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Mack

Die Philosophie von Heinrich Mack: Die Welt ist unser Feld!
Die Welt ist unser Feld!

Firmendaten HEINRICH MACK  Karussell- und Wagenbau 1850

1780 gründet Paul Mack einen Stellmacher-Betrieb

Die Geschichte der Familie Mack beginnt im Jahr 1755 als in Siensbach dem Ehepaar Elisabeth und Christian Mack ein Sohn namens Paul (1755–1833) geboren wurde. Nach der Schule wollte Paul nicht in den landwirtschaftlichen Kleinbetrieb des Vaters sondern erlernte das Wagner-Handwerk. (Thoma 1988. S. 95)
1779 heiratete Paul Mack Anna Maria Imhoff. Er verließ das Heimatdorf und gründete 1780 mit 25 Jahren eine Stellmacherei in dem kleinen Ort Waldkirch im Breisgau.
Paul Mack fertigte als Einmannbetrieb für Bauern und Bürger alle gebräuchlichen Wagen, vom Ochsenkarren und Leiterwagen bis zum Schlitten. Sein besonderes Ansehen in Waldkirch belegt, dass er bereits 1790 das Amt des Brunnenmeisters erhielt. Für die damalige Zeit eine besonders verantwortungsvolle Ausgabe, denn dem Brunnenmeister unterstand die allezeit ausreichende Wasserversorgung der Bürger und dessen Reinlichkeit. (Thoma 1988. S. 8-10)

Im Jahre 1794 wurde Sohn Johann (1794-1849) geboren. Auch er erlernte das Wagner-Handwerk. Er arbeitete im elterlichen Betrieb und heiratete 1819 Maria Anna Trenkle. 1822 wurde Sohn Heinrich geboren. Auch er trat später in die beruflichen Fußstapfen des Vaters und Großvater.
Durch den Vater bereits mit den Aufgaben des Brunnenmeisters vertraut, wurde Johann Mack 1830 nach dessen Rücktritt als Nachfolger bestellt.

1830 übernimmt Johann Mack den Handwerksbetrieb

Etwa zeitgleich mit der Bestellung zum Brunnenmeister übernahm Johann Mack auch den väterlichen gut florierenden Handwerksbetrieb. Er baute das Angebot von Postkutschen, Landauer und Omnibusse weiter aus. Für seinen Sohn Heinrich I. (1822–1886), der genau wie er selbst in der Werkstatt groß geworden war, stand schon früh fest ebenfalls das Wagner-Handwerk zu erlernen.
Nach dem Tod seiner ersten Frau heiratete Johann 1834 Theresia Rösch aus Waldkirch. Er starb 1849. Daraufhin bestellte der Rat der Stadt Heinrich Mack als neuen Brunnenmeister. (Thoma 1988. S. 14-16)

1849 übernimmt Heinrich Mack I. nach dem Tod des Vaters den Betrieb

Heinrich Mack I. erweiterte den Betrieb 1858 um eine Schmiedewerkstatt. Neben dem Brunnenmeister-Amt wurden Schlitten, Postkutschen, Landauer und sonstige Wagen angefertigt. Außerdem Schubkarren, Steigleitern und Wasserrohre. Überliefert sind auch Dachdeckerarbeiten, Reparaturen an Feuerwehrfahrzeugen und sonstige Schmiedearbeiten.
Heinrich Mack I. behielt das Amt des Brunnenmeisters bis zum Jahre 1862, indem er freiwillig zurücktrat. Die Familie Mack hatte insgesamt 72 Jahre lang dieses wichtige Amt in Waldkirch inne. (Thoma 1988. S. 26)
Heinrich Mack I. konzentrierte sich von nun an ganz dem Ausbau seines Handwerksbetriebs. Schon bald erlangte er einen bedeutenden Ruf als Erbauer von Postkutschen und mehr-sitzigen Kutschen, sogenannte Omnibusse. Er entwickelte auch aufwendigen barocken Dekorationen der Wangen von Schlitten und Kutschen für die Feudalgesellschaft jener Zeit.

