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kirmesmarkus

"kirmesmarkus" als Rekommandeur an einer Karussellkasse. Foto Markus Spooren

www.kirmesmarkus.de

kirmesmarkus, ein echter Kirmes-Freund, der seit vielen Jahren sehr interessante Videos von Volksfestplätzen und aktuellen Ereignissen rund um die Schausteller- und Volksfestkultur dreht.
„Mit über 95.000 Abonnenten und mehr als 2.600 veröffentlichten Videos gehört Spooren, der auch auf Instagram und Facebook erfolgreich ist, zu den bekanntesten Stimmen der deutschsprachigen Online-Berichterstattung rund um Schaustellerei und Kirmes.“ Nicolas von Lettow-Vorbeck

Mehr über auf vielen Festplätzen bekannten „kirmesmarkus“ können sie hier lesen.

„Zwischen Zuckerwatte und Zoom

Wie Markus Spooren die Welt der Schausteller auf YouTube sichtbar macht.
Wenn sich das Leuchten der Fahrgeschäfte mit dem Duft von gebrannten Mandeln und dem Klang fröhlicher Musik verbindet, beginnt für viele Menschen die wunderbare Kirmeszeit.
Für Markus Spooren aus Hürth, auf YouTube besser bekannt als „kirmesmarkus“, ist sie weit mehr als ein Freizeitvergnügen. Sie ist Erinnerung, Lebensfreude, Therapie – und ein Stück Identität.
Mit über 95.000 Abonnenten und mehr als 2.600 veröffentlichten Videos gehört Spooren, der auch auf Instagram und Facebook erfolgreich ist, zu den bekanntesten Stimmen der deutschsprachigen Online-Berichterstattung rund um Schaustellerei und Kirmes. Doch was auf dem Bildschirm nach ein wenig lockerer Plauderei aussieht, ist das Ergebnis unzähliger Stunden Arbeit – und einer tiefen und lebenslangen Passion.

Kindheit zwischen Kamera und Karussell
„Mein Papa ist ein gigantischer Kirmesfan, seine zweite große Leidenschaft ist die Fotografie“, sagt Markus Spooren.
Geboren 1969, wächst er in Köln auf – in einem Elternhaus, in dem Ausflüge zu Kirmesplätzen selbstverständlich sind. Sein Vater nahm ihn mit zu Fotomessen wie der photokina und zu nahezu allen Kirmesplätzen in der Umgebung.
Was sind seine ersten bewussten Erinnerungen an Volksfeste? „Ich war vielleicht sieben oder acht Jahre alt. Der Platz in Deutz war für mich eine eigene, fast magische Welt, wie ein anderer Planet.“ Besonders beeindruckt habe ihn dort die legendäre Haischau mit ihren lebenden Tieren.
Früh bekommt er von seinem Vater eine eigene Kamera geschenkt. „Wir haben gemeinsam Fahrgeschäfte fotografiert“, erzählt er. Die Kirmes wird nicht nur erlebt, sondern sorgfältig dokumentiert.
Zweimal im Jahr geht es ins Phantasialand in Brühl, wo damals auch einige Geschäfte von Schaustellern standen. In Bergheim auf dem Hubertusmarkt erfüllte sich ein kleiner Traum. „Ich durfte mal bei Octopussy Chips einsammeln, weil ich ganz lieb bei den Schaustellern gefragt habe.“ Schon damals zeigt sich seine offene Art. „Ich gehe sehr gerne auf Menschen zu und stelle Fragen“, sagt er. Diese Unbefangenheit begleitet ihn bis heute.
Während andere Interessen kommen und gehen, bleibt die Kirmes für Spooren ein Fixstern. „Mich hat das mein ganzes Leben lang begeistert“, betont er. Wenn er einen Platz betrete, sei er bis heute „total aufgekratzt“ – ein Gefühl, das ihn nie losgelassen habe.
Diese Begeisterung führt ihn Mitte der 1990er-Jahre erneut ins Phantasialand – diesmal beruflich. Als dort der Freifallturm „Mystery Castle“ entsteht, bewirbt er sich „ganz frech“ um die Rolle des Grafen von Windhoven – und erhält sie. „Ich durfte die Menschen im Wartebereich unterhalten“, erinnert er sich.
In dieser Zeit lernt er auch seine heutige Frau kennen. Seit 28 Jahren sind die beiden ein Paar, seit 17 Jahren verheiratet. Nach seiner Zeit im Freizeitpark arbeitet er bei der Koelnmesse – bis sein Leben eine unerwartete Wendung nimmt.

