Historische Schaustellergeschäfte A - Z

1908 Teufelsrad

Teufelsrad Bergmann © Sammlung Froitzheim
Name(n) des Geschäftes Teufelsrad
Typologische Bauaufgabe Belustigungsgeschäft
Bauform Hallenbau
Baujahr 1908
Hersteller Carl Gabriel; Friedrich Wilhelm Siebold u.a.
Bauherr / Inhaber Carl Gabriel; Friedrich Wilhelm Siebold u.a.
Baugeschichte

1908 stellte der Münchner Schausteller Carl Gabriel seine Wiesenneuheit, das sogenannte Teufelsrad vor. Damals löste die „Wiesn-Neuheit“ bei Jung und Alt große Begeisterung aus.
Das Teufelsrad erfreute sich einer solchen Beliebtheit, dass es bald nicht mehr bei einer einzigen Ausgabe davonblieb. Erhalten geblieben ist bis heute aber nur das Original von Carl Gabriel.
Auch Friedrich Wilhelm Siebold baute dieses erfolgreiche Belustigungsgeschäft nach, wie die Abbildung des wandernden Luna-Parks von Siebold aus den frühen 1920er Jahren zeigt.

Siebolds Wandernder Luna-Park. © Sammlung Siebold & Pfennig

Baubeschreibung

Ein Teufelsrad ist eine rotierende runde Plattform, um die in einem geschlossenen Zelt eine kreisförmige Zuschauertribüne errichtet ist. Ein „Rekommandeur“ animiert die Besucher, die Plattform zu benutzen.
Besucher können sich auf die zum Stillstand gebrachte Plattform begeben und versuchen, sich dort stehend, sitzend oder liegend zu halten, während die Scheibe in Drehung versetzt wird und sich zunehmend schneller dreht. Die Plattform wird durch einen starken Motor angetrieben und meist durch Backenbremsen abgebremst. Auf der sich drehenden Plattform werden neben den Versuchen, sich einfach nur zu halten, auch Wettkämpfe veranstaltet, wer sich am längsten auf der Platte halten kann.
Es gibt keine moderne Technik, sondern ein einfaches wie geniales Konzept. Zu Fahrtbeginn setzen sich die aktiven Besucher auf die Scheibe. Die besten Plätze befinden sich in der Mitte. Dann setzt sich die Scheibe in Bewegung – erst langsam, dann immer schneller, begleitet von den teils ziemlich derben, aber immer auf bayerische Art charmanten Sprüchen der Rekommandeure. Ein Fahrgast nach dem anderen rutscht durch die Fliehkraft von der Scheibe, und wer nicht von selbst aussteigt, wird mit einem gekonnten Lassowurf oder einen großen Ball, der an einem Seil hängt, „abgeschossen”.
Das Teufelsrad ist nun schon seit Jahrzehnten eine Münchner Institution und genießt mit dem Schichtl wohl die innigste Zuneigung des hiesigen Publikums. 

Provenienz

Die Frage, wie die Abwicklung der Eigentümerverhältnisse der Geschäfte nach dem Tod des Firmengründers Friedrich Wilhelm Siebold  abgelaufen ist, kann nicht konkret beantwortet werden. Einige Geschäftsführer übernahmen einen Teil der Geschäfte in Eigenregie, anfangs noch unter Siebold & Herhaus, später verschwand der Name Siebold. Über den Verbleib ist nichts bekannt.
Das heute auf der Wiesn stehende Teufelsrad wurde nach dem zweiten Weltkrieg von der Familie Feldl übernommen und 2002 nach dem Tod von Betty Feldl schließlich an Elisabeth Polaczy und Veronika Kugler vererbt.

© Margit Ramus

 

Müller, Günter: Der schöne alte Oldenburger Kramermarkt. 1982 S. 168
Dering, Volksbelustigungen, 1986, S. 119f
Thoma, Willi: Faszination Karussell- und Wagenbau Mack. Waldkirch 1988. S. 243
Siebold, Wilfried:  950 Jahre Bremer Freimarkt. Ausstellungskatalog. Hrsg. Der Senator für Bildung. Wissenschaft und Kunst.1985. S. 85-89
Gespräch mit Wilfried Siebold 110/2009 und 18.01.2010 im Markt- und Schaustellermuseum Essen.
Gespräch mit Hildegard Pfennig geb. Siebold 10/2009  und 18.01.2010 im Markt-  und Schaustellermuseum Essen.
Gespräch mit Hildegard Pfennig im März 2010 und 2017.
Alle Bilder sind aus der Privatsammlung der Familie Siebold und durften mit deren Genehmigung ins Archiv gestellt werden 
Das Bildmaterial von Froitzheim wurde von Peter Roie mit der Genehmigung von der Familie Froitzheim zur Verfügung gestellt.

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