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Tri Star

Name(n) des Geschäftes Tri Star  
Typologische Bauaufgabe Offenes Rundfahrgeschäft
Bauform Skelettbau
Baujahr und Bau Nr. 1977  2 / 24360
Hersteller Heinrich Wilhelm Huss
Projekt – Bau – Nummer 2 / 24360
Maler  Peter Petz; Harry Knorrn
Bauherr / Inhaber in Deutschland Walter Rick; Albert Aigner 
Baugeschichte

Der Tri Star war das dritte Karussell, das von der Firma Huss konstruiert worden war.
Allerdings war es für seine Bauherren nicht sehr erfolgreich. Huss baute nur fünf Exemplare.

Baubeschreibung

Ein runder Sockelbau mit Umgang und dreistufiger Treppenanlage, in dessen offenem
Zentrum an eine Drehkonstruktion eines hydraulischen Hubarms drei gelenkige, abwechselnd auf- und abschwingende Auslegerarme montiert sind. Daran sind drehbare Planetenräder aus Stahlrahmen angebracht, in deren Umfang je sieben Fahrgastgondeln pendelnd eingehängt sind.
Der Rundbau ist mit einer hohen Rückwand verschlossen, auf der in großen Leuchtbuchstaben der Name des Karussells aufgesetzt ist.
Die Hauptkasse mit Fahrerstand ist seitlich angegliedert. Der Kopfseite der Mittelkonstruktion ist zum Betrachter hin ein zweites Kassenhaus vorgesetzt.
Rechts und links führen breite, mehrstufige Treppenaufgänge in die Umgangs- und Einstiegsebene.

Dekoration Prototyp

Die formale Gestaltung des Skelettbaus ist bereits Element der Dekoration. Das moderne, kühle
Design der silberfarbenen Fahrgastgondeln entspricht dem Space-Thema der 1970er Jahre.
Die Bildtafeln der Rückwand wurden von Peter Petz mit Pop-Art Motivik bemalt. Zwischen Weltraum und Meeresgrund tummelt sich ein bunter Mix von Astronauten, Raumfahrzeugen, Motorradfahrern, Urwaldtieren, Fischen und Mickey Mouse.
Am Abend betonen Lichtleisten die Verstrebungen der Planetenräder.

Dekoration des Tri Stars von Rick

Die Rückwand verwandelt sich in eine große, lang gestreckte Leinwand, auf der eine einzige zusammenhängende Szene dargestellt ist. Thematisiert wird der Betrieb auf einem Flughafen. Im Vordergrund sind riesige Flugzeuge beim Start und Landeanflug zu sehen.
Im Zentrum vor einer Großstadtarchitektur ist, rückwärts zum Betrachter hin, eine Menschengruppe beim Einstieg in eine Maschine zu erkennen. 
Die farbliche Gestaltung ist auf das Wesentliche reduziert.
Im Vordergrund hat Peter Petz durchgehend Gelb als Symbol der Erde und des festen Bodens benutzt, auf dem die Menschen sich bewegen. Zwei Drittel der geschlossenen Komposition zeigen den blauen Horizont. Abstufungen von Blautönen beherrschen den szenischen Hintergrund.

Neubemalung von Harry Knorrn

Die Thematik der Rückwandbemalung fand beim Publikum nicht den erwarteten Zuspruch. Deshalb wurde sie von Harry Knorrn neu gestaltet.
Er malte ein suggestives und modernes Luftfahrtszenario in grellem Farbauftrag. Sonne, Wirbelsturm und ein Fluglotse beherrschen das Mittelfeld. Ein tosender, unruhiger Himmel entspricht den stürmischen Bewegungen des Karussells im Betrieb.

Provenienz und Verbleib

Der Prototyp dieser Bauaufgabe wurde an den holländischen Schausteller de Vries verkauft.
Nach einigen Besitzerwechseln entdeckte man das Karussell 1991 im englischen Park
„Alton Towers“, nach einem weiteren Standortwechsel verliert sich 1994 die Spur.
In Deutschland gehörten die Firmen Albert Aigner aus München und Rick aus Hannover zu den einzigen Abnehmern. Der gewünschte Erfolg blieb beim deutschen Publikum aus.

Aigner verkaufte bereits in den frühen 1980er Jahren an einen Mr. Raid aus Miami, USA. Nach einem Aufenthalt in den „Carneval Strates Shows“ gelangte der Tri Star 1992 in den „Kennywood Park“ in Lagoon Pioneer Village in Pennsylvania. 
Rick verkaufte an den englischen „Dreamland-Park“ in Margate, der damals noch den holländischen Brüdern Bemboom gehörte. Später gelangte der Tri Star in den „Rotunda Amusement Park“ in Folkestone, wo er noch Ende der 1990er Jahre in Betrieb war.

Anmerkung der Verfasserin
Für alle veröffentlichten Beiträge von Fahrgeschäften der Firma HUSS gilt eine Bitte:
Sollten die Bildunterschrift oder die Quelle einer Abbildung nicht korrekt angegeben sein, bitte eine fundierte Info über die Kommentar-Funktion. Der Fehler wird dann unverzüglich bereinigt. Danke
© Margit Ramus

 

Fotos folgen

Abb. 1: Tri Star in Bewegung bei Nacht. Foto 1978 Sammlung Aigner

abb. 2: Gesamtansicht des Tri Stars der Firma Aigner. Rückwand gemalt von Peter Petz.
Foto 1978 Sammlung Aigner

abb. 3: Bei hoher Geschwindigkeit vermittelt die Lichtinstallation den Eindruck von Abstraktion und Unwirklichkeit. Foto 1978 Sammlung Aigner

abb. 4: Gesamtansicht des Tri Stars der Firma Rick. Foto 1977 © Heiko Schimanzik

abb. 5: Gesamtansicht des Tri Stars der Firma Rick nach Umgestaltung der
Rückwand. Foto 1978 © Heiko Schimanzik

 

Ramus 2013. Kat. Nr. 67.
Blunck. In: KR 1 u. 2, 1998.
Gespräche der Verfasserin mit Harry Knorrn im Juni 2006.

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