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Höllenblitz

5 Höllenblitz Renoldi 2007 © Sammlung Mark Schumburg
Name des Geschäftes Höllenblitz
Typologische Bauaufgabe Hochgeschäft
Bauform Hallenbau
Baujahr  2006/7
Hersteller Stein / Gerstlauer / Renoldi
Konstruktion Ingenieurbüro Werner Stengel München
Bemalung Maciej und Maria Bernhardt
Figuren Hofmann in Bad Rodach bei Coburg
Maße und Gewicht der Anlage 50 Meter Breite, 30 Meter Tiefe,  Fassadenhöhe 32 Metern
600 Tonnen
Transporte 65 Transport-Fahrzeuge
Bauherr / Inhaber Kla­us Renoldi jr.
Baugeschichte

Ursprünglich wurde diese Indoor-Achterbahn unter dem Namen Magic Mountain betrieben. 
1997 wurde die Fassade in eine Weltraumthematik verwandelt und die Firma Renoldi reiste bis zum Saisonende 2006 mit der Indoor-Achterbahn unter dem Namen Star World.
Im Winter 2006/2007 wurde die Anlage vollständig umgestaltet und erlebte die Premiere als Höllenblitz auf dem Stuttgarter Frühlingsvolkfest im Jahre 2007.
Der Höllenblitz wird vom Inhaber als größte transportable Indoor-Schienenbahn der Welt bezeichnet. Für den Transport der insgesamt 600 Tonnen schweren Konstruktion werden 65 Transporte benötigt.

Baubeschreibung

Der rechteckige Hallenbau mit Pultdach hat die Maße von 50 Meter Breite, 30 Meter Tiefe und einer Fassadenhöhe von 32 Metern. Der Hallenbau ist an den Seiten und nach hinten mit Planen geschlossen. Zum Betrachter hin ist dem Bau ein gigantischer Kulissenbau vorgesetzt, der das Stahlgerippe einer Achterbahn im Innern verbirgt.
Die ehemalige Schienenführung des Magic Mountain / Star World, wurde gemeinsam mit dem Ingenieurbüro Werner Stengel leicht verändert. Die erste Abfahrt, bei der die Bahn sichtbar für das Publikum außerhalb der Halle fährt, wurde fast bis in die untere Ebene heruntergezogen.
Drei Züge, bestehend aus 15 Wagen, wobei der erste jeweils als Minen- Lore gestaltet ist, führen über eine Schienenhöhe bis 18 Metern mit maximaler Geschwindigkeit von 80 km/h durch die Indoor-Achterbahn.
Die einzelnen Wagen, jeweils mit zwei Sitzplätzen, sind frei drehend gelagert und können sich während der gesamten Fahrt unkontrolliert um die eigene Achse drehen.
Im Innern werden die Fahrgäste mit Lasern, verschiedenen Geräuschen von quietschenden Eisenrädern, fahrenden Loren, rasselnden Ketten, Holzknarren, Wasserfällen, Steinschlägen sowie Feuerexplosionen überrascht.

Galerie Aufbau der Anlage
Dekoration

Für die gesamte dekorative Gestaltung wurde das Düsseldorfer Künstlerehepaar Maciej und Maria Bernhardt gewonnen. Beeindruckt und überzeugt hatte Bernhardt mit der Präsentation seines Modells der gewaltigen Fassade. Durch die klassische Pinseltechnik und die Perspektive, die Bernhardt auf den Bildflächen erzeugen wollte, entsprachen dessen Entwürfe in allen wesentlichen Punkten den Wünschen des Auftraggebers.

Thematisiert ist eine alte Goldgräbermine, die in eine riesige Felsenwand aus Steinquadern eingebettet ist.
In Zentrum der Fassade stürzt ein 15 Meter breiter Wasserfall 25 Meter in die Tiefe. 1.800 Kubikmeter Wasser werden dort mit einer Umlaufpumpe pro Minute transportiert.
Flankiert wird der künstliche Wasserfall von Felsfragmenten, in die riesige Köpfe mit völlig verzerrten Gesichtern und weit aufgerissenen Mündern eingefügt sind.
Als Interpretation der Bildinhalte bietet sich die Personifikation der Habgier an. Eine Akzentuierung der Gier erfolgt, indem die Eingänge ins Innere der Mine durch die Mundöffnung der Fratzen führen.
Vertikal wird die Felsenwand an einigen Stellen durch eine gemalte Fläche unterbrochen.
Vor einem hell erleuchteten Hintergrund erweitern bildhaft dargestellte Schienen, Stollen und Abstützungen imaginär die Streckenführung der Minen-Loren. Viele Dekorationselemente wie Fässer, Werkzeuge und Wagen sowie Minenarbeiter runden das Bild einer betriebenen Goldmine ab.
Besondere Akzente setzen die vielen großen und kleinen Skulpturen, die der Fassade in einem Vorhof innerhalb der Mineneingrenzung vorgesetzt sind.
Der alte Berggeist Petzy steht als riesige Animationsfigur im Dialog mit Rusty, dem altem Goldgräber.
Rechts und links der Anlage sind die Kassenhäuser und verschiedene Holzhütten sowie unzählige Utensilien einer Mine platziert.
Seitlich der Anlage ist eine große LED-Leinwand in eine Holzhütte eingelassen. Dort laufen für die Volksfestbesucher ein Begrüßungsfilm und eine Einführung in die Technik des Höllenblitzes.
Als Kommentator fungiert wieder Rusty, der zuvor in einer Animation einige lokale Sehenswürdigkeiten, der jeweiligen Stadt entsprechend, besucht hat und so das Interesse der Besucher auf sich zieht.
Abgeschlossen wird die Fassade nach oben mit einem Höllenblitz-Leuchtschrift-Display. Die Schrift ist etwa zwanzig Meter lang und drei Meter hoch. Etwa 100 000 LED-Leuchten werden automatisch geschaltet und bieten bei Dunkelheit ein phantastisches, wechselndes Farbenspiel.
Der zusätzliche Name Coaster spricht auch das internationale Publikum an und weist expliziert auf die inliegende Achterbahn hin.
Ein recht ungewöhnlicher und ungewohnter Anblick ist die Bemalung der ca. 300 qm großen Planen, welche die zwei Seitenwände und die Rückwand verkleiden. Dadurch wird eine geschlossene Komposition erreicht und das gesamte Bauwerk gibt sich von allen Seiten als felsige Goldmine zu erkennen.
Am Abend erhellen eine Unzahl von Scheinwerfern und indirekte Beleuchtungskörper die gesamte Fassade. Sie hüllen die Goldmine in eine gespenstische Abenteuer- und Erlebniswelt für jeden Festplatzbesucher.

Galerie Dekoration der Anlage
Verbleib

Bis ins Jahr 2020 beschickte Familie Renoldi die großen Volksfeste in der BRD. Auch nach dem Corona-Jahr wird die Indoor-Achterbahn sicherlich wieder viele Volksfestbesucher begeistern.

© Margit Ramus

Die Fotos in den Galerien sind mit Genehmigung von Mark Schumburg eingestellt. Bitte unbedingt sein Copyright © beachten.

 

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