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Erich Knocke

Erich Knocke im Schaustellermuseum.
Foto Brigitte Aust

Erich Knocke wurde am 2. Mai 1927 als Kind einer Schaustellerfamilie in Hannover geboren. Schon sein Großvater fuhr mit einer Völkerschau durch die Lande und brachte fremde Welten und exotische Sensationen zu den Leuten. Sein Vater trat als Komödiant in seiner eigenen Schaubude sowie in Varietés, z. B. dem Berliner Wintergarten (Varieté) auf. Daneben betrieb er Heilhypnose.

Im letzten Kriegsjahr wurde Erich Knocke, als Siebzehnjähriger noch zur Kriegsmarine eingezogen. Von Ungarn floh er vor den vorrückenden Truppen nach Westen. Nach Kriegsende im Alter von 18 Jahren begann er mit Kleinhandel und einer selbstgebauten Schaukel eine Existenz aufzubauen. Im Winter wurde in Gaststätten ein Glücksrad „Marke Eigenbau“ aufgestellt. Baumaterialien waren die Überreste des Krieges wie Flugzeugaluminium und Fahrzeugteile. Dazu kam ein Kinderkarussell, Handel mit Spielwaren, gebrannten Mandeln, Kokosnüssen und kandierten Äpfeln. Mehr aus Zufall kam Erich Knocke in den 1950er Jahren nach Essen, dort lernte er seine Frau kennen und ließ sich in Essen nieder.

Ab 1955 engagierte er sich im Landesverband Nordrhein des H.A.G.D., der Hauptvereinigung des Ambulanten Gewerbes und der Schausteller in Deutschland e.V. In der Fachgruppe Schausteller des Landesverbandes des Ambulanten Markt- und Schaustellergewerbes. 1969 wurde er zum Schriftführer in den Vorstand gewählt. 1976 stieg er vom Schriftführer zum Landesvorsitzenden auf. Gleichzeitig war er von 1969 bis April 2002 Vorsitzender der Essener Kreisstelle des Verbandes.

Bereits 1969  er die Arbeitsgemeinschaft Markt und Schausteller gegründet. Er brachte den  Essener Weihnachtsmarkt sowie die Veranstaltung Essener „Ferienspatz“ auf dem Kennedyplatz auf den Weg.
Zur Belebung der Essener Innenstadt führte er ab 1970 Verkaufsstände ein. 1973 gründete er den Gildemarkt Essen. Erich Knocke richtete 1975 und 1989 zwei große Schausteller-Bundesverbandstage in Essen aus, jeweils mit Großveranstaltungen und Ausstellungen in der Essener Messe verbunden. 1981 gründete er den Arbeitskreises Kultur und Brauchtum Essen e.V 1981, und 1982 das Markt- und Schaustellermuseums.

Knocke organisierte außerdem die Veranstaltung, 20 Jahre Club Deutscher Drehorgelfreunde 1989 und die „Markt und Schau“ Ausstellung Essen, die 1989–1991 stattfand. Erich Knocke arbeitete intensiv im Gewerbe- und Rechtsausschuss des Gesamtverbandes mit, um Berufsinteressen der Schausteller durchzusetzen. Als Präsident des Landesverbandes Nordrhein (seit 1993) und Gesamtvorstandsmitglied des BSM (Bundesverband Deutscher Schausteller und Marktkaufleute) gehörte er zu den großen Persönlichkeiten des Berufsstandes.

Aus der Ambition heraus, Geschichte und Erfahrungen seiner Lebenswelt zu bewahren und Außenstehenden zugänglich zu machen, ist sein Lebenswerk entstanden: das Essener Markt- und Schaustellermuseum.
Über Jahrzehnte hat er eine einzigartige Sammlung von Objekten und Dokumenten zusammengetragen. Seine umfassenden und präzisen Kenntnisse über die technische Entwicklung der Jahrmärkte wurden zunehmend von Kultur- und Technikhistorikern für Veröffentlichungen, Vorträge und Ausstellungen genutzt. Der europäische Gedanke lag ihm so sehr am Herzen, dass er mit Begeisterung bei dem EU-Projekt A Peep behind the Scenes, virtual exhibition on travelling fairs and showmen in europe from the middle ages till now, mitwirkte.

Durch die Zusammenarbeit mit drei Partnermuseen in Bergen op Zoom in den Niederlanden, Bergantino in Italien und dem National Fairground Archive der University of Sheffield fand ein reger wissenschaftlicher Austausch statt.
Erich Knocke starb am 2. Dezember 2011 völlig unerwartet während einer Operation. Bis zum Schluss war er vital und lebte und arbeitete aktiv an dem Erhalt und Erweitung des Markt- und Schaustellermuseums, was ihm zum Lebensinhalt geworden war.
Menschen wie ihm ist es zu verdanken, dass die Vorurteile gegen das gesamte reisende Gewerbe,  Fahrendes Volk, dem die Schausteller pauschal zugeordnet wurden, stark zurückgegangen sind.

Ein Dank für diese großartige Leistung im Namen aller Schausteller und den kommenden Generationen. Text © Brigitte Aust

Ehrungen:

 

Porträt von Erich Knocke NRW-Stiftung © Brigitte Aust
Text © Brigitte Aust. Wurde von Margit Ramus leicht überarbeitet.

  • Erich Knocke (Hg.): Gesammeltes Vergnügen: Das Essener Markt- und Schaustellermuseum. Klartext Verlag, Essen 2000, ISBN 3-88474-934-X. (darin: Biographisches zu Erich Knocke von Michael Zimmermann, S. 11–19)
  • Sacha Szabo (Hrsg.): Kultur des Vergnügens Kirmes und Freizeitparks – Schausteller und Fahrgeschäfte. Facetten nicht-alltäglicher Orte. Bielefeld 2009, ISBN 978-3-8376-1070-3.
  • Gabriele Klunkert: Handel, Wandel und Vergnügen – das Essener Markt- und Schaustellermuseum. In: Museen im Rheinland. H. 3, 2001, S. 7–10.
  • Brian Steptoe: Vintage Funfairs. Amusement Rides, Carousels and Fairground Art. Jumper Books, Wokingham, Berks. 2002, ISBN 0-9523112-2-4 (darin bes. Kapitel: Museums and collections)
  • Geburtstagsempfang für Erich Knocke. Stadt Essen und die Berufsorganisation ehren den Jubilar für sein Lebenswerk. In: Der Komet. Nr. 5211, 20. Mai 2007, S. 6.
  • Pressearchiv des Markt- und Schaustellermuseums. (Verbandsarbeit und Veranstaltungen seit den 1950er Jahren) – zugänglich nach Vereinbarung.

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