
| Name(n) des Geschäftes | Passat |
| Typologische Bauaufgabe | Offenes Rundfahrgeschäft |
| Bauform | Rundbau |
| Baujahre | 1964 – 1969 – |
| Hersteller | Kaspar Klaus |
| Dekoration und Malerei | Stritzel; Schwarzkopf / Sommer |
| Bauherr / Inhaber |
Baugeschichte
Die Geschichte des Passats, einem sogenannten Looping-Karussell oder einer Einschienen-Schleuderbahn, beginnt in Deutschland 1954 mit der Idee des Schaustellers Erich Winter zum Bau eines Karussells, welches über eine gebogene Schiene von der horizontalen in eine vertikale Ebene bewegt werden konnte.
Vorgängerbau Tornado
Eine Schlosserei in Exter setzte Winters Pläne um und baute ein Karussell, in dem ein Rad mit einem Gondelkranz um eine viertelkreisförmige nach hinten gebogene Schiene auf und ab bewegt werden konnte, eine Einschienen-Schleuderbahn, bei der die Fahrgäste während der Fahrt fast kopfüber in einem Kreis geschleudert wurden.
Nach drei Saisons in Deutschland verkauft Erich Winter den Tornado, den Prototyp des Looping-Karussell 1957 nach Schweden in den „Gröna-Luna-Park“.
Weiterentwicklung zum Zyklon
Zuvor hatte Erich Winter bereits einem Betrieb in der Bremer Werftindustrie in Leeste, den Auftrag einer neuen Einschienen-Schleuderbahn, gegeben. Das neue Karussell wurde Zyklon genannt, erneut nach einem tropischen Wirbelsturm.
Nachdem Erich Winter 1965 das Patent für sein Looping-Karussell erhalten hatte, verkaufte er seinen Zyklon nach Amerika.
Passat
Mit dem Patent in der Tasche gab Erich Winter bei der Hamburger Stülken-Werft einen modifizierten Folgebau in Auftrag.
Die Schiffswerft baute die Konstruktion, die Dekoration wurde im Atelier Günter Stritzel ausgeführt. Inzwischen wurde auf vielen Fassaden die Raumfahrt thematisiert, so entschied auch Winter sich für dieses Dekorationsthema, welches sich namensgebend für die neue Karussell, als Passat, anbot
Baubeschreibung
Dem offenen Rundbau wurde ein quadratischem Vorhof vorgesetzt an dem seitlich ein Kassenhaus positioniert wurde. Der hintere Bereich war von einer geschwungenen Rückwand mit aufgesetztem Schriftzug aus Leuchtbuchstaben begrenzt.
Das Zentrum bildete eine Mittelkonstruktion mit viertelkreisförmigem stählernen Arm, um den zwölf freischwingende Gondeln zu einem Rad verbunden montiert waren. Zwei Treppenaufgänge führten zur Kasse und in die Einstiegsebene, die mit Geländern aus stilisierten Erdhalbkugeln gezäumt waren.
Nach Fahrtbeginn hob sich das Radkreuz mit dem Gondelkranz um 90° aus der Horizontalen in die Vertikale, wobei die Gondeln von der Fliehkraft nach außen geschwenkt, in 14 Meter Höhe einen Looping-Kreis senkrecht über Kopf zogen.
Abb. 1: Der erste Passat in der Stülken-Werft von Erich Winter gebaut. Foto 1964 KR SP, 2006, S.82
Dekoration
Im Atelier Stritzel wurde die Rückwand mit einer Raumfahrtthematik bemalt. Stritzel fertigte eine geschlossene Komposition, auf der eine zusammenhängende Szene dargestellt wurde. Mit dem Blick in die Zukunft und Vorausschau zur ersten Mondlandung der Menschen 1969 war im Vordergrund die Oberfläche des Mondes dargestellt. Verschiedene Raumfahrzeuge und Astronauten waren gelandet. Flankiert wurde die Szene von aufrechtstehenden Raketen. Stritzel entwickelte damals das obligatorische lächelnde Mondgesicht, welches ab sofort den Scheitelpunkt der Bockkonstruktion des neuen Bautypus und seinen Nachfolgern schmücken sollte.
Provenienz
1969 übergab Erich Winter den Prototypen des Passats seinem Bruder Heinrich Winter. Er selbst hatte andere Pläne. Heinrich Winter betrieb den Passat bis 1971 betrieb. Dann wurde das Karussell teilweise verschrottet, nur die Bock- und Bogenkonstruktion wurde eingelagert und diente 1973 als Fundus für den Wiederaufbau des neuen Super Passat des Schaustellers Andreas Zinnecker.
Erster Passat von Kaspar Klaus
Wie bereits erwähnt hatte Erich Winter 1965 das Patent für sein Looping-Karussell erhalten. Aufgrund des Interesses von niederländischen Herstellern entschloss sich Winter, eine Nachbaulizenz an die Firma Kaspar Klaus aus Memmingen zu verkaufen. Klaus gelang der perfekte Nachbau des neuen Bautypus. Er lieferte 1967 den ersten Passat an den holländischen Schausteller J. Peeters aus Heerlen.
