Schaustellerfamilien A - Z

Hoche / Hölzgen

1981 Pützchens Markt Karla Hölzgen und sein Sohn Uwe. ©Archiv Hoche/Hölzgen

Familie Josef Hoche & Karl Hölzgen

Schausteller-Tradition seit 1888

Am 10. März 1966 feierten Josef Hoche (26.01.1888 – 08.01.1967) und seine Frau Katharina geb. Schoeneseifen (22.02.1895-28.01.1981) das Fest der Goldenen Hochzeit.

In der Laudatio im Bonner General Anzeiger wird Katharina Hoche als „Manager[in]“ beschrieben, die resolut den Betrieb dirigierte und daneben auch gerne als Fastelovendsjeck im Karneval feierte.

Es war ein ungleiches Paar, die große, stämmige, energische, geliebte und gefürchtete Katharina, die bis heute unter dem Namen Tante Trina vielen in Erinnerung geblieben ist, und der etwas kleinere, ruhige Josef. Von seiner Frau als Einsiedler bezeichnet.
Trotzdem oder gerade deshalb haben Josef und Katharina Hoche die 50 gemeinsamen Ehejahre geschafft und schauten mit Stolz auf ihr Leben zurück.

Beide stammten aus Bonner Schaustellerfamilien, die seit vielen Jahrzehnten zu den Beschickern des Pützchens Marktes gehörten.

Die Eltern von Katharina, die Schaustellerfamilie Josef II. (1860-26.10.1924) und Katharina Schoeneseifen geb. Scharf (18.10.1860-03.11.1952) waren anfangs mit einer Meerschweinchen-Verlosung, später mit der Verlosung Glücks-Haus und mit einem Kettenkarussell gereist.
Der Vater Josef Schoeneseifen III. bekleidete lange Zeit das Ehrenamt eines Gemeindeverordneten in Bonn/Beuel. Die Familien Schoeneseifen und Hoche gehörten schon 1958 zu den „treuesten Goldjubilaren“ des Pützchens Marktes. (General Anzeiger vom 13/14.09.1958).

Die Eltern von Josef Hoche waren schon vor 1900 mit einer, von der Firma Friedrich Heyn gebauten Berg- und Talbahn mit dem abenteuerlichen Namen „Das Ungeheuer von Loch-Ness“ auf dem Pützchens Markt.
Neben diesem Karussell betrieben sie auch ein Kettenkarussell und eine Schießhalle mit mechanischen Figuren. Josef Hoche war eines von neun Kindern.
Der General Anzeiger schrieb 1958, dass Josef Hoche bereits, bevor er habe laufen können, seine Eltern zum Jahrmarkt in Pützchen begleitete. Der Vater hatte jedoch Wert daraufgelegt, dass seine Kinder zu Hause zur Schule gehen sollten und nicht auf der Reise. Deshalb forderte er seinen Sohn dazu, eine Lehre in Fotographie und Kinematografie zu machen. Nach erfolgreichem Abschluss stellte die Familie bereits um die Jahrhundertwende „fotografische Apparate“ auf dem Pützchens Markt vor und fotografierten die Besucher.

Das erste Geschäft der jungen Eheleute Hoche war der prunkvoll dekorierte Kettenflieger, den Josef Hoche von seinen Eltern bekommen hatte. Die überlieferte Abbildung ist auf 1910 datiert.
Gemeinsam erwarben sie eine Verlosungsbude, Fortuna genannt. Sie war anfangs von allen Seiten geöffnet, wurde aber nach dem Zweiten Weltkrieg in der Länge geteilt. Die beiden Längsseiten wurden nebeneinander aufgebaut und bekamen eine geschlossene Rückwand. So entstand eine riesig lange Verlosungsbude, die viele Jahrzehnte auf dem Pützchens Markt aufgebaut wurde.

Schon bald vergrößerte sich auch die Familie. Zwischen 1917 und 1934 bekam das Paar fünf Kinder. Schwer war der Verlust des vierjährigen Sohnes Hans-Herbert im Jahre 1924, der an einem Stromkabel hängen blieb. Aber noch mehr traf die Nachricht vom Tod des 25-jährigen Sohnes Gottfried. Er hatte sich 1942 freiwillig zur Ostfront gemeldet und war genau auf den Tag, nur vier Monate später gefallen.

Noch vor Beginn des Zweiten Weltkrieges hatte die älteste Tochter Anneliese den Schausteller Karl(a) Hölzgen aus Koblenz geheiratet. 1939 bekam das Paar eine Tochter, Marie-Luise. Das kleine Mädchen starb im Alter von 3¾ Jahren an Diphtherie. Das Paar trennte sich.

