
Manfred Howey und das Vermächtnis einer Ikone
Wenn Manfred Howey, Jahrgang 1943, heute auf sein langes und bewegtes Berufsleben zurückblickt, tut er das ohne falsche Bescheidenheit – aber auch ohne schwülstigen Pathos.
„Ich bin zufrieden mit meinem Leben, ich bin dankbar, mir geht es gut“, sagt der Bilderbuch-Hanseat. Und ergänzt augenzwinkernd: „Auf gute Kleidung und gute Manieren habe ich immer einen gewissen Wert gelegt.“
Über 45 Jahre hinweg war der „Happy Sailor“ nicht einfach nur ein Fahrgeschäft, sondern ein Aushängeschild deutscher Kirmeskultur, eine quicklebendige, stets im Trend liegende Ikone.
Manfred Howey betrieb sein Geschäft nicht, er lebte es. Howey entstammt einer traditionsreichen Schaustellerfamilie aus Bremen.
Seine Großeltern Heinrich und Susanne Manke begannen bereits 1920 mit einem kleinen italienischen Eiskahn. Daraus entwickelte sich später die „Eisindustrie Manke auf der Reise“.
Auch Howeys Mutter war früh selbstständig und brachte 1950 ein fabrikneues Kinderfahrgeschäft nach Bremen. „Schausteller zu sein ist kein Beruf, es ist eine Berufung“, stellt Howey klar.
Von klein auf lernte er, was Verantwortung auf der Reise konkret bedeutet – für Technik, für Mitarbeiter und vor allem für das Publikum.
Bis zum „Happy Sailor“ betrieb die Familie mehrere Fahrgeschäfte, stets aufwendig gestaltet und technisch gepflegt.
Der entscheidende Schritt folgte im Jahr 1979: Manfred Howey kaufte bei Mack in Waldkirch eine neue Seesturmbahn. Der Kaufpreis betrug 1,25 Millionen D-Mark. Der „Happy Sailor“ war geboren.
Die Anlage besteht aus 20 Gondeln mit Platz für bis zu 40 Fahrgäste, aufgebaut in einem Achteck mit einem Durchmesser von 19 Metern. Die Fahrt verläuft wellenartig über Hügel und Täler, die Gondeln drehen sich vor-, seit- und rückwärts. Im Zentrum sorgt ein Springbrunnen – vom Kassenhäuschen aus ferngesteuert – für erfrischende Gischt und maritime Atmosphäre.
Das Geschäft reiste durch ganz Europa und war unter anderem auf der Cranger Kirmes, der Rheinkirmes, der Allerheiligenkirmes, der Pforzemer Mess sowie in Luxemburg Stammgast – stets auf den besten Plätzen.
Dass der „Happy Sailor“ über Jahrzehnte als besonders gepflegt galt, ist unbestritten.
Doch genau diese Zuschreibung hat Howey mitunter auch ein wenig geärgert. „Ich will nicht als emsiger Seesturmbahn-Putzer in die Schaustellergeschichte eingehen. Das greift zu kurz.“
Und weiter:
„Ich blicke auf 45 Betriebsjahre zurück. Mein Thema Nummer eins war primär die Betriebssicherheit. Ich habe stets als Erster die neuesten Innovationen umgesetzt, zum Beispiel bei den Sicherheitsbügeln, die sofort von pneumatisch auf elektrisch umgerüstet wurden. Ich war Vorreiter. Mein Lebenswerk ist Sicherheit und technische Innovation.“
Sauberkeit war für Howey nie bloßer Selbstzweck, sondern Teil eines funktionierenden Gesamtsystems – genauso wie Technik, Dokumentation und tägliche Kontrolle.
Innovation als Pflicht
Von Beginn an arbeitete Howey sehr eng und vertrauensvoll mit dem Hersteller Mack zusammen.
„Ich habe immer als Erster die neuesten Innovationen von Mack umgesetzt“, sagt er. Sicherheitsbügel, Antriebstechnik, Normen – alles wurde frühzeitig angepasst.
