)

Zweite Aufhebung des Weihnachtsmarktes im Jahre 1885

Nachdem auf dem Heumarkt eine Promenade angelegt worden war, diskutierte die Stadtverordnetenversammlung am 5. Februar 1885 darüber den Osterjahrmarkt und den Weihnachtsmarkt vom Heumarkt zu verlegen oder vielleicht sogar ganz aufzuheben.
Gegner des Weihnachtsmarktes argumentierten, dass die Buden immer länger geworden seien und nicht mehr zwischen die neu gepflanzten Bäume platziert werden könnten. (Alle folgenden Informationen wurden der Niederschrift des Protokolls der 3. Sitzung vom 5. Februar 1885 entnommen.)

Einige Ratsmitglieder schlugen vor, den Jahrmarkt auf den Domhof zu verlegen. Der Platz sei groß genug und der Markt würde den Anblick des Domes nicht im Geringsten beeinträchtigen.
„Der Dom sei nicht im Mindesten durch die Buden geniert.“ (Ebd.)
Man glaubte auch nicht, dass der Verkehr durch den Jahrmarkt am Dom beeinträchtigt werden könne. Ebenfalls wolle man nicht darüber streiten, ob der Jahrmarkt „der Würde des Gotteshauses entspräche“. (Ebd.)

Einige wenige Ratsherren schlugen auch die Aufhebung des gesamten Jahrmarktes-Geschehen vor. Dagegen sprachen die vielen Bittschriften der Kölner Bürger und Bürgerinnen. Sie argumentierten, dass die Jahrmärkte das Ansehen von Köln weit über die Tore der Stadt hinaus erhöhen würden. So „böten die Jahrmärkte Mittel des internationalen Verkehrs.“
Für die Erhaltung sprachen auch die Standgeldeinnahmen der Stadt. So zahlte z. B. eine Schaustellerfamilie für ihre Schaubude 2299 Mark, dagegen brachte der gesamte Töpfermarkt an St. Gereon nur 168 Mark ein.
Da die Anwesenden der Stadtverordnetenversammlung zu keiner Einigung kommen konnten, wollte man die Entscheidung verschieben und zunächst noch einmal die Wirtschaftlichkeit des Nikolaimarktes und des Osterjahrmarktes für die Stadt prüfen.
Aber bereits am 19. Februar 1885 wurde die Diskussion in der 5. Stadtverordnetenversammlung des Jahres wieder aufgenommen.

Zunächst sah es so aus, dass die Märkte aufrecht erhalten bleiben würden. Ein Vergleich zu Berlin zeigte, dass dort keine Schaubuden zugelassen waren. Man überlegte die beiden Kölner Märkte Nicolaimarkt und Ostermarkt wegen ihrer „angeblichen culturhistorischen oder internationalen Bedeutung nach dem Ubierring oder Salierring zu verlegen.“ (Ebd.)
Heftige Kontroversen entbrannten.
Aus den amtlichen Listen ging hervor, dass von den 92 Budenbesitzern 42 Kölner Geschäftsleute waren. Deren Existenz würde bei Aufhebung bedroht. Außerdem gingen der Stadt erhebliche Steuereinnahmen verloren. Man verschob deshalb die Entscheidung noch einmal.