Bis weit in die zweite Hälfte des Krieges wurden teilweise die kleinen Kirmesveranstaltungen und Schützenfeste im Köln-Bonner Raum noch abgehalten, sodass es der Familie der Zeit entsprechend noch verhältnismäßig gut ging und niemand Hunger, Kälte oder sonstige Not erleiden musste.

Endlich war der Zweite Weltkrieg aus und es herrschte überall Aufbruchstimmung. Die ersten kleinen Volksfeste wurden wieder abgehalten. Auch für das Schaustellergewerbe sollte es bald bergauf gehen.

1946 heiratete Resi Hoche den geschiedenen Mann ihrer Schwester, Karl(a) Hölzgen. Karla verließ seine Heimatstadt Koblenz und siedelte nach Bonn zu den Schwiegereltern. Ein Jahr später wurde der Sohn Uwe geboren.

Durch den Zuwachs in der Familie erwarb Josef Hoche schon ein Jahr nach Ende des Krieges, 1946 von der Firma Heinrich Mack einen Holzpfosten-Autoskooter.
Der 1934 als Nachkömmling geborene Sohn, der ebenfalls Hans-Herbert genannt wurde, half nun mit seinen 12 Jahren, neben der Schule im elterlichen Betrieb mit. Die Familie soll auch ein Teufelsrad betrieben haben. Leider ist kein Bildmaterial davon überliefert.

Inzwischen hatte die Familie Hoche, die bisher in der Bahnhofsstraße in Beuel Grund und Boden besessen hatte, ein größeres Grundstück in der Broichstraße 109 in Bonn-Üdinghoven erworben.

1952 gehörten Katharina Hoche und Karl Hölzgen zu den Gründungsmitgliedern des Schausteller- und Geselligkeitsvereins Bonn e.V., unter der Leitung des Ersten Vorsitzenden, Josef Schoeneseifen.

Im Jahre 1957 nahm Josef Hoche zum 69. Mal am Pützchens Markt teil und wurde öffentlich dafür geehrt. Dies belegen Dokumente, die im Bonner Stadtarchiv aufbewahrt sind.
Katharina Hoche erhielt 1965 die Treue Urkunde für 50 Jahre Teilnahme am Pützchens Markt.

Die Tochter Resi und ihr Mann Karl Hölzgen übernahmen das Kettenkarussell und betrieben die Fortuna-Verlosung der Eltern. Sie kauften in der Rheinaustraße in Bonn von ihrer Tante Josephine Müller zunächst den vorderen Teil eines Grundstückes mit einem alten Haus. Nach dem Tod des Johann Müllers erwarben sie das gesamte Grundstück. Welches zu Gunsten eines Hausbaus auf der Broichstraße bald wieder veräußerst wurde. Obwohl sie getrennte Betriebe führten, blieb der Zusammenhalt der beiden Familien für viele Jahrzehnte bestehen.

Karla Hölzgen engagierte sich damals bei den Bonner Kirmesveranstaltungen. So wurde ihm eine Ehren Urkunde und die Ehrenmitgliedschaft vom Bürger-Schützen-Verein-Delhoven 1926 e.V. verliehen. Auch beim Pützchens Markt bleibt er unvergessen.

Aufgrund seiner Initiative wurde 1957 die Benefizveranstaltung für Waisenkinder und Behinderte eingeführt. Zunächst sollte sie nur den Dienstagmorgen auf dem Pützchens Markt beleben, aber sie wurde von allen Beteiligten, den Bonner Bürgern und natürlich von den Kindern mit Begeisterung aufgenommen, sodass es zur Tradition wurde. Außerdem schlug Karla Hölzgen vor, zur Eröffnung des Pützchens Marktes, Bonns ältere Bürgerinnen und Bürger einzuladen.

Auch in der Vereinsarbeit für die Schausteller war Karl Hölzgen rege. 1967 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des Schaustellerverein Bonn e.V. Am 9. März 1978 wurde er zu dessen Ehrenvorsitzenden ernannt und erhielt für seine besonderen Verdienste zur Gründung des Verbandes die Goldene Vereinsnadel.

Im gleichen Jahr, am 9. Juni 1965 erhielt er außerdem die Ehrennadel in Gold für die Förderung der Circus- und Schaustellerseelsorge von dem Schausteller-Seelsorger Pastor Heinzpeter Schöning.