„Der freundschaftliche Kontakt mit Roland Mack war für mich wichtig. Er hat mich oft gelobt, weil ich mein Geschäft so exzellent führe.“ Ein besonderer Moment blieb ihm im Gedächtnis: „Roland Mack hat mir einmal 20 Prozent Rabatt gegeben, um ganz praktisch seine Wertschätzung für meine Arbeit auszudrücken.“
Der hohe Anspruch zeigte sich schon in der Tagesroutine. „Ich habe jeden Morgen akkurat das Mack-Wartungsbuch abgearbeitet. Wichtig war mir jeden Morgen die Probefahrt – ich kann heraushören, wenn irgendetwas nicht läuft.“
Jedes Detail gehörte dazu, natürlich auch die großen, markanten Deko-Figuren: „Nixe, Pirat und die beiden Delfine wurden alle zwei Wochen sorgfältig mit Entkalkungsmitteln gepflegt. Durch die Gischt aus dem Brunnen war das unbedingt notwendig, sonst hätte die Anlage keinen guten Eindruck gemacht – das geht überhaupt nicht.“
Dass der „Happy Sailor“ über Jahrzehnte die Grandplätze halten konnte, hatte Gründe. „Von nix kommt nix. Ich bin stolz, dass ich 45 Jahre die besten Plätze gehalten habe“, sagt Howey. „Die Zulassungsbehörden und Gremien haben mir nicht vertraut, weil ich ständig mein Geschäft auf Hochglanz poliert habe.“
Entscheidend war seine Haltung: „Ich war beim Auf- und Abbau immer dabei, habe stets angepackt, war mir für keine Arbeit zu fein. Das hat auch den Marktmeistern gefallen.“ Mit einem festen Team von sechs Mitarbeitern wurde der „Happy Sailor“ bis zu elf Mal im Jahr auf- und abgebaut.
Gleichzeitig übernahm Manfred Howey auch Verantwortung für den bekannten und beliebten „Circus Circus“ (H.B.B.). In der Mitte des kultigen „Happy Traveller“ – er reiste unter Gack & Co. – stand früher die Figur eines lustigen Chinesen.
Später wurde diese Figur ein markanter Teil der Dekoration des „Happy Sailor“:
„Ich habe den Seemann auf ein Fass gesetzt und ihn mittels Kassetten bekannte Seemannslieder singen lassen.“
Zur Weihnachtszeit folgte eine besondere Verwandlung: „Da haben wir ihn als Weihnachtsmann verkleidet und entsprechende Songs singen lassen.“
Nach der Corona-Zeit, die er – wie die meisten Schausteller – als sehr beklemmend in Erinnerung hat, machte sich Howey intensive Gedanken und traf eine bewusste Entscheidung:
„Nach der Pandemie habe ich den Seemann nicht mehr herausgeholt, weil ich mir gedacht habe, dass das Publikum eine gewisse Abneigung gegen das Thema China haben könnte.“
Einer der Höhepunkte seiner Laufbahn war das Jahr 2018: 40 Jahre Cranger Kirmes – und das im Jahr seines 75. Geburtstags. Wer auf Crange über Jahrzehnte besteht, genießt Ansehen. Der „Happy Sailor“ hat in Herne bis heute Kultstatus.
Diese Bedeutung wurde auch öffentlich immer wieder gewürdigt.
Mark Roschmann, 1. Vorsitzender des Schaustellerverbandes Südwest Stuttgart e. V., sagte 2024 auf dem DSB-Delegiertentag in Düsseldorf, dass der „Happy Sailor“ und Manfred Howey europaweit ein Aushängeschild für Deutschland seien.
Verantwortung bis zuletzt
Auch beim Verkauf blieb Howey konsequent. „Ich lege ganz großen Wert darauf, dass auch alle Fahrzeuge beim Verkauf in allerbestem Zustand und durch den TÜV waren.
Das Baubuch bescheinigt, dass alle TÜV-Abnahmen über die Jahrzehnte einwandfrei waren.
2020 haben wir noch die Sechs-Jahres-Prüfung gemacht, auch dort gab es keinerlei Beanstandungen.
„Wenn ich weitergemacht hätte, hätte ich dieses Jahr die neue E-DIN machen müssen.“
Howey dachte voraus: „Ich habe aus Gründen der Fairness einen Preisnachlass gegeben, um die zu erwartende E-DIN zu antizipieren. Ich erzählte den neuen Eigentümern alles, was ich über das Geschäft weiß. Mein gesamtes Wissen aus 45 Jahren wurde weitergegeben – bis ins kleinste Detail.“
Seit März 2024 wird der „Happy Sailor“ von Verena Krug aus München geführt, die gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Dirk Högerle reist.
Mittlerweile hat der „Happy Sailor“ unter neuer Führung zwei erfolgreiche Spielzeiten auf vielen namhaften Plätzen hinter sich, die Tradition lebt und ist beliebt wie eh und je! Der KOMET wünscht dem „Happy Sailor“ noch viele, viele erfolgreiche Jahrzehnte!
Text © Nicolas von Lettow-Vorbeck
Das Karussell Happy Sailor ist auch im Archiv ausführlich bearbeitet worden.
Bilder in der Galerie wurden von Manfred Hovey freigegeben. © Hovey