Völlig überraschend ergab eine Abstimmung am Silvestertag 1985, zur fortgeschrittenen Stunde im Rathaus, eine Stimmenmehrheit für die Aufhebung des Nicolaimarktes und des Osterjahrmarktes. 
Der Rat der Stadt beschloss, den Weihnachtsmarkt und den Jahrmarkt zu Ostern, zum Bedauern der Kölner Bürger, abzuschaffen.
Vergessen wurde offensichtlich, dass der Nicolaimarkt sowie der Jahrmarkt zu Ostern in Köln bereits von Kaiser Karl V. beurkundet und von Napoleon 1808, während seines Besuches in Köln, bestätigt worden war. (Ebd.)
Sicherlich war damals, am Silvestertag des Jahres 1885, niemandem bewusst, welchen Rückschlag diese Entscheidung für die Kölner Schausteller und für die ambulanten Markthändler langfristig bedeutete.
Es würde viele Jahrzehnt dauern, bis das Kölner Markt- und Schaustellergewerbe wieder an die Weihnachtsmarkt -Tradition anderer Städte anknüpfen konnte.
Bis heute haben es die Kölner Schaustellerinnen und Schausteller leider nicht geschafft, bei der Stadtverwaltung den gleichen Stellenwert zu erlangen wie andere Jahrmärkte oder Volksfeste bei ihren Kommunen wie z.B. die Dürener Annakirmes, den Pützchens Markt oder die Soester Allerheiligenmesse. Dies bestätigt auch die aktuelle (2024) Diskussion über die Vergabe zur Osterveranstaltung.

Die Dokumente in der folgenden Galerie wurden von der Verfasserin 2005 im Kölner Stadtarchiv vor dessen Einsturz kopiert und sind deshalb, die einzige Quelle aus dieser Zeit.

1923-1935  Weihnachtsmarkt auf dem Neumarkt

Zurück zum Weihnachtsmarktgeschehen in Köln. Der Erste Weltkrieg hatte die Menschen verändert und sie sehnten sich wieder nach dem Geruch der Leckereien und der heimeligen Atmosphäre, die der Weihnachtsmarkt in die Vorweihnachtszeit gebracht hatte. Seit 37 Jahren gab es keinen Weihnachtsmarkt mehr in Köln.
In den 1920er Jahren war Köln zum Zentrum der Krippenbewegung geworden. Aber dies war kein Ausgleich, denn immer noch vermissten die Menschen in Köln ihren Weihnachtsmarkt.
Plötzlich, 1923, in der tiefsten Inflationszeit, ging es wie ein Raunen durch die Stadt: „de Hötte sin widder do!“

Es war ein Versuch, die alte Zeit wieder aufleben zu lassen. Erstmals wurden die Hütten auf dem Neumarkt aufgebaut.
Die Holzhütten durften allerhöchstens 10-20 Fuß in der Front und 7 Fuß in der Tiefe sein. Ein strenger Bebauungsplan musste eingehalten werden.

Ulf Diederichs schreibt, dass es ein misslungener Versuch gewesen sei, die alte Tradition wieder aufleben zu lassen. Aus der Niederschrift einer Verwaltungs-Konferenz vom 7. Oktober 1925 geht allerdings hervor, dass bereits seit einigen Jahren wieder ein Weihnachtsmarkt auf dem Neumarkt durchgeführt worden war.
Kölner Schokoladeneinzelhändler hatten angeregt, den Weihnachtsmarkt nicht mehr zuzulassen, da er eine zu große Konkurrenz gegenüber den Einzelhändlern darstellte. 
Der damalige Oberbürgermeister entsprach dieser Bitte jedoch nicht, unter der Voraussetzung, dass die ambulanten Händler, dem „ordnungsgemäßen sesshaften Handel keine Konkurrenz“ machen würden.

1935-1939  Schausteller organisierten Weihnachtsmarkt auf den Neumarkt

Aufgrund von aufgefundenen Verträgen und Schriftstücke ist davon auszugehen, dass es von 1923 bis 1938/39 eine nahezu lückenlose Folge von Weihnachtsmärkten auf dem Neumarkt gegeben hat.
Die Organisation lag wohl beim Kölner Marktamt.
Am 7.10. 1935 stellte die „Wirtschaftsgruppe des Ambulanten Gewerbes in der Reichsgruppe Handel Gau: Köln Aachen“, an den Oberstadtdirektor und den Polizeipräsidenten den Antrag unter eigener Regie den Weihnachtsmarkt auf dem Neumarkt organisieren zu dürfen.