1880er Jahre  1. Kontakte zu Schausteller- und Zirkusunternehmen

Die ersten Kontakte zu Schaustellern hatte Heinrich Mack I. in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Es begann mit dem Auftrag des Waldkirchener Orgelbauer Ruth für einen Wagen zum Transport einer großen Orgel. Waldkirch hatte sich inzwischen zum größten Orgelbauzentrum seiner Zeit entwickelt. Die Orgelbauer Bruder und Ruth spezialisierten sich auf den Bau von Karussell-Orgeln, sodass der Bedarf an Wagen zum Einbau der Orgeln für Heinrich Mack I. einen neuen Gewerbezweig ergab.
Nach dem Bau einiger Orgelwagen lernte Heinrich Mack I. einige Schausteller kennen, die direkt bei ihm oder über den Orgelhersteller Wagen bestellten. Er erkannte schnell, den Bedarf an Wagen verschiedener Genre des aufkeimenden Schaustellergewerbes. Den ersten Luxus-Wohnwagen baute Mack für die Circus-Familie-Krone.
Es folgten weitere Aufträge von Wohn- und Packwagen für Schausteller- und Zirkusunternehmen.
Mack fertigte auch Besatzungsteile, z.B. Karussellschlitten, Pferde, Schwäne und andere Tiere für Boden- oder Etagenkarussells. Komplette Karussells baute er noch nicht, sondern verdiente sich zunächst als Zulieferer der ersten professionellen Karussellbauern.
Die neuen Bauaufgaben sind belegt durch Anzeigen, die Heinrich Mack I. im Jahr 1884 im „Komet“, der Fachzeitschrift für Schausteller inserierte. Dort heißt es unter anderem, dass die Firma Mack sich als Wagenbauer zur Anfertigung von Reise-, Wohn-, Salon- und Orgelwagen vorstellte.
37 Jahre führte Heinrich Mack I. das immer weiter expandierende Unternehmen sehr erfolgreich. Er starb unter mysteriösen Umständen auf einer Geschäftsreise. Weder Pferd, Kutsche noch er selbst wurden aufgefunden. (Thoma 1988. S. 85) In Folge wurde seinem 1850 geborenen Sohn Heinrich Mack II. 1886 die Firmenleitung übertragen.

1886 übernimmt Heinrich Mack II. nach dem mysteriösen Verlust des Vaters den Betrieb

Aufgrund einer Blitzeinschlages an Pfingsten 1893 brannte das Wohnhaus der Familie sowie der angebaute Betrieb völlig aus. (Thoma 1988. S. 89) Aber Heinrich Mack II. (1850-1914) baute ein neues, zweistöckiges Wohnhaus, eine Werkstätte, eine Wagenremise, Maschinenwerkstatt sowie 1905 ein weiteres zweistöckiges Haus mit Werkstätten und Wohnungen. In den Jahren bewältigte er viele planungstechnischen und baubehördlichen Probleme.
Um die Jahrhundertwende zum 20. Jahrhundert hatte sich die Firma Mack bereits einen Namen im Schaustellergewerbe gemacht. Der Bau von Orgel-, Transport-, und Wohnwagen expandierte. In Thüringen waren zeitgleich die Firmen Fritz Bothmann, Friedrich Heyn, Hugo Haase sehr erfolgreich mit dem professionellen Bau von Karussells und anderen Fahrgeschäften. Der deutsche Export in die ganze Welt begann.

1914 übernimmt Heinrich Mack III. den Betrieb

Im Jahre 1910 heiratete Heinrich III. (1882-1958) Theresia Burger. Mit ihr bekam er sieben Kinder. Eine Tochter, die 1911 geboren wurde und sechs Söhne. Der erste Sohn wurde 1912 nur drei Monate alt. Ein zweiter Sohn kam 1913 auf die Welt und erhielt wie die Familientradition es vorschrieb den Namen Heinrich.
Der junge Heinrich stieg jedoch nicht in das Familienunternehmen ein, sondern wurde Koch. Es folgten Hermann, der Schreiner, Alfred der Maler, er fiel im Krieg, Franz der Wagner- und Karosseriebauer und Willi Mack der Schmid. (Thoma 1988. S. 91)

