Historische Schaustellergeschäfte A - Z

1930 Tarantella

1930er Jahre Tarantella Siebold © Sammlung Siebold & Pfennig
Name(n) des Geschäftes Tarantella
Typologische Bauaufgabe Rundgeschäft
Bauform Ovaler Bau
Baujahr 1930+-
Hersteller Friedrich Wilhelm Siebold
Bauherr / Inhaber Friedrich Wilhelm Siebold
Baugeschichte

Das Karussell Tarantella war 1930 +- von Siebold ebenfalls nach amerikanischen Plänen nachgebaut worden. Später, in den 1950ern, baute Heinrich Mack für die Firma Distel & Bausch das  Wirtschaftswunderkarussell Calypso in ähnlicher Bauweise jedoch mit einer einzelnen Scheibe. Bei näherer Betrachtung erinnert die Konstruktion jedoch auch an die Raketenbahn z.B. von der Firma Achtendung aus der Nachkriegszeit.

Baubeschreibung

Ein ovaler Bau, der mit einem Walmdach bedeckt war. Das Dach wurde von einem Stützenkranz getragen und nach hinten mit einer Balustrade geschlossen.

 

Mittelkonstruktion des Karussells Tarantella der Firma Siebold 1930 +- © Sammlung Siebold & Pfennig

Mittelkonstruktion des Karussells Calypso der Firma Heinrich Mack 1959 © Sammlung Opitz

Ähnlich wie beim Calypsos oder bei der Rakete stieg die Oberfläche des offenen rechteckigen Baus nach hinten leicht an. An zwei kleinen Mittelbauwagen waren waagerecht, sternförmig ausgelegte Bodenkonstruktionen eingehängt und mit Querverbindungen an den äußeren Enden zu zwei gleichgroßen Kreisen verbunden wurde. 

Im inneren Bereich des Umgangs wurde an den Böcken ein rund laufendes eingleisiges Schienenband angeschraubt. Darüber rollten Ausleger aus starken Rohren, an deren äußeren Ende Räder angebracht waren, welche im Zentrum an einer drehbaren Scheibe befestigt waren.
Beide Mittelkonstruktionen waren von einer sich drehenden Platte geschlossen.  Auf dieser Platte war die Nachbildung eines Berggipfel aufgesetzt. Die Berg-Attrappe war von einem hölzernem Fußboden umgeben. Daran war je sechs Fahrgastgondeln mit seitlichen Einstiegsöffnungen befestigt. 

In der folgenden Bildgalerie sind einige Beispiele von Raketenbahnen eingestellt. Daran ist die Weiterentwicklung des Karussells Tarantella zu erkennen.

Dekoration

Den äußeren Ring der ovalen Oberfläche bildete ein hölzerner Umgang mit einem umlaufender Arkade mit geradem Abschluss. Das am oberen Scheitelpunkt des Baukörpers aufgestellte Kassenhaus wurde symmetrisch von je einem Panneaux flankiert. Das Dach war mit einem umlaufenden Fries, einer schmalen Dachkante nach unten eingefasst. Im Zentrum der Dachkante wiesen zwei Zahnräder auf das Doppelkarussell hin. Bekrönt wurde die Mitte von einer männlichen Figur.

Provenienz

Die Frage, wie die Abwicklung der Eigentümerverhältnisse dieses Karussells nach dem Tod von Friedrich Wilhelm Siebold im Jahre 1944 abgelaufen ist, kann nicht konkret beantwortet werden. Medy Siebold betrieb das Karussell Tarantella nach dem Krieg noch eine Weile weiter. 1957 schloss sie den Betrieb. 
Einige Geschäftsführer übernahmen einen Teil der Geschäfte in Eigenregie, anfangs
noch unter Siebold & Herhaus, später verschwand der Name Siebold. So könnte dies auch mit der Tarantella geschehen sein.

Verbleib

Ist nichts bekannt.

© Margit Ramus

Peters, Fritz: Freimarkt in Bremen Geschichte eines Jahrmarkts. Bremen 1962
Müller, Günter: Der schöne alte Oldenburger Kramermarkt. 1982 S. 168
Dering, Volksbelustigungen, 1986, S. 119f
Thoma, Willi: Faszination Karussell- und Wagenbau Mack. Waldkirch 1988. S. 243
Siebold, Wilfried:  950 Jahre Bremer Freimarkt. Ausstellungskatalog. Hrsg. Der Senator für Bildung. Wissenschaft und Kunst.1985. S. 85-89
Gespräch mit Wilfried Siebold 110/2009 und 18.01.2010 im Markt- und Schaustellermuseum Essen.
Gespräch mit Hildegard Pfennig geb. Siebold 10/2009  und 18.01.2010 im Markt-  und Schaustellermuseum Essen.
Gespräch mit Hildegard Pfennig im März 2010 und 2017.
Alle Bilder sind aus der Privatsammlung der Familie Siebold und durften mit deren Genehmigung ins Archiv gestellt werden 
Das Bildmaterial von Froitzheim wurde von Peter Roie mit der Genehmigung von der Familie Froitzheim zur Verfügung gestellt.

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