Später wurde er über die Tore Bonns hinaus bekannt und 1980 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz am Bande, für die Einführung des „Tags der Waisenkinder“ verliehen. Beauftragt von Bundespräsident Karl Carstens, übernahm Bürgermeister Hans Steger im Rathaus die Ehrung.
Hans Lennarz, Bezirksvorsteher von Bonn sagte damals: „Karl Hölzgen gehört zum Pützchens Markt, wie Beethoven zu Bonn.“

Noch einmal zurück in das Jahr 1960.
Josef Hoche bestellte bei der Firma Mack einen neuen Acht-Säulen-Autoskooter. Den er gemeinsam mit seinem Sohn Hans-Herbert und dessen Frau betrieb. Den bewährten Holzpfosten-Autoskooter übernahmen die Tochter Resi, ihr Mann und der bereits heranwachsende Sohn Uwe.

Aus den Beschickerlisten des Pützchens Marktes geht hervor, dass die Familien Hoche und Hölzgen 1962 mit acht Geschäften auf dem Pützchens Markt vertreten waren. Inzwischen waren auch ein Imbiss und ein Ausschank angeschafft worden.

Nach dem Tod des Vaters 1967 übernahm Hans-Herbert Hoche den Autoskooter, der heute noch von seiner Tochter Anja Hoche mit deren Mann betrieben wird. Eine Zeit lang blieb Katharina Hoche bei ihrem Sohn, die letzten Jahre ihres Lebens verbrachte sie bei ihrer Tochter Resi. 1981 starb sie im Alter von 86 Jahren.

Der Betrieb von Karla Hölzgen ging mit der Zeit immer mehr auf den Sohn Uwe über. 1969 wurde bei Heinrich Mack ein neuer Autoskooter bestellt. Er blieb bis etwa 2005 in der Familie.
1987 erwarb Uwe Hölzgen, der seit 1970 mit der Schaustellertochter Marion Mark aus Düren verheiratet war, mit der Firma Jakob Wolters ein Festzelt. Schon nach der ersten Saison übernahm Uwe Hölzgen das Festzelt alleine.

1989 kaufte die Familie Uwe Hölzgen ein zweites, um ein vieles größeres Festzelt. Mit diesem Festzelt, indem 2500 Besucher Platz fanden, beschickte man viele Großveranstaltungen: Düsseldorfer Schützenfest, Cranger Kirmes, Pützchens Markt, Bremer Freimarkt, Oldenburger Krammarkt, Soester Allerheiligen Kirmes, Hamburger Dom und andere.

Die Firma Hölzgen, in der seit vielen Jahren auch die Tochter von Hans-Herbert Hoche, Marie-Luise stark engagiert ist, zeichnete sich durch Fleiß, Organisationstalent, sowie ein vorbildlicher Zeltbetrieb mit gutem Rahmenprogramm aus.

Anfang der 1990er Jahre trennten sich Marion und Uwe Hölzgen. Uwe führte mit seiner neuen Partnerin Jeanette Traber und seiner Cousine Marie-Luise den Zeltbetrieb weiter.

Marion Hölzgen übernahm den Imbiss und Ausschank-Betrieb mit dem sie seit 1974 ohne Unterbrechung auf dem Pützchens Markt und auch auf dem Bonner Weihnachtsmarkt vertreten ist. Im Jahr 2000 ließ sie sich bei der Firma Hellmich einen neuen Imbiss bauen. Inzwischen steht ihr die Tochter Carla zur Seite.

Im August 2009 überlebte Uwe Hölzgen nur knapp einen Autounfall. Die Spätfolgen machten seiner Karriere als Zeltwirt ein jähes Ende. Das Zelt wird heute von Jeanette Hölzgen, Dajana Traber und Philipp Traber weitergeführt.

Auch im Jubiläumsjahr 2017 wird das Festzelt im Sinne von Uwe Hölzgen auf dem Pützchens Markt für viele Menschen ein Ort zum Feiern und Fröhlich sein werden.

 © Margit Ramus

Einen Überblick über die Ahnenreihe finden sie unter folgendem Link:

Tabellarischer Stammbaum der Familien Josef Hoche und Karl Hölzgen

Alle Angaben zur Familien- und Firmen-Chronik wurden von Marie-Luise Schmitz geb. Hoche gemacht. Marie-Luise Schmitz hat die Richtigkeit des Inhalts bestätigt.

Das Fotomaterial sowie die Dokumente aus den Archiven © Hoche und Hölzgen zur Verfügung gestellt und die Veröffentlichung schriftlich von Marie-Luise Schmitz genehmigt.

 

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