Nach dem Ersten Weltkrieg begann Heinrich Mack III. mit der Konstruktion einer Holzachterbahn. Von den Nachkommen des Bremer Schaustellers Friedrich Wilhelm Siebold wurde berichtet, dass der Großvater mit Plänen einer Achterbahn zu Heinrich Mack III. gegangen sei. Gemeinsam mit Mack sei auf dessen Firmengelände die erste transportable „Szeneriebahn“ gebaut worden und 1921 ausgeliefert. Dass zumindest der Entwurf von Siebold erarbeitet worden ist, belegt die folgende Abbildung.
Nach wie vor lag jedoch der Schwerpunkt ihrer Produktion im Wagenbau.
Mitte der 1930er Jahre begann Heinrich Mack III. mit dem Bau von Autoskootern und Benzinbahnen. Im Archiv wird der Autoskooter des Schaustellers Louis Sartorius durch eine Abbildung aus dem Jahre 1936 belegt.

Aufbruch nach 1945

Nach dem Zweiten Weltkrieg lagen die bedeutendsten deutschen Herstellerfirmen von Schaustellergeschäften im Osten des geteilten Deutschlands. Die entstehende Marktlücke wurden im Westen schnell von bestehenden Firmen oder als Gelegenheit zur Neugründung genutzt. Florian Dering schreibt über die Firma Heinrich Mack:

„[…] ein wirkliches Gegengewicht bekam die Wagenproduktion aber erst in den 1950er Jahren, nachdem sich die Firma verstärkt mit dem Bau von Karussells, Skooterhallen, Belustigungen, Geisterbahnen und Schießwagen beschäftigte.“[4]

Nur wenige Jahre nach Kriegsende beginnt der gemeinsame Weg der Firma Heinrich Mack und der Familie Heinz Opitz.

In den ersten Jahren nach dem Krieg baute Heinrich Mack primär Autoskooter. Insgesamt wurden um die 150 Exemplare gebaut. Erst 1956 begann er mit der Weiterentwicklung der Berg- und Talbahn zur Bobbahn und 1967 zum Musikexpress. Es wurde die erfolgreichste Karussellkonstruktion der nächsten vier Jahrzehnte. Der Musik Express wurde mehr als 200-mal nach Deutschland verkauft wurde.
1957 konstruierte Mack den Prototyp einer Holzachterbahn der Wilden Maus.

Im gleichen Jahr beauftragte der Münchner Schausteller Heinz Distel gemeinsam mit seinem Kollegen Bausch bei Heinrich Mack den Nachbau des Karussells Scramble, welches Distel zuvor bei einem Besuch in Amerika gesehen hatte. Es war eine völlig neue Fahrweise. Außerdem bot das neu entwickelte, Offene Rundfahrgeschäft Calypso aufgrund der Wand, die das Karussell nach hinten abgrenzte völlig neue Dekorationsmöglichkeiten.

1958 übernehmen die Söhne Hermann, Franz und Willi Mack die gemeinsame Firmenführung

Als Heinrich Mack III. im Jahre 1958 starb, übernahmen die Söhne Hermann (1915-1984), Franz (1921-20xx) und Willi (1922) die gemeinsame Firmenführung des gesunden Unternehmen, welches von dem Leitsatz geprägt war: „Nur das Gute bricht sich Bahn und hält sich auf der Höhe. Die Welt ist unser Feld.“ (Thoma 1988. S. 227)

In den folgenden Jahren lieferten die Amerikaner manche Idee zur Konstruktion eines Karussells, die von der Firma Heinrich Mack aufgegriffen wurde. Gemeinsam mit ihrem Chefkonstrukteur Hans Drayer und den Designern und Malern Heinz Opitz sen. und jr. wurden Vorlagen amerikanischer Modelle konstruktiv und dekorativ für den deutschen anspruchsvollen Markt ausgearbeitet. 1967 wurde der erste Hully-Gully  ausgeliefert. Es folgten die Sprungschanze, die Schlittenfahrt, die Raupe u.a.
Heinrich Mack entwickelte sich in den 60er, -70er und 80er Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts zum erfolgreichsten Hersteller von Autoskootern, Karussells, Geisterbahnen, Lauf- und Belustigungsgeschäften sowie Spiel- und Verkaufswagen jeder Art.
1984 erhielt Franz Mack das Bundesverdienstkreuz.

