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Kulturgut Volksfest

Umzug anlässlich des Historischen Jahrmarkts in Bonn. Foto Juli 2017 Archiv Ramus
Kulturgut, ein kleines Wort für eine große Sache, ein Wort für ein länderübergreifendes, traditionelles Gut, welches die jeweilige Kultur ausmacht.

Volksfest, ein vielversprechendes Wort für festliches Zusammensein, Gelegenheit zum Essen und Trinken, zum Fröhlichsein.
Außerdem ist Volksfest, eine allgemein gebräuchliche Bezeichnung für eine Festart, die in den einzelnen Regionen Kirchweih, Kerbe, Messe, Dult, Jahrmarkt, Schützenfest oder Kirmes genannt wird. Charakteristisch ist die Belustigung und Unterhaltung.
Die Feste werden seit über 1000 Jahren von einer Generation an die nächste Generation, zur Freude des Volkes weitergegeben, deshalb sind Volksfeste ein Teil unseres Kulturgutes.
Daraus resultiert die Berechtigung, die Volksfestkultur als immaterielles Kulturerbe zu bezeichnen, welche sich durch seine Vergangenheit, seine Gegenwart und seine nahe Zukunft auszeichnet. Ein Antrag des DSB auf Anerkennung bei der UNESCO wurde leider nicht anerkannt.

Man unterscheidet verschiedene Ursprünge von Volksfesten.
Das älteste verbriefte Fest hat einen sakralen Hintergrund. Ein Sakrales Fest ist meist durch Urkunden belegt. Diese Feste fielen und fallen fast immer mit der jährlich stattfindenden Kirchweihe und der Feier des heiligen Schutzpatrons zusammen.

Ein weitere Form des Volksfestes ist das Schützenfest. Im ausgehenden Mittelalter hatten Mitglieder von Schützengemeinschaften zunächst militärische Verteidigungsaufgaben der wachsenden Städte zu bewältigen. Später wurden Schießwettbewerbe durchgeführt. Es folgte ein Schießen nach dem Vogel. Es entstanden Schützengilden.

Eine dritte, jüngere Festart ist ein Höfisches Fest. Dafür wird der selbstständige Begriff Volksfest verwendet. Die Höfischen Feste entstanden erst im 19. Jahrhundert. Anlässe waren Krönungen, Hochzeiten, u.a. Das wohl bekannteste Beispiel ist das Münchner Oktoberfest, das sich aus den Hochzeitsfeierlichkeiten der Vermählung von Kronprinz Ludwig und Prinzessin Therese Charlotte Louise von Sachsen-Hildburghausen entwickelte und heute in der ganzen Welt bekannt ist.

Volksfeste, egal welchen Ursprungs, waren von je her für das Volk und auch für die Städte eine besondere soziale Bereicherung und hatten auch eine  lukrative volkswirtschaftliche Bedeutung.
Zum Beispiel folgte nach der religiösen Handlung eine Prozession, bei der Reliquien eines Heiligen öffentlich zur Schau getragen wurden. Danach schloss sich eine weltliche Feier in der Domimmunität an.
Es war eine willkommene Unterbrechung im mittelalterlichen Alltag der Bevölkerung. Denn die Besucher brachten neue Nachrichten. Bekanntschaften wurden geknüpft und Ehen geschlossen.
Ohne Zweifel förderten die Märkte den wirtschaftlichen Aufschwung eines Orts. Es wurde gekauft, gehandelt und verkauft. Allerdings hing die Entwicklung der Märkte von der Lage des Orts an Fern- und Handelsstraßen, und auch vom Standort der Volksfeste und von der ökonomischen Situation des Umlands und seinen Bewohnern ab.
Es ist überliefert, dass man bei wachsenden Bevölkerungszahlen und der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert den Jahrmarkt und später auch die Schützenfeste als Ort des Handels, des Vergnügens und der Einführung technischer Errungenschaften verbanden. Es wurden zum Beispiel der Phonograph, der Kinematograf, die Röntgenstrahlung oder das Automobil auf Jahrmärkten erstmals vorgestellt.
Daneben waren Schausteller innovativ und ihre praktischen Erkenntnisse an Dampfmaschinen und anderen Geräten wurden auch von der Industrie übernommen. Dazu kamen die Landwirtschaftsmessen, die oft den Höfischen Festen angeschlossen wurden.

Neben dem Handel und den sozialen Aspekten wurden auch einfache Bewegungsapparate zur Belustigung angeboten. Sie sind auf Stichen und Bildern des späten Mittelalters überliefert.
Deshalb beginnt auf den Volksfesten die Entwicklung der Karussells, Belustigungen und Verkaufsstände.
Frühe Karussells und Belustigungen waren zunächst rein funktionale Baukörper.

Für die horizontale Bewegung waren an hölzernen Drehkreuzen, Sitzmöglichkeiten befestigt.
Für die vertikale Drehvorrichtung hatte man eine offene Radkonstruktion aufgestellt.
Nach rechts und links führende Schaukelbewegungen erfolgten mittels einfacher Konstruktion, bei der eine Sitzgelegenheit zwischen zwei Stützen eingehängt war.

Die ersten Belustigungsgeschäfte waren meist einfache, hölzerne Baukörper, die mit Planen geschlossen waren. Dort wurden Abnormitäten und Länderschauen vorgeführt.

Schießvorrichtungen und Wurfspiele wurden nicht selten unter freiem Himmel oder in einfachen, marktstandähnlichen Holzgestellen, die ebenfalls mit Planen überzogen waren, angeboten. Diese wurden auch zum Verkauf von Back- und Wurstwaren genutzt.

Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erlebten die Volksfeste einen enormen Wandel und der professionelle Bau von Karussells begann.
Die Herstellung von Karussells war zunächst kein zu erlernender Berufszweig, sondern entwickelte sich meist aus dem Handwerk des Zimmermanns oder Stellmachers. Später kamen Konstrukteure und Ingenieure dazu. Inzwischen wird unter dem Oberbegriff Herstellerfirmen von Karussells und anderen Bauaufgaben im Schaustellergewerbe ein ganzes Team von Fachkräften, die für Planung, Gestaltung, Ausführung und Sicherheit zuständig sind, zusammengefasst.

Das Volksfest steht in einem direkten Bezug zur historischen Kultur- und Kunstgeschichte.
Alle Baukörper der Karussells und sonstigen Volksbelustigungen wiesen zunächst weder Dekoration noch einen erkennbaren Bezug zur Architektur auf. Dies ändert sich erst Ende des 19. Jahrhunderts.
Ab etwa 1870 bis zum Zweiten Weltkrieg waren die Karussells und alle anderen Volksbelustigungen mit Zitaten des Barocks, des Rokokos oder mit Jugendstilelementen gestaltet. Sie fanden ihre Vorbilder im Lebensstil der Feudalgesellschaft.
Nach dem Zweiten Weltkrieg begann auch in der Volksfestkunst die Moderne. Sie ermöglicht in der Dekoration von Schaustellergeschäften einen Vergleich zu den Stilepochen der bildenden Kunst.
Der Rundbau, der Hallenbau, der Skelettbau sowie der Pavillonbau als Grundbauformen der Schaustellergeschäfte, orientieren sich ohne Zweifel an Bauformen, die aus der Architektur bekannt sind.
Deshalb ist die kulturhistorische Bedeutung von Karussells und anderer Vergnügungsobjekte auf Volksfesten sowie die Entwicklung ihrer Dekorationen ein globales Zeugnis der Kultur- und Kunstgeschichte.

© Margit Ramus

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