Die Vertreter der Kölner Schaustellerfamilien beantragten jedoch auch die Zulassung von Schaustellergeschäften. Man berief sich auf die Reichshauptstadt Berlin, die im vergangen Jahr ihren Weihnachtsmarkt wieder aufgenommen hatte.
Man versprach nur geräuschlose Fahrgeschäfte zu platzieren. Eine homogene Musikanlage sollte in gemäßigter Lautstärke Weihnachtslieder übertragen. Man bot weiterhin an, einheitliche Verkaufsbuden herstellen zu lassen.
Neben dem Standgeld wollte man 10 % Aufschlag an das Winterhilfswerk abführen.
Dem Antrag wurde am 21.11.1935 mit Einschränkungen stattgegeben. Es bestand auch von Seiten des Polizeipräsidenten keine Bedenken gegen einen ruhigen Verkauf. Allerdings waren keine Fahr- und Belustigungsgeschäfte zugelassen.
Der Weihnachtsmarkt wurde bis zum Kriegsbeginn 1939 durchgeführt. Unterlagen der Kölner Marktordnung nach 1935 sind leider verloren.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach dem 2. Weltkrieg, im Jahre 1949, wurde versucht, die Tradition des Kölner Weihnachtsmarktes wieder ins Leben zu rufen. Es ist davon auszugehen, dass der Markt bereits nach einem Jahr erneut den städtebaulichen Maßnahmen zum Opfer fiel.
Zwanzig Jahre zogen ins Land, ohne dass in der Vorweihnachtszeit der Duft von heißen Mandeln, Zuckeräpfeln oder dampfendem Glühwein durch die Innenstadt zog. Die Menschen hetzten über den Neumarkt zur Arbeit und wieder nach Hause. Kein Lichterglanz oder weihnachtliche Klänge ließen sie innehalten.
Viele erinnerten sich der alten Zeiten. Denn es war nicht immer so trostlos gewesen.

1970 Weihnachtsmarkt auf dem Neumarkt. 

Am 18. Dezember 1967 beschreibt der damalige Oberbürgermeister Theo Burauen die Atmosphäre der Vorweihnachtszeit in Köln, dieser an sich liebenswerten und gemütlichen Stadt wie folgt:

„Keine Stimmung, keine Wärme, nur Nüchternheit und Gefühlskälte. Es tät meiner Meinung nach gut zu überlegen, ob man da nicht vom nächsten Jahr an wiederum eine Änderung einführen könnte, dergestalt, dass auf den Plätzen, so klein sie auch sein mögen, sich individuell wieder kleine Märkte entwickeln, zum Beispiel auf dem Alter Markt oder auf dem Gülichplatz und auch an der Westseite auf dem Neumarkt.“

Theo Burauen stand nicht allein mit diesen Wünschen und Vorstellungen eines vorweihnachtlich geschmückten Kölns. Ein Ort zum Verweilen. Ein Ort, die Seele baumeln zu lassen. Ein Ort den kommerziellen Teil des Weihnachtsfestes in sinnliche Romantik zu verpacken.
Auch viele Politiker waren an einer Innenstadtbelebung zur Weihnachtszeit interessiert. So vertrat z.B. Gerhart Baum (FDP) den Vorschlag seiner Partei, einen Markt wegen der intimeren Atmosphäre und zur Belebung des Martinsviertels auf dem Alter Markt aufzuziehen. Diese Idee fand jedoch zu diesem Zeitpunkt keine Zustimmung.

Nur der zwei Jahre lang anhaltenden Beharrlichkeit von Fritz Helwig, dem Vorsitzenden des Bezirksverbandes des ambulanten Markt- und Schaustellergewerbes Köln-Aachen, ist es zu verdanken, dass der Hauptausschuss der Stadt Köln endlich, am 15.9.1970, grünes Licht für den Weihnachtsmarkt auf dem Neumarkt gab. Obwohl Dr. Max Adenauer zu bedenken gab, „dass solche Märkte noch nie so recht geklappt hätten“. Adenauer sollte für die Zukunft nicht recht behalten.
Das Argument: „Ein Winterabend auf dem Kölner Weihnachtsmarkt wäre schließlich eine gute Möglichkeit, Kölns Image aufzumöbeln“ hat sich schließlich durchsetzen können, schrieb die Presse.

