Historische Schaustellergeschäfte A - Z

1926 Benzinbahn – Autodrom

1926 Siebolds Autodrom in Berlin © Sammlung Siebold & Pfennig
Name(n) des Geschäftes Autodrom
Typologische Bauaufgabe Fahrgeschäft
Bauform Ovaler Bau
Baujahr 1926
Hersteller Friedrich Wilhelm Siebold
Bauherr / Inhaber Friedrich Wilhelm Siebold
Baugeschichte

1926 importierte Friedrich Wilhelm Siebold einen Autoskooter aus den USA und bekam noch im gleichen Jahr einen Standplatz in Bremen auf dem Freimarkt . Siebolds lud die Volksfestbesucher zu dem neuen Autosport mit dem Aufruf ein: „Jeder sein eigener Chauffeur ohne Führerschein“. (Peters 1962. S. 129) 

Siebold entschied sich jedoch den aus der USA eingeführten Autoskooter nicht nachzubauen, sondern eine Autobahn, auf der mit Benzin angetriebene Fahrzeuge fahren konnten, ein Autodrom zu entwickeln. Auch Fritz Bothmann plante dieses neue Selbstfahrergeschäft
Im Gegensatz zum Autoskooter, wo der Spaß des Zusammenstoßens beabsichtigt war, bestand bei der neuen Autobahn der Reiz eines sportlichen Autorennens. Als Vorlage und Idee war die 1921 fertiggestellte „Automobil-Verkehrs- und Übungsstraße – AVUS – Berlin“  sowie die innovativen im Motorsportrennen gewesen.
Siebold stand schon 1927 mit seinem Autodrom auf dem Bremer Freimarkt.

1926 Autodrom – Benzinbahn

Baubeschreibung

Der Baukörper des Autodroms von Siebold glich erstaunlicherweise, der von Bothmann rausgebrachten langgestreckten Halle dessen Avus-Bahn. Bei beiden wurden der Dachstuhl von einem umlaufenden Stützenkranz getragen und dem flachen, dem ein oval geschnittenes Walmdach mit einem Oberlichtband aufgesetzt war.
Die verbindenden Elemente des umlaufenden Stützenkranzes waren in Jugendstil-Ornamentik gearbeitet und die Sockelzone mit einer konvex oder konkav geschwungenen Bezäunung geschlossen.
Auf einer umlaufenden Fahrbahn konnten mit Benzin angetriebene Rennautos gefahren werden. Die Funktionalität führte schon bald darauf zu dem Namen Benzinbahn. Später wurde dieses Geschäft auch von der Firma Heinrich Mack  mit den unterschiedlichsten Namen gebaut und unter dem Oberbegriff  Gokart-Bahn geführt.

Siebold baute mehrere Ausführungen der Benzinbahn. Der zweiten Bahn setzte er eine andere Dachform mit einer Dachkante und einem Schriftband auf. Mit dieser Geschäft soll Siebold schon ab 1926, sicher aber 1938 zum Weihnachtsmarkt in Berlin vor dem Bellevue gestanden haben.

 

Betrachtet man die Entwicklung des Bautypus der Autorennbahnen im Schaustellergewerbe von Bothmann, Siebold und Mack, kann man unweigerlich einen Bezug zur Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte im internationalen Rennsport feststellen.

Provenienz

Die Frage, wie die Abwicklung der Eigentümerverhältnisse der Geschäfte nach dem Tod von Friedrich Wilhelm Siebold im Jahre 1944 abgelaufen ist, kann nicht konkret beantwortet werden. Einige Geschäftsführer übernahmen einen Teil der Geschäfte in Eigenregie, anfangs noch unter Siebold & Herhaus, später verschwand der Name Siebold. 

Verbleib

Ist nicht bekannt.

© Margit Ramus

 

Müller, Günter: Der schöne alte Oldenburger Kramermarkt. 1982 S. 168
Dering, Volksbelustigungen, 1986, S. 119f
Thoma, Willi: Faszination Karussell- und Wagenbau Mack. Waldkirch 1988. S. 243
Siebold, Wilfried:  950 Jahre Bremer Freimarkt. Ausstellungskatalog. Hrsg. Der Senator für Bildung. Wissenschaft und Kunst.1985. S. 85-89
Gespräch mit Wilfried Siebold 110/2009 und 18.01.2010 im Markt- und Schaustellermuseum Essen.
Gespräch mit Hildegard Pfennig geb. Siebold 10/2009  und 18.01.2010 im Markt-  und Schaustellermuseum Essen.
Gespräch mit Hildegard Pfennig im März 2010 und 2017.
Alle Bilder sind aus der Privatsammlung der Familie Siebold und durften mit deren Genehmigung ins Archiv gestellt werden 
Das Bildmaterial von Froitzheim wurde von Peter Roie mit der Genehmigung von der Familie Froitzheim zur Verfügung gestellt.

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