Immaterielles Kulturerbe A - Z

2026 Urkundenverleihung in Schwerin

Festveranstaltung anlässlich der Neueintragungen im Bundesweiten Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes

Es war ein besonderer Tag im Leben aller deutschen Schaustellerinnen und Schausteller, ein historischer Moment, als Bettina Martin, Ministerin für Wissenschaft, Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten Mecklenburg-Vorpommern, im Wichernsaal des Forums Diakonie in Schwerin am Donnerstag, den 16. Juli 2026, die Urkunde zur Anerkennung der „Schaustellerkultur auf Volksfesten in Deutschland“ durch die Deutsche UNESCO-Kommission gemeinsam an den DSB-Präsidenten Albert Ritter, den BSM-Präsidenten Patrick Arens und an Dr. Margit Ramus als Vertreterin des digitalen Kulturgut-Volksfest-Archivs, überreichte.

Sichtbar wurden die Einigkeit der beiden Schausteller-Dachorganisationen und der Institution ‚Kulturgut Volksfest gUG, gegründet 2016, sowie das Zusammenspiel der beiden Verbände, DSB und BSM, die alle Berufsfragen sehr erfolgreich seit vielen Jahrzehnten und auch zukünftig bearbeiten, mit dem Kulturgut Volksfest-Archiv unter der Leitung von Dr. Margit Ramus.
Das Archiv widmet sich der Bewahrung, dem Schutz und der Pflege der Schaustellerkultur, die in Dokumenten, Briefen, Zeitungsberichten und Zeitzeugen-Erzählungen überliefert ist, und wird ständig weiter gepflegt und ausgebaut.

Inzwischen lag eine gewisse Spannung in der Luft, endlich war das Ziel erreicht. 
Die Schaustellerkultur, über Jahrhunderte mit Argwohn betrachtet und gesellschaftlich ausgegrenzt, wurde heute offiziell als gelebte deutsche Kultur anerkannt.

Prof. Dr. Gregor Rohrmann, Direktor des Zentrums für regionale Geschichte und Kultur Mecklenburgs an der Universität Rostock führte durch das Programm.
Es begann mit einem musikalischen Auftakt von Ralf Gehler an der diatonischen Handharmonika. Anschließend sprach Bettina Martin, Ministerin für Wissenschaft, Kultur, Bundes- und Europaangelegenheiten Mecklenburg-Vorpommern, ein Grußwort.
Die Laudatio hielt Prof. Dr. Benjamin Jörissen, Vorsitzender des Fachkomitees Immaterielles Kulturerbe bei der Deutschen UNESCO-Kommission.

Neben der Schaustellerkultur auf Volksfesten in Deutschland würdigte die Deutsche UNESCO-Kommission an diesem Tag mehrere weitere Neueintragungen in das Verzeichnis, darunter die traditionelle kleine Küstenfischerei an der Ostseeküste und in den Boddengewässern Mecklenburg-Vorpommerns, das Herrenschneiderhandwerk, die Bolzplatzkultur und die Martinstradition im Rheinland.
Es folgte die Vorstellung der einzelnen Kulturformen durch die Kulturträger, die interessante Einblicke gewährten. Da nur eine begrenzte Redezeit vorgesehen war, verzichtete BSM-Präsident Patrick Arens auf einen eigenen Redebeitrag und überließ Dr. Margit Ramus und Albert Ritter das Wort.
Dr. Margit Ramus zeichnete den Weg vom „Fahrenden Volk“ zum anerkannten Kulturerbe auf.

„Einen besonders eindrücklichen Akzent setzte der Beitrag von Dr. Margit Ramus. In ihrer Ansprache spannte sie einen weiten Bogen von den Anfängen des „Fahrenden Volkes“ im Mittelalter bis zur heutigen Anerkennung.
Nach ihren Worten war das fahrende Gewerbe jahrhundertelang gesellschaftlich geächtet. Fahrende hätten nach Einbruch der Dunkelheit die Städte verlassen müssen und seien selbst von der katholischen Kirche lange von den Sakramenten ausgeschlossen worden. Erst durch neue rechtliche Rahmenbedingungen für das Wandergewerbe und nach der Reichsgründung 1871 sei das Leben der Fahrenden leichter geworden.
„Und nun – etwa 155 Jahre später – ist die Schaustellerkultur, die ihren Ursprung im Fahrenden Volk von einst hat, in das Bundesweite Verzeichnis der immateriellen Kulturgüter aufgenommen worden. Kaum zu glauben – aber tatsächlich geschehen“, sagte Ramus.
Ihr sei wichtig zu betonen, dass es sich nicht bloß um eine Auszeichnung, sondern um eine Anerkennung handle. Damit sei zugleich die Verpflichtung verbunden, das Kulturgut zu bewahren und an die kommenden Generationen weiterzugeben. Diesem Auftrag wolle sie auch künftig nachkommen und das gemeinnützige Kulturgut-Volksfest-Archiv als „Schatzkammer der Schaustellerkultur“ weiter ausbauen.“ (Martin Eckert, Komet online 16.06.2026)

Albert Ritter betonte, dass die heutige Urkundenverleihung ein besonderer Moment für die Branche sei. „Die Aufnahme ist zugleich ein Auftrag an Politik und Gesellschaft, die Schausteller als Träger der Volksfestkultur nachhaltig zu stärken.“ (Mitschrift der Rede)
Der DSB-Präsident bezog auch die beiden anwesenden Vertreter der Fachzeitschrift KOMET in seine Ansprache ein und betonte, dass der KOMET im Jahre 1883 gegründet worden sei und seit nunmehr 143 Jahren die Schaustellerfamilien begleitet.

Den künstlerischen Abschluss dieses historischen Tages bildete ein besonderer Ohrenschmaus der Fritz-Reuter-Bühne des Mecklenburgischen Staatstheaters.

Anschließend klang die Veranstaltung mit Sekt und Imbiss aus.
Dabei begeisterte die Anwesenden eine alte Skooter-Chaise aus dem Jahre 1958, die von Peer Hamberger, dem Vorsitzenden des Schaustellerverbandes Mecklenburg-Vorpommern, mitgebracht worden war und Anlass zu vielen Fotos gab.

© Margit Ramus

16.07.26 Rede Schwerin 2026