Ursprünge von Volksfesten A - Z

Sakrales Fest

Sakrale Feste, nennt man die oft schon im Mittelalter entstandenen Jahrmärkte. Sie waren die ursprünglich mit kirchlichen Festen zur Erinnerung an die Kirchweihe oder eine Reliquienüberführung verbunden, wie z. B. die Dürener Annakirmes. (Irsigler/Lasotta 1998. S. 126) Das Sakrale Fest fiel traditionell meistens mit der Feier des heiligen Schutzpatrons zusammen. Es wurde vom jeweiligen Bischof der Gemeinde genehmigt und beurkundet.

Der religiösen Handlung und einer Prozession, bei der Reliquien des Heiligen öffentlich zur Schau getragen wurden, schloss sich eine weltliche Feier an. Das gemeine Volk strömte in die Stadt, und nutzten nach dem Besuch der Messe die aufgebauten Waren- oder Krammärkte zum Essen, Trinken, Tanzen, sonstigen Lustbarkeiten und Schaustellungen.
Gaukler, Artisten und Spielleute rundeten das bunte Treiben ab. Sie machten das hohe Kirchen- und Patronatsfest zur willkommenen Unterbrechung im Alltag der Bevölkerung. (Petzoldt 1983. S. 424)

Überlieferte Urkunden belegen, dass in deutschen Einzelstaaten im 11. und 12. Jahrhundert die einmal im Jahr stattfindenden Märkte, als sogenannte Jahrmärkte durch König- oder Fürstlichen Erlass manifestiert wurden.

Als besonderen Fund befindet sich im Markt- und Schausteller-Museum in Essen eine Urkunde des Historischen Vereins für das Gebiet des ehemaligen Stiftes Werden, in der die Genehmigung zu einem Jahrmarkt in der Gemeinde Essen-Werden durch Kaiser Otto II. bereits im Jahre 974 bekundet wird. Mehr dazu siehe Quellenangabe Historischer Verein Werden.

Am 13. Oktober des Jahres 1030 verlieh Kaiser Konrad II. „auf Fürbitte unserer lieben Gemahlin Gisela und unseres edlen Sohnes Heinrich“ (Petzoldt 1983. S. 261) dem Bischof von Würzburg das Recht, alljährlich neben den gewöhnlichen Krammärkten einen Jahrmarkt, auf dem Gaukler ihre Künste darboten und fahrende Händler ihre Waren feil boten, abhalten zu dürfen.
In der Folge wurde der Markt auf den Namenstag des heiligen Kilian im Juli verlegt. Nach einem feierlichen Hochamt gab es zur großen Freude aller Beteiligten einen Ablass der Sünden.

Nur wenige Jahre später, am 16. Oktober des Jahres 1035, verlieh Kaiser Konrad II. dem Bremer Erzbischof Bezelin das Recht, zweimal jährlich in Verbindung mit großen Kirchenfesten einen Jahrmarkt abzuhalten. (Petzoldt 1983. S. 434)

1245 wurde in der Pfalz in Speyer der erste Jahrmarkt abgehalten. Neben dem freien Geleit der Handelsleute wurde auch hier der schon erwähnte Marktfrieden eingeführt. Er besagte, dass alle Vergehen, die während der durch eine Marktfahne am Rathaus angezeigten Marktdauer begangen wurden, „mit doppeltem Strafmaß belegt wurde.“  (Lehmann 1952. S. 21)

In Paderborn wurde im 11. Jahrhundert ein Fest zur Domkirchweihe unter Bischof Meinwerk erwähnt. Seit dem 22. Juli 1327 werden die Domkirchweihe sowie das Namensfest des Dompatrons, des heiligen Liborius, dessen Gebeine im Jahre 836 von Le Mans nach Paderborn überführt wurden, gefeiert. (Petzoldt 1983. S. 253)

© Dr. Margit Ramus

Historischer Verein für das Gebiet des ehemaligen Stiftes Werden. Beiträge zur Geschichte des Stiftes Werden. 10. Heft Stadtarchiv Essen. Kettwig 1904. S. 12f. In der Germania Sacra wird die Eintragung als gefälscht ausgewiesen. Stüwer, Wilhelm, in: Germanica Sacra Neue Folge 12. Erzbistum Köln Die Reichsabtei Werden a.d.Ruhr. S. 12f.

Zens, Hans / Böhmer, Rudi: Menschen, Buden, Attraktionen Annakirmes in Düren, Festschrift für 350 Jahre Dürener Annakirmes, Düren 1988. S. 7.

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