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Waffelbäckerei Dierichs

Waffelbäckerei Dierichs. Foto 2008. © Archiv Dierichs
Name(n) des Geschäftes Waffelbäckerei & Conditorei
Typologische Bauaufgabe  Verkaufsgeschäft
Bauform  Wagen mit Runddach
Baujahr  um 1900
Hersteller  unbekannt
Maler  unbekannt
Dekorationsstil  Neubarock
Bauherr / Inhaber  Dierichs, August

Baugeschichte

Die Firmengeschichte der Waffelbäckerei Dierichs reicht bis in das Jahr 1874 zurück, als sich der junge Bäcker und Konditormeister August Dierichs selbstständig machte. Ab wann er auf Jahrmärkten seine Backwaren verkauft hat, ist nicht genau überliefert. Anzunehmen ist, dass er seine Backwaren dort zunächst in einer kleinen Bude verkauft hat. Um die Jahrhundertwende reiste er bereits mit einer aufwendig dekorierten, großen Backstuben-Bude von Jahrmarkt zu Jahrmarkt. Die Waffelbäckerei Dierichs ist auf allen großen Volksfesten anzutreffen.

Baubeschreibung

Einem holzverschalten kombinierten Wohn- und Backstubenwagen ist ein dreiachsiger offener Vorbau vorgesetzt, der von einer mit Panneaux verblendeten Sockelzone geschlossen wird. Die aufgelegten Platten werden zur Präsentation der Waren und als Verkaufstheke genutzt. Über den Verkaufsöffnungen erhebt sich ein Dachaufbau, der mit einer treppenförmig angelegten Schmuckdachkante verblendet ist.

Dekoration

Dekoration um 1900:
Ein großes Schmuckfeld auf der Schmuckdachkante wird von zwei kleineren flankiert. Darauf sind Medaillons in Fensterrahmungen zu sehen. Es sind Auszeichnungen verschiedener Fachausstellungen für selbst hergestellte Backwaren.
Die repräsentativen Felder sind mit geschweiften, fein verflochtenen geschnitzten Leistenrahmen und Voluten überrankt.
Eine im Zentrum stehende Putte trägt symbolisch die Schweifbänder des Schmuckfelds. Sie wird von kleinen sitzenden, agierenden und miteinander korrespondierenden Putten begleitet.
Darüber ist ein Schmuckfeld aufgesetzt, das den Namen des Inhabers zeigt. Farblich und reliefartig herausgestellt wird auch das Produkt, das zum Verkauf angeboten wird. In großen, dunklen Druckbuchstaben ist „Waffelbäckerei Conditorei“ zu lesen.

Das Fenster der Backstube ist mit Spitzenbordüren gesäumt. Große, geschliffene Spiegel schmücken den geschlossenen Teil der Rückwand des Verkaufsraums. Als Lichtquelle sind glockenähnliche Hängelampen im Verkaufsraum angebracht. Die Dekoration nimmt Zitate des Barocks auf.

Dekoration in den 1930er Jahren:
Hintergrund und Schrift wurden in den 1930er Jahren farblich neugestaltet.

Dekoration in den 1950er Jahren: Es erfolgte der Austausch der bisherigen Schmuckdachkante gegen eine lang gestreckte Blende, deren Mittelfeld nur eine leichte rundbogige Erhöhung zeigt. Zentriert ist der Name des Geschäfts und des Inhabers aufgeführt. Eingefasst wird der Schriftzug von je zwei kreisrunden Medaillons, den Urkunden. Gesäumt ist die Schmuckdachkante mit einem aus Holz geschnitzten neubarocken Rahmen.

Dekoration nach Umgestaltung in den 1990er Jahren:
Bereits Ende der 1960er Jahre war die Verkaufsfläche um vier Meter verlängert worden. Dabei erfolgte eine grundlegende bauliche Veränderung des Dachvorbaus unter teilweiser Erhaltung der Grundkonstruktion.
Vor den Backstubenwagen ist ein vierachsiger Vorbau gesetzt, der von Stützen getragen wird. Die Stützen sind marmoriert bemalt und erinnern an ionische Säulen.

Die Verkaufsöffnung wird nach Geschäftsschluss durch Jalousien gesichert und nach unten von einer mit Panneaux verblendeten Sockelzone geschlossen.
Der Dachüberstand ist nach oben mit Plafonds verblendet, an denen Lichtleisten befestigt sind.
Dem Mittelfeld der lang gestreckten Schmuckdachkante ist eine leichte rundbogige Erhöhung aufgesetzt.
Zentriert sind die Namen des Geschäfts und des Inhabers in gotischer Schrift aufgelegt. Wie bereits auf der Abbildung aus den 1950er Jahren ersichtlich ist, sind die Medaillons und die neubarocken Rahmen erhalten.

Provenienz und Verbleib

Im Jahre 1874 machte sich der Konditor August Dierichs aus Wuppertal-Elberfeld selbstständig und bereiste in Folge mit seiner ambulanten Waffelbäckerei Jahrmärkte. Heute führt der Urenkel August Dierichs in der fünften Generation die Waffelbäckerei Dierichs.

 © Dr. Margit Ramus

Informationen, Bilder und Dokumente erhielt die Verfasserin von der Familie Dierichs in Crange 2005.

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