Krankheit, Klinik – und die Rückkehr zur Leidenschaft
Eine chronische Erkrankung verändert alles. „Ich war viele Monate in der Klinik und schließlich nicht mehr arbeitsfähig“, berichtet Spooren. Auf einmal ist Zeit da – und Leere.
In dieser Phase besinnt er sich noch auf das, was ihn seit Kindheitstagen begleitet: die Kirmes. „Ich konzentrierte mich wieder stärker auf meine Leidenschaft“, sagt er. Das habe sich positiv auf seine Psyche ausgewirkt. Es gebe Studien, die solche Effekte belegten, erklärt er mit Verweis auf entsprechende Forschung, beispielsweise durch Andreas Feyerabend.
2010 startete er schließlich seinen YouTube-Kanal – einen der ersten im deutschsprachigen Raum zum Thema Kirmes. „Es war nie mein Ziel, groß zu werden“, stellt Spooren klar.
Der Antrieb sei allein die Freude an der Schaustellerei gewesen.
Sein erstes Video zeigt das Geschäft „Devil Rock“ von Straube auf der Annakirmes in Düren, das zweite die „Fahrt ins Paradies“ von Schleifer.
Zunächst filmt er Onrides und Offrides – ganz ohne Kommentar.
2013, bei Aufnahmen des Geschäfts „The Horror House“ von Bossle, entsteht eine neue Idee. „Warum nicht die Schausteller selbst zu Wort kommen lassen?“, habe er sich gefragt. Es folgen Interviews, Fachberichte und detailreiche Hintergrundgeschichten. „Ich war neugierig, wollte einfach mehr wissen – und dieses Wissen an andere Menschen weitergeben.“
Wer seine Videos sieht, ahnt kaum, wie viel Arbeit dahintersteckt. „Ich bin mitunter zehn Stunden unterwegs zu einem Platz, bleibe dort acht Stunden – und danach wird geschnitten.“ Allein der Schnitt dauere oft rund zwölf Stunden.
Spooren bearbeitet auch den Ton sorgfältig, entfernt Füllwörter und sprachliche Unebenheiten. „Ich will, dass alle Menschen in meinen Videos gut dastehen. Bei mir kommt jeder positiv rüber, versprochen.“
Seine Reisen organisiert er ausschließlich mit Bus und Bahn. „Wenn gestreikt wird, fällt der Platzbesuch aus.“ Für ein eigenes Auto oder Taxis fehle das Budget, manchmal lege er auch mehrere Kilometer zu Fuß zurück. Gewerblich betreibt er seinen Kanal nicht. Mehr als die Hälfte seiner Woche widmet er diesem Hobby. „Es ist ein großer Teil meines Lebens“, sagt er. „Es macht mich glücklich – es ist meine Medizin.“
Dass ihm inzwischen Zehntausende folgen, erfüllt ihn mit Dankbarkeit, nicht mit Eitelkeit. „Ich bin kein YouTube-Star, sondern ein ganz normaler Mensch.“ Autogrammwünsche, die auf dem Kirmesplatz manchmal an Spooren herangetragen werden, lehnt er freundlich ab, Selfies hingegen seien „eine schöne Sache“. Er versteht sich als Bindeglied zwischen Kirmesfans und Schaustellern. „Ich sehe mich als Brücke, auch für Menschen, die sich nicht trauen, selbst Fragen zu stellen.“
Besonders berühren ihn Nachrichten von Menschen mit Handicap. „Ich habe sogar blinde Zuschauer, sie genießen die Geräusche und die Informationen in meinen Videos.“ Genau darin sieht Spooren seine Aufgabe: „Ich möchte die Arbeit der Schausteller hinter den Kulissen sichtbar machen, für alle Menschen.“ Zugleich sei es ihm wichtig zu zeigen, dass die Kirmes ein Kulturgut sei, das mehr Anerkennung verdiene.

Respekt vor dem Leben auf der Reise 
Der Kontakt zu Schaustellerfamilien sei herzlich, berichtet er. „Ich habe das Gefühl, akzeptiert zu sein.“ Dieses Vertrauen habe sich über Jahre behutsam entwickeln müssen. Sein Respekt vor der Branche sei enorm. „Das Leben auf der Reise verlangt den Familien unglaublich viel ab. Ich erahne das.“
Besonders in der Corona-Zeit habe er gespürt, wie fragil diese Welt ist. Er berichtete damals intensiv über Pop-up-Parks, um die Schausteller in dieser schwierigen Zeit ein wenig zu unterstützen. Sein Herz schlägt besonders für traditionelle und historische Fahrgeschäfte. Große Sympathien hegt er für die „Geisterstadt“ von Fellerhoff.
Zu seinen festen Jahresterminen zählen die Annakirmes, Pützchens Markt, die Rheinkirmes und die Cranger Kirmes. „Da muss ich jedes Jahr hin“, sagt er mit einem Lächeln. Natürlich gibt es auch mal schwierige Tage. „Manchmal fahre ich den ganzen Tag zu einem Fest und es regnet die ganze Zeit, dann ärgere ich mich natürlich.“ Doch die gute Laune des Rheinländers kehrt schnell zurück. „Auf Regen folgt immer Sonnenschein – so ist das im Leben.“ Spooren beschreibt sich selbst als grundsätzlich fröhlichen Menschen.

Bodenständig in die Zukunft
Für die kommenden Jahre hat Spooren keinen Masterplan. „Ich möchte einfach so weitermachen wie bisher“, sagt er. Bodenständig bleiben, nicht zu schnell wachsen – das ist ihm wichtig. Er wolle ein ganz normaler Kirmesfan bleiben, trotz der großen Reichweite. Und wenn man ihn fragt, was kaum jemand über ihn weiß, verrät er schmunzelnd: „Ich schaue mir auch sehr gerne Schlösser und Naturlandschaften an – ganz ohne Kirmes.“ Doch am Ende führt für Markus Spooren alles zurück zu den Lichtern, den Stimmen und dem Juchzen der Fahrgäste.
Die Kirmes begleitet ihn seit Kindertagen. Sie schenkt ihm Struktur, Begegnungen, Lebensfreude, Freundschaften. „Es macht mich einfach glücklich“, sagt er. „Und wenn ich diese Freude ein wenig weitergeben kann, dann habe ich alles richtig gemacht.“
Text © Nicolas von Lettow-Vorbeck

 

Die meisten seiner Videos sind bei YouTube eingestellt. 
www.youtube.com/kirmesmarkus
www.kirmesmarkus.de/reportagen-und-dokus-2026/

Gespräch zwischen Margit Ramus und Markus Spooren. 2026
Bericht von Nicolas von Lettow-Vorbeck, der mit dessen Genehmigung ins Archiv eingesetzt wurde. 2026