Schaustellergeschäfte A - Z

Go-Kart-Bahn

Moderne Autobahn des Hersteller Siebold 1930er Jahre Berlin vor dem Schloß Bellvue Archiv Siebold
Name(n) des Geschäftes Benzinbahn >> Go-Kart-Bahn
Typologische Bauaufgabe Selbstfahrergeschäft
Bauform Hallenbau
Baujahr 1928 ff
Hersteller Fritz Bothmann; Friedrich Siebold; Heinrich Mack
Maler Herber Sommer & Heinz Opitz sen.
Baugeschichte

Nur kurze Zeit nach dem Bau der ersten Autoskooter konstruierte Fritz Bothmann 1925/26 eine Autobahn, auf der mit Benzin angetriebene Fahrzeuge fahren konnten. Er nannte sie Avus-Autobahn. Heute bekannt unter Go-Kart-Bahn.

Im Gegensatz zum Autoskooter, wo der Spaß des Zusammenstoßens beabsichtigt war, bestand bei der AVUS­-Autobahn der Reiz eines sportlichen Autorennens.
Als Vorlage und Idee zur Namensgebung werden die 1921 fertiggestellt „Automobil-­Verkehr und Übung-Straße – AVUS – Berlin“ sowie die innovativen Motorsportrennen gedient haben.
Am 22. Juli 1925 wurde zum Beispiel der „Schottenring“  mit einem Motorradrennen eröffnet. Außerdem gingen am 15. und 16. August 1925 erstmalig Rennwagen an den Start des in der Folgezeit bekanntesten deutschen „Bergrennen vom Schauinsland“.
Betrachtet man die Entwicklung der Autorennbahnen im Schaustellergewerbe, kann man unweigerlich einen Bezug zur Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte im internationalen Rennsport ableiten

Baubeschreibung und Dekoration der Avus-Autobahn von Bothmann

Lang gestreckte Halle, deren Dachstuhl von einem umlaufenden Stützenkranz getragen wird. Dem recht flachen, oval geschnittenen Walmdach ist ein Oberlichtband aufgesetzt. Die verbindenden Elemente des Stützenkranzes sind in Jugendstil-Ornamentik gearbeitet und die Sockelzone ist mit einer konvex oder konkav geschwungenen Einzäunung geschlossen. Der langgestreckte Bau erinnert an Menagerien oder Gewächshäuser, so zum Beispiel auch an das Palmenhaus in Berlin-Dahlem oder das Palmenhaus Kew Gardens. Es folgten weitere Entwicklungsstufen, deren Priorität im Wandel der formalen Dekoration und der Benzinautos lag.

Avus-Autobahn des Herstellers Fritz Bothmann. 1926. Archiv Patzer

1930 baute die Firma Heinrich Mack in Waldkirch/Breisgau die erste Benzinbahn

Die Benzinbahnen der 1930er Jahre wurde später und noch heute Go-Kart-Bahn genannt. Namengebend wurden damals die bereits genannten Rennen im klassischen Motorsport. Es wurden verschiedene individuelle Modelle angeboten.

Beim Schottenring setzte Mack das Dach zurück, sodass nur das Mittelfeld überdacht war. Zwei Rundtürme oder Pilotten ragten heraus. Auf Wunsch der Bauherren wurde die Anlage mit oder ohne Dach, mit aufwendiger Dekoration oder nach dem Zweiten Weltkrieg auch als mehrstöckige Anlage gebaut.

© Margit Ramus

 

Ramus 2013. Kat. 24.
LATh-HStA Weimar, Schriftverkehr von Bothmann mit Kunden.
Alle Abbildungen in der Galerie werden mit Genehmigung der Firma Mack Rides GmbH & Co KG sowie Herrn Heinz-Werner Opitz ins Archiv eingestellt. © Mack & Opitz

 

Baranowski, Frank: Rüstungsproduktion in der Mitte Deutschlands 1929 – 1945. 2013.

2 Beiträge zu “Go-Kart-Bahn

  1. Winhart Peters

    Sehr geehrte Frau Ramus,
    ich habe noch etwas gefunden. Die beiden Fotos von Seite 24 gehören nicht in diese Rubrik, da es sich um ein „Rundkarussell“ handelt (oder besser gesagt, zwei!). Es ist die „Tarantella“. Auf dem „Aufbaufoto“ sieht man, daß es Rundkurse waren, bei dem zwei im Durchmesser unterschiedliche Karussells wie zwei Zahnräder ineinander griffen. Da sie sich gegenläufig drehten, war es immer eine aufregende Fahrt, wenn die Kabinen in vollem Tempo frontal aufeinander zurasten und genau ineinanderfaßten. Ebenso so spannend, daß es durch die unterschiedlichen Durchmesser immer jemand anders war, der einem begenete. Das untere Foto läßt diese Funktion vielleicht erkennen. Wir in Bremen durften diese Fahrten 1948, 1949 und 1950 genießen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Winhart Peters

    Antworten
    1. Margit Ramus Beitragsautor

      Sehr geehrter Herr Peters,
      danke für Ihre aufmerksame Beobachtung. Das Bild wurde entfernt und sicherlich in einem anderen Beitrag verwendet werden. Dazu sind Ihre Informationen äußerst wichtig.
      Mit freundlichen Grüßen Margit Ramus

      Antworten

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