Historische Schaustellergeschäfte A - Z

Schiessbuden 1930er-1950er Jahren

Schiess-Halle der Firma Kebben um 1880. © Archiv Ramus
Name(n) des Geschäftes Schiessbude
Typologische Bauaufgabe Spielgeschäft
Bauform Pavillonbau
Baujahr 1930 ff
Hersteller Eigenbau
Maler Fritz Laube
Dekorationsthema Jagd-Szenen
Bauherr / Inhaber

Baugeschichte

Im Jahre 1839 wird auf dem Münchner Oktoberfest das erste Mal ein einfacher, offener Stand als Bolzenschießstätte, erwähnt. Die ersten mobilen Schiessbuden erscheinen wahrscheinlich in den 1870er Jahren. Sie waren anfangs zweigeteilt, ein überdachter Schießstand und ein überdachter Zielstand. Bereits in den 1920er Jahren werden kleine Buden in Eigenbau hergerichtet, die an der Längsseite mit einer Sockelzone geschlossen wurden, wie auf der Abbildung von der Schiess-Halle der Firma Kebben zu sehen ist.
Es wurde auf Tonpfeifen, Tonscheiben, gemalte Szenerien oder auf bewegliche Zielscheiben in Form von Juxfiguren u.a. die durch ihren Mechanismus humorvolle Bewegungsabläufe in Bewegung setzten, geschossen.

Ton-Pfeifen wurden über Nägel gestülpt, die in Holzleisten eingeschlagen waren. Foto 2009. © Archiv Ramus

Das Blumenschiessen wird erst ab den 1930er Jahren erwähnt. Daneben wurde auf fortlaufendes Jagdwild geschossen. Später wurde das Walzen- und Fontäneschiessen und Korkenschiessen entwickelt.

Baubeschreibung

Ein rechteckiger Raum mit Pultdach war nach vorne mit einer etwas zurückgesetzten Sockelzone geschlossen. Drei oder mehr pilasterähnliche Stützen trugen Dekorationstafeln, die die Fassade nach oben abschlossen. Auf die Panneaux des Sockels waren Platten als Verkaufsfensterbrüstung aufgelegt. Darauf wurden die Gewehre abgelegt. In anderen waren zusätzlich Schießhilfen eingestellt.
Der Maler Fritz Laube malte nach dem Zweiten Weltkrieg einige Fassade von älteren Schiessbuden, die bereits vor dem Krieg meist als Eigenbauten, in Betrieb gewesen waren.

Dekoration

Die Funktion der kleinen Bude sowie seine Studien der Bewohner Afrikas inspirierten Fritz
Laube, verschiedene Jagdszenen auf der Schmuckdachkante darzustellen. Raubtiere wurden mit Pfeil und Bogen sowie Speeren von geschmückten Jägern bekämpft.
Die offene Komposition zeigt eine Abfolge von Kampfszenen, starr gestellt vor weißem Hintergrund. Die Darstellung erscheint anonym ohne Erkennungswert. Die Stützen und die beiden spitz zulaufenden Bögen, die den offenen Raum nach vorne abgrenzen, sind mit schleifenförmigen Ornamenten, Ranken und Kreisspiralen geschmückt.

Laube malte die Front der kleinen Schiessbude nach dem Zweiten Weltkrieg © Archiv Laube

Eine weitere Schießbude von Wilhelm Krameyer sen. wurde ebenfalls von Laube bemalt. Ganz anders zeigt sich die Gestaltung dieser treppenförmig angelegten Schmuckdachkante. In einer geschlossenen Komposition wird eine Begebenheit während einer Falkenjagd im Bild erzählt. Eine elegante Dame, auf dem Damensitz zu Pferd, reitet durch eine mit Gräsern und Sträuchern bewachsene Landschaft. Auf ihrer Hand hält sie einen Falken. Drei Reiter in kostbare Kleidung kommen im schnellen Galopp angeritten. Links im Vordergrund sitzt ein weiterer Mann am Boden, ein Falkner, der seinen Arm den Reitern entgegenstreckt. Ein zweiter Greifvogel sitzt ihm zur Rechten. Drei Stützen sind dem Bau vorgesetzt. Sie sind mit Ornamenten geschmückt. In die beiden Fensteröffnungen sind Lichtleistenbögen mit je drei Lampions eingehängt. Auf die Sockelverkleidung sind Blumenranken gemalt. Sie stehen im Gegensatz zu der dargestellten Dynamik auf der Schmuckdachkante und der Funktion des Bautypus.

Schiessbude der Firma Krameyer. © Archiv Laube

Auf der Rückwand sind mehrere Holzleisten mit ein geschlagenen Nägeln horizontal angebracht. Die Nägel dienen zum Überstülpen von Tonröhrchen, in die Blumen eingesteckt sind. Beim Abschuss des Tonröhrchens gab es die Blume als Gewinn für den Schützen. An der unteren Holzleiste sind längere Röhren angebracht, an die größere Gewinne gehängt sind. Stoffliche Vorhängebögen schließen den Innenraum nach oben und seitlich ab.

Die Schiessbude von Louis Fischer wurde ebenfalls Anfang der 1950er Jahre von Fritz Laube neu bemalt. Der Auftraggeber wählte jedoch den typischen Dekorationsstil der Vorkriegsjahre.
Die rechteckigen Bildträger der Schmuckdachkante sind mit Rankwerk gerahmt und mit Lichtleisten eingefasst. Sie sind bemalt mit Szenen aus der Sagenwelt. Thematisch nehmen sie Bezug auf die Funktion des Baus als Sport-­Schieß­-Halle auf. Dem Zentrum der Schmuckdachkante ist ein beidseitig geschweifter Aufsatz mit reichem Rollwerk aufgesetzt. In der Mitte ist eine Rocaille aufgelegt. Über den beiden äußeren Bildtafeln erheben sich kleine rundbogige Tafeln, die mit floralem Rankwerk und Wappen geziert sind. Die Sockelzone ist mit aufgemalten Ornamenten geschmückt. Vertikal ist der Raum in vier Bogenfelder unterteilt. Sie werden von Segmentbögen überspannt und mit Kugellampen dekoriert.

Provenienz und Verbleib

Über den Verbleib der Schießbuden ist nichts bekannt.

© Margit Ramus

Dering 1986.
Ramus 2013. Kat. Nr. 33.

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