Das Goslarer Schützenfest
| Goslar | Goslarer Schützenfest |
| ursprüngliche Festform | Schützenfest |
| 1. Urkundliche Erwähnung | 1395 |
| Brauchtum / Tradition | |
| Länge der Veranstaltung und Termin | 10 Tage; Beginn letztes Wochenende im Juni |
| Besucherzahl* | etwa 800.000 |
| Stammbeschicker** | |
* Angaben beziehen sich auf die Zeit ab 2025
** Schaustellerfirmen, die länger als 30 Jahre regelmäßig an der Annakirmes teilnehmen
Petzoldt schrieb dazu:
„Am Freitag wird das Schützenfest mit dem Bieranstich im Bayernzelt durch den Oberbürgermeister eröffnet. Der Samstag steht ganz im Zeichen des großen Festumzuges, der sich am frühen Nachmittag in Bewegung setzt. Montags werden die Könige von dem Zug der Altschützen abgeholt (Handwerkerkönig, Volkskönig, Kleiner König, Jungschützenkönig und Großer König) Und zum Marktplatz gebracht, wo auch der Rat der Stadt abgeholt wird. Dort spielt um 12:00 Uhr das Glockenspiel; anschließend erfolgt der Abmarsch Zum „ Schützenfrühstück“ im Bayernzelt. An den weiteren Tagen ist jeweils Volksfestbetrieb auf dem Osterfeld.
Die älteste Nachricht über die Goslarer Schützengesellschaft stammt vom Ende des 14. Jahrhunderts. In einem Nachtrag zur Prozessionsordnung am Fronleichnamstag werden 1395 auch die Schützen aufgeführt. Aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts datiert eine Einladung der Schützengemeinde Helmstedt an die Goslarer Schützen, mit ihnen ein Schützenfest abzuhalten. Schließlich besitzt das Stadtarchiv Goslar auch das älteste Mitgliederverzeichnis der St. Sebastians-Bruderschaft (der Schützen) aus dem Jahr 1432.
Ursprünglich gab es keinen Schützenkönig, man ermittelte bis ins 19. Jahrhundert hinein nur den besten Mann. In die Schützengesellschaft konnten Bürger und Bürgersöhne eintreten, wie es in der Schützenordnung von 1596 heißt; Fremde wurden ebenfalls aufgenommen, hatten aber mindere rechte. In dieser Zeit erlebte das Schützenwesen – nicht nur in Goslar – seinen Höhepunkt. Die Schützen wurden vom Magistrat unter dem Aspekt der Verteidigungsbereitschaft sehr stark gefördert. Der Rat unterstützte die Schützengesellschaft durch Privilegien und materielle Leistungen; diese hatte ihren bestimmten Platz in der Stadtverteidigung. Nach dem Dreißigjährigen Krieg errichtete man auf dem Lindenplan vor dem Rosentor ein neues Schützenhaus; es enthielt eine Wirtschaft ( Schützenkrug ), die ganzjährig geöffnet war. Neben dem Anfang Juli stattfindenden jährlichen Freischießen etablierte sich ein Jahrmarkt, der immer mehr an Bedeutung gewann. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts verlor die Schützengesellschaft mehr und mehr ihre Aufgabe, zur Wehrertüchtigung der Bürger beizutragen, und sie wandelte sich zu einer geselligen und schießsporttreibenden Vereinigung. Das Freischießen fiel mehrere Jahre aus, auch die Schützenauszüge wurden eingestellt. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts, nachdem man das Freischießen wieder aufgenommen hatte, entwickelte sich der „Freischießen-Markt“ zum großen Goslarer Volksfest, das nicht nur an den Schießtagen, sondern die ganze Woche stattfand: Bierausschank, Honigkuchen- und Pfeffernuss Bäcker, Bratenmacher, aber auch Krämer, Goldschmiede und Töpfer machten den Markt zu einer Attraktion. Die beliebten Glücksspiele wurden 1803 verboten. Es gab in dieser Zeit mehr als ein Dutzend Bierzelte, und bei Musik und Tanz ging es hoch her. Während der napoleonischen Herrschaft verlor die Schützengesellschaft alle ihre Privilegien. Erst 1823 gestattete der Magistrat, dass der „Bestmann“ (wieder) von der Entrichtung des Bürgergeldes (Steuer) befreit sei.1858 wurde der Schießplatz am Lindenplan durch die Bahnlinie zerschnitten; erst rund zehn Jahre später übernahmen die Schützen das Osterfeld als neue Schießstätte; hier wurde im Jahre 1931 das heutige Schützenhaus eingeweiht. Der heutige Volksfestbetrieb wird von der Platzkommission der Schützengesellschaft organisiert.“ Petzoldt, S. 324
| Quellen | Petzoldt: Volkstümliche Feste 1983. S. 324 |