Die offizielle Erlaubnis für den Weihnachtsmarkt 1970 kam Ende September desselben Jahres.
Das Angebot sollte vom Tannenbaum und Weihnachtsschmuck, über weihnachtliche Leckereien, heißen Maronen bis hin zu Büchern, Kunstgegenständen und Antiquitäten reichen.
Mitglieder des Bezirksverbandes des ambulanten Markt- und Schaustellergewerbes Josef Pippong, Lorenz van Hees und der Vorsitzende Fritz Helwig hatten bereits 1969 eine „Arbeitsgemeinschaft Weihnachtsmarkt“ gegründet. Nun blieb den Herrn nur wenig Zeit, einen Weihnachtsmarkt aus dem Boden zu stampfen.

Ein Wermutstropfen fiel auf die große Freude der Veranstalter. Der Weihnachtsmarkt sollte an die Ladenschlussgesetze gebunden bleiben. Das bedeutete um halb sieben Feierabend.
Günther Steckhan, Bürgermitglied im Ausschuss Recht und Sicherheit der FDP-Ratsfraktion, beantragte bei dem zuständigen Beigeordneten Dr. Peter Schaefer, den Weihnachtsmarkt über die übliche Ladenschlusszeit hinaus öffnen zu dürfen.
Rechtlich bot das Ladenschlussgesetz eine einzige Möglichkeit, wenn nämlich der Markt zur „Volksbelustigung“ erklärt wurde. Das war nach Meinung der Fraktion durchaus möglich, da nicht nur Verkaufsstände errichtet werden sollten, sondern auch viele Schaugeschäfte wie Karussells und ähnliches.
Auch der Stadtverordnete Alfred Gruner forderte längere Öffnungszeiten:
„Gerade in der Abendzeit wird der Markt mit Licht und Farbe erst seine richtige Atmosphäre haben.“

Am 20.11.1970 erfolgte durch den Beigeordneten Dr. Peter Schaefer die Bekanntgabe der genehmigten Öffnungszeiten von 9 Uhr bis 21 Uhr. Schaefer erklärte:
„Die rechtliche Grundlage für die verlängerten Öffnungszeiten sieht die Stadt in der Tatsache, dass der Weihnachtsmarkt mit Karussells und Musikdarbietungen Lustbarkeitscharakter hat.“

Der Kölner Einzelhandelsverband wehrte sich gegen die Öffnungszeit der Stände bis 21 Uhr und legte beim Regierungspräsidenten und beim nordrhein-westfälischen Arbeitsministerium eine Dienstaufsichtsbeschwerde ein.
Der Syndikus des Einzelhandelsverbandes, Dr. Herbert Kirchhof, wollte von „Volksbelustigung“ nichts hören. „Das Karussell, die Kindereisenbahn? Das ist noch keine Volksbelustigung“ argumentierte er.
Aber Dr. Schaefer war sicher:

„Der Weihnachtsmarkt geht sowieso nur noch bis zum 21. Dezember. So lange bleibt auch die Öffnungszeit bis 21 Uhr. Der Einzelhandelsverband kann sagen was er will, beim Weihnachtsmarkt handelt es sich um eine Volksbelustigung, für die Ausnahmen vom Ladenschlussgesetz erteilt werden können.“

Endlich war es soweit!
Ein Weihnachtsmarkt mit dem Lustbarkeitscharakter eines Volksfestes konnte eröffnet werden.
Zur gelungenen Premiere des Weihnachtsmarktes auf dem Neumarkt schrieb der Kölner Stadtanzeiger am 1.12.1970:

