Volksfeste Allgemeines A - Z

Standort der Volksfeste

Allerheiligenkirmes Soest. Foto 1930er Jahre ©Rudi Wendler

Der Standort der Volksfeste unterscheidet sich oft durch den Ursprung des jeweiligen Festes.
Seit Bestehen der Sakralen Feste fand generell in der Kirchen- oder Domimmunität statt.
Mehrere Tage wurde rund um das, im Ortszentrum errichtete Gotteshaus gefeiert. Die Integration des Festbereichs in das Stadtbild zeigt das Miteinander von Kirche und traditionellem Feiern.
Erst im 20. Jahrhundert wurden viele Volksfeste infolge städtebaulicher Veränderungen auf speziell dafür eingerichtete Festplätze verlagert. Meist hatte dies keinen Einfluss auf die wirtschaftliche Bedeutung der Volksfeste.
Eine der wenigen Ausnahmen bildet die Soester Allerheiligenkirmes, die als Sakrales Fest zu Ehren St. Petri, dem Schutzpatron von Soests ältester Kirche, die am Allerheiligentag geweiht wurde, stattfindet. Hier wird die Veranstaltung rund um die Kirche traditionsgemäß bis in die Gegenwart fortgesetzt. Die Integration der Schaustellergeschäfte ins Stadtbild steht außer Frage und unterstreicht die Veranstaltung als Kulturgut Volksfest.
Als Beispiel für das Auslagern des Volksfests weg vom zentralen Stadtkern auf einen eigens dafür vorgesehenen Platz wird der Send von Münster genannt. Der Send fand bis nach dem Zweiten Weltkrieg in der Domimmunität statt.
Der dreimal jährlich stattfindende Send in Münster wurde 1951 auf den Hindenburgplatz verlegt. (Münster-Send 1986. S. 58 -60) Allerdings befindet sich der Platz vor dem Schloss innerhalb der städtischen Bebauung.

Schützenfeste haben keinen sakralen Ursprung, sondern entstanden durch die Freischießübungen der Schützengemeinschaften. Der Veranstaltungsort liegt fast immer außerhalb der Domimmunität. So zum Beispiel die Größte Kirmes am Rhein am Düsseldorf-Oberkasseler Rheinufer. Betrachtet man die Anordnung der Schaustellergeschäfte an den unterschiedlichsten Veranstaltungsorten fällt auf, dass sie in der Regel der Anordnung der umgebenden Bebauung gleicht. Beispielhaft sei hier eine Luftaufnahme von Düsseldorf genannt. Sie zeigt eine Übereinstimmung in der Anordnung des Bebauungsplans des Städtebaus der 1950er Jahre und der temporären Anordnung auf dem Volksfestplatz. Rechteckig angeordnete Wohnblöcke korrespondieren mit dem rechteckig angelegten Blocksystem des Volksfestplatzes mit den Schaustellergeschäften. Innerhalb der Blöcke sind die Wohnwagen ähnlich wie innerstädtische Wohnsiedlungen angeordnet.

Luftaufnahme Düsseldorf. Foto 2007 ©Mark Schumburg

Als Höfisches Fest mit profanem Ursprung wird das Münchner Oktoberfest genannt. Anlässlich der Vermählung des Kronprinzen Ludwig von Bayern mit der Prinzessin Therese von Sachsen-Hilburghausen im Jahre 1810.
Im Laufe der beiden Jahrhunderte ist die Wegführung des Festplatzes schachbrettartig, mit Längs- und Querachsen angelegt worden.  Ein großes Eingangssegment führt in das Gelände.

Als weiteres Beispiel für ein Höfisches Fest ist das Nürnberger Volksfest zu nennen. Diese Form weist auf eine historische Person hin und fand bereits von Beginn an auf einem eingegrenzten Gelände statt. Das Nürnberger Volksfest z.B. wurde erstmals 1826 anlässlich des Geburts- und Namenstags von König Ludwig I. gefeiert.
Hier befand sich der Veranstaltungsort nicht an einem sakralen, sondern an einem profanen Ort. Im Jahr 1955 erfolgte die Umsiedlung zum neuen Standplatz an der Kongresshalle. Auch heute noch findet dort das Volksfest statt. (Morawski 1998. S. 101) Auch hier führt ein großes Eingangssegment in das Gelände.

Obwohl die Bebauung eines Volksfestplatzes oftmals als temporäre Binnenarchitektur außerhalb einer innerstädtischen Stadtstruktur angesiedelt ist, kann also eine Korrespondenz mit der sakralen Architektur (Kirchenbauten) oder mit dem modernen Städtebau beobachtet werden. Oft fügen sich einzelne temporäre Bauobjekte harmonisch in das Stadtbild ein. Die unterschiedlichsten Platzverhältnisse haben jedoch Einfluss auf die Veranstalter- und Zulassungskriterien.

© Margit Ramus

Dazu Volksfeste im Archiv Kulturgut Volksfest

Cranger Kirmes
Dürener Annakirmes
Kölner Frühlingsvolksfest
Münchner Oktoberfest
Nördlinger Mess‘
Pützchens Markt

Ramus 2013.
Morawski 1998.
Münster-Send 1986.

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