Hersteller & Konstrukteure A - Z

0. Allgemeines zu deutschen Herstellern

Bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war die Herstellung von Karussells kein zu erlernender Berufs, sondern entwickelte sich meist aus dem Handwerk des Zimmermanns oder Stellmachers. Später kamen Konstrukteure und Ingenieure und Maler dazu.
Inzwischen wird unter dem Oberbegriff „Hersteller“ ein ganzes Team von Fachkräften, die für Planung, Gestaltung, Ausführung und Sicherheit von Karussells und anderen Volksbelustigungen zuständig sind, zusammengefasst.

Beginn des professionellen Karussellbaus im 19. Jahrhundert

Friedrich Heyn wurde bisher in fast allen erschienen Publikationen als Begründer der „deutschen Karussellbau-Industrie“ genannt. Friedrich Heyn war jedoch nicht der erste Konstrukteur von Karussells, sondern der erste und erfolgreichste Zulieferer von Karussell-Besatzungen wie Pferden, Gondeln, Kutschen und exotischen Tieren.

Ohne Zweifel ist erwiesen, dass die Gründung des deutschen professionellen Karussellbaus Fritz Bothmann zuzuschreiben ist. Bothmann begann mit dem Nachbau eines englischen Karussells in Form eines Rundbaus und entwickelte schnell das System einer Massenproduktion. Bothmanns professionelle Organisationsformen sind bis zur Gegenwart einzigartig geblieben. Er produzierte, wie sich aus dem Schriftverkehr mit internationalen Kunden und den noch nie veröffentlichten Bauzeichnungen belegen lässt, die gesamte Palette von Fahrgeschäften jener Zeit. Er führte keine persönlichen Gespräche über Form, Gestaltung oder individuelle Dekorationen eines Objektes mit den internationalen Kunden. Bothmann hat als erster die serielle Fertigung von Einzelelementen genutzt, um möglichst viele Karussells und sonstige Belustigungen herzustellen. Er verschiffte sie nach Eingang der Vertragssumme an den jeweiligen Kunden nach Übersee oder anderswo. Das bedeutet, dass Kunden im Ausland keinen Einfluss auf eine individuelle Ausstattung bestellter Fahrgeschäfte hatten. Es ist nicht bekannt, ob Bothmann seinen Kunden im deutschen Sprachraum mehr Mitwirkung bei der Gestaltung einräumte.

Im Gegensatz zu Bothmann wurde Hugo Haase Schausteller. Hugo Haase hatte nur wenige Jahre nach Bothmann sein erstes Karussell gebaut. Er konstruierte, baute und betrieb seine Schaustellergeschäfte unter eigener Regie. Er dekorierte jedes seiner Objekte mit viel Liebe zum Detail. Er verpackte seine Rundbauten in zeltähnliche Hallen und setzte aufwendig im barocken Stil gestaltete Vorhangfassaden davor.

Nach dem Zweiten Weltkrieg verlagerte sich bedingt durch die politische Situation, der Schwerpunkt der Standorte der Hersteller vom Osten in den Südwesten Deutschlands.
Wie es nach Kriegsende im Osten weiter ging wurde erst nach der Wiedervereinigung Deutschlands durch Erzählungen oder Berichte der jüngsten Zeit bekannt. 
Im Westen Deutschlands spezialisierten sich die Hersteller meist auf bestimmte konstruktive Bauformen oder sonstige Schaustellergeschäfte und – Wagen.
Marktführend für den Bau von Wohn- und Packwagen, Autoskootern, Geisterbahnen und Rundfahrgeschäften wurde Heinrich Mack. Für den Standort der Firma Mack, die sich bereits ab Ende der 1930er Jahre als Wagenbauer und Konstrukteur von Autoskooter einen Namen gemacht hatte, mag das hohe Holzvorkommen, ähnlich wie in Thüringen, nicht unbedeutend gewesen sein. Im Gegensatz zu der Massenproduktion von Bothmann erfolgte eine individuelle Absprache zwischen Bauherr, Konstrukteur, Bildhauer und Maler.

So hielt es auch Kaspar Klaus, der jedoch die Stückzahl seiner hydraulischen Karussells auf geringe Mengen eingrenzte. Die dekorative Gestaltung seiner Skelettbauten wurde oft individuell vom Bauherrn bei Fremdfirmen in Auftrag gegeben.

Anton Schwarzkopf spezialisierte sich auf Achterbahnen und sonstige schienengebundene Fahrgeschäfte.

Josef Hennecke wurde in der frühen zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts marktführend im Bau von Kinderkarussells, die ihre Vorbilder in den Originalbauzeichnungen von Fritz Bothmann fanden.

Josef Zierer wird in der Schaustellerbranche mit der Konstruktion von Wellenfliegern in Verbindung gebracht. Er wandte sich in den 1970er Jahren dieser konstruktiven Bauform und einem Dekorationsstil zu, welche bereits in den Gründungsjahren des Karussellbaus Verwendung gefunden hatten.

Heinrich Huss ist der erste, der seine Karusselltypen wieder seriell herstellte und oft Innovationen erst nach Fertigstellung der Planung den Kunden anbot.

Willi Dietz dagegen praktiziert bis zur Gegenwart die thematische Fassadengestaltung seiner Lauf- und Belustigungsgeschäfte nach den individuellen Wünschen seiner Auftraggeber.

© Margit Ramus

Ramus 2013.  
Orschel, Rolf, Schausteller und Volksfeste der DDR. In: Kirmes Special, 2007.

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