„Es ist fast schon ein kleines Weihnachtswunder.
Plötzlich verwandelt sich der Neumarkt.
Der Platz im Herzen der Stadt, in den vergangenen Jahren zum Umschlagplatz verödet, pulsiert nun von Leben, macht neugierig, lockt den Passanten an.
Der Neumarkt sollte endlich wieder regelmäßig Markt sein. Auf ihm müssen sich die Attraktionen einander ablösen. Er muss endlich wieder in diese Stadt einbezogen werden und nicht als teuerstes Brachland Kölns zwischen den Bahngleisen liegen.
Die Bürger dieser Stadt sollten den Weihnachtsmarkt so als Wechsel auf die Zukunft begreifen und sich darüber freuen.
Die Schausteller haben den Markt in diesem Jahr nicht nur zum ersten Mal organisiert, sie taten dies auch in verblüffend kurzer Zeit, mussten es in so kurzer Zeit tun, weil der Rat sich nicht früher zur Freigabe des Neumarkts entschließen konnte.“

Auch Oberbürgermeister Theo Burauen drückte seine Freude und seinen Dank aus:

„Nun ist nach langen, langen Jahren auf dem Neumarkt wieder ein Weihnachtsmarkt aufgebaut worden. Die Belebung dieses großen innerstädtischen Platzes ist gut. Wir wollen denen, sie sich darum bemüht haben, dankbar sein.“

Noch während der Veranstaltung ging der Streit um die Öffnungszeit auf dem Kölner Weihnachtsmarkt weiter. Die Standinhaber organisierten eine Unterschriftenaktion zur Erhaltung des Weihnachtsmarktes und der verlängerten Ladenschlusszeiten.
Die Bevölkerung Kölns und viele hunderttausend auswärtige Besucher hatten den Weihnachtsmarkt mit großer Begeisterung angenommen. Deshalb waren sich die Weihnachtsmarktveranstalter sicher, dass die Entscheidung für die Zukunft günstig ausfallen würde.
„Auf keinem einzigen deutschen Weihnachtsmarkt in Deutschland wird das Ladenschlussgesetz angewendet. Warum sollte man es in Köln tun?“
Die Weihnachtsmarktveranstalter sollten mit ihren positiven Prognosen recht behalten. Der große wirtschaftliche Erfolg, der enorme Besucherstrom und die ausgezeichnete Resonanz in der Presse machten schon im ersten Jahr den Weg für die Zukunft frei.

Organisatoren des Weihnachtsmarktes

Bereits 1971 gründeten eine kleine Gruppe couragierter Mitglieder des ambulanten Markt- und Schaustellergewerbes die „Kölner Weihnachtsmarkt eG“.
Zu den sieben Gründungsmitgliedern gehörten:

1. Fritz Helwig Vorsitzender der HAGD
2. Heinz Schroers Einzelhandelsverband (Spielwaren)
3. Dr. Herbert Kirchhof Syndikus des Einzelhandelsverbandes
4. Lorenz van Hees Schausteller
5. Josef Pippong Einzelhandel
6. Hans Nebel Einzelhändler (Blumen)
7. Heinz Schmitz Einzelhändler (Lack Schmitz)

Viele Kämpfe hat Fritz Helwig austragen müssen, sei es mit der städtischen Verwaltung, den Kölner Verkehrsbetrieben, den Sicherheitsbehörden und auch in den eigenen Reihen des ambulanten Markt- und Schaustellergewerbes.
Der aufmerksame Leser wird sich fragen, warum die Fachgruppe I, unter der die Schausteller organisiert sind, nur in der Mindestzahl in dem Gründungsszenarium vertreten ist, obwohl die Presse gerade die Schausteller als Veranstalter des Weihnachtsmarktes herausgehoben hatte.
Um die Geschehnisse dieser Zeit nachvollziehen zu können, muss zunächst einmal die Organisation der Hauptvereinigung des Ambulanten Gewerbes und der Schausteller in Deutschland e.V. erläutert werden.
Die Organisation, bis 1990 kurz HAGD genannt, war unterteilt in vier Fachbereiche:
Fachgruppe I Gewerbe nach Schaustellerart
Fachgruppe II Ambulanter Warenhandel
Fachgruppe III Ambulanter Lebensmittelhandel
Fachgruppe IV Ambulante Werbeverkäufer

Die einzelnen Fachgruppen unterstanden ihrem Fachschaftsleiter. Darüber standen die Bezirksvorsitzenden, darüber die Landesvorsitzenden und das Dach der Organisation bildete der Bundesverband.
Fritz Helwig wurde 1968 zum Bezirksvorsitzender des Bezirksverbandes Köln gewählt.
Im Jahre 1990 wurde die Organisation umbenannt in:
Bundesverband deutscher Schausteller und Marktkaufleute, kurz BSM genannt.