1980er Jahre Generationswechsel in der Firmenführung

In den 1980er Jahren folgte in der Leitung des Betriebes ein nächster Generationswechsel.
Nach dem Tod von Hermann Mack im Jahre 1984 trat dessen Tochter Christel (1949) die Nachfolge des Vaters an. 1987 wurde ihr Ehemann Kurt Even (1948) Geschäftsführer und Gesellschafter.
Willi Mack übertrug anlässlich seines 65-jährigen Geburtstags seine gesellschaftlichen Rechte auf seinen Sohn Gerhard Mack (1956). Roland Mack (1949) wurde zum Vertreter seines Vaters Franz Mack und Manager des Europa-Parks. (Thoma 1988. S. 356)

Ab 2005 heißt die Firma Mack-Rides Waldkirch/Breisgau.
Inzwischen liegt der Schwerpunkt der Firma Heinrich Mack im Freizeitparksektor. Bereits 1975 fand die Eröffnung des Europa-Park in Rust/Baden statt. Geleitet wurde er bis 19xx gemeinsam von Franz Mack und dessen Sohn Roland Mack.

2015 ging Kurt Mack-Even in den Ruhestand. Neuer Geschäftsführer der Mack Rides GmbH & Co KG wurde Christian Freiherr von Elverfeldt. Lesen Sie dazu auch sein Grußwort. Christian Freiherr von Elverfeldt

© Margit Ramus,

Sommer

Dazu Schaustellergeschäfte im Archiv Kulturgut Volksfest:

Autoskooter
Jaguarbahn mit Holzpfosten
Musikexpress
Calypso
Diskothek

Ramus 2013. S. 94-97.
Thoma 1988.
Gespräche der Verfasserin mit Kurt Mack Even in Waldkirch 2005;2010;2016.

Ramus, Kulturgut Volksfest, Architektur und Dekoration, 2013, Katalog Nr. 23.

[2]  Ramus, Kulturgut Volksfest, Architektur und Dekoration, 2013, Katalog Nr. 24.

[3]  Dering, Volksbelustigungen, 1986, S. 74.

[4]  Dering, Volksbelustigungen, 1986, S. 74.

[5]  Ramus, Kulturgut Volksfest, Architektur und Dekoration, 2013, Katalog Nr. 29.

[6]  Gespräch der Verfasserin mit Kurt Even, Schwiegersohn von Hermann Mack in Waldkirch 2005.

[7]  Ramus, Kulturgut Volksfest, Architektur und Dekoration, 2013, Katalog Nr. 37.

[8]  Ramus, Kulturgut Volksfest, Architektur und Dekoration, 2013, Katalog Nr. 54.

[9]  Viele Informationen ergaben Gespräche der Verfasserin mit Kurt Even und Heinz

Opitz in Waldkirch 2005 f.

[10]  Ramus, Kulturgut Volksfest, Architektur und Dekoration, 2013, Katalog Nr. 41.

Ein Beitrag zu “Mack

  1. Roland Koch, Sonnberg 30. A Niedernsill

    Der erste große Verkaufswagen der Fa. H. Mack ( 10 m ) hatte 1937 auf dem
    Canstatter – Volksfest – Wasen Premiere, Georg Koch war der Besteller.
    ( Bild ist vorhanden )
    Das erste Festzelt wurde 1954 von der Fa. H. Mack als Weinzelt und 1957 als Wein und Bierzelt für die Firma Georg Koch aus Mannheim gebaut. Das große Zelt hatte 2400 Sitzplätze.
    Später baute die Firma Franz Mack das erste Verkaufsgeschäft mit Protzen der Fa.
    Klaus Memmingen Feuer Roland Koch, u.a.
    Wenn nötig sind Bilder von 1937 – 1957 vorhanden.

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