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Siebold

Firmendaten SIEBOLD & HOTTO Karussellfabrik 1888-1892.
FRANZ SIEBOLD Karussellfabrik 1892-1914.
Sohn FRIEDRICH WILHELM SIEBOLD 1988-1957.

Die Firmengeschichte von Friedrich Wilhelm und Franz Siebold erfolgte wie auch bei anderen deutschen Unternehmern mit dem Einstieg in die Schaustellerbranche.

Franz Siebold und sein Partner Hotto erwarben ein englisches Karussells bei der Firma Savage in Kings Lynn. Siebold & Hotto beschickten damit 1885 ein Volksfest in Essen.
Der Wechsel vom Schausteller zum Karussellbauer ergab sich durch den Ankauf der in Zusammenhang mit Hugo Haase stehenden Maschinenfabrik Hövermann & Jürgens in Hamburg Altona.
Nachdem Hugo Haase dort 1888 ausgestiegen war, übernahmen Franz Siebold & Hotto die Firma Hövermann & Jürgens. Sie verlegten den Betrieb nach Essen in die Schlendhofstraße.

In den Jahren zwischen 1892 und 1914 führte Siebold die Karussellfabrik allein. Daneben reiste er ab 1903 mit einem Kinematografen „Palais Electrique“ von Ort zu Ort.
Durch den Erfolg beim Publikum eröffnet er 1910 in Essen am Viehofer Platz ein Kinotheater mit 350 Plätzen und elektrischem Vorhang. Siebold richtete das Kino ganz im Stil der eleganten Pariser Kinos mit Balkonlogen und gepolsterten Sesseln ein.

Sein Sohn, Friedrich Wilhelm Siebold, wurde am 25. September 1880 in Essen geboren. Später studierte er in Darmstadt Maschinenbau. Nach dem Studium lebte er einige Jahre in London, Paris und den USA. Zurück in Europa machte sich der junge Siebold einen Namen mit einer „ausländischen Erfindung“, einem Zirkus-Kinematografen.

1910 ließ er sich in Bremen nieder. Im Jahre 1911 heiratete er die Schwägerin von  Hugo Haase Luise Einecke. Im Anschluss gründete er seine eigene Firma

Er konstruierte etwa zeitgleich mit Hugo Haase die erste Achterbahn nach den in Amerika erworbenen Patenten.
1927/28 hat er in Waldkirch bei Heinrich Mack eine weitere Achterbahn, die Turmbahn gebaut haben (Ramus 2013. Kat. Nr. 15). Dieses Geschäft soll im Zweiten Weltkrieg nach Schweden abtransportiert worden sein.
Friedrich Wilhelm Siebold brachte immer wieder neue Ideen aus dem Ausland mit und ließ seine eigenen Erfindungen patentieren.   Zu Beginn der 1920er Jahre stürzte er sich in ein neues Abenteuer und reiste mit einer Kolonial- oder Völkerschau, später mit einer Liliputaner Show. Liliputaner, Riesen und Wesen aus der Märchenwelt wurden von diesem Zeitpunkt an neben seinen Schaustellergeschäften zu seinem Lebensinhalt. Er reiste mit der Liliputaner Show in Deutschland, Belgien, Dänemark, Norwegen, der Schweiz und sogar in Afrika.

Nachdem seine erste Frau gestorben war, heiratete er 1937 Medy Vanderhock, eine Ballettmeisterin aus Bremen. Neben zwei eigenen Kindern Hildegard und Wilfried adoptierten sie zwei weitere Mädchen (eine davon war Elisabeth, eine Liliputanern).
Friedrich Wilhelm Siebold starb 1944. Die junge Witwe Medy Siebold führte den Betrieb bis 1957 weiter. Sie starb 1991.

© Dr. Margit Ramus

Stadler, Andrea, Siebold 1880 –1944 Schausteller und Ingenieur. (Aufsatz)
Gespräch der Verfasserin mit Frau Pfennig, einer Verwandten der Familie Siebold, im Markt- und Schaustellermuseum Essen 2009.

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