Abb. 2: Der erste Passat des Herstellers KLAUS. Foto 1967 KR SP, 2006, S.83
Provenienz
Dieser erste Passat des Herstellers Kaspar Klaus wurde jedoch in Niederlande vom Publikum nicht so erfolgreich angenommen, deshalb verkaufte Peeters 1968 den Passat an den Münchner Schausteller Feldl. Dieser hatte noch im selben Jahr einen Standplatz auf dem Münchner Oktoberfest bekommen.
Nach der Saison 1970 wurde das Karussell nach New York an einen Vergnügungspark verkauft und wechselte später zu den „Ray Cammack Shows“ in Arizona, mit der es noch viele Jahre unterwegs gewesen sein soll.
Mondlift
Es ist anzunehmen, dass Erich Winter geglaubt hatte, dass Kaspar Klaus eine Vielzahl von diesem neuen Karusselltypus verkaufen würde. Aber durch das Desinteresse in den Niederlande gab Erich Winter bereits 1969 für sich selber bei der Firma KLAUS einen neuen Passat unter der Patent Nr. 1478273 in Auftrag und nannte ihn Mondlift. Alle Fassadenteile und Dekorationselemente lieferte die Firma HEINRICH MACK aus Waldkirch.
Baubeschreibung
An der Form eines offener Rundbau mit quadratischem Vorhof und einem seitlich positioniertes Kassenhaus wurde festgehalten. Der hintere Bereich wurde ebenfalls von einer geschwungenen Rückwand mit aufgesetztem Schriftzug aus Leuchtbuchstaben begrenzt.
Die Mittelkonstruktion veränderte sich. An einem viertelkreisförmiger Stahlarm, wurden zwölf freischwingende Gondeln zu einem Rad verbunden, montiert.
Zwei Treppenaufgänge führten zur Kasse und in die Einstiegsebene, die mit Geländern aus stilisierten Erdhalbkugeln gesäumt wurden. Nach Fahrtbeginn hob sich das Radkreuz mit dem Gondelkranz um 90° aus der Horizontalen in die Vertikale, wobei die Gondeln von der Fliehkraft nach außen geschwenkt werden und in 14 Meter Höhe einen Looping-Kreis senkrecht über Kopf ziehen.
Abb. 3: Mondlift mit dekorativer Gestaltung von HEINRICH MACK
und dem Atelier HEINZ OPITZ. Foto 1970 Sammlung Opitz
Dekoration
Das Dekor war im Weltraum-Design gehalten. Im Zentrum der Rückwand wurde eine plastisch dargestellte Erdhalbkugel von sternförmig angelegten Lichtleisten umgeben. Durch Glühbirnenrahmungen wurden flankierende Sterne und Raumfahrzeuge besonders hervorgehoben. Der Scheitelpunkt der Bockkonstruktion wurde mit einem beleuchteten, lächelnden Mondgesicht aus Polyester betont. Die futuristisch anmutenden Fahrgastgondeln mit nach oben aufklappbaren Gitterhauben sind in Form und Farbe kleinen Raumfahrzeugen angelehnt.
Die Inhalte der übrigen Bildträger an Panneaux und Kasse sind ebenfalls dem Thema Weltraum gewidmet und zeigen Himmelskörper, Satelliten und Raketen. Die farbliche Fassung ist in leuchtendem Blau, Gelb und Orange gehalten. Auch in den Umzäunungen sind Umrisse von Raumfahrzeugen in die Gitter eingearbeitet.
Provenienz des ersten Mondlifts
Bis Ende der 1980er Jahre betrieb Erich Winter seinen Mond-Lift. Dann verkaufte er an die Stuttgarter Schaustellerfirma Schmidt. Das Karussell wechselte noch zweimal den Besitzer und seinen Namen. Der Schausteller Zinnecker nannte es Voyager und verkaufte es im Jahr 2000 nach Polen.
Super Passat
Im Jahre 1973 wurde von dem Schausteller Andreas Zinnecker der Wiederaufbau des ehemaligen Passats von 1965 in Auftrag gegeben. Als Fundus diente die Bock- und Bogenkonstruktion des Karussells.
Dekoration des Super Passats
Das Zentrum der Rückwand bildete auch bei dieser Anlage eine Art beleuchtete Sternmonstranz, ähnlich des Mondliftes von Winter. Hier erhebt sich darüber der Name Super Passat in Leuchtbuchstaben. Panneaux in Sternform gliedern sich beidseitig an, denen sich weitere Bildträger anschließen.
Sterne, Streifen und zwei Satellitenschirme schmücken die Rückwand, auf die außerdem einige Figuren aufgelegt sind. Deren Umrisse werden durch Glühbirnenrahmungen besonders akzentuiert.
Abb. 4: Super Passat der Firma Zinnecker nach Wiederaufbau. Foto 2004 © Heiko Schimanzik
Provenienz
Der Super Passat ist immer noch in Betrieb.
© Margit Ramus
| Quellen | Ramus, 2013 Katalog Nr. 45. |