Parallel daneben besteht seit 1950 der Deutsche Schaustellerbund kurz DSB genannt.
Ende der 60er Jahre hatte sich aus dem Vorstand des DSB Köln und dem Vorstand der Fachgruppe I eine „Arbeitsgemeinschaft Kölner Schausteller“ etabliert. Ihr Aufgabenbereich lag in der Durchführung der Kölner Kirmesveranstaltungen zu Karneval und Ostern.

Als Fritz Helwig, in seiner Eigenschaft als Bezirksvorsitzender des ambulanten Markt- und Schaustellergewerbe Köln-Aachen, sich um die Durchführung eines Weihnachtsmarktes in Köln bemühte, stand er anfangs ziemlich allein auf weiter Flur und fand bei den Kölnern Schaustellern so gut wie keine Unterstützung.
Josef Schoeneseifen (Vater der Verfasserin), der die Fachgruppe I ‚Schausteller’ leitete, hatte die wirtschaftliche Rentabilität eines Weihnachtsmarktes in Köln nicht erkannt. Seine Priorität lag ohne Zweifel im gemeinschaftlichen Bemühen mit dem Vorstand des DSB um den Ausbau der beiden Volksfestveranstaltungen zu Karneval und Ostern.
Erst nach dem ersten erfolgreichen Weihnachtsmarkt entfachte sich auf der Versammlung der „Arbeitsgemeinschaft Kölner Schausteller“ am 18.1.1971 eine Diskussion über den Weihnachtsmarkt, ohne dass der Weihnachtsmarkt als Tagesordnungspunkt vorgesehen war.
Theo Rosenzweig bemängelte, dass man bei der zwei Jahre zurückliegenden Gründung der „Arbeitsgemeinschaft Kölner Weihnachtsmarkt“, die Fachgruppe I nicht mit eingeladen habe. Er behauptete:
„Wenn der Hauptkopf über die Fachgemeinschaft hinweg eine Arbeitsgemeinschaft gründet, dass ist nicht sauber.“
Walter von der Gathen, 1. Vorsitzender des DSB Köln und Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft Kölner Schausteller bekräftigte:
„Die ganze Sache ist einseitig an sich gezogen worden!“

Fritz Helwig verwehrte sich gegen derartige Unterstellungen und warf Theo Rosenzweig vor, dass dieser sich seinerzeit noch als Fachschaftsleiter der Fachgruppe I für einen Weihnachtsmarkt habe einsetzen wollen. Allerdings sei nichts geschehen.
Ferner sei auf der Hauptversammlung der HAGD am 25.1.1970 das Thema „Weihnachtsmarkt“ diskutiert und nach Interessenten gefragt worden. Außerdem habe man eine außerordentliche Mitgliederversammlung mit dem Tagesordnungspunkt „Weihnachtsmarkt“ einberufen.

