Leander Petzoldt schrieb folgenden Artikel:
Schausteller aus der ganzen Bundesrepublik bewerben sich schon ein Jahr vorher um einen Standplatz auf dem Lukasmarkt, denn durch die räumliche Begrenzung in der Innenstadt von Mayen (Markt und Ring) ist der Wirtschaftsausschuss der Stadt gezwungen, eine Auswahl zu treffen. Heute ist der Lukasmarkt ein großer Vergnügungsmarkt mit Schau- und Fahrgeschäften. Für die Landbevölkerung aus der Umgebung hat er dennoch seine frühere Bedeutung als Treffpunkt, Waren- und Viehmarkt behalten. Der Viehmarkt wurde an den alten Stadtgraben (Boemundring) verlegt; Pferde, Rinder, Schweine und Schafe werden noch immer aufgetrieben. Für die Mayener wie für die Bewohner des Umlandes ist die Anziehungskraft des Marktes bis heute ungebrochen.
Rudolf von Habsburg verlieh Mayen 1291 das Stadtrecht, mit dem auch das Recht zur Abhaltung dreier Märkte, an Mariae Verkündigung (25.3.), Mariae Himmelfahrt (15.8.) und Mariae Geburt (8.9.), verbunden war. Mayen, das an alten Handelswegen von den Ardennen zum Mittelrhein lag, wurde dadurch zum wichtigen Marktort. Der Lukasmarkt wurde durch ein Edikt des Trierer Kurfürsten Werner von Falkenstein im Jahr 1405 zu halten „auf Dienstag nach dem St. Lukasfest“ eingeführt.
Durch den günstigen Termin nach der Ernte entwickelten sich der Lukasmarkt, mit dem ein Pferde- und Schafmarkt verbunden ist, zu einem zentralen Volksfest zwischen Kyll und Mittelrhein, Mosel und Ahr. An den Markttagen erledigten die Bauern ihre Geschäfte in der Stadt, kauften Geräte, Korbwaren, Schuhe und alles das für den täglichen Bedarf ein, was sie auf dem Dorf nicht kaufen konnten. Seit 1848 erhob die Gemeinde, nach dem sie eine neue Marktordnung erlassen hatte, Standgelder, Meßgeld und Waagegebühren. Im Laufe der Entwicklung ging der Vieh- und Warenhandel zugunsten des Vergnügungsmarktes zurück, und der Markt entwickelte sich zu einem „Eifeler Oktoberfest“. Vom Mayener Lukasmarkt aus soll sich auch die Sitte des „Hau-den-Lukas“-Spiels verbreitet haben; dies ist insofern einleuchtend als der Umgang mit schweren Hämmern zum Arbeitsalltag der Steinhauer in den Basaltgruben und Mühlsteinbrüchen gehörte.
| Quellen | Petzoldt, Leander: Volkstümliche Fest, Führer zu Volksfesten, Märkten und Messen in Deutschland. München 1983. S. 442 |
