Achterbahnen A - Z

Flitzer

Name(n) des Geschäftes Flitzer
Typologische Bauaufgabe Achterbahn
Bauform Skelettbau
Baujahr 1970
Hersteller Josef Zierer
Maler Fritz Hilbert
Bauherr / Inhaber

Dölle; Meyer & Barth; Robrahn; Milz; Ludewig u. a.

Baugeschichte

Nicht auszuschließen ist, dass die Szenerie Gebirgsachterbahn aus dem Jahre 1921 von Mack / Siebold die Vorlage, zumindest die Idee, zum Thema der Anlage Flitzer geliefert hat. Bereits von Anton Schwarzkopf waren einige Jahre zuvor die ersten Achterbahnen mit geringem Frontmaß konstruiert worden.
Josef Zierer stellte 1970 die „kleine“ Achterbahn vor. Eine Rennstrecke war in eine Berglandschaft eingebettet. Der Name Flitzer, der in großen Leuchtbuchstaben die Rückwand abschloss, korrespondierte mit den Formelrennwagen nach empfundenen Fahrgastgondeln, die wie „kleine Renner / Flitzer“ ihre Runden drehten.

Baubeschreibung

Die offene Stahlleichtbaukonstruktion in Skelettbauweise hat eine Grundfläche von 22 x 28 Metern und eine in sich geschlossene Schienenführung mit einer Länge von 315 Metern.
Der Schienenweg mündet nach einer geraden Auffahrtstrecke in die Form einer Acht. Deren Schleifen werden in der hinteren, höher gelegten Hälfte der Anlage dreimal und im vorderen niedrigen Bereich zweimal in verschiedenen Höhen durchfahren. Über einen dreistufigen Treppenaufgang gelangt der Fahrgast an einem Kassenhaus vorbei in die Wartezone und
in die sich anschließende Einstiegsebene. Von dort werden kleine, schienengebundene Fahrgastgondeln von einem Kettenaufzug über eine schräge Auffahrt zum höchsten Punkt des Skelettbaus transportiert.
Die Sockelzone der gesamten Konstruktion ist mit einem Geländer umschlossen.

Grundriss Foto © Sammlung Hans-Josef Milz

Dekoration

Der Achterbahn ist eine bahnhofähnliche Vorhalle vorgesetzt. Sie ist mit einem Flachdach
gedeckt und mit einem umlaufenden Wulst dekoriert.
In die Umzäunung sind Ständer mit Kegellampen eingefügt. Ein zweiteiliger Kulissenbau grenzt den
vorderen Teil der Schienenführung von dem hinteren ab und suggeriert eine enorme Tiefenperspektive der Anlage.

Provenienz und Verbleib

Der Prototyp der Anlage wurde 1971 an die Firma Dölle ausgeliefert. Nach zehn Jahren verkaufte Dölle seinen Flitzer in die USA.654 Ein weiteres Modell unter dem Namen Flitzer hatte die Firma Meyer & Barth Neuwied 1971 erworben und 1975 an Hans-Josef Milz aus Köln verkauft. Dieser gab das Geschäft 1987 an einen Park in Boston. Von dort wechselte die Anlage noch einmal zurück nach Europa in den „Vergnügungspark Bakken“ in Kopenhagen. Ende der 1990er Jahre soll der Flitzer noch dort gestanden haben.
Die Firma Ludewig verzichtete auf den Kulissenbau, um den Volksfestbesuchern den Einblick in die
Gesamtfahrtstrecke zu ermöglichen. Der Bremer Schausteller Rudolf Robrahn entschied sich für den
Namen Racing.

© Margit Ramus 

Ramus. 2013. Kat. 57.
Gespräch der Verfasserin mit Hans-Josef Milz in Köln im Januar 2011.
Blunck, Zierers kleiner Renner. In: KR 3, 1997.

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