Der Vertreter des Einzelhandels, Josef Pippong, unterstrich die Ausführungen Helwigs und erklärte, dass der Weihnachtsmarkt einen anderen Charakter als ein Osterfest habe. Darüber hinaus würde die gegründete „Arbeitsgemeinschaft Weihnachtsmarkt“ die Interessen aller Verbandsmitglieder vertreten. Er sagte: „Zudem haben wir den Schaustellern angeboten, dass sie sich für die Zeit auf ein anderes Geschäft umstellen sollen.“

Es möchte das zwar heute niemand mehr wahrhaben, aber die Veranstalter des Weihnachtsmarktes hatten anfangs Probleme, den Weihnachtsmarkt zu bestücken.
Aus eigener Quelle ist bekannt, dass Josef Schoeneseifen die Meinung vertrat, dass er das ganze Jahr mit Eisen (nämlich seiner Achterbahn) durch die Bundesrepublik reisen würde und deshalb im Dezember keine Würstchen auf dem Weihnachtsmarkt verkaufen wolle. Außerdem habe er gar keine Zeit, einen Stand auf dem Weihnachtsmarkt zu betreiben. Der Dezember sei der wichtigste Monat, sich um Verträge für die kommende Saison zu kümmern.
Das ist heute nicht mehr nachvollziehbar.

Noch während des zweiten Weihnachtsmarktes wurde am 13.12.1971 auf der Versammlung der „Arbeitsgemeinschaft Kölner Schausteller“ die Gründung der „Kölner Weihnachtsmarkt eG“ kritisiert.
Walter von der Gathen machte erneut Vorwürfe, wollte unbedingt nachträglich die Schausteller mit einbezogen haben, und behauptete, dass ein Schriftstück genügt hätte und der Weihnachtsmarkt sei „kaputt“ gewesen.
Josef Schoeneseifen stellte sich voll hinter Fritz Helwig und konterte:
„Wenn das Vorhaben Weihnachtsmarkt geplatzt wäre, wären 17 Schaustellerkollegen nicht dabei gewesen.“
Er schloss das Thema Weihnachtsmarkt mit den Worten:
„Hier ist es doch wichtig, dass sich die richtigen Leute gefunden und etwas zustande gebracht haben.“ […] „Ein Markt ist Angelegenheit des ambulanten Gewerbes.“

Josef Schoeneseifen verstarb 1984. Er hat den Wandel der Zeit und den enormen Aufschwung der Weihnachtsmärkte in Deutschland nicht mehr erlebt.
Obwohl er anfangs eine Verdienstmöglichkeit auf dem Weihnachtsmarkt für seine eigene Familie völlig ausschloss, war er ab 1973 doch dabei.
Seine Kinder betreiben inzwischen seine Geschäfte weiter.

Kleiner Exkurs über die Entwicklung der Volksfeste und Weihnachtsmärkte

Im Jahr 2005 hatten sich längst sich die Kämpfe um Karneval und Ostern gelegt. Die aus der Arbeitsgemeinschaft Kölner Schausteller im Jahre 1982 gegründete Genossenschaft „Gemeinschaft Kölner Schausteller“ war renommierter Vertragspartner der Stadt Köln und Ausrichter vieler Kölner Volksfestveranstaltung mit den Höhepunkten zu Ostern und dem Herbstvolksfest. Außerdem hatte sie 1998 einen eigenen Weihnachtsmarkt auf dem Rudolfplatz einrichten können.

Die einst finanziell höchst lukrative und begehrte Karnevalskirmes ist aufgrund städtebaulicher Maßnahmen auf ein Minimum reduziert und hat schon lange ihre wirtschaftliche Attraktivität verloren.
Aus heutiger Sicht könnte man sagen, dass damals die Kölner Schausteller aufs falsche Pferd gesetzt hatten. Den Einwänden einiger weniger fehlte jegliche schriftliche Grundlage. Es war bei lautstarken Protestrufen auf den Versammlungen geblieben. Weder der Kölner Schaustellerbund, noch Josef Schoeneseifen oder sein Vorgänger hatten sich für die eigenen Schaustellerkollegen um einen Weihnachtsmarkt bemüht.
Zurückblickend ist festzuhalten, dass von Beginn an viele Schausteller auf dem vom ambulanten Gewerbe durchgeführten Weihnachtsmarkt platziert worden waren.
Dazu sagte Fritz Helwig auf der bereits erwähnten Versammlung vom 13.12.1971:
„Ich kann Ihnen sagen, meine Damen und Herren, wäre der Weihnachtsmarkt von der Marktverwaltung durchgeführt worden, hätten keine 17 Schausteller dort gestanden, dann wäre niemand dort gewesen.“

Heute sind die Weihnachtsmärkte zur Haupteinnahmequelle der Schausteller geworden und aus den Städten nicht mehr wegzudenken.

