Historische Schaustellergeschäfte A - Z

Zugsspitzbahn 1936

Zugspitzbahn -Menzel Gesamtansicht nach neuer farblicher Fassung. Foto München 2010 © Mark Schumburg
Name(n) des Geschäftes Zugspitzbahn
Typologische Bauaufgabe Fahrgeschäft
Bauform Rundfahrgeschäft
Baujahr 1936
Hersteller > Umbau 1970 Friedrich Heyn; Umbau Heinrich Mack 
Maler Heinz-Werner Opitz, Willi List
Dekorationsthema Winterlandschaft
Inhaber der 1. Schlickerbahn/  Zugspitzbahn Eugen Distel > Paul Grafe
Inhaber der 2. Zugspitzbahn Arthur und Erich Seifert > Egon Menzel > Marco Eckl
 
Baugeschichte

Nach dem Erfolg der Seesturmbahn entwickelt die Firma Friedrich Heyn noch vor dem Zweiten Weltkrieg eine weitere Form der Berg- und Talbahn, eine sogenannte Schlickerbahn, später umbenannt in Zugspitzbahn.
Die Fahrgastgondeln wurden nicht mehr zwischen oder auf die Ausleger platziert, sondern daran frei beweglich aufgehängt. In Abhängigkeit von der Geschwindigkeit und aufgrund der etwas steileren
Berge und Täler wurden die schwingenden Gondeln während der Fahrt in eine nahezu waagerechte Position gebracht. Dank der technischen Entwicklung wurde erstmalig ein völlig neues Dekorationsthema angewandt.

Baubeschreibung

Feststehender Rundbau mit Kuppeldach. Die Dachkonstruktion wird von der Mittelkonstruktion und einem umlaufenden Arkadenkranz getragen. Ein schmaler Bogenfries schließt die Fassade ab. In der Sockelzone wird ein über steile Täler und Höhen geführter hölzerner Umgang von bemalten 
Panneaux umschlossen und darüber von Geländern eingefasst. Die Fahrbahn neigt sich zum Einstieg hin auf Bodenniveau. Ein breiter Aufgang führt in die Einstiegsebene. Die Mittelkonstruktion ist mit einer umlaufenden Berglandschaft verkleidet.

Dekoration

Die winterliche Bemalung wird namengebend für den konstruktiv veränderten Typus einer Berg- und Talbahn. Der Schwerpunkt der Dekoration liegt nicht wie gewöhnlich auf der Schmuckdachkante, sondern auf der Verkleidung der Mittelkonstruktion.
Bezugnehmend auf den Namen Zugspitzbahn wird im Zentrum die Nachahmung eines Gebirges, von einer Alm umgeben, angelegt. Auf einem Fels sitzende Bergsteiger, weidende Kühe und kleine Häuser vermitteln den Eindruck einer Bergidylle und stehen im Gegensatz zur rasanten Karussellfahrt.
Die Fahrgastgondeln sind noch an die venezianischen Gondeln der traditionellen Karussells angelehnt. Dem entsprechend sind auch die Wangen mit floralem Dekor geschmückt.
Die offenen Rundbögen der Arkade sind mit Glühbirnen unterlegt und lassen den Blick in die Bedachung frei.
Die Dachkonstruktion ist mit kurzen Querbehängen mit langen, weißen Fransen umspannt. Hängelampen und später zusätzlich angebrachte Scheinwerfer unterstreichen am Abend bei der Fahrt das Szenario eines Schneegestöbers. Der aufgesetzte Name des Karussells schließt anstelle einer Schmuckdachkante die Fassade ab.

Erste Zugspitzbahn von Friedrich Heyn für die Firma Eugen Distel. Foto 1934 Sammlung Opitz

Provenienz und Verbleib

Bereits vor dem Zweiten Weltkrieg verkaufte Eugen Distel seine Zugspitzbahn an Paul Grafe in den Osten Deutschlands, über den Verbleib ist nichts bekannt.
1938 kaufte die Familie Menzel aus München von Arthur und Erich Seifert deren Schlickerbahn und nannte sie ebenfalls Zugspitzbahn.

Dekoration der Zugspitzbahn unter Menzel

Die winterliche Dekorationsthematik wurde auch hier verfolgt. Die Verkleidung der Mittelkonstruktion wich ein wenig von der ersten Münchner Bahn ab. Ein spitzer Berg mit einem Wasserfall bildete das Zentrum. Die stofflichen Querbehänge wurden abgenommen und Lichtbögen erhellten das Innere des Karussells. Über dem nach oben abschließenden Fries, auf dem stilisierte Eiszapfen dargestellt waren, erheben sich nun die Namen des Inhabers, des Karussells und der Herkunft.
Bereits 1947 wurden zwei Stützen der umlaufenden Arkade im Eingangsbereich entfernt.

1970 wurde bei der Firma Heinrich Mack eine Generalüberholung durchgeführt.
Die alten Fahrgastgondeln der Firma Heyn wurden gegen neue von der Zulieferfirma von Mack, den Gebrüdern Ihle, ausgetauscht und damit auf neubarocke Dekorationselemente verzichtet.
Für die Malerei war Heinz Opitz und für die Plastiken der Bildhauer Willi List verantwortlich.

Nach 2000 wurde der Farbauftrag noch einmal aufgefrischt und der Schmuckfries erneuert. Eine neue Plane in blau-weiß mit eingearbeiteten Sternen wurde aufgezogen.
Dem Name „Menzels Münchner Zugspitzbahn“ wurde ein leuchtender Stern beigefügt. Flankiert wurde diese imposante Dachbekrönung rechts und links von beleuchteten Olympischen Ringen.

Den Treppenaufgängen zur Einstiegsebene wurden zwei kleine Kassenhäuser zur Seite gestellt, auf die zwei Leuchttannenbäume gesetzt wurden.

Bis zum Jahr 2022 gehörte eine Fahrt auf der Zugspitzbahn zur Tradition des Münchner Oktoberfests. Nach dreijähriger Abwesenheit soll sie nach einer Aussagen des neuen Besitzers Marco Eckl nach aufwendiger Restaurierung wieder dabei sein.

 © Margit Ramus

 

Ramus 2013, Kat. Nr. 27
Dering, Volksbelustigungen, 1986.
Gespräch der Verfasserin mit Eugen Distel im Januar 2005.
Gespräch der Verfasserin mit Familie Bausch in München im September 2004.

4 Beiträge zu “Zugsspitzbahn 1936

  1. Avatar-FotoRainer Wallenfang

    So wie ich gehört/gelesen habe,wurde die Zugspitzbahn von der Münchner Schaustellerfamilie ECKL übernommen,

    Die besaßen bereits Ende der 1970er Jahre eine weitere Zugspitzbahn des gleichen Herstellers.

    Es ist anzunehmen,dass sie wieder flott gemacht wird,was wünschenswert wäre.

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