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Würzburg Kiliani-Volksfest

Am 13. Oktober des Jahres 1030 verlieh Kaiser Konrad II. „auf Fürbitte unserer lieben Gemahlin Gisela und unseres edlen Sohnes Heinrich“ (Petzoldt 1983. S. 261) dem Bischof von Würzburg das Recht, alljährlich neben den gewöhnlichen Krammärkten einen Jahrmarkt, auf dem Gaukler ihre Künste darboten und fahrende Händler ihre Waren feilboten, abhalten zu dürfen. In der Folge wurde der Markt auf den Namenstag des heiligen Kilian im Juli verlegt. Nach einem feierlichen Hochamt gab es zur großen Freude aller Beteiligten einen Ablass der Sünden.
© Margit Ramus 

Leander Petzoldt schrieb 1983 folgenden Artikel:

„Am Samstag vor dem 8. Juli, dem Kilians Tag, ertönen um 15 Uhr Böllerschüsse, wenn nach dem farbenfreudigen Trachtenfestzug vom Oberen Mainkai zum Festplatz das Stadtoberhaupt die ersten Fässer Bier ansticht. Dann beginnen sich auch die Karussells auf dem Festplatz an der Talavera zu drehen, wo ein großer Vergnügungs-und Jahrmarktsbetrieb mit Festzelt aufgeschlagen ist. Den religiösen Mittelpunkt bilden bis auf den heutigen Tag die kirchlichen Feiern in der Kiliani-Oktav mit der Reliquienprozession und der Schaustellung der Schädeldecken der Märtyrer im St. Kilians-Dom.

An den einzelnen Wochentagen während der Festzeit finden jeweils kulturelle und sportliche Veranstaltungen statt; dazu gehören auch ein Reit-und Springturnier auf dem Messegelände sowie ein Abschluss-Feuerwerk.

In Würzburg wurden seit Jahrhunderten drei Messen abgehalten. Die Bezeichnung „ Messe“ kommt daher, dass früher die großen Kirchenfeste zugleich Markttage waren. Die erste dieser Jahresmessen bewilligte Kaiser Konrad „auf Fürbitte unserer lieben Gemahlin Gisela und unseres edlen Sohnes Heinrich“ am 13. Oktober 1030 dem Bischof Mainhard, Graf von Rothenburg (1018-1034) für die Zeit vom 17. Bis 24. August, und er versprach allen, die diese Messe besuchen wollten, Friede, Geleit und Recht. In der Folge wurde diese Messe auf die Oktav des St. Kilianifestes im Juli verlegt, wo unter großem Zulauf die Häupter des heiligen Kilian und seiner im Jahre 689 ebenfalls ermordeten Mitbrüder Kolonat und Totnan gezeigt wurden.

Auf diesen Messen muss es manchmal recht schlimm zugegangen sein. So ist in einem Erlass aus dem Jahre 1660 zu lesen,
„dass sich nun eine geräumige Zeit her in Würzburg eine müßiggehende Gesellschaft von ausländischen Fremden, sowie Manns- als Weibspersonen befindet und aufhält, welche im Lande herum vagiert und in den Jahr- und öffentlichen Märkten als auch außerhalb denselben mit verdächtigen falschen Würfeln, Karten, Riemenstechen, Dreh- und anderen unzulässigen Spielen nicht allein die Leute ums Geld betrügen, sondern auch bisweilen noch andere größere Untaten zwischen ihnen mit unterlaufen tun, ja sogar deren etliche des Straßenraubes nicht unzeitig verdächtigt sind.“
Die Regierung warnt deshalb „das einfältige Bauernvolk nicht weniger auch die Reisenden, Wanders- und Handwerkers Leute vor dem gemeinen Wesen der höchst schädlichen Vervorteil – und Verübungen“.
Ein anderer Erlass fordert auf, währen der Märkte und messen nicht den Gottesdienst zu vergessen und „nicht unter den göttlichen Ämtern und Predigt anderen gutherzigen Christen zu Ärgernis auf den Märkten, offenen Plätzen, Gassen oder Wirtshäuser mit unnützem Geschwätz sich befinden zu lassen und Gotteslästerung, Unzucht, Füllerey und alle andere Sünd und Laster gänzlich zu vermeiden“.
Da aber die wiederholten Warnungen nichts nützten, wurde schließlich angeordnet, dass die Messen und Märkte an Sonntagen erst von Mittag 12.00 Uhr ab geöffnet werden durften.

Ursprünglich war die Kiliani-Messe, wie der Name sagt, eine reine Verkaufsmesse, an deren Rande sich mit der Zeit immer mehr Schankbuden, Gaukler und Quacksalber versammelten. Schon 1484 fanden am Tage nach dem Kilians Fest Ritterspiele und Turniere auf dem heutigen Marktplatz statt, der damals Judenplatz hieß.
Mit dem feierlichen Hochamt zu Ehren des hl. Kilian war ein vollkommener Ablass für alle, die daran teilnahmen, verbunden. Nach dem Verlesen der Ablass Bulle begann die „Heiltumsschau“, die öffentliche Präsentierung der Reliquien: Außer den Schädeldecken der Märtyrer um Kilian wurde ein silbervergoldeter Arm vorgewiesen, in dem ein Stück des hl. Andreas lag. In einem silbervergoldeten Drachen wurde ein Stück vom Fuß der hl. Margarete verehrt; in einer kleinen Silbermonstranz zeigte man einen Dorn der Dornenkrone Christi. Weitere Reliquien stammten von den Heiligen Johannes, Markus, Stephanus, Kosmas, Dominikus, Nikolaus, Maria Magdalena, Makarius u.a. Vom Rost des hl. Laurentius besaß man einen Eisenspan (Dettelbacher).
Großen Zulauf hatte die Kiliani-Messe immer durch die Wallfahrer, die von weither kamen. Diese Wallfahrten und Prozessionen wurden zu Beginn des 19. Jahrhunderts unter dem Einfluss der Säkularisierung stark zurückgedrängt.

In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg hat das Fest einen nie erlebten Aufschwung genommen: es zählt heute zu den bedeutendsten Volksfesten Bayerns. Gleichzeitig haben sich beide Teile des Festes immer stärker auseinanderentwickelt. Das eigentliche Volksfest zieht Hunderttausende an; zur gleichen Zeit findet auf dem Messegelände die Mainfranken. Messe als Leistungs-, Lehr- und Werbeschau für Industrie, Handel, Handwerk und Landwirtschaft statt.

Petzoldt, Leander: Volkstümliche Fest, Führer zu Volksfesten, Märkten und Messen in Deutschland. München 1983.

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