Die Kölner Weihnachtsmarkt eG zählt inzwischen 52 Mitglieder. Noch immer beherrscht der Pionier der ersten Stunde, Fritz Helwig, erfolgreich die Szene.
1977 gelang es Fritz Helwig auch, den Weihnachtsmarkt auf dem Alter Markt, der zwei Jahre zuvor von einem Mitstreiter organisiert worden war, unter die Leitung der Kölner Weihnachtsmarkt eG zu bringen.
In der Zwischenzeit genießt der Weihnachtsmarkt auf dem Alter Markt den Ruf, der gemütlichste und besinnlichste Ort in der Vorweihnachtszeit in Köln zu sein.
Leider fiel ab 2005 ein großer Teil der zu bebauenden Fläche den Baustellenmaßnahmen der U-Bahn zum Opfer.

Schlussbemerkung von Margit Ramus

Kaum jemand wird sich heute eine deutsche Innenstadt ohne Weihnachtsmarkt vorstellen können. Weihnachtsmärkte gehören in die Vorweihnachtszeit, sei es wegen der innerstädtischen Belebung oder aus ökonomischen Gründen.
Ich stehe sicherlich mit der Meinung nicht alleine, dass sich auf Weihnachtsmärkten in unserer hektischen Zeit neben Kommerz und Stress auch eine besinnliche Vorfreude auf die Festtage bemerkbar macht.

Viele ältere Menschen erinnern sich gerne früherer Zeiten. Viele glauben, damals sei alles besser gewesen, Weihnachten nicht so kommerziell, sondern romantischer und besinnlicher.

Andere behaupten, dass jede Zeit ihre Harmonie und ihre Romantik hat. Es liegt in den Herzen der Menschen, in der Zufriedenheit und im Glauben an das Gute.
Wo lässt sich das leichter erleben als auf den Weihnachtsmärkten?

© Margit Ramus

Galerie einiger historischer Abbildungen

Becker, Christa: NRZ vom 31.10.1970.
Burauen, Theo. KSTA vom 3.12.1970. 
Dammer, Inga, Adam, Birgit: Das große Heiligenlexikon. Augsburg 1999.
Diederichs, Ulf: Das große Kölner Weihnachtsbuch. Köln 1993.
Express Tageszeitung Köln vom 18.!2.1967.
Fuchs, Peter: Köln 2000 Jahre. Köln 1997.
Honert, Winfried: Neumarkt neu entdeckt. KSTA vom 1.12.1970.
Köln Heute: Kölner Rundschau vom 13.11.1970.
KSTA vom 14./15.11.1970.
KSTA. vom  16.9.1970.
KSTA. vom  16.9.1970.
Lerof, Kurt: Die Öffnungszeit ist nicht zu ändern. Kölner Rundschau vom 18.12.1970.

Becker, Christa: NRZ vom 31.10.1970.
Burauen, Theo. KSTA vom 3.12.1970. 
Dammer, Inga, Adam, Birgit: Das große Heiligenlexikon. Augsburg 1999.
Diederichs, Ulf: Das große Kölner Weihnachtsbuch. Köln 1993.
Express Tageszeitung Köln vom 18.!2.1967.
Fuchs, Peter: Köln 2000 Jahre. Köln 1997.
Honert, Winfried: Neumarkt neu entdeckt. KSTA vom 1.12.1970.
Köln Heute: Kölner Rundschau vom 13.11.1970.
KSTA vom 14./15.11.1970.
KSTA. vom  16.9.1970.
KSTA. vom  16.9.1970.
Lerof, Kurt: Die Öffnungszeit ist nicht zu ändern. Kölner Rundschau vom 18.12.1970.

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